US-Wahl 2020

So, die Ergebnisse sind fast alle drin.

Ich bin ein bisschen unsicher, wie ich denn jetzt auswerten soll, gesammelt oder einzeln. Ich gruppiere mal die Wetten des gleichen Typs, dann kann ich nochmal einen Kommentar dazu machen. Nachher schreibe ich auch nochmal ein bisschen was dazu, wie man das Ergebnis denn jetzt interpretieren kann, die Prognosen haben ja nunmal zum Teil deutlich daneben gelegen.

5 (Sieg Demokraten zu 2,2, gesetzt am 9.2.); gewonnen, macht +6 Einheiten
5 (Sieg Demokraten zu 2,05, gesetzt am 10.03.): gewonnen, macht + 5,25 Einheiten

Um die Wahrheit zu sagen bin ich mir im Nachhinein gar nicht so furchtbar sicher, ob das jeweils gute Wetten waren oder nicht. Zum Zeitpunkt der Wettabgabe fand ich das sehr plausibel und ich fand auch den Zeitpunkt der Wettabgabe richtig, weil absehbar, dass die Quote eher nach unten als nach oben gehen würde. So ist es dann auch gewesen, ich habe mich den ganzen Cycle über auch gut mit dem Einsatz gefühlt.

Trotzdem zwei Dinge: erstens muss man jetzt mal klären, welche Rolle Corona in dieser Wahl gespielt hat. Wenn man sich anschaut, dass die Zahlen sich durch Corona kaum verändert haben und wie jetzt die exit polls zeigen, dass das Thema für einen wesentlichen Teil der Wähler gar kein Thema war, dann kann man schlussfolgern, dass Corona fast egal war – aber sicher ist das nicht. Und daran schließt sich ja die Frage an, ob die Demokraten ohne Corona gewonnen hätten. Zweitens, man muss sagen, dass die Unterstützung für Trump systematisch unterschätzt wurde, natürlich auch von mir. Ich war mir eigentlich den ganzen Cycle über sehr sicher, dass Team Blau gewinnt, wenn man sich die Ergebnisse anschaut muss man natürlich die Frage stellen, ob dieser Optimismus und diese Sicherheit so gerechtfertigt war. Aber dazu am Ende noch ein paar Gedanken.


Gegenwärtiger Stand:
Gesamtbilanz:
Verloren: 0,6 + 5 + 5 + 2 + 2 + 1 +1 +0,5 = 17,1 Einheiten
Gewonnen: 6 + 3 + 2,7 + 6,69 + 6 + 5,25 = 29,64 Einheiten
Gegenwärtiger Stand also: +12,54 Einheiten



Noch auszuwerten 52 Einheiten:
3 (Präsidentschaft Biden zu 17, gesetzt am 26.2., eine davon ausgecasht am 15.06.)
5 (4 Einheiten Trump erreicht 40-45% der Stimmen zu 4 bzw. eine Einheit weniger als 40% zu 11, gesetzt am 18.3.)
8 (Sieg Demokraten in New Hampshire zu 1,45, gesetzt am 1.5.)
8 (Sieg Demokraten in Pennsylvania zu 1,55, gesetzt am 1.5.)
8 (Sieg Demokraten in Michigan zu 1,44, gesetzt am 1.5.)
6 (Sieg Demokraten in Minnesota zu 1,53, gesetzt am 15.09.)
6 (Sieg Demokraten in Wisconnsin zu 1,57, gesetzt am 15.09.)
2 (Sieg Demokraten in Iowa zu 3,5, gesetzt am 15.09.)
3 (Sieg Demokraten in Florida zu 2,05, gesetzt am 28.10.)
2 (Sieg Demokraten in Iowa zu 2,30, gesetzt am 28.10.)
1 (Sieg Demokraten in Iowa UND Sieg Republikaner in Ohio zu 3,5, gesetzt am 28.10.)
 
3 (Präsidentschaft Biden zu 17, gesetzt am 26.2., eine davon ausgecasht am 15.06.),
gewonnen, macht + 34


Das war natürlich meine große Gewinnerwette. Unter der Annahme, dass die durchgeht, konnte ich mir natürlich ein paar longshot-Wetten leisten, bei denen ich ansonsten wahrscheinlich etwas vorsichtiger gewesen wäre, aber ich mag mich mal nicht beschweren.

Am Ende muss ich hier auch so ehrlich sein und zugeben, dass ich in dieser wirklich merkwürdigen Vorwahl auch ganz lange von einem zum nächsten Kandidaten rummäandert bin. Es gab ein paar Figuren, die man wohl von Anfang an ausschließen konnte, Bernie, Buttigieg oder Booker u.a. (interessantes Gedankenspiel: wie wäre die Wahl wohl verlaufen wenn die Demokraten mit einer nichtschwulen Version von Buttgieg und einer nichtveganen Version von Booker angetreten wären?) Aber für eine Weile habe ich gedacht, es laufe auf Warren zu, dann habe ich Bloomberg viel zugetraut. Meine eigentlichen Kandidaten, wie Sherrod Brown, Hickenlooper oder Bennet haben nie eine wirkliche Rolle gespielt. Unter dem Strich habe ich in dieser Zeit in meinen persönlichen Wetten tatsächlich ein paar Mark verloren.

Auf der anderen Seite kann ich mir ein bisschen auf die Schulter klopfen, weil ich erstens wachgeblieben bin, um die Debatte anzuschauen, in der sich so einiges geklärt hat. Und zweitens war ich so geistesgegenwärtig zu erkennen, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt alles auf Biden zulaufen würde. Die Quote war dann auch noch ein paar Tag erelativ hoch, so dass man da mitspielen konnte. Ich würde allerdings nicht mehr auf die Präsidenten-, sondern auf die Kandidatenvariante setzen, gerade im Fall eines so wackligen Kandidaten wie Biden. Das hat mich einige Nerven gekostet.



Gegenwärtiger Stand:
Gesamtbilanz:
Verloren: 0,6 + 5 + 5 + 2 + 2 + 1 +1 +0,5 = 17,1 Einheiten
Gewonnen: 6 + 3 + 2,7 + 6,69 + 6 + 5,25 + 34 = 63,64 Einheiten
Gegenwärtiger Stand also: +46,54 Einheiten

Noch auszuwerten 49 Einheiten:
5 (4 Einheiten Trump erreicht 40-45% der Stimmen zu 4 bzw. eine Einheit weniger als 40% zu 11, gesetzt am 18.3.)
8 (Sieg Demokraten in New Hampshire zu 1,45, gesetzt am 1.5.)
8 (Sieg Demokraten in Pennsylvania zu 1,55, gesetzt am 1.5.)
8 (Sieg Demokraten in Michigan zu 1,44, gesetzt am 1.5.)
6 (Sieg Demokraten in Minnesota zu 1,53, gesetzt am 15.09.)
6 (Sieg Demokraten in Wisconsin zu 1,57, gesetzt am 15.09.)
2 (Sieg Demokraten in Iowa zu 3,5, gesetzt am 15.09.)
3 (Sieg Demokraten in Florida zu 2,05, gesetzt am 28.10.)
2 (Sieg Demokraten in Iowa zu 2,30, gesetzt am 28.10.)
1 (Sieg Demokraten in Iowa UND Sieg Republikaner in Ohio zu 3,5, gesetzt am 28.10.)
 
5 (4 Einheiten Trump erreicht 40-45% der Stimmen zu 4 bzw. eine Einheit weniger als 40% zu 11, gesetzt am 18.3.)
verloren, macht -5 Einheiten


Tatsächlich hatte ich das für eine der besten Wetten gehalten. Eine Viererquote für ein Ergebnis, dem ich so ungefähr knapp 50% Wahrscheinlichkeit gegeben habe, kam mir ganz gut vor. Tja, da habe ich wohl daneben gelegen, gegenwärtig 47,7%, dürfte noch etwas abrutschen und vielleicht bei 47% landen. Es ist und bleibt ein Phänomen, dass die Unterstützung zu keinem Zeitpunkt eingebrochen ist. Dass das seine üblichen Geschichten und Skandale – der ist immerhin impeached worden – keine ganz große Rolle spielen würden, war ja ab irgendwann einfach deutlich klar. Aber bei Corona, dachte ich, hört auch für einen Teil der Trump-Leute der Spaß auf.



Gegenwärtiger Stand:
Gesamtbilanz:
Verloren: 0,6 + 5 + 5 + 2 + 2 + 1 +1 +0,5 + 5= 22,1 Einheiten
Gewonnen: 6 + 3 + 2,7 + 6,69 + 6 + 5,25 + 34 = 63,64 Einheiten
Gegenwärtiger Stand also: +41,54 Einheiten

Noch auszuwerten 44 Einheiten:
8 (Sieg Demokraten in New Hampshire zu 1,45, gesetzt am 1.5.)
8 (Sieg Demokraten in Pennsylvania zu 1,55, gesetzt am 1.5.)
8 (Sieg Demokraten in Michigan zu 1,44, gesetzt am 1.5.)
6 (Sieg Demokraten in Minnesota zu 1,53, gesetzt am 15.09.)
6 (Sieg Demokraten in Wisconsin zu 1,57, gesetzt am 15.09.)
2 (Sieg Demokraten in Iowa zu 3,5, gesetzt am 15.09.)
3 (Sieg Demokraten in Florida zu 2,05, gesetzt am 28.10.)
2 (Sieg Demokraten in Iowa zu 2,30, gesetzt am 28.10.)
1 (Sieg Demokraten in Iowa UND Sieg Republikaner in Ohio zu 3,5, gesetzt am 28.10.)
 
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8 (Sieg Demokraten in New Hampshire zu 1,45, gesetzt am 1.5.
Gewonnen, macht +3,6


8 (Sieg Demokraten in Pennsylvania zu 1,55, gesetzt am 1.5.)
Gewonnen, macht +4,4


8 (Sieg Demokraten in Michigan zu 1,44, gesetzt am 1.5.)
gewonnen, macht + 3,52


6 (Sieg Demokraten in Minnesota zu 1,53, gesetzt am 15.09.),
Gewonnen, macht + 3,18


6 (Sieg Demokraten in Wisconsin zu 1,57, gesetzt am 15.09.)
gewonnen, macht +3,42


2 (Sieg Demokraten in Iowa zu 3,5, gesetzt am 15.09.),
Verloren, macht -2



Ob man jetzt so relativ kleine Quoten bei so sehr langen Fristen spielen sollte, muss halt am Ende jeder für sich entscheiden. Was man eher diskutieren muss ist ja: waren diese Wetten furchtbar schlecht, weil es in Wisconsin, Pennsylvania und Michigan so knapp war, oder waren diese Wetten richtig gut, weil es am Ende gereicht hat, obwohl es so unerwartet eng geworden ist?

Sagen wir mal so, ich war mir aus der Wahlhistorie heraus und aufgrund der Wahllogik einigermaßen sicher, sonst hätte ich das nicht gesetzt (mit Ausnahme von Iowa natürlich). Aber ehrlicherweise würde ich noch ein paar Runden intensiver über den Einsatz nachdenken, würde ich ahnen wie eng das werden wird.



Gegenwärtiger Stand:
Gesamtbilanz:
Verloren: 0,6 + 5 + 5 + 2 + 2 + 1 +1 +0,5 + 5 + 2= 24,1 Einheiten
Gewonnen: 6 + 3 + 2,7 + 6,69 + 6 + 5,25 + 34 + 3,6 + 4,4 + 3,52 + 3,18 + 3,42 = 81,76 Einheiten
Gegenwärtiger Stand also: +57,66 Einheiten

Noch auszuwerten 6 Einheiten:
3 (Sieg Demokraten in Florida zu 2,05, gesetzt am 28.10.)
2 (Sieg Demokraten in Iowa zu 2,30, gesetzt am 28.10.)
1 (Sieg Demokraten in Iowa UND Sieg Republikaner in Ohio zu 3,5, gesetzt am 28.10.)
 
3 (Sieg Demokraten in Florida zu 2,05, gesetzt am 28.10.)
verloren, also -3


2 (Sieg Demokraten in Iowa zu 2,30, gesetzt am 28.10.)
verloren, also -2


1 (Sieg Demokraten in Iowa UND Sieg Republikaner in Ohio zu 3,5, gesetzt am 28.10.)
verloren, also -1


Den Part hätte ich mir wohl schenken können und ohne die Biden-Wetten hätte ich da auch länger drüber nachgedacht. Aber was soll’s, immerhin gab es auch gute Gründe. In Florida lag Biden in den 10 Tagen vor der Wahl einigermaßen konsistent so 2-3% vorne. Für mich hat aber den Ausschlag gegeben, dass Team Trump zu diesem Zeitpunkt fast alle Ressourcen aus Florida abgezogen hatte, und zugleich war bekannt, dass Bloomberg 100 Millionen für Biden eingesetzt hat. Insofern konnte man da durchaus an Biden glauben, ob die Quote dafür gut genug war, ist aber natürlich ein bisschen fraglich. Nebenbei: in seine eigene Kandidatur hat er eine Milliarde investiert, in Florida jetzt 100 Millionen, jeweils ohne großes Ergebnis, Bloomberg ist wirklich nicht gut darin, Geld in Stimmen umzuwandeln.

Die Iowa-Wette hätte ich auf keinen Fall abgegeben, wenn die Umfrage des Des Moines Register schon da gewesen wäre, die aber erst zwei Tage später rauskam und Trump 7 Punkte vorne sah, also fast auf den Punkt richtig war. Der Des Moines Register bzw. der dahinterliegende Pollster ist in Iowa tatsächlich sowas wie der Goldstandard – hatte allerdings wenige Wochen zuvor auch einen Gleichstand vorhergesagt. Zum Zeitpunkt der Wettabgabe lag Biden in den meisten Umfragen knapp vorne. Und, es hatte gerade die Debatte der beiden Senatoren-Kandidatinnen stattgefunden, in der die Republikanerin erst den Tagespreis für Sojabohnen nicht kannte, dann unrichtig behauptet hatte, ihre Gegenkandidatin hätte auch falsch gelegen und zum Schluss versucht hat, sich mit einem Mikrofonproblem rauszureden, an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Da konnte man schon annehmen, dass das in einem landwirtschlich geprägten Land schädlich ist und auch auf Trump durchschlägt Tatsächlich scheint es aber gerade umgekehrt gewesen zu sein, Trump hat die Senatorin mitgezogen, die Zeiten, in denen die Leute gelegentlich auch mal die Stimmen auf dem Ticket gesplittet haben, sind wohl vorbei


Gesamtbilanz:
Verloren: 0,6 + 5 + 5 + 2 + 2 + 1 +1 +0,5 + 5 + 2 + 3 + 2 +1 = 30,1 Einheiten
Gewonnen: 6 + 3 + 2,7 + 6,69 + 6 + 5,25 + 34 + 3,6 + 4,4 + 3,52 + 3,18 + 3,42 = 81,76 Einheiten
Endstand also: +51,66 Einheiten (ohne Biden-Wetten: 9,97)


Wie gesagt, nachher nochmal ein paar Gedanken zur Frage, wie schlau es ist, auf Wahlen zu setzen und wie man da rangeht.
 
Ist die Wahl bei euch schon ausgewertet worden, oder zieht sich das noch hin bis wirklich alles ausgezählt wurde/das electoral college gestimmt hat/die Amtseinführung war?
Bet hat schon Bundesstaaten ausgewertet, aber nicht alle. Andere Wettbüros haben gar nichts ausgewertet. Man muss jetzt abwarten was Trump alles macht. Auch muss man schauen was bei etwaigen Gerichtsurteilen raus kommt und wie die Buchmacher auswerten. Wenn das Ereignis vorbei ist muss man normal das Ergebnis nehmen, etwaige Reklamationen mit anderem Ausgang sind da uninteressant. Aber bei dieser Wahl ist das etwas komplizierter. Wenn Trump wie man liest die Ergebnisse von 4 oder 5 Bundesstaaten als ungültig erklären lassen will und das gelingt, dann haben die Republikaner gewonnen. Oder es geht bis ins oberste Gericht und die entscheiden das eben einige Bundesstaaten als ungültig gewertet werden, dann würde es richtig knackig werden. Ob Trump das riskiert wird man sehen, denn er riskiert dann auch einen Bürgerkrieg. Man kann nur hoffen das ihn die eigene Partei von dem Vorhaben abbringt. Aber endgültig entschieden ist diese Wahl nicht.
 
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Wie gesagt, nachher nochmal ein paar Gedanken zur Frage, wie schlau es ist, auf Wahlen zu setzen und wie man da rangeht.
Schlau oder nicht schlau ist für mich nicht die Frage.
Wie man rangeht natürlich schon. Wobei man vorab schon unterscheiden muss geht es um die bayrische Landtagswahl, oder gehts ums höchste Amt in den USA. Die größte aller Wahlen ist nun einmal die Präsidenten Wahl in den USA. Schon die Vorlaufzeit ist unglaublich lang und die Auswahl der Kanditaten ist ein Prozedere der Sonderklasse. Dann noch 50 Bundesstaaten, das muss man sich einmal vorstellen.
Also den Weg den du gegangen bist über 2 Jahre sich mit dieser Wahl zu beschäftigen den würde ich nicht machen und nicht empfehlen. Es wird genug gegeben haben die auch 2 Jahre dabei waren und auf die Republikaner gesetzt haben. In dem Fall dann sehr viel Zeit und ein Verlust auch noch. In vielen Bundesstaaten sind die Wahlmotive verschieden und das alles zu eruieren ist ja nahezu unmöglich. Sich nur an Umfragen halten ist auch problematisch weil speziell die Wahlforscher 2016 arg daneben gelegen sind. Warum sollte das diesmal um soviel besser sein? Ausserdem gibts ja unzählige Umfragen und letzendlich ist eine Umfrage keine Wahl. Von daher ist diese Wahl zum Wetten keine gute Wahl weil viel zu kompliziert. Das sieht man auch daran das der Sieger feststeht, aber ob er wirklich der Sieger sein wird wissen wir immer noch nicht zu 100%. Im Vergleich dazu die bayrische Landtagswahl, da ist der Vorlauf relativ kurz, die Positionen der Parteien sind relativ klar und die Umfragen sind genauer, speziell in Richtung Wahl.
Der Punkt um einzusteigen kann verschieden sein, manches ist halt am Anfang wo die Umfragen noch weniger aussagekräftig sind besser, anderes lässt sich eher knapp vor der Wahl bestimmen oder eben nie, dann halt nicht. Nur eines muss man aufpassen das einem seine eigene politische Gesinnung nicht zur Falle wird. Heisst etwas wetten was ich gerne hätte kann schon recht schnell schiefgehen. Auch nur nach Umfragen wetten funktioniert nur bedingt, denn die Bookies nehmen natürlich Umfragen als Basis für das legen der Wetten. Unsere EU Wahl ist eine sehr schwierige Wahl, denn da stimmen eben viele verschiedene Länder ab. In Summe gibts nicht die eine erfolgreiche Vorgangsweise, es ist von Wahl zu Wahl verschieden. Wenn es einem interessiert ist es schon gut, aber keinen Menschen interessiert halt jede Wahl. Bei uns in Österreich weiß ich welchem neutralen Experten ich zuhöre, der bringt einen schon das eine oder andere mal auf die richtige Spur. Der Anstieg an wechselwilligen Wählern ist heutzutage wesentlich größer als früher, das macht die Sache auch schwerer, aber auch interessanter.

Also, die Herangehensweise kann für verschiedene Wahlen in verschiedene Länder niemals gleich sein.
 
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Danke für die Antwort, Robär.
Mein Buchmacher hat die Wahl um den Präsudententitel noch nicht ausgewertet und ich war mir jetzt unsicher ob das an den anfechtungen, diesem neuen Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland, oder einfach an versäumnis liegt (hatten bereits vergessen meine Wette auf Bidens Vizepräsidenten pick auszuwerten damals.) ... ich werde mich noch ein paar Tage gedulden 😅
 
So, nachdem die Ergebnisse im Groben vorliegen, kann man wohl ein paar erste Urteile wagen. Sorry, ich bin nicht gut darin, mich kurz zu fassen, aber das muss ja niemand lesen, es geht nur darum eine Nachbetrachtung zu machen.

Wenn ich es richtig sehe, dann gab es Dienstagnacht auf der Welt, in meinem Umfeld, hier im Forum und zugegebenermaßen auch bei mir ordentliche Irritationen, weil die tatsächlichen Ergebnisse von den Umfragen so stark abgewichen sind. Was heißt das jetzt? Immer auf den Underdog gehen? Umfragen alle Unsinn? Andere Indikatoren nehmen?

Erst einmal: die Umfragen lagen daneben, aber sie lagen viel weniger daneben, als man am Anfang denken konnte.

Joe Biden hat gewonnen. Und genau das war die Vorhersage. Nate Silver hat ihm eine 90%-Chance gegeben, und auch wenn ich mich nicht (allein) auf den verlassen habe, muss man sagen, er hat eben recht gehabt. Biden hat auch die popular vote gewonnen, und zwar mit einem ordentlichen Abstand was die absoluten Zahlen angeht. Am Ende wird es wohl darauf hinauslaufen, dass Biden bei 306 Electoral Votes landet, das ist irgendwo zwischen knapp und okay. Ich habe auch nie auf EVs getippt übrigens, habe Trump aber weniger in der Popular Vote gegeben, s.o.

Wenn man das staatenweise durchgeht, dann haben die Polls vor allem in Florida daneben gelegen, mit Abstrichen auch in Ohio und Iowa. Arizona, Nevada und den mittleren Westen (und alle anderen Staaten) hatten die meisten Pollsters aber in der Tendenz richtig, allerdings meistens nicht in der Marge (zum Teil auf den Punkt richtig, aber meistens nicht). Georgia und North Carolina haben die meisten als Toss Ups gesehen, und das erleben wir gerade, weil da immer noch kein Sieger feststeht. Das ist auch übrigens keine Sache, die sich darauf zurückführen ließe, dass die Pollsters parteiisch wären. Auch und gerade die Pollster haben falsch gelegen, die von den Leuten angeführt werden, die hier im Forum so besonders engagiert diskutieren. Trafalgar, Rasmussen, Pulse, alle bekannt für ihre Nähe zu den Republikanern haben zumeist Michigan, Arizona, Pennsylvania, Georgia falsch zugeordnet. Es gibt also nicht die einen Institute, die immer richtig lagen, und die anderen, die immer falsch waren.

Unter dem Strich hat man mit Polls also richtiger gelegen als mit Würfeln oder Pfeile werfen. Was man ja aber schlicht nicht übersehen kann, ist, dass Trumps Stimmenanteil systematisch unterschätzt wurde. Der Real-Clear-Average lag für die popular vote bei 51,2 zu 44, gegenwärtiger Zwischenstand ist 50,5 zu 47,7. Das dürfte im Laufe der Auszählung für Biden noch ein paar Zehntel hoch und für Trump ein paar Zehntel runter gehen, aber es bleibt ja der Befund, dass die Anteile für Biden relativ gut und die für Trump 3-4% zu niedrig geschätzt wurden – und das gilt mit Abweichungen hie und da fast durchgehend auch auf Staatenebene. Übrigens kleine Nebenbemerkung: Jadonsancho, falls Du hier noch mitliest, ja, Du vermutest richtig, ich habe tatsächlich irgendwannmal irgendwas studiert, aber entgegen Deiner Vermutung dabei auch mal eine Statistikvorlesung gehört. Die in einer Befragung ermittelten Prozentwerte sind ganz normale metrische, in dem Fall ratioskalierte Daten. Und deshalb ist es auch mathematisch vollkommen zulässig die zu mitteln. Und selbst wenn das anders wäre, bliebe es ja eine spannende Information, mehrere Umfragen auf einen Wert zu verdichten.

Wie ist das jetzt zu erklären, dass die Umfragen, so ähnlich wie schon 2016 relativ stark daneben gelegen haben, auch wenn das meistens noch halbwegs innerhalb der Fehlertoleranz liegen dürfte? Das wird ziemlich sicher in den nächsten Wochen, Monaten, Jahren von schlaueren Menschen sehr intensiv diskutiert werden, immerhin hängt die Glaubwürdigkeit und letztlich das wirtschaftliche Überleben der Institute daran, dass sie da eine überzeugende Antwort geben können. Das warte ich mal ab, aber meine paar Cent zum jetzigen Zeitpunkt:

a) Die Umfragen hatten Schwierigkeiten die Dynamik abzubilden. In den Exit-Polls zeigt sich, dass die Late Deciders überwiegend zu Trump geschwenkt sind. Das war bestimmt ein Faktor, erklärt das Phänomen aber nicht in einem Ausmaß wie 2016, meiner Meinung nach.

b) Immer noch bzw. erneut falsche Modelle was die Stichprobenzusammensetzungen angeht? Kann ich so nicht beurteilen, wird man sicher diskutieren.

c) Antwortverweigerungen? Das scheint mir im Augenblick der heißeste Kandidat. Vor ein paar Tagen habe ich da noch gegenargumentiert, als Jadonsancho dieses Argument angebracht, einer von acht Trumpleuten würde sich an Befragungen nicht beteiligen. Mir ist tatsächlich nicht klar, was das bringen soll. Aber da scheint es wohl inzwischen eine grundlegende Skepsis gegenüber allem zu geben, was nicht unmittelbar aus dem eigenen Lager kommt, der Deep State, der Staat, die Medien, was weiß ich. Man muss tatsächlich zur Kenntnis nehmen, dass sich Leute innerhalb relativ kurzer Zeit anscheinend vollkommen von der Realität abzukoppeln. Sieht man ja zum Teil auch bei uns, wo der Wahnsinn ja auch nicht immer nur leise lächelt.

d) Ganz generell scheint ja gerade bei Wahlen mit Trump-Beteiligung der Wurm drin zu sein. 2016 und nun 2020 waren schwache Jahre für die Pollster, 2018 bei den Midterms haben die aber im Großen und Ganzen ganz gut gelegen. Tatsächlich war ich geneigt, den Trump-Siegt sozusagen als Betriebsunfall zu sehen, eine Kette sehr unglücklicher Umstände in einem historisch kuriosen Umfeld, wo dann so eine schräge Figur haarscharf mit 77.000 Stimmen gewinnen konnte. Und diese Haltung schien sich ja zu bestätigen, indem Trump in seinen Zustimmungswerten immer unterirdisch war und vor allem durch die Midterm-Ergebnisse, wo die Demokaten einen Riesen-Erfolg im Repräsentantenhaus hatten, durchaus eine blaue Welle. Das habe nicht nur ich so interpretiert, dass das noch heftiger wird wenn Trump selbst auf dem Wahlzettel steht. Und das Gegenteil ist eingetreten. Mit Trump auf dem Zettel haben die Republikaner viel besser abgeschnitten als 2018 und vor allem, er hat auch das House, den Senat und die Downballot-Wahlen mitgezogen. Senatswahlen die knapp oder zumindest kompetetiv hätten sein sollen, waren es nicht, wie in Maine, Iowa, South Carolina, Kentucky. Woran das liegt? Keine Ahnung. Entweder es liegt unmittelbar an Trump oder es hat sich in den letzten zwei Jahren etwas verändert, die Leute haben sich radikalisiert, noch weiter von der realen Welt gelöst oder es hat schlicht eine solche Gewöhnung an Trump stattgefunden, dass die diese permanente Grenzüberschreitung gar nicht mehr so wahrgenommen haben.

e) Im Augenblick stehen ja noch die Anschuldigungen vonseiten des Trump-Lagers im Vordergrund, bislang völlig ohne Bestätigung. Aber in ein paar Tagen wäre das schon sehr interessant, mal unabhängige Einschätzungen zu bekommen, wie viele Biden-Stimmen denn im Rahmen dieser ganzen Trump-Schweinereien weggefallen sind. Wie viele der Vorbestraften in Florida konnten am Ende tatsächlich wählen? Wie viele Leute haben nicht gewählt, weil es vielerorts systematisch in demokratischen Hochburgen zu wenige Wahllokale gibt und die Leute stundenlang anstehen müssen? Wie viele Leute haben sich einschüchtern lassen oder sind solchen Kampagnen aufgesessen, sie sollten am 4.11. wählen, weil da weniger los ist? Wie viele Briefwahl-Stimmzettel sind nicht oder zu spät angekommen, weil Trump und sein Kumpel Dejoy mit Vorsatz die Briefwahl sabotiert haben? Da wäre ich auf objektive Ergebnisse unabhängiger Untersuchungskommissionen gespannt.

Ich denke, all diese Fragen werden jetzt untersucht und diskutiert werden. Und was sagt das jetzt, wie sollte man an Wahlprognosen herangehen? Auch keine Ahnung so genau. Weil ich nachvollziehbare Methoden mag, bin ich geneigt in den meisten Fällen Umfragen immer noch als die Methode der Wahl zu betrachten. Die haben in der Vergangenheit gut funktioniert, die haben auch in den USA in der Vergangenheit gut funktioniert, jetzt aber in zwei Wahlen ordentliche Bugs aufgewiesen. Vielleicht wird es so eine Art regionale Spezialisierung geben. Wenn Anne Selzer in Iowa gut pollen kann, dann heißt das nicht, dass sie das auch in Missouri gut kann.

Ehrlich gesagt, ich bin auch sehr unentschieden, was andere Methoden angeht. Das läuft ja letztlich immer darauf hinaus, dass man irgendwelche Indikatoren heranzieht und unterstellt, dass die blöden Meinungsforscher zu dämlich sind, das in den Zahlen abzubilden. Klar ist die Zahl der Neuwählerregistrierungen ein Indikator, oder die Zahl der Retweets oder der Yard-Signs oder die Zahl der freiwilligen Helfer, der Spender usw. Aber wie verdichtet man das zu einem gültigen Gesamtbild, das mehr ist als bloßes Bauchgefühl? Es gibt bei Wahlen immer 1000 Indikatoren in beide Richtungen, die sich im Nachhinein anführen lassen, um dann behaupten zu können, ich hab‘s doch die ganze Zeit gewusst. Ich bleibe da skeptisch, muss jetzt aber auch erstmal schauen, wie die die Nachbereitung ausfällt.

Ein Punkt der wohl spannend bleibt, liegt darin, gut informiert zu sein und Entwicklungen früher zu erahnen als der Rest. Vor ein paar Jahren habe ich hier prognostiziert, dass Ted Cruz einer der ernstzunehmenden Kandidaten in der Vorwahl sein wird, einfach weil ich ein bisschen was darüber gelesen hatte, bevor sich irgendjemand dafür interessiert hat. Bei der letzten Wahl in Frankreich habe ich ein paar Mark damit gemacht, dass ich früher kombiniert hatte, dass es auf eine Stichwahl zwischen Macron und LePen hinausläuft, die Macron natürlich gewinnt. Das ist aber natürlich erstens sehr langfristig und ziemlich unsicher – in den USA war ich ja mal lange von O’Rourke überzeugt und Sherrod Brown fand ich auch gut, der dann nichtmal angetreten ist (wäre er mal, das wäre nicht so eine Zitterpartie geworden).

Für mich selbst dürfte das alles allerdings ohnehin ohne Belang sein. Wenn Politikwetten in Deutschland jetzt nicht mehr zulässig sind, dann ist es für mich. Insofern bin ich dann wohl mal raus hier.
 
Oh, noch ein Nachtrag. Ich bin mir im Klaren darüber, dass das hier ein Wettforum und kein Politik-Diskutierforum ist. Deshalb habe ich mir hier zwar wenig Mühe gegeben, meine Sympathie (bzw. in dem Fall eher Antipathie) zu verbergen, habe hier aber bewusst keine politische Diskussion geführt.

Nichtsdestotrotz, wenn hier einige geschrieben haben, es wäre ihnen egal wer gewinnt, es käme auf die Wette an, und wenn auch in meinem persönlichen Umfeld einige geäußert haben, es wäre ihnen doch egal, wer in den USA Präsident ist, dann sage ich darauf: nee, das sollte so nicht sein. Ich bin wirklich gottfroh und erleichtert, dass der Typ bald nicht mehr im Weißen Haus sitzt. Es gibt manchmal Figuren, bei denen man nicht neutral oder unbeteiligt sein sollte, meiner Meinung nach. Und Trump ist so einer, der Typ ist echt gefährlich, weil er so skrupellos ist, was ihm nützt ist alles, Opfer egal (siehe Wahlauftritte als Superspreader-Events). Wenn man die Republikanische Convention gesehen hat, dann weiß man alles, was man wissen muss. So sehen autokratische Regime aus, und die USA wären sehr klar auf dem Weg dahin gewesen. Wenn die Reden im Wesentlichen von Familienmitgliedern des Präsidenten / Sektenführers gehalten werden (das Weiße Haus illegalerweise als Kulisse) und die Alte des Sohnes eine Rede zur Primetime halten darf, ohne ein Parteiamt zu haben, dann ist das einfach Bananenrepublik. Nochmal vier Jahre hätte diese Demokratie nicht ausgehalten, behaupte ich mal, noch mehr Radikalisierung, noch mehr Unterhöhlung von Institutionen, Besetzung von Richterposten, ein Justizminister als persönlicher Anwalt usw.

Und natürlich hat das alles Folgen, natürlich hat Rassismus zugenommen und traut sich raus, Umweltpolitik, Gesundheitswesen, das aus meiner Sicht mit weitem Abstand wichtigste Thema mit unmittelbarem Einfluss auf uns, die Klimapolitik und und und.

Es ist gut, dass der bald weg ist.