Der Kampf um die Ränge hinter Contador & Schleck
3. Samy Sanchez
4. Menchov + 0:13
5. van den Broeck + 0:46
6. Leipheimer + 1:14
7. Gesink + 1:37
8. LL Sanchez + 1 :56
9. Oliver Rodriguez + 2:23
10. Basso + 2:24
11. Kreuziger + 2:26
Während Contador und Schleck sich wie erwartet um den Toursieg schlagen, tobt hinter ihnen der Kampf um Rang drei. Oben aufgelistet sehen wir die neun Fahrer mit den besten Ausgangspositionen. Der Rückstand ist jeweils gemessen am derzeitigen dritten Samy Sanchez vom Team Euskaltel.
Um eine Vorhersage zu wagen, müssen wir uns natürlich erst einmal die noch ausstehenden Etappen anschauen. Zuerst einmal fangen wir bei der 19. Etappe an, welche die letzte sein wird, auf der noch etwas in der Gesamtwertung gemacht wird. Wir fangen deshalb dort an, weil sich eigentlich alles nach dieser noch ausstehenden Etappe richtet. Es ist das 52 km lange flache Einzelzeitfahren, welches einigen Fahrern sehr entgegenkommt und anderen wiederum überhaupt nicht schmeckt. Je nachdem sind auch die Rollen klar verteilt, wer noch Zeit gut machen muss vor diesen Zeitfahren und wer mit der aktuellen Lage zufrieden sein kann.
Ein kurzes Beispiel hierzu bei den beiden Dominatoren Schleck und Contador. Es ist damit zu rechnen, dass Contador ca. 1-2 Minuten gut machen wird können, so dass Andy zwar derzeit in der Gesamtwertung in Führung liegt (41 Sekunden Vorsprung), aber er dennoch eigentlich derjenige ist, der Zeit rausholen muss. Einige fragen sich nämlich, wieso Schleck attackiert und Contador nur mitfährt, obwohl Contador ja hinten liegt. Dieses Zeitfahren ist der Grund für diese Szenen. Und genau so verhält es sich auch bei den Fahrern, die um Platz drei kämpfen.
Sehr gut Zeitfahren können:
Leipheimer
Schlechte Zeitfahrer sind:
Gesink, Oliver Rodriguez
Alle anderen der ganz oben genannten Fahrer schneiden je nach Tagesform ab. Sie sollten alle besser sein als Gesink und Rodriguez und sich im Normalfall auch hinter Leipheimer einordnen. Jedoch muss man solche Vorhersagen immer mit großer Vorsicht genießen. Denn wenn einer schlecht schläft und einfach keine guten Beine erwischt, kann es auch schon mal richtig mies ausgehen. Genauso natürlich auch in die andere Richtung.
Nun gehen wir die anderen noch ausstehenden interessanten Etappen durch. Die für die Gesamtwertung normalerweise uninteressanten Flachetappen lasse ich bewusst komplett weg. Etappe 10 morgen ist die erste, bei der wir schon etwas vorsichtig sein müssen. Sie ist keine Bergetappe, aber hat durch den kleinen Hügel und dann die Abfahrt bis ins Ziel schon auch seinen besonderen Charakter. Der mit Abstand beste Abfahrer der oben genannten Fahrer ist Samy Sanchez. Wenn er morgen auf der Abfahrt attackieren sollte, könnte er schon die ein oder andere Sekunde rausfahren. Im Normalfall ist aber morgen mit Zeitabständen nicht zu rechnen.
Etappe 12 hat ebenfalls einen sehr besonderen Charakter, weil es gegen Ende hin sehr kurz sehr steil wird. Das sind 3,1 Kilometer mit 10,1 % Durchschnittssteigung. Da kommen wir nun zum Unterschied: Berg oder Hügel? Es gibt Fahrer, denen solche kurze giftige Anstiege gar nicht liegen und anderen wiederum liegt dies sehr gut. Bestes Beispiel hierfür wäre Carlos Sastre, der solche Anstiege gar nicht mag. Von unseren genannten liegt dies Menchov, Basso und Leipheimer überhaupt nicht. Es kann durchaus sein, dass diese drei Fahrer auf dieser Etappe überraschend Zeit verlieren. Besonders liegen könnte diese Etappe Samy Sanchez und Oliver Rodriguez.
Die 14. Etappe führt hinauf nach Ax-3-Domaines, wo Carlos Sastre 2003 und Georg Totschnig 2005 gewinnen konnten. Dieser Berg ist nicht besonders lang, aber sehr ungleichmäßig, was Fahrern wie Jan Ullrich z. B. nicht so gut gefällt, weil sie ihren festen Rhythmus fahren und die ständigen Tempowechsel nicht mögen. Ein Fahrer dieser Sorte ist auch Menchov, bei dem ich sehr gespannt bin, wie er diesen Berg überstehen wird. Das könnte für ihn die Schlüsseletappe werden.
Auf der 15. Etappe geht es wieder recht lange ins Ziel bergab, so dass dies wieder zu einer Neutralisation führen könnte und extrem schwer vorhersehbar ist. Im Normalfall sollte hier nicht all zu viel passieren.
Auf der 16. Etappe wird dann zum ersten mal der Tourmalet gefahren, zusammen mit einem weiteren Berg der Höchstkategorie und zwei Berge der ersten Kategorie. Wer hier einen schlechten Tag erwischt, kann sich verabschieden. Aber es geht nach dem letzten Gipfel noch seeeehr lange bergab und flach bis ins Ziel, sodass wir auf jeden Fall keinen Solisten aus der Gesamtwertung sehen werden.
Die 17. Etappe wird dann die absolute Königsetappe werden. Das wird eine Schlacht. Die Etappe der diesjährigen Tour de France. Es geht hinauf zum Tourmalet, der 16,6 km lang ist und eine durchschnittliche Steigung von 7,5 % besitzt. Davor gilt es übrigens nebenbei noch zwei Berge der ersten Kategorie zu überstehen. Hier wird sich alles entscheiden. Hier zeigen sich die absolut besten Bergfahrer. Der Tourmalet ist zusammen mit Alpe d’huez und dem Mont Ventoux wohl der bekannteste und der am meisten gefürchtete Berg der Tour. Hier sollten Schleck und Contador eine gemeinsame Triumphfahrt hinlegen und noch einmal eindrucksvoll beweisen, dass sie die mit Abstand besten Bergfahrer des Feldes sind.
Zusammengefasst komme ich zu folgendem Ergebnis:
Oliver Rodriguez und Luis Leon Sanchez Gil werden im Kampf um das Podium keine tragende Rolle spielen können. Während LLSG im Hochgebirge viel zu schwach ist (wird man vor allem auf der 17. Etappe sehen können), ist Olvier Rodriguez einfach ein viel zu schlechter Zeitfahrer. Beide müssten auf den anderen Etappen einiges an Zeit rausfahren, damit sich dies noch für sie rechnet. Beiden traue ich also keinen Platz unter den ersten dreien zu. Wahrscheinlich reicht es auch nicht für eine Platzierung unter den ersten sechs.
Ivan Basso traue ich ebenfalls den dritten Rang nicht zu. Er hat zum einen schon 2:24 Rückstand auf Samy Sanchez und damit auch über zwei Minuten auf Menchov, und zum anderen sind es bei ihm einfach viel zu viele Fragezeichen. Der Italiener hat den Giro bereits in den Beinen. Zudem hat er Probleme bei Abfahrten und hügeligen Etappen, was sich bei jeder Bergetappe bemerkbar machen könnte. Seine einzige Chance ist, wenn er an den letzten beiden entscheidenden Tagen in Topform ist und gut regeneriert hat. Der Tourmalet ist der Tag, an dem er voll da sein muss. Zudem muss er auf der 19. Etappe beim Zeitfahren eine gute Figur machen. Dort ist er für mich das größte Fragezeichen, da er schon bodenlos schlechte, als auch richtig gute Zeitfahrergebnisse abliefern konnte.
Die nächsten beiden Streichkandidaten wären für mich Gesink und Kreuziger. Von beiden halte ich sehr viel, aber ich glaube einfach, dass es noch nicht ihr Jahr ist. Gesink hat sich angeblich die Elle verletzt und ist zudem ein katastrophaler Zeitfahrer. Er wird dort einige Minuten verlieren. Kreuziger kann gut Zeitfahren und ist auch am Berg ein hervorragender Mann, aber er hat Helferdienste für Basso zu verrichten und ich glaube leider, dass sie mit Basso auf das falsche Pferd setzen. Kreuziger kann noch mehr, als er uns bei dieser Tour zeigen wird. Gesink hat im übrigen mit Menchov auch noch einen Kapitän vor sich sitzen.
Bleiben übrig: Samy Sanchez, Menchov, van den Broeck und Leipheimer. Interessant an dieser Tatsache ist, dass Menchov, van den Broeck und Leipheimer bei niemandem so richtig auf der Rechnung stand. Quote 3,1 auf Menchov für die Top 6 habe ich ja bereits vor der Tour als Tip gepostet. Leipheimer ist nun auf einmal in der Kapitänsrolle und van den Broeck ist der große Unbekannte, der schon die letzten Jahre immer mal wieder vorne dabei war. Samy Sanchez und van den Broeck müssen vor allem den Tourmalet überstehen, während Menchov und Leipheimer bereits auf der 12. Etappe vorsichtig sein müssen und den unrhythmischen Berg hinauf nach Ax-3-Domaines überstehen müssen. Im Normalfall sollten diese vier Fahrer die Plätze 3-6 unter sich ausmachen. Aber wie gesagt: Ein schlechter Moment beim Tourmalet oder auf der 16. Etappe und alles ist vorbei.
Evans, Wiggins, Vinokourov, Armstrong und co. räume ich keine Chancen mehr ein auf die Top 6 der Gesamtwertung, daher werden sie hier gar nicht mehr genannt.
Momentan einzige Quote, die mir auf Grund meiner Gedanken gefällt, aber auch keinen besonders großen Value-Gehalt beinhaltet:
Ivan Basso kommt nicht unter die ersten 6 der Gesamtwertung @ 1,694