@s-lebt und franky:
hab hier mal einen sehr guten kommentar vom KSTA. der ist zwar 1 jahr alt, aber absolut aktuell:
Grand Prix
Lena Meyer-Landrut – wer ist das?
Alle lieben Lena Meyer-Landrut! Stimmt nicht ganz. Nur einen Tag vor dem große Finale des Eurovision-Song-Contest in Oslo nervt das Mädchen aus Hannover bereits gewaltig.
Eigentlich kann sie ja gar nichts dafür. Für ihren Doppelnamen, bei dessen Aussprache sich die Zunge beinahe verknotet. Für ihre penetrante Allgegenwärtigkeit, der sich niemand entziehen kann. Für ihren Song "Satellite", der im Radio hoch und runter gedudelt wird und den Tag über im Kopf hämmert wie ein stechender Schmerz, den man sich aus dem Schädel schlagen möchte. Nicht mal für ihren aufgesetzten Brit-Akzent kann man sie zur Rechenschaft ziehen, denn den hat nach eigenem Bekunden ihr Englisch-Lehrer zu verantworten. Und doch: Einen Tag vor dem Finale des Eurovision-Songcontest nervt Lena Meyer-Landrut bereits gewaltig.
Seit Dienstag dieser Woche sendet Stefan Raab Lena-Sondersendungen aus dem obersten Stockwerk des Hauses der Arbeiterpartei in Oslo. Passender könnte der Ort nicht sein. Ihr Kölner Schöpfer begrüßt die deutsche Vertreterin im europäischen Sangeswettstreit allabendlich in windiger Höhe wie die Führerin einer neuen Bewegung, eine Sarah Wagenknecht der Popmusik. Lena in der Kutsche, Lena im Oslo-Fjord, Lena als Baumwoll-Model für folkloristische Norweger-Mode. Ein Star zu sein, lernt man zu später Stund’, ist eben harte Maloche.
Da wundert es kaum, dass auch die „taz“, die Zeitung für Besserdenkende, die 19-Jährige in ihrer Freitags-Ausgabe umfassend geadelt hat. So unbekümmert komme sie daher und verbreite „irgendwie den Anschein von ungeschminkter Natürlichkeit“. Man könnte es auch görenhafte Selbstverliebtheit nennen. Auf der Bühne macht sie die Björk für Arme, quiekt mit öffentlichkeitswirksamer Unbeholfenheit ihre Glückseligkeit ins Mikrofon und trotzt den Zuschauern mit ihren Pippi-Langstrumpf-Verrenkungen die Annahme ab, sie sei ein liebenswerter Dickkopf. Doch ihre viel gepriesene positive Verrücktheit ist ungefähr so durchgeknallt wie ihre Heimatstadt Hannover und wirkt obendrein wie das einstudierte Image eines Mädchens, das mit aller Macht vor die Kamera drängte und jetzt, da es dank „Satellite“ und Bild-Busenblitzer endlich geklappt hat, so tut, als habe sie das so groß und pompös gar nicht gewollt.
Wahrscheinlich hat das Mädchen einfach einen guten Zeitpunkt für die Zurschaustellung ihres exaltierten Selbst erwischt. Dank Stefan Raab ist der Eurovision-Songcontest für die Deutschen wieder interessant geworden. Die Gier nach einer neuen Nicole ist geweckt. Damals war man stolz darauf, dass ein unschuldiges Mädchen mit der Gitarre den Refrain von „Ein bisschen Frieden“ beim Finale 1982 im englischen Harrogate in verschiedenen Sprachen darbrachte.
Im Loch liegen
Heute freut man sich hierzulande darüber, dass die Landesvertreterin Meyer-Landrut auf internationaler Bühne ein „Ti-Eitsch“ unfallfrei sprechen kann. Doch die Mär vom englischen Arbeiter-Akzent haben glücklicherweise die Engländer schnell zerstört. Ihr Dialekt höre sich an wie ein schwedischer Sprachtherapeut, der Ali G. imitiert, schrieb der britische Journalist Mark Espiner.
Gott sei Dank habe sie noch etwas anderes zu tun, „als in einem Loch zu liegen“, sagte Lena Meyer-Landrut über ihren persönlichen Hype. Doch es gibt inzwischen Momente, da wünscht man sich, sie wäre einfach liegen geblieben.