Ich cashe mal meinen Einsatz auf Obama aus (eine Einheit, Quote 301, gesetzt am 04.03.). Bet365 bietet mir dafür genau die gesetzte Einheit, obwohl die Quote jetzt ein gutes Stück darunter liegt, aber was soll’s. Ich würde auch Warren auscashen, aber das bietet Bet365 nicht an, vermutlich, weil die Wette auf Warren zurzeit auch gar nicht mehr im Angebot ist.
Der Hintergrund dieser Wette war ja die Überlegung, meinen Tipp auf Biden absichern zu wollen, falls der kurzfristig ausfällt und noch nicht den VP-Kandidaten benannt hat. In so einer Situation würde man sich wohl nach einer Alternative umschauen, die für alle Flügel akzeptabel ist und hohe Siegchancen hat. Michelle Obama würde das leisten, auch wenn sie offenbar null Ambitionen hat. In der jetzigen Situation würde es für den Fall, dass Biden kurzfristig ausfällt aber eher auf einen Gouverneur hinauslaufen, der gerade an Profil gewinnt. Cuomo wäre da der heißeste Kandidat, aber auch Newsome, eventuell Inslee kämen infrage. Corona wirbelt halt gerade viel durcheinander. Obama halte ich im Gang der Ereignisse jetzt nicht mehr für eine ernsthaft denkbare Option und sacke den Einsatz lieber wieder ein.
Ansonsten: im Grunde tut sich gerade nicht sehr viel, zumindest was die Wetterei angeht, zumindets kann man wenig mit Bestimmtheit sagen. Im kurzen Überblick …
Sanders hat aufgegeben, was die Quoten auf Biden aber zurecht so gut wie nicht bewegt. Es war schon seit Wochen klar, dass Biden das Ding zieht und Sanders hat einmal mehr gezeigt, dass er ein egozentrischer Idiot ist. Wäre er drei Wochen vorher ausgestiegen, hätte er einen viel besseren Hebel gehabt noch irgendwas herauszuholen (Personalentscheidungen, Programmpunkte).
Grundsätzlich wäre ich geneigt, eine der drei Einheiten auf Biden auszucashen, weil da nunmal das Risiko besteht, dass aus irgendwelchen Gründen doch noch etwas schiefgeht, ein Skandal, ein blöder Fehltritt, ein gesundheitliches Problem sowas halt. Aber Bet bietet mir derzeit nur 6 an, bei einer 17er-Quote, und das scheint mir etwas mager.
Mit meinen beiden fetten Einsätzen auf die Demokraten (kandidatenunabhängig jeweils 5 Einheiten) und auf „Trump weniger als 45% der Stimmen“ bin ich aber immer noch recht glücklich. Trump hatte einen kurzfristigen Uptick in den Umfragen, weil sich in Krisenzeiten eben immer alle zum Präsidenten hin orientieren. Das Erstaunliche war deshalb nicht, dass seine Zustimmungswerte gestiegen sind, sondern dass sie so wenig und so wenig andauernd gestiegen sind. Inzwischen ist wieder alles beim alten und in der Tendenz geht es jetzt sogar etwas nach unten. Mal schauen, ob sich dieser Negativtrend verstetigt. Ohne dass das zynisch klingen soll, die Daten schauen so aus, als würde sich das erst einmal ins Negative entwickeln, sollte es noch mehr Schwerkranke und Tote geben und die Wirtschaft weiter massiv und dauerhaft den Bach runtergehen. Deshalb würde ich diese Wetten zu den Quoten von vor ein paar Wochen und zu denen von heute auch sofort wieder spielen. Bis zum 3.11. ist es noch lange und es wird noch unfassbar viel passieren, aber die grundsätzliche Dynamik schaut nicht gut aus für Trump (äh, bitte nicht missverstehen, ist echt nicht zynisch gemeint).
Ich finde, in solchen Situationen sieht man auch, was für ein unglaublicher Pflaumenaugust der Typ wirklich ist. Solche Krisen sind für Präsidenten eigentlich leichte Schüsse, man muss das nur ernst nehmen, ein wichtiges Gesicht aufsetzen und das tun, was die Experten einem raten. Obama hat seine Wiederwahl auch seinem guten Krisenmanagement während der Wirbelstürme kurz vor der Wahl zu verdanken, selbst George W. hat durch 9/11 an Statur und in der Folge die Wahl gewonnen. Trump dagegen redet Unsinn, gibt medizinische Ratschläge und freut sich öffentlich über seine Einschaltquoten. Der denkt wirklich nicht für einen Groschen über den Augenblick hinaus.
Wie gesagt, auf die Demokraten zu setzen und Trump unter 45% bzw. (sehr sehr klein) unter 40% finde ich immer noch spielbar. Man muss sagen, dass sich die Spielregeln über die Jahrzehnte etwas geändert haben und die Zustimmung zu den Kandidaten sich ein Stück weit von den tatsächlichen Ereignissen entkoppelt haben. Aber dennoch sehe ich mehr Gründe dafür, dass Trump 1,5 Prozentpunkte unter seinem Stimmenanteil von 2016 bleibt als dagegen. Eine Quote von 4 hat da meiner Meinung nach immer noch value, bis ich selbst ncohmal nachlege schaue ich aber, wie sich der Trend entwickelt. Bei Bwin gibt es außerdem eine Quote von 1,4 darauf, dass die Demokraten die Popular Vote gewinnen, also in absoluten Zahlen mehr Stimmen bekommen als die Demokraten. Das ist in 5 der letzten 6 Wahlen so gewesen, und ich sehe wie gesagt im Augenblick deutlich mehr Argumente, die das untermauern, die wirtschaftliche Entwicklung, das Krisenmanagement, die vermutlich größere Bedeutung der Briefwahl und anderes. Auf der anderen Seite, hey, es ist immer noch Amerika! Sie haben Bush II und Trump gewählt, Biden ist ne Pappnase, es gibt 1000 Möglichkeiten das Ding zu manipulieren. Ob man da in der Abwägung langfristig auf eine 1,4er-quote setzen mag, muss jeder selbst entscheiden – ich habe es (noch) nicht getan, aber es ist eine der wenigen interessanten Wetten derzeit, meiner Meinung nach.
Was den VP-Kandidaten bzw. in dem Fall die Kandidatin angeht, bin ich etwas spät dran. Ich habe das die ganze Zeit verfolgt, war aber zu bequem da mal was zu schreiben und gute Quoten sind da jetzt futsch. Die Top-Favoritinnen sind da Kamala Harris, Amy Klobuchar und Gretchen Whitmer, und mit weitem weitem Abstand vielleicht Warren, Lujan Grisham, Cortez Masto oder Tammy Duckworth, aber das würde mich schon sehr wundern.
Ich bin sicher, dass Biden jemanden auswählt, von dem man annehmen kann, dass sie sofort das Amt übernehmen kann. Es gibt den alten Spruch, das Vizepräsidentenamt sei weniger wert als ein Eimer warmer Pisse. Das stimmt auch normalerweise, wenn der Präsident aber 77 Jahre alt ist und vermutlich keine Wiederwahl anstrebt, dann ist das VP-Amt schon mehr als ein Fuß in der Tür ins Oval Office. Deshalb bin ich sicher, dass es die hoch gehandelte Stacey Abrams nicht wird, hat keinerlei Regierungserfahrung, also kann sie nicht glaubwürdig vertreten, von jetzt auf gleich einspringen zu können. Harris, Klobuchar und Whitmer könnten das wegen ihrer Senats- bzw. Gouverneurserfahrung. Harris wäre die passende Wahl wenn Biden versucht, die alte Obama-Koalition wieder zu beleben, also vor allem auf die Minderheiten setzt. Außerdem hat Clyburn, dem Biden im wesentlichen seine Auferstehung verdankt eine farbige Kandidatin verlangt. Mein Bauchgefühl sagt mir aber, dass Biden davon ausgeht, die Minderheiten auch so schon ausreichend mobilisieren zu können und stattdessen versuchen wird den Mittleren Westen klarzumachen. Da wäre Klobuchar eine Hilfe, mit Whitmer hätte er Michigan so gut wie sicher. Die Quote auf Klobuchar ist meines Erachtens nicht mehr spielbar (je nachdem zwischen 3,5 und 5), zumindest kein value mehr. Whitmer ist kontinuierlich gesunken, von 26 über 17, auf 11, bei Bwin nunmehr nur noch 5. Whitmer hat im Zuge des Corona-Handlings sehr an Statur gewonnen. Ich würde mich allein schon freuen, weil’s so lustig wäre wenn die VP Gretchen heißt. Aber ob man zu 5 noch setzen sollte?
Bwin bietet auch 2,75 dafür an, dass die Demokraten Präsidentschaft, House und Senat gewinnen, wobei hier die größte Hürde der Senat ist. Da sind die Chancen deutlich gestiegen, wenn man davon ausgeht, dass die beiden Sitze in Georgia im Spiel sind, weil die dortigen Senatoren zufällig kurz nach ihren Sicherheitsbriefings Aktien verkauft haben. Aber unter dem Strich ist das trotzdem viel zu anspruchsvoll für die Demokraten, den Senat zu gewinnen wird echt anstrengend und ungewiss. Nicht unmöglich, aber zu 2,75 würde ich es nicht spielen.
Gegenwärtiger Stand:
Gesamtbilanz:
Verloren: 0,6 + 5 + 5 = 10,6 Einheiten
Gewonnen: 6 + 3 + 2,7 = 11,7 Einheiten
Gegenwärtiger Stand also: +1,1 Einheiten
Noch offen 20 Einheiten:
5 (Sieg Demokraten zu 2,2, gesetzt am 9.2.) +
3 (Präsidentschaft Biden zu 17, gesetzt am 26.2.) +
2 x 1 (Warren wird Kandidatin zu 101 und Haley wird Präsidentin zu 301, gesetzt am 4.3.) +
5 (Sieg Demokraten zu 2,05, gesetzt am 10.03.) +
5 (4 Einheiten Trump erreicht 40-45% der Stimmen zu 4 bzw. eine Einheit weniger als 40% zu 11, gesetzt am 18.3.)