Das eigene Wettbüro eröffnen: Lohnt sich das?

Sportwetten boomen nach wie vor. Je nach Quelle hat der Wettumsatz allein Deutschland bereits die 10-Milliarden-Grenze geknackt. Der Internet ist voll von Wettanbietern und auch in den Innenstädten reiht sich ein Wettlokal ans nächste. Wir schauen uns in diesem Artikel an, wie ihr ein Wettbüro eröffnen könnt, wenn ihr selbst auf den Zug aufspringen wollte. Was müsst ihr alles leisten? Welche Kosten kommen auf euch zu? Und ist es am Ende wirklich die Mühe wert?

Das Wichtigste in Kürze
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  • Eine Wettbüro-Gründung sollte gut überlegt sein und nicht jeder Typ Mensch passt hierfür.
  • Rechtlich gibt es sehr viel zu beachten, daher geht der übliche Weg über Franchises.
  • Es braucht ein hohes Startkapital, um anfänglich die hohen Kosten im Griff zu haben.
  • Mit unserer Checkliste wisst ihr genau, was ihr vor dem Start braucht.

Wer sollte ein eigenes Wettbüro eröffnen?

Es klingt doch verlockend: schnell das eigene Wettbüro eröffnen und nicht nur die eigene Wettleidenschaft auf ein neues Level anheben, sondern auch laufend Gewerbegewinne einstreichen. Doch wie ihr euch schon denken könnt, ist dies alles andere als leicht. Hier möchten wir euch einige Infos und Anreize geben, können aber selbstverständlich nicht eure akribische Vorbereitung für das große Geschäft ersetzen.

Ein eigenes Wettbüro bietet sich für diejenigen an, die von Haus aus mit Unternehmergeist ausgestattet sind und sich von einem tiefen Dschungel an rechtlichen Vorgaben nicht abschrecken lassen. Wettbüro heißt Selbstständigkeit und Selbstständigkeit heißt Einsatz rund um die Uhr und ein permanentes Risiko, alles zu verlieren.

Wenn ihr genau das wollt, dann kann es leider dennoch unverrückbare Gründe geben, die euch euren Traum versagen. Diese Voraussetzungen an eurer Person sind unter anderem Pflicht, ehe es zur ersten Auszahlung im Wettbüro kommen kann:

  • 1
    Volljährigkeit
  • 2
    Einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis
  • 3
    Weiße Weste bei der SCHUFA
  • 4
    Ausreichend Eigenkapital
  • 5
    Nachgewiesene Fachkenntnisse

Selbst durchstarten oder ein Franchise nehmen?

Mit dem eigenen Wettlokal ist es nicht anders als bei der eigenen Dönerbude oder dem Vertragsabschluss mit McDonald's. Ihr könnt von Grund auf neu starten und habt dann tatsächlich etwas „Eigenes“ oder ihr legt eure Hände in den Schoß von Tipster oder Bet3000 und beteiligt euch an einem Sportwetten Franchise.

Speziell im Bereich Sportwetten ist es unglaublich schwierig, in Deutschland eine Konzession zu erhalten. Allein deshalb liegt es nahe, den Franchise-Weg zu gehen. Ihr bekommt vom Start an Hilfe zur Seite, werdet konsequent geschult und müsst euch über viele Dinge nicht mehr kümmern.

Ihr bekommt einen Wettshop, der genauso aussieht wie jeder andere, profitiert von Tag 1 an vom bereits bestehenden Kundenstamm. Die Werbung fällt somit erheblich einfacher und dass eure Marke komplett einbricht, ist doch sehr unwahrscheinlich.

Zwei Nachteile sind beim Wett-Franchise aber offensichtlich: Ihr könnt euch nicht mehr als Unternehmer frei entfalten, sondern seid vertraglich sehr eingeschränkt. Eigene Wetten oder Bonusangebote ohne Absprache mit dem Franchise-Geber sind praktisch ausgeschlossen. Und vor allem zahlt ihr nicht nur eine feste und nicht unerhebliche Gebühr für den Service, sondern tretet auch einen Bruchteil jeder einzelnen Wette direkt wieder ab.

Checkliste: Das braucht ihr alles, um alleine durchzustarten

Wenn ihr ein Wettbüro eröffnen wollt, bekommt ihr alles im Gesamtpaket und müsst grob gesprochen nur eine Unterschrift leisten und die vorgegebenen Listen abarbeiten. Als selbstständige Wett-Unternehmer müsst ihr euch um alles selber kümmern, dazu zählen etwa:

  • Gewerbeschein (Gewerbeamt)
  • Beglaubigte Kopie des Personalausweises (Meldebehörde)
  • Polizeiliches Führungszeugnis (Bundesamt für Justiz)
  • SCHUFA-Auszug (SCHUFA)
  • Nachweis der Rechtsform (Handelsregister)
  • Bau- und Lagepläne (Bauordnungsamt)
  • Steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung (Finanzamt)
  • Versicherungsnachweise (u.a. Gewerbeversicherung)

Ihr bekommt nur eure Gewerbeerlaubnis, wenn ihr eure Zuverlässigkeit nachweisen könnt und gleichzeitig kaufmännische Sachkunde beweist. Dies wird tatsächlich getestet oder muss von euch anhand von Abschlüssen oder Zertifikaten bewiesen werden. Möglicherweise müsst ihr darüber hinaus Sicherheitsleistungen hinterlegen.

Eine gute Anlaufstelle für all die doch sehr kniffligen Rechtsfragen sind der Deutsche Sportwettenverband oder der Deutsche Buchmacher Verband.

Mit diesen Wettbüro Kosten müsst ihr rechnen

Ganz klar ist: Wenn ihr etwas knapper bei Kasse seid, solltet ihr lediglich eine Webseite zum Wetten eröffnen. Dort müsst ihr zwar auch einiges reinstecken und euch in Sachen Gewerbe und Co. bemühen, aber eine Website lässt sich kostengünstiger verwalten.

Schon mehrfach ist durchgeklungen, dass ihr bei den Franchise-Gebern hohe fünfstellige Startbeträge und mehr vorlegen müsst. Wenn ihr ein Wettbüro eröffnen wollt, liegt die Anfangssumme bei satten 120.000 Euro. Die habt ihr entweder selber, ein Sponsor oder stiller Teilhaber unterstützt euch oder ihr nehmt einen Gründerkredit auf, zu dem die Banken in Sachen Sportwetten inzwischen zum Glück liberaler geworden sind.

Bis euer Shop dann tatsächlich Geld abwirft, kann eine Zeit vergehen. Ihr seid auf konstanten Besucherstrom angewiesen, den euch die Franchises natürlich sicherstellen, während ihr ansonsten selbst das Marketing in die Hand nehmen müsst.

Hier ist eine Auflistung von Kosten, die auf euch zukommen werden:
  • Alles Rechtliche: Gründungskosten, Genehmigungen, Lizenzen, Handelsregistereinträge
  • Jede Menge Steuern (zusätzlich ganz wichtig die deutsche Wettsteuer mit 5 % jedes Einsatzes)
  • Franchisegebühren und Sicherheitsleistungen
  • Miete für das Ladenlokal, Ausstattung, Wareneinsätze
  • Personalkosten
  • Betriebskosten (Strom, Heizung, Wasser, Müll, Technik, GEMA)
  • Versicherungen
  • Beratungskosten (Anwälte, Steuerberater, Versicherungsberater)
  • Marketing und Website (Werbung ist allgemein ein schwieriges Thema bei Sportwetten)

Ein kleiner Einblick in drei bekannte Wett-Franchises

Deutsche LizenzVon enormer Bedeutung, wenn ihr euer Wettbüro eröffnen wollt, ist die deutsche Wett-Lizenz, die im Zuge des neuen Glücksspielstaatsvertrags den Wettalltag planbarer als zuvor macht. Für Wettlokale gelten noch einmal andere Regeln als für Online-Plattformen, aber ohne eine staatliche Konzession geht natürlich nichts.

Nehmt ihr ein Franchise, ist das zumindest bereits in trockenen Tüchern. Wir von Sportwettenvergleich haben hier für euch drei Wettanbieter, an deren Ladenlokalen ihr in den Innenstädten im Grunde nicht vorbeikommt. Hier könnt ihr einfach auf die jeweiligen Websites gehen, wie ihr exakt die Bedingungen nachlesen und im Grunde noch heute mit der Bewerbung beginnen könnt.

tipwin

Logo von tipwinAm Rande bemerkt sehen für uns die tipwin-Wettbüros überragend aus, aber viel wichtiger für euch ist das große Netzwerk, das tipwin über ganz Deutschland spannt. Was ihr braucht, ist ein Shop mit über 90 Quadratmetern in gut frequentierter Lage und guter Anbindung. Von tipwin bekommt ihr dann die moderne Ausstattung, wobei ihr euch hier die nötige Hardware bequem leasen könnt.

Für euch geht es zum persönlichen Vorstellungsgespräch nach Köln, wo ihr vor allem mal 70.000 € Gründungskapital auf den Tisch legen müsst. Ihr bekommt dann einen Wettshop, in dem eure Kunden lässig Sportevents verfolgen und fleißig darauf wetten können. Mit Wett-Terminals und der tipwin-Kundenkarte läuft dann alles sehr simpel ab.

Bet3000

Logo von Bet3000Bet3000 ist mit einem geänderten Wettangebot für den deutschen Markt gestartet und unterhält mit 40-jähriger Expertise weiterhin die über 500 Wettlokale im Land. Ihr sucht euch akribisch aus, welche Terminals, Ticketchecker und Kartenleser ihr bei euch installiert und führt natürlich auch bei euch die Bet3000-Kundenkarte ein.

Wenn ihr euer Bet3000 Wettbüro eröffnen wollt, spürt ihr die komplette Power der professionellen Marketingabteilung. Für all den Service müsst ihr ein Fünftel eurer Netto-Wetteinnahmen abgeben, was zum Glück auch für mögliche Verluste gilt.

Tipster

Logo von TipsterTipster-Wettshops haben inzwischen eine Art Kultstatus erlangt. Hier trifft man sich vor den Spielen für Fachgespräche und letzte Wettinfos.

Möchtet ihr euer Tipster Wettbüro eröffnen, werden euch sechs Schritte geebnet:

  • 1
    Immobiliensuche
  • 2
    Finanzplan
  • 3
    Shopkonzept
  • 4
    Marketingkonzept
  • 5
    Personalschulung
  • 6
    Shoperöffnung

Bei Tipster dürft ihr euch dann zwar keine eigenen Wettarten ausdenken, bekommt aber immerhin einiges Innovative mit an die Hand wie die Fantasy-Livewette oder die Linebet. Tipster hat die Livewette 0:0 erfunden und ist ähnlich kreativ bei den Partnermodellen. Wettbüro, Wettannahme oder Shop-in-Shop sind hier eure Basis-Optionen.

Wettbüro, Wettannahmestelle oder doch nur Terminal?

Ihr könnt euch beim Wettbüro Gründen zwischen drei elementaren Varianten entscheiden: Ein vollständiges Wettbüro gilt als eine „Vergnügungsstätte“ und wird von den Behörden mit zusätzlichen Auflagen bedacht. Hier habt ihr Sitzplätze, übertragt die Spiele auf Bildschirmen, lasst Musik laufen, bietet vielleicht sogar Essen oder gar Alkohol an. Das generiert den höchsten Umsatz und bietet die beste Experience, macht aber auch den größten Aufwand.

Eine Wettannahmestelle als „Ladenlokal“ liefert den Kunden die gleichen Wettoptionen, aber alles wird im kleineren Rahmen gehalten. Ihr habt immer noch Tipster, XTiP oder tipwin auf der Fassade prangen, die Leute kommen aber nur zum Wetten und gehen dann wieder. Das spart Mobiliar und Gehaltskosten und erleichtert die Konzession.

Der einfachste Weg wird häufig auch in Kneipen mit Spielautomaten gegangen. Ihr führt ohnehin schon einen Shop, vielleicht einen Kiosk, wo ihr auch Lottoscheine annehmt. Als Shop-in-Shop verteilt ihr dann zusätzlich eure Wetten, fokussiert euch aber nicht so sehr darauf und habt womöglich nur ein eigenständiges Terminal in der Ecke.

Auf einen Blick: Auf diese Überlegungen kommt es an

Unsere Ausgangsfrage war: „Lohnt sich ein eigenes Wettbüro?“ Ihr seht, wie komplex das Thema ist. Ihr müsst als selbstständige Unternehmer sehr viel leisten – fachlich wie finanziell. Unternehmer scheitern, aber Unternehmer profitieren auch. Ihr müsst euch über so vieles im Klaren sein:

Welchen Businessplan habt ihr überhaupt?

Jeder Schritt muss klar ausformuliert sein, ihr müsst genau wissen, wo ihr in einem, fünf oder zehn Jahren stehen wollt. Ihr müsst den Markt ganz genau analysieren und vor allem schauen, ob euer Standort für langfristigen Erfolg geeignet ist.

Die Finanzierung muss stehen, der große Sack an Genehmigungen muss vorliegen und ihr müsst wissen, in welcher Rechtsform ihr mit welchen Partnern zusammenarbeitet. Für eine mögliche Gastronomie geht alles im Grunde noch einmal von vorne los und als Chef habt ihr große Verantwortung gegenüber euren Angestellten.

Sehr viele dieser Dinge finden im Vorfeld und somit nur einmalig statt. Läuft euer Laden erst einmal, habt ihr auch schon die nötige Erfahrung und legt dann so richtig los. Möchtet ihr den schwierigen Alleingründerschritt überspringen, könnt ihr euch ein bestehendes Wettbüro kaufen und an Franchise-Programmen teilnehmen.

Ihr braucht Mut, Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein. Dann muss es nicht klappen, aber wenn ihr dann einmal erfolgreich seid, dann lebt ihr in einer zukunftsfähigen Branche, aus der sich ordentlich Kohle herausziehen lässt.

Um euch das Leben zu erleichtern:

Wir haben zwei ganz wichtige Tipps für jeden Wettbüro-Gründer: Ihr seid als Franchise-Nehmer lediglich Wettvermittler. Das erleichtert die (immer noch komplexe) Rechtslage für euch. Als Wettveranstalter geht es lizenzrechtlich in tiefere Gewässer.

In Sachen Haftung möchtet ihr euch nicht auf eine Gesellschaft (GbR) beschränken. Andere Rechtsformen wie die GmbH oder UG erfordern zwar mehr, aber läuft etwas schief (und das geht es gerade im Wettalltag), haftet ihr nicht mit eurem Privatvermögen.

FAQ – Wettbüro eröffnen

❌ Franchise ja oder nein?

Als eigener Wettveranstalter müsst ihr schon gewaltig abliefern, aber seid stets euer eigener Herr und verdient nach langer Anfangszeit mehr. Der übliche Weg in Deutschland geht aber über die großen Franchises wie Tipico, Bet3000 oder Tipster. Hier profitiert ihr jeden Tag von der Marke und habt es insgesamt leichter. Dafür zahlt ihr aber auch jeden Tag einen gewissen Preis.

 

✅ Kann jeder in Deutschland ein Wettbüro eröffnen?

Die Behörden legen durchaus hohe Hürden an. Für Gewerbetreibende allgemein, aber für Wettvermittler noch einmal mehr. Euer polizeiliches Führungszeugnis muss makellos sein und mit SCHUFA-Einträgen lässt sich so einfach kein Gewerbe eröffnen. Volljährigkeit dürfte klar sein, Sachkenntnisse sind Pflicht, aber im Grunde kann mit etwas Aufwand jeder Inhaber eines Wettbüros werden.

⚖️ Wettlokal oder Website?

Man erkennt am Online-Markt, dass die allermeisten Wettanbieter (und speziell die ohne größeren Namen) keine Ambitionen haben, lokale Wettshops zu eröffnen. Es erfordert schon einen sehr großen Aufwand, ehe sich das Franchise-Modell lohnt. Eine Webseite ist da schneller aufgezogen und die nötige Lizenz wird zur Not im Ausland angestrebt.

〽️ Sind Wettbüros in Deutschland legal?

Natürlich müsst ihr vor den ersten Bundesliga-Wetten Unmengen an Auflagen erfüllen und eine Genehmigung nach der nächsten einholen, aber nicht zuletzt dank der geänderten Sportwetten-Regeln könnt ihr jederzeit legal in Deutschland in Wettbüro eröffnen.

⭕️ Was muss ich tun, um ein eigenes Wettbüro zu gründen?

Als unabhängige Unternehmer braucht ihr letztlich einen Berater oder müsst euch sehr genau alleine vorbereiten, um alles richtig zu machen. Möchtet ihr bei Tipster, Tipico und Co. anheuern – also zwar selbstständig, aber in einem straffen Korsett agieren – wird euch vieles an Arbeit abgenommen. Ihr bewerbt euch einfach auf den mit zusätzlichen Infos gespickten Websites und durchlauft mit euren Partnern die notwendigen Schritte.

Fazit: Das eigene Wettbüro ist ein sehr aufwandsintensiver Traum

Wenn ihr mit gesundem Gründergeist gesegnet seid, dann ist das Aufziehen eines eigenen Wettbüros kaum anstrengender als sonstige Gewerbe. Wer jedoch unvorbereitet und gewissermaßen blauäugig ist, der wird von den zahlreichen Bestimmungen überrollt und sollte dann den Traum noch einmal überdenken. Wir finden, dass sich der Wettmarkt zum Einstieg lohnt, aber die bereits bestehenden Franchises den Platz gut genug bespielen. Setzt euch ins gemachte Nest und mit angesammelter Erfahrung könnt ihr danach immer noch euer eigenes Ding durchziehen.

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