Leider kein Aprilscherz | Abgeblogged - Yahoo! Eurosport
"Hey, gar nicht mal unlustig!" - Das ging mir bei der Meldung als Erstes durch den Kopf. Der zweite Gedanke war: Entweder haben sich die Jungs vom DFB in der Otto-Fleck-Schneise für diesen Gag mit Prosecco-Stößchen mal ordentlich lockergelötet, oder sie haben tatsächlich ganz spontan so etwas wie Humor entdeckt.
Passend zum 1. April, so dachte ich zunächst, hatte der Deutsche Fußball-Bund doch glatt ein gerüttelt Maß an sympathischer Selbstironie an den Tag gelegt und den Fans des FC St. Pauli für das
Montagabend-Risikospiel gegen den SC Paderborn das Anzünden von Wunderkerzen verboten. Mit dem Verweis: ist ja schließlich auch Pyrotechnik, wa?
Der Aprilscherz wäre mit Blick auf die überhitzte Diskussion über Stadionsicherheit ohne Zweifel an diesem Montag einer der besseren seiner Art gewesen.
Aber dann der Hammer...
Nix Witz! Der Schwachsinn ist leider glatt ernst gemeint!
Gut, man hätte es ja eigentlich ahnen können. Der DFB hatte auf dem "Betze" bereits in der jüngeren Vergangenheit eine Choreo mit dem teuflisch gefährlichen Höllenfeuer am Stäbchen verboten.
Dabei handelt es sich bei den Bonsai-Bengalos um Feuerwerkskörper der Klasse I und damit um sogenanntes Kleinstfeuerwerk. Dieses darf das ganze Jahr über verkauft werden. Mit einer Ausnahme: Kindern unter drei Jahren traut der Gesetzgeber den Umgang mit Wunderkerzen aus nachvollziehbaren Gründen nicht zu.
Der DFB hingegen traut den Umgang mit Wunderkerzen nicht einmal den potenziellen Eltern dieser Dreijährigen zu.
"Fachfirmen" sollen das deshalb zukünftig übernehmen. Aber stellen diese Fachfirmen auf den VIP-Tribünen bald auch unscheinbare Bück-Diener im Zweireiher, die den erlauchten Herren dann die Zigarren anfackelt – mit dem Streichholz im Asbest-Handschuh?
Atemberaubende Atmosphäre
Angeblich arbeitet der DFB ohnehin bereits an einer sinnvollen Alternative für dieses Zweifinger-Inferno. Für einen Unkostenbeitrag von 17,60 Euro das Stück soll man in den Stadien bald rechteckige Papp-Täfelchen erwerben können.
Diese sind je nach Geschmack mit den Begriffen "Schrei", "Oh", "Wunderkerze" oder "Hüpfen" beschrieben und können je nach Gefühlslage sogar im Sitzen als Ausdruck frenetischer Empathie in die Höhe gehalten werden.
Jaja, auf der Frankfurter Teppichetage wissen sie eben, wie das so geht mit der atemberaubenden Stadionatmosphäre. Da wird nicht einfach nur mit Wasser gekocht. Die Herrschaften würzen ihr Süppchen mit exklusiver Omniszienz.
Dementsprechend soll dem Kund... pardon, dem Fan zukünftig auch in symbolischer Form entsprechende Wertschätzung entgegengebracht werden. Und so erhält man für seine Viagogo-Eintrittskarte beim Betreten des Stadions bald auch einen schicken Schnuller in vereinsneutralem Grau.
Lebensgefahr durch Silikon-Nuckel
Zwar hatte man beim DFB zunächst erhebliche Bedenken, da man die Gefahr des Verschluckens von Kleinstteilen bei Erwachsenen nicht völlig ausschließen konnte.
Ebenso wenig wie das perfide Befüllen des Saugnippels mit flüssigem Blei, welches über einer eingeschmuggelten Wunderkerzen durchaus in liquiden Zustand versetzt werden könnte. Wodurch sich der simple Drogeriemarkts-Nuckel dann wiederum im Nu in ein total gefährliches Wurfgeschoss verwandelt hätte, erklärten die konjunktiven Sicherheits-Experten des DFB.
Doch letztlich überwogen dann wohl doch die beiden Vorteile des so genannten "Tifo-Schnullis", der sich für eine farbneutrale Choreografie durchaus bequem in die Höhe halten lässt: der DFB bleibt sich in seinem kafkaesken Wahn nach orwellscher Sicherheit treu und die geschickt geknebelten Fans halten endlich mal die Klappe.
Tja, nicht nur der April, macht was er will...