So. Heute geht es bei der ersten richtig schweren Bergankunft hinauf nach Ax-3 Domaines. Ich erinnere mich noch sehr genau an das Jahr 2003, als einer meiner Lieblingsfahrer aus meinem Lieblingsteam, Carlos Sastre vom Team CSC, diese Etappe gewinnen konnte. Der Spanier ist auch heute wieder am Start, tritt allerdings für das Team Cervelo in die Pedale und ist von der Form und Stärke vergangener Tage doch recht weit entfernt.
Sastre bestritt dieses Jahr bereits den Giro und konnte dort nicht wirklich überzeugen. Damals konnte man noch sagen, dass er sich vielleicht nur auf die Tour de France vorbereiten will, doch nun haben wir die Tour de France und er zeigt erneut keine beeindruckenden Leistungen. Ich glaube, dass Sastre seine beste Zeit hinter sich hat und daher auch auf diesem Berg, den er schon als erster bezwingen konnte, nicht die Wende finden kann.
In der Gesamtwertung liegt er auf Platz 15 mit einem Rückstand von 7:34. Er wird also ganz sicher weder von Astana, noch von Saxo Bank oder einem anderen Klassement-Team in eine frühe Ausreißergruppe gelassen. Kevin De Weert befindet sich auf Platz 23 der Gesamtwertung mit einem Rückstand von 11:27 auf Schleck. Der Belgier ist bisher die Überraschung der Bergetappen, auch wenn er die Vuelta letztes Jahr auf Rang 20 beenden konnte.
Die 7. Etappe war die erste leicht bergige Etappe und dort kamen Sastre und De Weert zeitgleich ins Ziel. Man muss dazu sagen, dass diese Etappe keinerlei Indizen für die heutige liefern kann, weil sie vom Profil her einfach total anders und viel zu leicht war. Schon eher Richtungsweisend waren die Leistungen auf der 8. Etappe, wo zwar Sastre 01:04 vor ihm ins Ziel kam, aber De Weert blieb eine Zeit lang bei Kapitän Chavanel im Gelben Trikot und fuhr erst dann weiter nach vorne, als er das Okay dafür bekam. Das war eine teilweise beeindruckende Aufholjagd und die Zeit, vie er am Ende Rückstand hatte, war dahingehend gering. Noch deutlicher war dann die 9. Etappe, bei der es einen Berg der Höchstkategorie zu bezwingen gab. Sastre kam mit 04:55 Rückstand ins Ziel, während De Weert nur 02:50 verlor und zusammen mit Basso, Armstrong und Menchov die Ziellinie überqueren konnte.
Neben den aktuellen Ergebnissen auf Bergetappen sprechen auch die taktischen Vorhaben eigentlich für De Weert. Der Belgier wird eher fahren gelassen als Sastre und zudem kann ich mir vorstellen, dass Sastre nicht mehr auf Gesamtwertung fährt, sondern auf Etappensieg und somit eigentlich einen noch größeren Rückstand bräuchte, um endlich mal davon fahren zu können. Natürlich ist Sastre auf Grund seiner bisherigen Karriere und seinem Erfolg auf diesem Berg zurecht Favorit, aber in meinen Augen ist er das einfach zu deutlich.
Kevin De Weert erreicht das Ziel auf der 15. Etappe vor Carlos Sastre @ 2,754