Leserbrief an Sky
Nein, eine direkte freundliche Anrede im Sinne von „höchst geschätztes Sky Team“ fiele mir nicht ein. Eher dann schon in die Richtung „allerwertestes Sky Team“ – im Sinne von „ja mi leckts am Oasch“ (Oasch darf man doch sagen? Es wäre doch nur der Allerwerteste...).
Neulich mal wieder einen echten Leserbrief geschrieben, ebenso ein Bekannter, welchen ich extra darum bat. Ergebnis: los. Ich meine: ergebnislos. Es kommt einfach keine Antwort. Man kann sich kurz fassen oder ausführlich werden. Nix.
Die kurze Version: liest man rasch, ja, danke für Ihre Mühe und Ihr Interesse, wir melden uns gerne zurück, wenden Sie sich ruhig an NN. Wir haben Ihren Einwand zur Kenntnis genommen. Herzlichst ... Sky.
Ausführlich: sehr bald eine Rückmeldung, danke, wir kümmern uns drum, wir interessieren uns für unsere Kunden und deren Wünsche, wir leiten das direkt weiter an einen Zuständigen, welcher sich dann mit Ihnen in Verbindung setzen wird. Was auch immer. Aber die Antwort ist immer gleich: nada, niente, nichts, Schweigen im Walde. Ruder mit den Armen, schreib dir die Finger wund, denke gründlich nach, zahle schön immer deine Abo-Gebühren – aber ansonsten rutsch mir den Buckel runter und „kiss me backside“. Motto: nach mir die Sintflut – nur dürfte das „nach mir“ ziemlich bald eintreten.
Keine Championsleague mehr. Toll, am 12.8.2020 durften wir die Runde fröhlich labernd erleben, aber Bilder? Die gab es nur bei DAZN – von dem grandiosen, aber auch dort von den Sprechern total verhunzten PSG – Atalanta, 2-1, Spiel, mit allem, was das Fußballzuschauerherz so erfreuen könnte – wenn er denn rechtzeitig den Ton abgedreht hätte oder, noch besser, in irgendeiner-anderen-außer-deutsch-Sprache das Vergnügen gehabt hätte.
Bundesliga ist nicht nur längst Salami, nein, zuerst die Freitagsspiele weg, nun auch noch sonntags, noch fünf oder sechs Spiele pro Spieltag, aber die Gebühren bleiben gleich? Nein, da ist der Exodus vorprogrammiert. Die Pleite gesichert, das wars, nix mehr „liebes“, nix mehr „allerwertestes“, nur noch „gar nicht mehr Sky-Team“. Premiere war bereits zugrunde gerichtet, nun hat es auch die Engländer erwischt, welche, dank guter Vermarktung im eigenen Land --- vor allem: guter Berichterstattung! – noch ein paar Euro auf der hohen Kante hatten, aber nun ebenfalls abgewirtschaftet sind. Bloß schnell weg!
Falls es dem Fußball noch immer halbwegs gut ginge, dann müsste man doch feststellen, dass es längst nur noch externe Gelder sind, von Investoren, welche, das Wort richtig verstehend, noch immer davon träumen, eines Tages dieses nicht nur auf Heller und Pfennig zurück bekämen, sondern gar mit Zins und Zinseszins ihre Kröten wieder abziehen wollen?! Nur: immer mehr stellen fest, dass es zur reinen Liebhaberei geworden ist. Ein Sponsor ist was anderes als ein Investor. Er gibt und gibt und gibt. Vielleicht in einer vagen Hoffnung auf Renommee? Es gibt sie noch, die Investoren – nur bleibt es beim Traum, es zu vermehren. Der Fußball selbst erwirtschaftet diese Beträge nicht mehr. Es gehen viel mehr den Bach runter als die ganz wenigen, die glücklich werden, als Investoren.
Dabei hätte Sky noch immer das Potenzial und vor allem der Fußball hätte es. Die Leute würden ihnen die goldenen Nuggets aus der Hand reißen – wenn es den Kommentatoren nicht Tag für Tag gelänge, die Nuggets als faule, kleine, aber dafür viel zu teure Eier anzumalen, und auf dem Markt feilbieten zu wollen. Es liegt NICHT am Naturell der deutschen (Zuschauer), dass der Rubel nicht rollt -- wie sich die Verantwortlichen selbst gern weismachen wollen und es so dem Zuschauer auch verkaufen wollen: „Wir sind nicht daran schuld, IHR seid daran schuld!“ --, es liegt an der deutschen Berichterstattung. Diese ist so unterirdisch schlecht, wie die Kommentatoren, die diesen Begriff für die besten Fußballer des Landes geprägt, in die Praxis eingeführt, und nach und nach zu weiteren negativen Superlativen gesteigert haben. In der nach unten offenen Richterskala sind sie bei -10 angelangt – betragsmäßig quasi täglich anwachsend.
Lange Vorrede, viel Schimpfgehalt, kurzer, für uns hier relevanter Sinn: das Potenzial liegt auch in einer ordentlichen Vermarktung des Wettmarktes – so unsinnig sich das auf den ersten Klang auch anhört. Die Wettanbieter stellen sich noch immer an und erkaufen sich die Werbezeiten. Vor, nach und während jedem einzelnem Spiel laufen die Spots durch. Warum täten die Anbieter das? Nun, zu vermuten wäre: weil sie unter den Zuschauern diejenigen vermuten, welche, neben Fanleidenschaft für diesen oder jenen Verein, sich auch am Wettmarkt ausprobieren.
Man sollte auf keinen Fall den Aspekt unter den Tisch kehren, dass sich diesem oder jenem vielleicht gar NUR beim Zuschauen eines Fußballspieles (in welchem es nach 25 Minuten und einem selbstverständlichen 0-0 Spielstand heißt „bisher kaum eine einzige Torannäherung“, damit vermutlich darauf setzend, dass der Zuschauer NUN aber garantiert den Ton lautstellt und seinen Nachbarn zu sich ruft, damit dieser auch an dem riesigen Spektakel teilhaben darf, welches sich hier gerade anbahnt: nicht mehr lange, und es erfolgt bestimmt schon der erste Torschuss!) nicht ausreichend viel Unterhaltsames bietet und schließlich nicht IMMER NUR der Lieblingsverein spielt und dass er somit seiner eigenen Unterhaltung und Freude am Fußball dadurch Vorschub leistet, indem er seine Expertise mit einer Wette untermauert?
Stattdessen wird man von den so genannten „Experten“ mit sinnlosen Phrasen eingedeckt, die kein bisschen Substanz etwa für eine Wette hätten und die absolut nicht wettmarktgerecht sind, schon gar nicht, dass man die Chancenverteilung eventuell daran ablesen könnte, vielleicht gar, mit einer guten eigenen Vorschau gegen den Markt „anstinken“ könnte? „Hier würde ich sogar auf Frankfurt wetten, weil die Quote einfach zu hoch ist, mit einer 3.20 bei Werder Bremen“, oder „laut Computer ist die Quote auf mehr als 2.5 mit einer 1.65 hier einfach zu hoch; ich schließe mich der Computermeinung an: over!“ oder wie auch immer die dann ausfallen könnte –, am besten natürlich mit dem Wett-Opa im Programm, live on stage. Der Zuschauer würde das garantiert zu schätzen wissen. Und somit gar sowohl Fußball als auch Sky retten können?
Selbst wenn hier nicht ganz dazugehörig, aber wenn man als Sprecher gar die Erlaubnis hätte, selbst eine kleine Wette zu platzieren, dann könnte sogar eine einzelne Reportage richtig lebhaft und spannend werden, zumal dieser dann, verständlicherweise außer seiner ohnehin nie gewahrten, aber angeblich so wichtigen „Neutralität“ plötzlich mit seinem Geld mitfiebern würde? Da hätten wir alle Spaß und Fußball, Wettmarkt, Sky -- allen ginge es plötzlich gut. Was fehlt nur daran, um das zu erkennen?
Über den Autor Dirk Paulsen
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