Schach WM: Magnus Carlsen - Fabiano Caruana
9. bis 28. November 2018
Ganz kurz zum Modus: Es werden 12 Partien gespielt. Nach jeweils zwei Partien folgt ein Ruhetag. Farben werden immer getauscht, Carlsen hat erste Runde Weiß. In der siebten Runde bekommt Caruana Weiß und Carlsen hat damit in der zwölften und effentwell entscheidenden Runde Weiß. Sollte es nach der elften Runde 5,5-5,5 stehen ein immenser Vorteil, da es mit Weiß einfacher ist ein Remis zu erreichen und im Tie Break sehe ich ihn zu 95% vorne.
Tie Break wie folgt: vier Schnellschachpartien, falls nicht entschieden fünf Blitzpartien und effentwelles Armageddon. Carlsen ist im Schnellschach und im Blitz kaum zu schlagen, schon gar net von Caruana. Kleiner Vergleich der Wertungszahlen:
im klassischen Schach: 2835 vs 2832
im Schnellschach: 2880 vs 2789
im Blitz: 2939 vs 2767
Carlsen führt demnach sämtliche Weltranglisten an, Caruana belegt die Plätze 2, 9 und 18. Dieser Unterschied beruht im Wesentlichen auf den Spielstilen. Caruana rechnet lange und unheimlich präzise, was entsprechend auf die Bedenkzeit geht. Ein Grund, warum er häufiger in Zeitnot kommt - die Spieler haben 100 Minuten (+ 30 Sekunden für jeden Zug) für die ersten 40 Züge - und in dieser Zeitnot dann auch oft gepatzt hat. Ist mittlerweile nicht mehr so schlimm wie noch vor zwei, drei Jahren, aber auch das ist ein Faktor, der klar gegen Caruana spricht. In einem möglichen Tie Break sehe nur eine kleine Restwahrscheinlichkeit für Caruana - ähnlich wie Karjakin 2016. Einige Experten sehen die beiden im Schnellschach fast auf Augenhöhe, was ich nicht ganz nachvollziehen kann, zumal die Umstellung von klassischer Partie auf Rapid schwierig ist. Im Blitz sieht jeder den Titelverteidiger klar vorne. Gemessen an dieser Diskrepanz, muss ich den Stake etwas runter setzen.
Karjakin hat vor zwei Jahren das Remis genommen in Spiel 12 und sich auf den aussichtslosen Tie Break eingelassen - kein auf Teufel komm raus gespielt. Ich sehe für den Amerikaner keine andere Möglichkeit - klar, es wäre ein Achtungserfolg ein 6-6 zu erreichen, aber danach geht er baden. Die Farbfolge oben spricht auch eher für Carlsen, der sich mit der Zeit immer sicherer fühlen kann, auch keine Risiken eingehen muss.
Die beiden Kontrahenten sind bisher 33 Mal aufeinander getroffen im klassischen Schach, Carlsen führt mit 10-5 bei 18 Remisen. Seit 2016 steht es 2-9-0 aus Carlsens Sicht. Das letzte Aufeinandertreffen war denkwürdig, als Carlsen glaubte den Sieg schon in der Tasche zu haben, sich in der Confession Booth zu einer Geste an seine Kritiker hinreißen ließ, die Partie nicht gewinnen konnte und einiges an Spott zu hören bekam. Schon bissje größere Story, aber außerhalb kaum jemand mitbekommen wahrscheins. Danach - und jetzt kommen wir zum negativen Punkt - sagte er im Interview, dass er sich derzeit nicht mehr auf seine Intuition verlassen könne. Gibt nix Schlimmeres als Zweifel am eigenen Spielvermögen für nen Schachspieler. Gedanken sind nicht frei und wertvolle Rechenkraft und Zeit geht verloren. Ich sehe den Norweger mittlerweile wieder als gefestigt an, top motiviert und vorbereitet ist er sowieso - genau wie Caruana -, aber deshalb baller ich hier keinen Fullstake.
In 2018 sieht die Perfomance wie folgt aus:
Carlsen +18, =44, -2 bei einer Elo-Leistung von 2837
Caruana +25, =42, -8 bei einer Elo-Leistung von 2824
Auch hieran lässt sich ablesen, dass das Spiel des US-Amerikaners anfälliger ist und Carlsen nur selten Gefahr läuft die Partie zu verlieren - und wenn wie bei den Mannschaftsmeisterschaften gesehen schafft er es häufig noch sich effektiv zu verteidigen, wobei das gegen Caruana natürlich ne Nummer härter wird.
Carlsen hat sich nach St. Louis ne Auszeit genommen, nur noch die Europäischen Mannschaftsmeisterschaften gespielt, während Caruana noch die Schach-Olympiade in Batumi mitgenommen hat - aus meiner Sicht ein Fehler, da ich ihn für 2018 ein bisschen überspielt sehe, aber er spielt großartig, sein bisher bestes Schach.
Warum ich mir dennoch so sicher bin, dass Carlsen gewinnt? Die unterschiedlichen Spielstile sind für mich der Schlüssel. Carlsen verwaltet, holt einen minimalen Vorteil und baut den ganz langsam aus, bestraft fast jeden Fehler seiner Gegner konsequent und mit der Zeit addiert sich im Idealfall der Vorteil zum Partiegewinn. Spätestens dann im Endspiel, wo er überragende Fähigkeiten besitzt. Sein Spielstil ähnelt eher dem einer Maschine.
Caruana wertschätzt das Zentrum über alles. Dass es von großer Bedeutung ist, keine Frage. Aber er geht für ein starkes Zentrum oft Risiken ein - Risiken, die sich in der Vergangenheit auch sehr oft ausgezahlt haben. Allerdings ergeben sich durch diese Konzentration meist Schwächen auf den Flügeln, beispielsweise wie in der Partie von St. Louis.
Resultierend daraus sehe ich folgende Konstellationen: Carlsen in der Initiative muss keine Risiken eingehen, da er sich auf seine Endspielfähigkeiten und die Fertigkeit kleine Vorteile ausbauen zu können verlassen kann. Einfach überzogen formuliert: Im Zweifel holt er ein Remis. Caruana schwächt mit seinem Zentrumsspiel häufig andere Aspekte seiner Stellung, was zum Erfolg führen kann, aber auch immer Gegenspiel erlaubt. Ich möchte hier keineswegs Caruana als 12-Jährigen mit ner Propellermütze in meiner Schach AG darstellen, die eingegangenen Risiken sind durchdacht und mit eingeplant. Zumal sich beide Seiten dieser Tatsachen absolut bewusst sind und durch ihre Sekundanten top vorbereitet. Sollte Caruana von seinem Stil abweichen, sehe ich wenig Chancen, dass er Carlsen mehr als einmal schlagen kann und dann sollte es auf den Tie Break rauslaufen.
Carlsen ist sich genau dieser Situation auch im Klaren:
I have won severel games against him [Caruana] earlier with active defence where he put pressure on me an I managed to get counterplay and win. So you can't rule out that I will try that quite a bit.
Ich hab bei Carlsen schon angemerkt, dass er wie eine Maschine spielt - heißt auch durchweg konstant, insbesondere was das Vermeiden von Niederlagen angeht. Große Konstanz bei ihm. Caruana ist immer formabhängig - klar kommt das beim Norweger auch zum Tragen, aber beim Herausforderer ne gute Stufe mehr. Als Beispiel ist hier Wijk aan Zee anzuführen, wo Caruana mit -3 rausgeht um dann wenig später das Kandidatenturnier zu gewinnen. Das kann hier ein zusätzlicher Faktor werden, aber im Zweifel eher zum Positiven für unsere Wette ausschlagen.
Weiter spricht für Carlsen die Erfahrung der beiden vorangegangenen WM-Kämpfe. Er hat das Turnier als Herausforderer gegen Anand erlebt und seinen Titel 2016 gegen Karjakin verteidigt und stand dort nach der neunten Partie mit -1 da und hat den Zweikampf noch in den Tie Break und damit zum Sieg gebracht. Karjakin hat in der Nachbetrachtung von 2016 gesagt, dass ein WM-Kampf in keiner Weise mit einem "normalen" Superturnier zu vergleichen ist: Der Druck, die Vorbereitung, die Spannung. Carlsen erlebt das jetzt zum dritten Mal. Kurze Rückschau zu 2016 noch: Karjakin hatte in der dritten und vierten Partie große Schwierigkeiten und es nur aufgrund seiner überragenden Verteidigungskünste geschafft die Partien Remis zu halten. Ein weiterer Punkt, der für Carlsen spricht, weil ich Caruana nicht zutraue in diesen 12 Spielen ohne Niederlage zu bleiben. Hier ist der größte Unterschied zwischen dem Amerikaner und dem Russen.
Carlsen sagte in einem Interview, dass er hoffe, dass er in der Lage sei zu Verteidigen, sofern es darauf ankommt. Er habe wenig Erfahrung sammeln können in den letzten Jahren was das angeht. Aus meiner Sicht hat er das aber in den letzten Partien sehr gut umgesetzt.
Ich möchte noch Zitat Carlsens bringen um das Selbstverständnis Carlsens bissje zu verdeutlichen:
Being world champion has become part of my identity. For that reason, it's a big deal. I don't care that much about being world champion. I just don't want anyone else to be, which is a bit of a shame, to be honest. It's not supposed to be that way.
Dazu im Gegensatz Caruana, der zugegeben hat in den entscheidenden letzten Runden im Kandidatenturnier sehr unter Stress und Nervösität gelitten zu haben. Gepaart mit seinem Spielstil und der auftretenden Zeitnot führt das zu falschen Entscheidungen, die spielentscheidend sein können. Er hat das in Berlin gemeistert, aber klares Fragezeichen, ob das Carlsen durchgehen lässt.
Es ist jedem bewusst, dass er gegen den erfolgreichsten Schachspieler in 2018, der Nummer 2 der Welt setzt. Weiter kann ein Infekt ein Faktor werden. Auch wenn die 95% von oben hoch gegriffen sind, sehe ich in der Wette deutlichen Value.
Outright: Carlsen Weltmeister @1,448 (7/10) Pinnacle
Unibet ist Partner des Turniers und ich hoffe auf paar gute Möglichkeiten live und bissje breites Angebot pre, was Züge over/under etc angeht:
Unibet expecting chess final bonanza