Die Bitcoin-Show, Folge 15 (02.06.2022)
Diese Folge steht im Zeichen davon, was wir in den nächsten Monaten von den Finanzmärkten erwarten können.
Es dürfte mittlerweile niemanden verborgen geblieben sein, dass wir Monat für Monat mit höheren Inflationszahlen zu kämpfen haben. Wir merken es im alltäglichen Leben an zb höheren Lebensmittelpreisen, oder den steigenden Energiekosten.
Inflation ist für jede Volkswirtschaft eine unangenehme Sache und der Staat muss diese früher, oder später bekämpfen. In den USA sind sie damit schon einen Schritt weiter, als in der EU.
Inflationsbekämpfung ist leider IMMER auch gleichbedeutend mit schwächelnden Finanzmärkten.
In den USA hat der Staat besonders durch die Corona-Krise unfassbar viel neues Geld drucken lassen, um die Wirtschaft damit zu stützen. Unter anderem wurden große Mengen an Wertpapieren (private, öffentliche, Staatsanleihen,…) gekauft. Das hat sich natürlich außerordentlich gut auf sehr viele Kursverläufe niedergeschlagen und uns einen Bullen Markt beschert.
Grundsätzlich beschert uns dieses - auf englisch - „Quantitative Easing“ des Staates alleine keine Inflation, aber im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen Ukraine/Russland, sowie den immer wieder auftretenden Lockdowns in China, haben wir zusätzlich mit Produktionsproblemen, Lieferengpässen, Lebensmittelknappheit, Arbeitskräftemangel in vielen Sektoren, etc. zu kämpfen. Dadurch die steigenden Preise (das Leben wird immer teurer) und die steigende Inflation.
In den Vereinigten Staaten wird im Kampf gegen die hohe Inflation jetzt mit dem „Quantitative Tightening“ (verzeiht mir, dass ich keinen geeigneten deutschen Ausdruck dafür kenne) begonnen, das soviel heißt, dass der Staat alle, als Wirtschaftsunterstützung zugekauften Wertpapiere jetzt wieder beginnt zu verkaufen. Und wir sprechen hier nicht von geringen Mengen:
Die amerikanische Regierung wird die nächsten 3 Monate monatlich Vermögenswerte um über $47 Milliarden verkaufen. Nach diesen 3 Monaten dann jeweils $95 Milliarden für weitere 3 Monate. Ein Gesamtpaket von über 426 Milliarden Dollar wird über einen Zeitraum von 6 Monaten am freien Markt verkauft. Um das etwas ins Verhältnis zu stellen-> Der größte Hedgefond der Welt, verwaltet insgesamt Vermögenswerte von $150 Milliarden.
Man braucht hier keinen Universitätsabschluss in Volkswirtschaftslehre zu haben, um zu erkennen, dass die nächsten Monate eher ungemütlich verlaufen könnten….denn es müssen auch Käufer für diese großen Verkaufsmengen gefunden werden. Je weniger Käufer, desto mehr werden die Kurse fallen.
(Wie diese Verkäufe im Detail ausfallen und ob wirklich $426 Mrd veräußert werden, kann ich derzeit auch nicht sagen. Das ist ein relativ komplexes Thema, mit dem ich mich vorher auch noch nie auseinandersetzen musste)
Ok, das klingt jetzt alles sehr negativ - gibt es einen Lichtblick am Ende des Tunnels?
- Während der Terra-Implosion wurden innerhalb kurzer Zeit über 80000 Bitcoin verkauft und trotzdem sank der Kurs nie unter $26500. Ganz im Gegenteil, in diesem Bereich gab es sehr viele Käufer, die den Kurs sofort wieder über $30k gehievt haben. Auch in den letzten Wochen sah man sehr starken Support im Bereich von $29000. Es kann sich natürlich recht rasch alles ändern, aber Stand jetzt wäre es nicht verwunderlich, wenn wir für diesen Zyklus den Teppich im Bereich $26000 gefunden haben. In einer ganz schlechten Phase würde mich ein Kurssturz bis $25k (oder knapp darunter) nicht verwundern, aber wir sollten uns relativ schnell wieder erholen und um $28k-$29k einpendeln.
- In den USA stehen im November Zwischenwahlen an, daher gehe ich nicht davon aus, dass sich die Demokraten unter Biden als „Börsen-Zerstörer“ dieser Wahl stellen wollen. Das Ziel sollte also noch vor dieser Zwischenwahl sein, positive Impulse an die Wirtschaft & Börsen zu senden.
- Ein sehr großer Impuls könnte auch sein, wenn sich ein Ende des Krieges in der Ukraine abzeichnen würde, denn das würde (vermutlich) die Inflation im Bereich Lebensmittel und Energie ordentlich nach unten Drücken.
Aber egal wie man es dreht und wendet, man sollte Geduld mitbringen und zumindest bis hin zu den US-Zwischenwahlen im November eher auf abwarten bedacht sein.
Wer überlegt, jetzt langsam eine Position (von welchem Token/welcher Aktie auch immer) aufzubauen, dem würde ich empfehlen, nicht mehr als 20% (bei kleinen Coins/Token/Aktien weniger) zu investieren. Die Chance, dass wir in den nächsten Wochen/Monaten niedrigere Kurse sehen werden, ist sehr groß, so dass man das Risiko so gering wie möglich halten sollten.
Auch werden wir selbst in einem schlimmen Bären-Markt immer wieder auch mehrtägige Kursrallyes erleben, wo viele an eine Trendumkehr (Bär-Bull) glauben und sich in die steigenden Kurse einkaufen. Nur um wenig später mit einem Verlust dazustehen. Dem muss man echt widerstehen können, sofern man kein aktiver (Day/Scalp) Trader.
Warum wir in einem Bären Markt immer diese schnellen Rücksetzer sehen ist relativ einfach erklärt: Viele Hodler sind mit ihren Portfolios derzeit -50% bis -95% im roten Bereich. Ein Großteil dieser Leute wartet dann nicht ab, bis sich die Kurse oder der gesamte Markt erholt haben, sondern sie geben sich auch mit „etwas weniger Verlust“ zufrieden (anstatt -80% „nur“ -60%) und verkaufen ihre Coins/Token dann genau in solche Bären-Kursrallyes hinein. Viele Spot-Trader agieren ähnlich und geben sich in solch schwierigen Marktverhältnissen mit einigen Prozent Gewinn zufrieden und verkaufen viel viel viel früher, als während eines Bullen Marktes. Das läßt die Kurse dann über gewisse Punkte einfach nicht drüber kommen, weil die Verkäufer in Überzahl sind.