Glücksspielsucht: Ab wann ist man sportwettensüchtig?

Während Sportwetten in den Anfangsjahren eher als verrucht galten und mit illegalen Aktivitäten in Verbindung gebracht wurden, sind sie seit einigen Jahren in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Mit dem wachsenden Markt steigt natürlich auch der Druck auf die Sportwettenanbieter in Sachen Spielerschutz und präventiven Maßnahmen zum Thema Glücksspielsucht. Ab wann wird aus dem Hobby Sportwetten ein problematisches Spielverhalten oder gar Glücksspielsucht? Um euch zu diesem Thema möglichst klare Auskünfte geben und eventuelle Anzeichen aufzeigen zu können, haben wir einige den folgenden Artikel für euch zusammengestellt.

Das Wichtigste in Kürze
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  • Sportwetten können süchtig machen.
  • Wir stellen euch die einzelnen Stadien der Spielsucht vor, geben euch Tipps und eine Checkliste zum Selbsttest an die Hand.
  • Es gibt einige Anzeichen von Spielsucht, die früh erkannt werden können.
  • Diverse Institutionen und Help Center sind mit der Thematik vertraut und kümmern sich um betroffene Spieler.

Was ist Glücksspielsucht? Die Stadien der Glücksspielsucht

Spielsucht entwickelt sich schleichend über einen längeren Zeitraum und stellt eine Gefahr dar, da sie keinen Halt vor eurem finanziellen Budget oder eurem Alter macht. Jeder von euch ist potenziell gefährdet. Zur Veranschaulichung des schleichenden Verlaufs haben wir die drei Phasen der Glücksspielsucht kurz und prägnant zusammengefasst.

Die ersten Gewinne und der Drang nach höherer Risikobereitschaft

Das erste Stadium der Glücksspielsucht setzt bereits weit vor der eigentlichen Sucht ein. Dabei handelt es sich grundsätzlich um eure ersten positiven Erfahrungen mit Sportwetten oder Gewinnen im Online-Casino. Jeder Gewinn, egal wie groß dieser auch ausfallen mag, führt zu einem positiven Gefühl und eine Art von Euphorie. Es setzt eine Denkweise ein, welche den Erfolg bei Sportwetten oder im Online-Casino quasi als Selbstverständlichkeit vorgibt. Alle Erfolgserlebnisse werden als Selbstverständlichkeit angesehen, woraus sich der Drang nach höherer Risikobereitschaft und daraus resultierenden höheren Gewinnerwartungen entwickelt. Aus kleineren Erfolgen werden größere Gewinnsummen. Dementsprechend steigen eure Einsätze und auch euer finanzielles Risiko.

Der Drang nach Gewinnen bestimmt den Alltag

Die zweite Phase stellt den fließenden Übergang aus einem leidenschaftlichen Hobby zu einem Drang nach Gewinnen dar. Nicht nur steigen euer Risiko bzw. eure Einsätze an, zur selben Zeit entwickelt sich auch ein unaufhaltsamer Drang nach Gewinnen. Besonders gefährlich sind hierbei negative Erfahrungen und Verluste, welche in diesem Stadium nicht zu einer Pause, sondern umgehend zu neuen Einzahlungen führen.

In euren Gedanken entwickelt sich der Drang, alle Verluste des Tages oder der Woche mit einem Wettschein umgehend auszugleichen. Unterschwellig kommt ein Nervenkitzel auf, den ihr zu Sportübertragungen benötigt. Ihr könnt Fußballspiele nicht mehr als Fan genießen, immer wieder schaut ihr nach möglichen Zusatzwetten und seid daher konstant angespannt. In diesem Stadium der Spielsucht seid ihr zudem auch auf der Suche nach neuen Gewinnmöglichkeiten und begebt euch somit auf ungewohntes Terrain. Das finanzielle Risiko steigt immer weiter und große finanzielle Verluste sind erkennbar.

Glücksspielsucht – Wut

Kontrolle verloren und finanzielle Engpässe

Im letzten Stadium der Glücksspielsucht verliert ihr vollkommen den Überblick über eure finanzielle Lage und verliert die Kontrolle über euer Setzverhalten. Der Drang, unbedingt Verluste umgehend wieder auszugleichen, nimmt euer tägliches Leben ein und führt euch zwangsweise in arge finanzielle Engpässe. Automatisch führt dies dazu, dass ihr euer eigenes Leben kaum mehr selber finanzieren könnt und ihr euch dazu gezwungen seht, Notlügen zu erfinden, um euch Geld von der Familie oder aus dem Bekanntenkreis leihen zu können. Ihr kreiert ein Kartenhaus, das auf Dauer zerbrechen muss. Aus kleinen Notlügen werden immer größere Notlügen und aufgrund dessen entfremdet ihr euch von eurem privaten Umfeld und vernachlässigt eure Arbeit.

Wie kann man Glücksspielsucht verhindern?

Der wichtigste Schritt für euch ist die eigene Absicherung vor der Spielsucht. Lasst es gar nicht erst so weit kommen. Hier haben wir für euch eine Checkliste vorbereitet, die euch ein paar Präventivmaßnahmen an die Hand gibt.

  • Setzt ein Konto-Limit: Jeder seriöse Bookie ermöglicht diese Einstellung und somit sichert ihr ab, dass ihr nicht über euren Verhältnissen spielt. Ihr könnt den Betrag einschränken, mit dem ihr wetten könnt, oder die Zeit.
  • Gönnt euch Cool-off-Phasen: Sobald ihr das Gefühl habt, dass ihr euer Spiel nicht mehr in der Hand habt, könnt ihr euch temporär aussperren lassen (für ein paar Stunden, ein paar Tage, Wochen oder Monate).
  • Zieht die Notbremse: In diesem Fall ist die Notbremse der Selbstausschluss. Hierbei werdet ihr beim Wettanbieter ausgeschlossen und kommt auch nicht mehr an euer Konto heran.
  • Spielt nur bei Bookies mit EU-Lizenz: Diese Anbieter haben strenge Auflagen und nehmen das Thema Spielsucht deutlich ernster als etwa Bookies mit Curaçao-Lizenz.
  • Lasst die Emotionen aus dem Spiel: Es ist nie eine gute Idee, etwa auf das eigene Lieblingsteam zu setzen. Hier könnt ihr nicht rational entscheiden und begeht Fehler. Ebenso wenig solltet ihr aus Ärger über Verluste den Einsatz erhöhen. Wettet auch nicht, wenn es euch emotional schlecht geht und ihr „aus der Realität fliehen“ wollt.
  • Spielt nur mit eurem eigenen „Spielgeld“: Das Money Management ist extrem wichtig. Spielt deshalb nur mit Geld, das ihr nicht unbedingt braucht. Ihr solltet auf jeden Fall verhindern, Geld auszugeben, das für andere Investitionen vorgesehen ist. Und leiht euch niemals Geld zum Spielen.

Schnell-Selbsttest

Vorweg: Dieser Test gibt noch keine zuverlässige Aussage, ob ihr spielsüchtig seid oder nicht, aber er kann euch eine erste Orientierung liefern. Könnt ihr mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantworten, solltet ihr euer Wettverhalten überdenken.

  1. Habt ihr schon einmal die Arbeit oder Uni geschwänzt, um zu wetten?
  2. Hat das Glücksspiel bereits einmal zu einer negativen Situation im Privatleben geführt?
  3. Habt ihr schon einmal versucht, Geld für Schulden durch Glücksspiel zu erspielen?
  4. Fühlt ihr den Zwang, direkt nach einem Verlust das Geld unbedingt sofort wieder einzuspielen?
  5. Wollt ihr nach einem großen Gewinn direkt wieder spielen?
  6. Wettet ihr öfter, bis das Geld ganz aufgebraucht ist?
  7. Habt ihr schon einmal Geld für Wetten geliehen?
  8. Könnt ihr aufgrund des Wettens oft nicht schlafen?
  9. Wettet ihr häufig länger als ihr eigentlich wolltet?
  10. Habt ihr schon einmal über Selbstverletzung oder gar Selbstmord aufgrund eines Gewinnverlustes nachgedacht?

An Glücksspielsucht erkrankt – was ist zu tun? 

Egal ob im Online-Casino, bei eurem Sportwettenanbieter im Internet oder eurem lokalen Wettbüro – die Gefahr, in die Spielsucht abzurutschen, lauert überall. Es ist keine Schande, euch einzugestehen, dass ihr ein Problem habt und euer Spielverhalten inzwischen dem eines pathologischen Glücksspielers entspricht.

Ersthilfe könnt ihr inzwischen anonym im Internet finden und auch erste Schritte unternehmen, um euch präventiv gegen weitere finanzielle Verluste oder gar die Insolvenz abzusichern. Mögliche Hilfen könnt ihr dabei direkt bei eurem Sportwettenanbieter, eurem Casinoanbieter oder in einem Glücksspielsucht-Forum finden.

Eine Glücksspielsuchterkrankung sollte mit einem Arzt abgeklärt werden

Alle Unternehmen für Glücksspiel sind aufgrund der EU-Regularien und Auflagen der europäischen Glücksspielbehörden dazu verpflichtet euch diverse Hilfsorganisationen auf der Website anzubieten. Achtet dabei auf die Siegel von unabhängigen Hilfsorganisationen, wie zum Beispiel GamCare, Gambling Therapy oder GambleAwareZwar handelt es sich dabei ursprünglich um britische Organisationen, inzwischen bieten diese euch allerdings auch einen deutschsprachigen Kontaktweg an. Aufgrund langjähriger Erfahrungen und einem extrem gut geschulten Mitarbeiterteam werden all eure Anfragen anonym und sehr vertraulich behandelt.

Des Weiteren stehen inzwischen diverse Foren zur Glücksspielsucht in Deutschland zur Verfügung. Die Auswahl hat sich auch hier in den vergangenen Jahren enorm vergrößert, weswegen man nicht nur von einem Forum zur Glücksspielsucht sprechen kann. Anonymität wird euch in diversen Foren versprochen, zumal ihr eure aktuellen Erfahrungen und Ängste mit anderen Nutzern teilen könnt. Viele der bereits registrierten Nutzer in den Foren zur Spielsucht haben ihre Erfahrungen mit der Sucht niedergeschrieben und bieten umfangreiche Hilfen an. Wir empfehlen euch in jedem Falle eine kurze Recherche, sodass ihr euch mit dem jeweiligen Forum vertraut machen könnt.

GamCare Logo

Gambling Therapy Logo

GambleAware Logo

Sollten allerdings wirklich alle Stricke reißen und keine Hilfe Wirkung zeigen, dann müsst ihr den Schritt hin zur Glücksspielsucht Therapie machen. Dieser Schritt ist nicht einfach und muss von euch selbst erfolgen. Manchmal hört man, eine Therapie sei eine Schwäche, aber in Worklichkeit beweist dieser Schritt eine enorm große Courage und persönliche Stärke.

Aufgrund der wachsenden Gefahr in den vergangenen Jahren habt ihr inzwischen eine große Auswahl an lokalen Hilfe- und Beratungsstellen in Deutschland. Zwar variieren die Angebote und Beratungsstellen von Stadt zu Stadt, dennoch gibt es hier einige zentrale Anlaufstellen für Deutschland, Österreich und die Schweiz:

Deutschland

Schweiz

Österreich
  • Anonyme Spieler AUS (anonym): 0660 – 123 66 74
  • AKH Wien (anonym & kostenlos): 0800 – 205 242 

Symptome der Glücksspielsucht – Checkliste 

Eine mögliche Spielsucht muss nicht zwangsweise bei euch vorliegen, auch im Bekannten- oder Freundeskreis können durchaus Fälle auftreten. Das Heimtückische an der Glücksspielsucht ist allerdings, dass ihr äußerlich keine Veränderungen feststellen könnt, wie zum Beispiel bei anderen Krankheiten. Für euch als Außenstehende ist es daher fast unmöglich zu erkennen, wann eure Freunde oder Bekannte möglicherweise von einer Sucht nach Sportwetten betroffen sind. Zur Orientierung haben wir für euch einige Verhaltensweisen zusammengestellt, die durchaus auf einen problematischen Umgang mit Sportwetten hinweisen können:

  • Das persönliche Umfeld wird oft vernachlässigt, Verabredungen werden mit Notlügen kurzfristig abgesagt
  • Finanzielle Engpässe, starke Stimmungsschwankungen
  • Sportwetten und aktuelle Wettscheine werden stets auf dem Smartphone überprüft
  • Unruhiges und gereiztes Verhalten während Sportübertragungen
  • Es wird extrem viel Zeit am PC oder in lokalen Wettbüros verbracht

All diese Symptome müssen nicht unbedingt für einen problematischen Umgang mit Sportwetten stehen, dennoch sind das Anzeichen für ein Sportwettenverhalten, das zur Sucht geworden sein kann, und müssen ernst genommen werden. Solltet ihr einen ähnlichen Fall in eurem Bekannten- oder gar engeren Freundeskreis haben, sucht in jedem Falle das direkte Gespräch und geht dieses sanft und keinesfalls aggressiv an. Die beste Glücksspielsucht-Ersthilfe für Betroffene im Bekanntenkreis ist immer ein offenes Ohr und ein ehrlicher und vertraulicher Gesprächspartner.

Wie hoch ist das Risiko an Glücksspielsucht zu erkranken?

Dass ihr die Gefahr, an Glücksspielsucht zu erkranken, nicht unterschätzen solltet, zeigen diverse Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in den vergangenen Jahren. Aktuelle Umfragen der BZgA aus dem Jahr 2016 zeigen auf, dass knapp ein Prozent der deutschen Bevölkerung zwischen 16 und 65 Jahren ein problematisches Glücksspielverhalten aufzeigen. Die Zahl der Männer liegt dabei doppelt so hoch wie die der Frauen. Zu der Studie gehören nicht nur Sportwetten, sondern alle Formen von Online-Glücksspiel, so auch alle Aktivitäten in Online-Casinos. Besonders gefährdet sind laut der Befragung junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren.

Die Risiken sind zudem in den vergangenen 10 bis 20 Jahren stark angestiegen, proportional zu dem Aufstieg vieler Sportwettenanbieter und Online-Casinos. Einen einzigen Grund gibt es dabei nicht, es ist viel mehr das komplette Paket eines Online-Anbieters, welches das Risiko deutlich ansteigen lässt. Einzahlungen können z.B. dank E-Wallets und anderen Zahlungsmodalitäten in Windeseile abgeschlossen werden, wodurch schlichtweg das Gespür und das Verständnis für Geld abhandenkommt.

Spätestens dann, wenn die neue Lizenz für den deutschen Sportwettenmarkt 2021 aktiv werden sollte, wird das Thema Spielsucht noch einmal strenger gehandhabt. Wie wir euch in unserem Ratgeber zur rechtlichen Situation von Sportwetten in Deutschland im Detail erklären, wird es laut neuem Gesetzesentwurf dann eine offizielle Sperrdatei geben. Auf diese Liste könnt ihr euch selbst oder aber auch Dritte, wie der Wettanbieter, setzen. Ebenso wird es monatliche Einzahlungs- und Verlustlimits von 1.000 Euro geben. Ebenfalls wird das Risiko durch Live-Wetten und zusätzliche Wettmöglichkeiten stark gesenkt.

Fazit: Probleme im Spielverhalten rechtzeitig erkennen & handeln

Einen Ratschlag zu geben, der allgemein gültig und für alle Situationen zutreffend ist, ist unmöglich. Wenn es einen Ratschlag gibt, dann ist es, eine mögliche Spielsucht oder problematisches Spielverhalten rechtzeitig zu erkennen und möglichst früh anzugehen. Dies vereinfacht nicht nur den Heilungsverlauf, sondern ist auch eine präventive Maßnahme gegen noch größere finanzielle Verluste.

Einfache und schnelle Präventivmaßnahmen sind eine temporäre Sperrung eures Accounts, der Besuch von lokalen Selbsthilfegruppen oder eine anonyme Kontaktaufnahme mit einer der vielen Selbsthilfegruppen im Internet. Eines ist dabei allerdings dringend einzuhalten: Die Maßnahmen müssen früh ergriffen werden, damit das aufkommende Problem bereits im Keim erstickt werden kann. Seriöse Buchmacher verlinken daher auf entsprechende Beratungsstellen und arbeiten eng mit ihnen zusammen. Stellt daher bereits bei der Wahl eures Sportwettenanbieters sicher, dass es sich um ein Unternehmen handelt, welches verantwortungsbewusstes Spielen und den Kundenschutz aktiv vorantreibt.