So, die Spiele sind mehr oder weniger vorbei, übers Boxen hat ja kaum jemand ein Wort verloren Trotzdem hier mal interessanter Artikel des Kurier:
Skandal beim Boxen
Volltreffer unter die Gürtellinie: Bei bis zu 70 Prozent der Olympia-Kämpfe soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Da soll noch einer sagen, die Olympischen Spiele seien blutleer unddurchorganisiert bis in die letzte usbekische Ringer-Haarspitze.
Alles planbar? Ein Wunschtraum der IOC- und China-Granden. Die Boxerhaben es geschafft, im Harmonie-Tempel von Peking herumzupöbeln wie zu besten Zeiten. Und sorgen damit für schlimme Schlagzeilen.
Es geht – wie könnte es auch anders sein bei Box-Skandalen – um die Schlagworte Schiebung und Korruption . "Bei 60 bis 70 Prozent aller Kämpfe bei diesen Spielen ist es nicht mit rechten Dingen zugegangen“,sagt der Rumäne Rudel Obreja.
Er hält die Tafel mit seinem Namen in die Höhe, buchstabiert dazu und nennt seine Funktion. "Vizepräsident des Weltverbandes AIBA". Das sitzt. Herr Obreja, seit 2007 im Amt, hat gesammelt. Informationen, Beobachtungen. Jetzt nutzt er die Bühne, um "die Box-Welt wachzurüttelnund um zu sagen, was da wirklich abgeht".
Was da abgeht, erklärt er auch sogleich den verdutzten Journalisten. Fünf Punktrichter gibt es bei jedem Kampf, tritt etwa ein Europäer gegen einen Afrikaner an, "dann muss einer aus dem jeweiligen Kontinentsein, die anderen drei sind aus anderen Kontinenten". Ermittelt wird die Jury mittels Computer. Weil der für Bestechung nicht empfänglichist, passiere laut Obreja Folgendes: Kurzerhand würden die Richter nach Belieben ausgetauscht, "sodass ein Missverhältnis entsteht, zugunsten eines Athleten. Dann wird entsprechend gewertet."
Tumulte
Verantwortlich dafür sei Ho Kim, der Exekutiv-Direktor der AIBA und technischer Verantwortlicher des Olympia-Turniers. Nicht behelligt werde er bei seinen Aktivitäten von Ching-Kuo, dem Weltpräsidenten der Amateurboxer. Beide Herren sind übrigens Koreaner.
Dann geht es rund. Erst wird Obreja von Offiziellen aufgefordert, die (spontan ausgerufene) Pressekonferenz sofort abzubrechen, was er nicht tut. Stattdessen sagt er: "Ihr könnt mir nachher die Akkreditierung wegnehmen. Aber jetzt rede ich."
Dann taucht plötzlich der beschuldigte Ho Kim auf. Er versucht, Contenance zu bewahren, was ihm nicht gelingt. Er bestreitet die Vorwürfe, brüllt Obreja an, der brüllt zurück. "Lügner", "Betrüger","Korrupter" tönt es hin und her. Dann kommt Robert Virgets hinzu, der Chef des amerikanischen Verbandes. Er beruhigt und sagt: "Es wird Untersuchungen zu diesen Vorwürfen geben."
Fehlurteile
Sigi Bergmann, seit Jahrzehnten als Box-Experte unterwegs und auch in Peking für den ORF dabei ("Ich sehe praktisch alle Kämpfe hier"), sitzt aufgeregt im Pressezentrum des Worker Gymnasiums, in dem die angeblichen Schiebereien stattgefunden haben sollen.
Er glaubt den Anschuldigungen des hohen Funktionärs Obreja. "Ich würde das sofort unterschreiben. Es gibt hier erschreckend vieleFehlurteile."
Der promovierte Experte Bergmann nennt auch sogleich Beispiele. Etwa von zwei Franzosen, die gestern um den Sieg betrogen worden seien. Profitiert davon habe auch ein Lokalmatador. Zou Shinning, Weltmeister im Halbfliegengewicht, habe man eine siegbringende Wertung geschenkt. "Der hätte den Kampf normalerweise nicht gewinnen dürfen. Auch das amerikanische Schwergewicht Wilder wurde ins Semifinale getragen. Es ist wirklich schlimm. Da trifft einer, und den Punkt bekommt der andere."
So soll also das Fairplay aussehen das dem IOC anscheinend so wichtig sein soll