So, Zeit für ein Zwischenfazit, um mal zu bestimmen, wo wir gerade stehen.
Die Wahlen in Iowa und New Hampshire sind für Bloomberg bilderbuchmäßig gut gelaufen. Wenn Team Bloomberg sich ein Ergebnis hätte aussuchen dürfen, dann genau das, denke ich. Ich halte Bloomberg immer noch für die wahrscheinlichste Option, aber das Lustige ist, dass im Augenblick nichts klar und eine ganze Menge Dinge möglich sind. In vier Monaten wird uns die Entwicklung der nächsten vier Wochen vollkommen offensichtlich erscheinen, aber im Augenblick heißt es „all bets are off“.
Gehen wir mal die Kandidaten durch.
Bloomberg
Seit der ersten Erwähnung / Empfehlung Ende November bis heute ist seine Quote ordentlich gesunken, damals ca. 23, ausdrücklich empfohlen habe ich zu 8, gegenwärtig sind es 5,5, war schonmal auf 5 runter (jeweils für „wird Präsident“, nicht für „wird Kandidat“, da sind die Kurse also entsprechend niedriger. Wer will, kann sich also schon lange mit Gewinn rauskaufen. Für Bloomberg sind alle Konstellationen günstig, in denen Sanders stark ist, aber nicht zu stark, Warren einigermaßen schwach ist und von den Moderaten (Biden, Buttigieg, Klobuchar, eventuell noch Steyer) niemand eindeutig heraussticht. Und genau das ist der Fall zurzeit.
Biden scheint tatsächlich einzuknicken gerade, Buttigieg ist der Mann der Stunde, aber mit fraglichen Chancen in Nevada und South Carolina, bei Klobuchar sieht es ganz ähnlich aus. Wenn dieses Szenario auch am 2.3. noch steht, also am Tag vor dem Super-Tuesday, dann ist Bloomberg für mich der Top-Favorit. Der beschallt gerade die Super-Tuesday-Staaten 24/7 hat Leute und Organisation am Start, so dass es ausreichen sollte im Schnitt 30% zu holen.
Bloombergs dickes Pfund ist, dass ihm jeder zutraut Trump zu schlagen, und das ist numal das mit Abstand wichtigste Thema für die meisten Demokraten, das zeigen alle Befragungen. Da wird man es auch hinnehmen, dass er schonmal Republikaner war und nicht in allen Punkten den Reinheitstest besteht. Es wird ihm natürlich von den Gegenkandidaten negativ ausgelegt, dass er Kohle bis zum Anschlag hat und den teuersten Wahlkampf aller Zeiten von dem Geld finanzieren kann, das er in seiner Sofaritze findet. Andererseits weiß jeder, dass genau das der zentrale Vorteil ist, der kann sich eben einfach die Organisation und die Medienzeiten kaufen, die es braucht um Trump in jedem Staat unter Druck zu setzen. Außerdem strahlt er als erfolgreicher weißer Geschäftsmann mit konservativem Hintergrund weit in das konservative Lager hinein und ist für die Midwesterner wählbar. Als Jude dürfte er zudem auch Vorteile in Florida mit seinem großen jüdischen Bevölkerungsanteil haben. Etwas Vorsicht ist allerdings angebracht. Es war absehbar, dass jetzt auch Material auftaucht, das gegen ihn verwendet wird. Es gibt Mitschnitte und Zeugenaussagen, die ihn in Punkto Rassismus und Sexismus etwas ins schlechte Licht rücken. Wie nachhaltig das wirkt, wird man sehen. In der General dürfte das kaum ein Nachteil sein, aber jetzt in den Vorwahlen hat das schon eine schlechte Optik.
Biden
Biden ist in Iowa und in New Hampshire völlig untergegangen. Sieht echt nicht gut aus für Uncle Joe. Man weiß nicht so recht, wie sich das jetzt in Nevada und South Carolina auswirkt, wo er mal haushoher Favorit war. Wenn er auch da nicht sehr überzeugend gewinnt, dann kann er eigentlich schon einpacken, dann werden sich alle, die in erster Linie Trump schlagen wollen (also fast alle) nach einem neuen Kandidaten umschauen. Andererseits, wenn Bloomberg wegen der aktuellen Vorwürfe doch stärker Schaden nimmt und er in Nevada knapper Zweiter und in South Carolina überzeugend Erster wird, ist sogar für Biden alles wieder drin. Glaube ich nicht dran, aber durchaus möglich. Aktueller Kurs bei Bet ist 21. Kann man zum Absichern bestimmt mal klein einpacken (habe ich selbst nicht getan).
Buttigieg
Buttigieg hat bisher die Erwartungen ein Stück übertroffen. In Iowa zu gewinnen und in New Hampshire sehr knapp Zweiter zu werden, gibt natürlich Rückenwind. Zusammen mit dem Implodieren von Bidens Kampagne gibt es jetzt wohl einige, die in ihm den moderaten Kandidaten sehen. Die Frage ist, kann er das Momentum mit nach Nevada und South Carolina tragen, wo er auf eine Bevölkerungsstruktur mit hohem Minoritätenanteil trifft – nach allem, was man zurzeit weiß wohl eher nicht. Schade, ein Buttigieg ein bisschen erfahrener, viel weniger schwul und ein etwas mehr Schlag bei Afroamerikanern und Latinos, wäre wohl ein guter Kandidat. Aktueller Kurs 26 – kann man zur Absicherung mal ein bisschen drauf setzen.
Klobuchar
Die hatte ich bis jetzt noch nicht so richtig auf dem Schirm, aber sie ist ein zähes Stück und zieht gerade im richtigen Moment an – was natürlich wiederum mit Bidens Schwäche zu tun hat. Für sie gilt fast das gleiche wie für Buttigieg, kommt aus dem mittleren Westen, gilt als moderat und gut wählbar für Leute aus Wisconsin usw. Und anders als Buttigieg ist sie nicht schwul und als erfahrene Senatorin bringt sie auch etwas politisches Gewicht mit. Allerdings ist sie nicht sehr charismatisch und eloquent Dennoch, wenn Biden nicht wieder zurückkommt, Bloomberg durch die aktuelle Debatte zu beschädigt wird und Buttigieg sich nicht durchsetzen kann, dann läuft viel auf Klobuchar als Kompromisskandidatin des moderaten Lagers hinaus. Bei Bet zurzeit 41, als Spekulation durchaus ein paar Mark wert.
Warren
Hatte ich ja zwischendurch mal wesentlich stärker eingeschätzt (zu der Zeit als Sanders seinen Herzinfarkt hatte), aber sie ist genauso abgeschmiert wie Biden. Anscheinend hat Sanders sich durchgesetzt, was das progressive Lager angeht. Trotzdem, auch für Warren ist noch nicht alles vorbei. Sie steht immer noch bereit, falls die Demokraten schließlich auf der Suche sind nach einer Kandidatin, die die Flügel vereinen kann. Bis zum Super Tuesday sind auch noch zwei Debatten, mal schauen was da passiert. Bei Bet gibt es allen Ernstes 101, was dann doch etwas übertrieben ist. Sollte man small mal ein bisschen einpacken, sehr spekulativ natürlich, aber durchaus möglich.
Sanders
Sanders hat in Iowa als Zweiter und in New Hampshire als Erster abgeschlossen Klingt gut, ist tatsächlich aber relativ schwach. Er hat in beiden Fällen deutlich schlechter abgeschnitten als vorhergesagt war. In New Hampshire hat er nur knapp gewonnen, obwohl das sein Nachbarstaat ist. Die Schlussfolgerung ist, dass Sanders zwar eine sehr enthusiastische Fanbase hat, aber da ist nach oben auch eindeutig ein Deckel drauf, so ungefähr bei 25-30%. Und eine ganze Menge Leute wollen jeden nur nicht Sanders, können sich aber bis jetzt nicht einigen, wer denn der Kandidat sein soll. Das Ding ist, sobald man sich auf einen Kandidaten geeinigt hat, dann steht es 70:30 und Sanders ist weg vom Fenster. Wenn das aber nicht passiert, und bis jetzt ist das Feld so fraktioniert, dass eben jeder Kandidat noch berechtigte Hoffnungen haben kann, dann schliddert Sanders als Stärkster unter Schwachen zur Nominierung. Das ist haargenau das Ding, mit dem Trump vor vier Jahren Kandidat geworden ist. Da hatte Trum auch einen Deckel nach oben, aber die Erwachsenen unter der Republikanern konnten sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen, und irgendwann war’s dann halt vorbei.
Man wird sehen, ob vor dem Super Tuesday noch jemand aussteigt (Biden?) und wen der dann empfiehlt, wer sich wie bei den Debatten schlägt (an denen zum ersten mal auch Bloomberg teilnimmt, der kein großer Charismatiker ist) und was nach dem Super-Tuesday passiert. Meine persönliche Reihenfolge ist derzeit Bloomberg, Klobuchar, Sanders, Buttigieg, Warren, Biden, aber am 4.3. sind wir deutlich schlauer.