(...)Die oben dominante Kritik bzgl. der Steuererhebungsform ("auf den Wetteinsatz") mündet auch stets in der Hauptargumentation (Besteuerungshöhe) und ist von dieser getrennt imho (Laie) kaum haltbar. Zum einen kann eine vergleichbare Belastung auch in der empfohlenen Besteuerungsform ("auf Bruttospielertrag") bewirkt werden, zum anderen hat wohl auch diese (bei empfohlener Höhe) einen Einfluss auf Preisfindung/Wettquotenfixierung(...)
Ich kann ja die Dankesbekundungen zu den von uns bevorzugten Meinungen verstehen, ich teile aber auch die hier selten geäußerte/n Skepsis/Hinweise, dass es dazu auch andere Meinungen, andere Argumentationsketten gibt (...)
Unbestritten, frei nach Stoibers Motto, "Zeig mir deinen Prof, dann zeig ich dir meinen Prof", gibt es auch hier zahlreiche Studien mit teils gegensätzlichen Schlussfolgerungen.
Das Modell der Rohertragssteuer (RES) ist schließlich nur eines von vielen möglichen. Es gibt eine Studie von Barth und Becker von der Uni Hohenheim, die das Modell der Wetteinsatzsteuer (WES) präferiert, weil es ein höheres Steueraufkommen generiere, so die Annahme. Allerdings wird starke Kritik an dieser Studie geübt, u.a. in einem Gutachten von Schmidt/Lima de Miranda vom IfW Kiel. Der Vorwurf: der offenkundige Effekt sinkender Wetteinsätze infolge steigender Preise im Modell der WES bliebe völlig unberücksichtigt und diskriminiere das Modell der RES (nachzulesen unter 4.1 Erzielung von Steuereinnahmen, S. 6 ff.
http://www.ifw-kiel.de/wirtschaftspolitik/politikberatung/kiel-policy-brief/KPB_44.pdf).
Jenes wird in einer Studie von PricewaterhouseCoopers für das rentablere Modell erklärt (i.Ü. auch von Prof. Eilers in seiner o.g. Stellungnahme). Das IfW Kiel folgte der Argumentation von PwC. Schleswig-Holstein schloss sich an (20% auf Rohertrag).
Und siehe da: die Wettanbieter stehen Schlange. Bis Mai wurden 6 Lizenzen an private Anbieter vergeben (bet-at-home, bet365, betfair, bwin, mybet, tipico ) und weitere 26 (!) Anträge stehen zur Bearbeitung aus.
Vom Bundesmodell (5% auf Wetteinsatz) scheinen die Bookies weniger angetan. Die spontane Reaktion einiger Anbieter ist bekannt. Ich befürchte, dass es tatsächlich vorrangig am Steuermodell liegt, und weniger an der Lizenzvergabe, welche 188bet als offiziellen Grund in seiner Mail angibt.
Frankreich, z.B., hat vor ein paar Jahren das WES Modell installiert (mit einem Steuersatz von 8,5%). Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass der französiche Markt für internationale Online-Bookies nicht geöffnet sei. Seit April 2010 kann dort jeder als Anbieter auftreten, wer möchte. Die Resonanz unter den Bookies hält sich jedoch bis heute in Grenzen. Von den hierzulande bekannten Bookies fällt mir spontan nur betclic und bwin ein, die am frz. Markt agieren. 365, pinnacle, 188 u.v.m. sind meines Wissens nach noch immer gesperrt für frz. Kunden. Die strenge Linzenzvergabe mag ein Grund dafür sein. Aber vorrangig, wie gesagt, sehe ich das Steuermodell als unüberwindbare Barriere.
Der Präsident der frz. Regulierungsbehörde ARJEL wurde im Juli 2011 folgendermaßen zitiert: "Wir haben nunmehr erkannt, dass ein Besteuerungsmodell basierend auf einer Besteuerung der Spieleinsätze nicht funktioniert." (
ARJEL Concedes Tax Failings In France | GamblingCompliance leider kostenpflichtiger Artikel). Auch Prof Eilers sagt: "(...)unter der Berücksichtigung der Erfahrungen, die derzeit mit der Spieleinsatzsteuer in Frankreich gemacht werden, ist jedoch eine Steuer auf Basis der Spieleinsätze kein geeignetes Instrument."
Ich mag die Fakten nur oberflächlich kennen und angesichts der Komplexität des Thema lasse ich viele Details vermutlich außen vor, aber auf Grundlage dessen, was ich bis jetzt gehört und gelesen habe, glaube ich, dass sich die Bundesregierung für das FALSCHE Modell entschieden hat, weil es wirtschaftlich für Wettanbieter mit hohem Payout (erfordert der Wettbewerbsdruck nun mal) nicht tragbar ist (Kombis und Systemwetten nicht berücksichtigt - da hast du Recht).
Mit etwas Pech blüht uns ein ähnliches Schicksal wie den Franzosen. Gott bewahre...