Mexiko - Deutschland
Lincoln Financial Field (Philadelphia)
Mittwoch 2:00 Uhr
Weiter geht es für die Nationalelf im zweiten Test bei der USA-Reise in Philadelphia, Testgegner ist kein geringes Team als Mexiko.
Nach dem gelungenen Auftakt für Nagelsmann, manche sprachen sogar von einem Traumstart, so weit würde ich aber ganz sicher nicht gehen, haben die Spieler unter der ersten Leitung des neues Bundestrainers massiv an Sympathien zurückgewonnen. Wie 11Freunde - Tobi richtig registriert hat, haben sich viele Menschen wieder seit langem bewusst vor der Glotze versammelt und sind letztlich mit einem guten Auftritt der Deutschen belohnt worden. Die Fußballwelt scheint wieder ein wenig heiler zu sein und man schaut sogar leicht optimistisch nach vorne in Richtung EM - könnte da doch noch was gehen?
Nagelsmann hat jedenfalls in kürzester Zeit wie von mir erwartet dem Team neues Leben eingehaucht. Füllkrug hat in einem Interview nochmal erwähnt, wie sehr er beeindruckt ist von Nagelsmanns natürlicher Autorität, die keine gekünstelte sei, Musiala und Wirtz schwärmen voneinander, man fragt sich, warum beide zum ersten Mal von Beginn an aufliefen. Der Aufbau von hinten raus, von Tobias Escher lobenswert erwähnt, kann sich sehen lassen und letztlich hätte der Sieg noch höher ausfallen können, aber auch die Amerikaner hatten hier und dort ihre Chancen. Man darf nicht vergessen: Die USA stehen aktuell vor D in der Weltrangliste, das war kein leichter Gegner und nach Rückstand dann eindrucksvoll zurückzukommen, ist schon stark. Auffallend, dass ich den Eindruck habe, dass es ohne Kimmich irgendwie besser läuft. Toll, dass Musiala getroffen hat, Füllkrug ebenso, Führich durfte noch ran, vieles kam exakt so, wie ich das erhofft hatte.
Gegen Mexiko erwarte ich eine hochkonzentrierte Partie. Nagelsmann gibt den Spielern kaum eine Verschnaufpause, das Programm hat es in sich, dann wartet ja auch schon wieder die Bundesliga. Deutschland hatte in Halbzeit zwei die US-Boys gut im Griff, erarbeitete sich weitere Chancen. Ich sehe nicht, warum gegen Mexiko keine ähnliche Partie zu erwarten sein soll.
Die Mexikaner sind aktuell nicht so stark, wie sie zu ihren Spitzenzeiten waren aber auch sie stehen im Leistungsindex aktuell vor Deutschland auf Rang 12, einen Rang hinter der USA. Damit kann man sie recht ähnlich stark einschätzen, auch wenn sie natürlich vom Spiel her anders daherkommen. Die Gruppenphase bei der WM lief äußerst bescheiden für die Mexikaner, niemals hätten sie aber noch hinter Polen ausscheiden dürften, sie haben den deutlich besseren Fußball gespielt aber waren gegen Argentinien glücklos und konnten ihre drückende Überlegenheit gegen Polen in kein Tor ummünzen.
Das Ausscheiden in der Gruppenphase wurde als große Katastrophe wahrgenommen, nachdem man zuvor sieben mal in Folge immer mindestens das Achtelfinale erreichen konnte! Mexiko hat seinerzeit sofort reagiert, schnell den Reset-Knopf gedrückt, 'Tata' ging unmittelbar nach der WM und man installierte dann mit Diego Cocca, noch im Februar einen weiteren Argentinier als Coach. Weil er aber mit dem Team auf keinen gesunden Nenner kam und die Leistungen nicht wirklich gut waren, besiegelte ein 0:3 beim Concacaf Nations League HF gegen die USA im Juni nach rund vier Monaten bereits schon wieder sein Aus. Man gewann das Spiel um Platz 3 gegen Panama noch 1:0, danach war für Cocca Schluss.
Jaime Lozano eine interessante und relativ unverbrauchte Persönlichkeit wurde anschließen auf den Trainerstuhl berufen, zunächst als Interimscoach. Unter Lozano gewann man im Juli 2023 den Gold Cup, was für viele als eine kleine Versöhnung angesehen wurde und er wurde schließlich mit einer festen Verpflichtung belohnt. Die einzige Niederlage unter ihm musste man in der Gruppenphase im Cold Cup gegen Katar hinnehmen, die sich in den Cup eingekaut hatten, das Spiel war aber total einseitig und die Mexikaner vergaben zahlreiche Möglichkeiten. Große Gegner hatte man unter Lozano bisher nicht wirklich. Im GC siegte man zu Null gegen Costa Rica, Jamaica und im Finale gegen Panama. Dann spielte man zwei friendlies gegen Australien (2:2) und Uzbekistan (3:3) sowie gegen Ghana (2:0).
Mexiko ist also gerade alles andere als konstant und gefährlich oder großartig eingespielt. Aber seit Lozanos Übernahme als Trainer weht ein frischer Wind, zudem wurden mit Rafael Marquez, Carles Puyol und Fernando Hierro drei Legenden in das Beraterteam gerufen, auch der Sportdirektor wurde ausgetauscht. Seit Herrera 2013 ist Lozano der erste mexikanische Coach auf dem Trainerstuhl, man erhofft sich von ihm viel, was man so hört.
Hinten hütet Ochoa immer noch das Tore. Die Verteidigung kann sich zwar sehen lassen (u.a. Sanchez, Montes, Gallardo), besteht aber nicht aus Topspielern, sondern eher durchschnittlichen Verteidigern aktuell, die teilweise in Mexiko oder in Europa ihr Geld verdienen. Topmann im DF ist West Hams Edinson Alvarez, der wirklich ein klasse Spieler ist. Julian Araujo, Diego Lainez und Efrain Alvarez sind weitere interessante Spieler.
In der Spitze hat man mit dem Namensvetter des Trainer Hirving Lozano und Santiago Gimenez meines Erachtens auf jeden Fall zwei ordentliche Trümpfe. Gimenez spielt bei Feyenoord aktuell groß auf, hat in acht Spielen bereits 12 Tore erzielt und ist mit 22 Jahren die große Hoffnung in Front. Hirving Lozano spielt ebenfalls in Holland bei PSV kommt aber vor allem variabel über die Außen und hat sich vor allem bei Neapel einen Namen gemacht. Mit 114 Toren und 72 Vorlagen(!) in 389 Spielen hat er in Mexiko (Pachuca), Italien und Holland sowie in der Nationalmannschaft seine Spuren hinterlassen, ein Topspieler etwas im Schatten der großen Namen.
Die traditionell große Erwartungshaltung in Mexiko, die seit der WM eine turbulente Zeit und zwei Neuanfänge in der Organisation und im Trainerstab hinter sich haben, machen das Aufeinandertreffen mit Deutschland, die sich ebenfalls im Aufbruch befinden, sehr spannend. Die Mexikaner haben immer großen Respekt vor Deutschland gehabt und umgekehrt aber auch. Das letzte Aufeinandertreffen bei der WM 2018 dürften die Deutschen in böser Erinnerung haben. 20 Jahre zuvor traf man sich 1998 in Frankreich im AF, dort gewann Deutschland knapp mit 2:1.
Was kann man hier erwarten? Ich denke, beide Teams sind durch Aufbruchsstimmungen angeheizt und beide Trainer brauchen diese Testspiele unbedingt, um die kurze Vorbereitungszeit für die Copa bzw. EM nutzen zu können. Das sollte ein sehr seriöser Kick werden, die Mexikaner werden das sehr ernsthaft angehen.
Nagelsmann wird Mittel und Wege finden die Spielfreude aus dem USA-Kick in diese Partie zu transportieren, da bin ich mir sicher. Die Abwehr der Mexikaner ist nicht so besonders aktuell, Australien und Uzbeskistan durften mehrmals treffen. Die Leidenschaft, Energie und Geschlossenheit ist bei den Mexikanern aber immer da, da gilt es wirklich dagegenzuhalten. Topleute wie Alvarez, Lozano und Gimenez sowie einige junge Talente können den Deutschen auf jeden Fall gefährlich werden. Man spielt auf amerikanischem Boden und nicht weit weg (relativ gesehen), die Mexikaner werden hier einen kleinen atmosphärischen Vorteil haben. Es wird aber sicher viele Fans und Sympathien auf für die Deutschen geben.
Ich erwarte hier ein ähnliches Spiel wie gegen die USA, nur das die Mexikaner kompakter sein werden und mehr den Ballbesitz spielen werden als die Amerikaner. Aber 90 Minuten lange werden sie die Deutschen nicht verteidigen können und umgekehrt glaube ich einfach nicht an ein zu-Null gegen Mexiko in den USA, das passt irgendwie nicht. Mir gefallen hier definitiv wieder die Tore, beide Teams sind motiviert, brauchen Testeindrücke und es ist auch immer ein gewisses Prestige zwischen beiden Nationen. Deutschland will weitere Widergutmachung und beim Publikum Punkte sammeln. Mit dem Personal und den Spielern aktuell vor allem in der Offensive sollte auch gegen Mexiko genug Spielfreude vorhanden sein.
Ich rechne hier fest mit drei bis vier Toren und beide treffen. Mal schaun was noch so Sinn macht.
over 2.75 1.80 pin 6/10
Lincoln Financial Field (Philadelphia)
Mittwoch 2:00 Uhr
Weiter geht es für die Nationalelf im zweiten Test bei der USA-Reise in Philadelphia, Testgegner ist kein geringes Team als Mexiko.
Nach dem gelungenen Auftakt für Nagelsmann, manche sprachen sogar von einem Traumstart, so weit würde ich aber ganz sicher nicht gehen, haben die Spieler unter der ersten Leitung des neues Bundestrainers massiv an Sympathien zurückgewonnen. Wie 11Freunde - Tobi richtig registriert hat, haben sich viele Menschen wieder seit langem bewusst vor der Glotze versammelt und sind letztlich mit einem guten Auftritt der Deutschen belohnt worden. Die Fußballwelt scheint wieder ein wenig heiler zu sein und man schaut sogar leicht optimistisch nach vorne in Richtung EM - könnte da doch noch was gehen?
Nagelsmann hat jedenfalls in kürzester Zeit wie von mir erwartet dem Team neues Leben eingehaucht. Füllkrug hat in einem Interview nochmal erwähnt, wie sehr er beeindruckt ist von Nagelsmanns natürlicher Autorität, die keine gekünstelte sei, Musiala und Wirtz schwärmen voneinander, man fragt sich, warum beide zum ersten Mal von Beginn an aufliefen. Der Aufbau von hinten raus, von Tobias Escher lobenswert erwähnt, kann sich sehen lassen und letztlich hätte der Sieg noch höher ausfallen können, aber auch die Amerikaner hatten hier und dort ihre Chancen. Man darf nicht vergessen: Die USA stehen aktuell vor D in der Weltrangliste, das war kein leichter Gegner und nach Rückstand dann eindrucksvoll zurückzukommen, ist schon stark. Auffallend, dass ich den Eindruck habe, dass es ohne Kimmich irgendwie besser läuft. Toll, dass Musiala getroffen hat, Füllkrug ebenso, Führich durfte noch ran, vieles kam exakt so, wie ich das erhofft hatte.
Gegen Mexiko erwarte ich eine hochkonzentrierte Partie. Nagelsmann gibt den Spielern kaum eine Verschnaufpause, das Programm hat es in sich, dann wartet ja auch schon wieder die Bundesliga. Deutschland hatte in Halbzeit zwei die US-Boys gut im Griff, erarbeitete sich weitere Chancen. Ich sehe nicht, warum gegen Mexiko keine ähnliche Partie zu erwarten sein soll.
Die Mexikaner sind aktuell nicht so stark, wie sie zu ihren Spitzenzeiten waren aber auch sie stehen im Leistungsindex aktuell vor Deutschland auf Rang 12, einen Rang hinter der USA. Damit kann man sie recht ähnlich stark einschätzen, auch wenn sie natürlich vom Spiel her anders daherkommen. Die Gruppenphase bei der WM lief äußerst bescheiden für die Mexikaner, niemals hätten sie aber noch hinter Polen ausscheiden dürften, sie haben den deutlich besseren Fußball gespielt aber waren gegen Argentinien glücklos und konnten ihre drückende Überlegenheit gegen Polen in kein Tor ummünzen.
Das Ausscheiden in der Gruppenphase wurde als große Katastrophe wahrgenommen, nachdem man zuvor sieben mal in Folge immer mindestens das Achtelfinale erreichen konnte! Mexiko hat seinerzeit sofort reagiert, schnell den Reset-Knopf gedrückt, 'Tata' ging unmittelbar nach der WM und man installierte dann mit Diego Cocca, noch im Februar einen weiteren Argentinier als Coach. Weil er aber mit dem Team auf keinen gesunden Nenner kam und die Leistungen nicht wirklich gut waren, besiegelte ein 0:3 beim Concacaf Nations League HF gegen die USA im Juni nach rund vier Monaten bereits schon wieder sein Aus. Man gewann das Spiel um Platz 3 gegen Panama noch 1:0, danach war für Cocca Schluss.
Jaime Lozano eine interessante und relativ unverbrauchte Persönlichkeit wurde anschließen auf den Trainerstuhl berufen, zunächst als Interimscoach. Unter Lozano gewann man im Juli 2023 den Gold Cup, was für viele als eine kleine Versöhnung angesehen wurde und er wurde schließlich mit einer festen Verpflichtung belohnt. Die einzige Niederlage unter ihm musste man in der Gruppenphase im Cold Cup gegen Katar hinnehmen, die sich in den Cup eingekaut hatten, das Spiel war aber total einseitig und die Mexikaner vergaben zahlreiche Möglichkeiten. Große Gegner hatte man unter Lozano bisher nicht wirklich. Im GC siegte man zu Null gegen Costa Rica, Jamaica und im Finale gegen Panama. Dann spielte man zwei friendlies gegen Australien (2:2) und Uzbekistan (3:3) sowie gegen Ghana (2:0).
Mexiko ist also gerade alles andere als konstant und gefährlich oder großartig eingespielt. Aber seit Lozanos Übernahme als Trainer weht ein frischer Wind, zudem wurden mit Rafael Marquez, Carles Puyol und Fernando Hierro drei Legenden in das Beraterteam gerufen, auch der Sportdirektor wurde ausgetauscht. Seit Herrera 2013 ist Lozano der erste mexikanische Coach auf dem Trainerstuhl, man erhofft sich von ihm viel, was man so hört.
Hinten hütet Ochoa immer noch das Tore. Die Verteidigung kann sich zwar sehen lassen (u.a. Sanchez, Montes, Gallardo), besteht aber nicht aus Topspielern, sondern eher durchschnittlichen Verteidigern aktuell, die teilweise in Mexiko oder in Europa ihr Geld verdienen. Topmann im DF ist West Hams Edinson Alvarez, der wirklich ein klasse Spieler ist. Julian Araujo, Diego Lainez und Efrain Alvarez sind weitere interessante Spieler.
In der Spitze hat man mit dem Namensvetter des Trainer Hirving Lozano und Santiago Gimenez meines Erachtens auf jeden Fall zwei ordentliche Trümpfe. Gimenez spielt bei Feyenoord aktuell groß auf, hat in acht Spielen bereits 12 Tore erzielt und ist mit 22 Jahren die große Hoffnung in Front. Hirving Lozano spielt ebenfalls in Holland bei PSV kommt aber vor allem variabel über die Außen und hat sich vor allem bei Neapel einen Namen gemacht. Mit 114 Toren und 72 Vorlagen(!) in 389 Spielen hat er in Mexiko (Pachuca), Italien und Holland sowie in der Nationalmannschaft seine Spuren hinterlassen, ein Topspieler etwas im Schatten der großen Namen.
Die traditionell große Erwartungshaltung in Mexiko, die seit der WM eine turbulente Zeit und zwei Neuanfänge in der Organisation und im Trainerstab hinter sich haben, machen das Aufeinandertreffen mit Deutschland, die sich ebenfalls im Aufbruch befinden, sehr spannend. Die Mexikaner haben immer großen Respekt vor Deutschland gehabt und umgekehrt aber auch. Das letzte Aufeinandertreffen bei der WM 2018 dürften die Deutschen in böser Erinnerung haben. 20 Jahre zuvor traf man sich 1998 in Frankreich im AF, dort gewann Deutschland knapp mit 2:1.
Was kann man hier erwarten? Ich denke, beide Teams sind durch Aufbruchsstimmungen angeheizt und beide Trainer brauchen diese Testspiele unbedingt, um die kurze Vorbereitungszeit für die Copa bzw. EM nutzen zu können. Das sollte ein sehr seriöser Kick werden, die Mexikaner werden das sehr ernsthaft angehen.
Nagelsmann wird Mittel und Wege finden die Spielfreude aus dem USA-Kick in diese Partie zu transportieren, da bin ich mir sicher. Die Abwehr der Mexikaner ist nicht so besonders aktuell, Australien und Uzbeskistan durften mehrmals treffen. Die Leidenschaft, Energie und Geschlossenheit ist bei den Mexikanern aber immer da, da gilt es wirklich dagegenzuhalten. Topleute wie Alvarez, Lozano und Gimenez sowie einige junge Talente können den Deutschen auf jeden Fall gefährlich werden. Man spielt auf amerikanischem Boden und nicht weit weg (relativ gesehen), die Mexikaner werden hier einen kleinen atmosphärischen Vorteil haben. Es wird aber sicher viele Fans und Sympathien auf für die Deutschen geben.
Ich erwarte hier ein ähnliches Spiel wie gegen die USA, nur das die Mexikaner kompakter sein werden und mehr den Ballbesitz spielen werden als die Amerikaner. Aber 90 Minuten lange werden sie die Deutschen nicht verteidigen können und umgekehrt glaube ich einfach nicht an ein zu-Null gegen Mexiko in den USA, das passt irgendwie nicht. Mir gefallen hier definitiv wieder die Tore, beide Teams sind motiviert, brauchen Testeindrücke und es ist auch immer ein gewisses Prestige zwischen beiden Nationen. Deutschland will weitere Widergutmachung und beim Publikum Punkte sammeln. Mit dem Personal und den Spielern aktuell vor allem in der Offensive sollte auch gegen Mexiko genug Spielfreude vorhanden sein.
Ich rechne hier fest mit drei bis vier Toren und beide treffen. Mal schaun was noch so Sinn macht.
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