Werder Bremen - VfB Stuttgart
Aus Sicht der Schwaben kann es eigentlich nur bergauf gehen, weil der Frühling naht und ein altes Sprichwort besagt: Kommt Frühling, kommt VfB. Doch wie sieht es wirklich aus vor diesem Duell in Bremen, ist ein Aufwärtstrend erkennbar oder muss der VfB in Bremen sogar mit dem Schlimmsten rechnen?
Positiv stimmt, dass die Schwaben gegen Leipzig ein passables Spiel abgeliefert haben. In der Halbzeitpause schauten sich einige Beobachter teilweise ungläubig an und das Gefühl war bei nicht wenigen, dass man da einen Punkt heute hierbehalten wird. Was war passiert? Auf dem Platz stimmte diesmal einfach die Einstellung, vor allem kämpferisch und läuferisch. Ein Castro zum Beispiel grätschte sich durchs Mittelfeld wie zu besten Zeiten, nach vorne hatte man zwar keine Geistesblitze aber versuchte wenigstens gute Situationen zu erzwingen und in der Defensive stimmten zwar noch immer nicht die Abstände zwischen den Ketten aber dafür auch der Einsatz und die Leidenschaft. Musste man nach dem schnellen Rückstand nach wieder mal stümperhaftestem Verteidigen befürchte, dass das in einer Kanterniederlage gegen die Leipziger enden könnte, wurde man schnell eines Besseren belehrt. Denn der VfB ergab sich diesmal nicht, erarbeitet sich mit Dusel einen Elfmeter und Kabak hatte sogar vor der Pause die Chance auf die Führung. Leider kam es am Ende anders und es wurde wieder nichts mit Punkten, weil Ascacibar vergab, weil Sabitzer einen sauberen Freistoß einnetzte und Stuttgart einfach auch kein Spielglück hatte. Aber, die Körpersprache, der Einsatz und die Leidenschaft haben beim VfB endlich mal wieder gestimmt und das entfacht eine Resthoffnung für die Saison, die man kaum nicht mehr für möglich gehalten hat.
Der VfB muss nun beweisen, dass die Leistung gegen Leipzig kein Strohfeuer war. Ich glaube daran, dass sie auch in Bremen ein gutes Spiel abliefern. Denn die Entlassung von Reschke darf nicht unterschätzt werden und hat die Stimmung wohl nachhaltig positiv beeinflusst. Labbadia rechnete beim Bayer-Podcast mit Reschke ab und sagte, dass er mit so einem Energiefresser nie mehr zusammenarbeiten möchte. Das sagt einiges aus über die persona Reschke. Außerdem ist durchgedrungen, dass er eigentlich überfordert war mit der Vielfalt seiner Aufgaben, sein Ego aber zu groß war, um sich Hilfe zu holen. Dass man ihn entlassen hat, muss auch einen positiven Effekt auf Weinzierl gehabt haben, denn er wirkt seitdem auch viel gelöster, das war nicht nur eine BILD-Schlagzeile sondern ist wirklich so. Hitzlsperger ist jetzt genau der richtige Mann als Sportvorstand eine bessere Atmosphäre zu kultivieren, er ist zwar Berufsanfänger aber ist empathisch und intelligent genug, sich ein gutes Team zusammenzustellen und ich empfinde es als Bereicherung, dass er zugesagt hat und sich der Verantwortung stellt. Mit Weinzierl kommt er gut aus, sie kennen sich schon länger und das war enorm wichtig, dass Reschke endlich gegangen wurde. Ebenso wichtig ist es von Weinzierl endlich mal den schwachen Gentner draußen zu lassen. Es war das erste mal seit März 2016(!), dass Gentner fit 90 min nicht gespielt hat! Wahnsinn was dieser durchschnittliche Spieler als Kapitän für ein Freifahrtschein inne hatte. Wenn das jetzt nicht mehr so ist, kann man das nur begrüßen. Es gibt auch eine Anekdote, dass vor dem Düsseldorf-Spiel bei einem freiwilligen Bowling-Termin er eine Rede abbrechen musste, weil es keinen interessiert hat. Das kann man natürlich so deuten, dass die Egos vieler Spieler ein Problem sind aber vlt.haben Teile des Teams halt auch keinen Bock mehr auf ihren captain Gente und blühen jetzt auf, wenn er auf der Bank sitzt. Jeder, der selbst Fußball gespielt hat, weiß, wie sensitiv Spieler auf ungeliebte gechasste Nebenmänner reagieren können und was das für Energien freisetzen kann. Castro lief z.B. sonst etwas unerklärlich zu alter Stärke auf und ich bin sehr positiv gestimmt, dass das bei ihm jetzt so weitergeht. Esswein ist auch gut, da er ein wenig Charakter mitbringt und auch mal dazwischenhaut und protestiert. Leider kriegt man Sonnenkönig und Superego Dietrich nicht so leicht los, Wahnsinn wie er sich allen Verantwortlichkeiten entzieht und geschickt auf andere ablenkt, was für ein Witz dieser Typ.
Die Fans stehen 1A hinter der Mannschaft, haben ein feines Gespür aktuell woher der Fisch stinkt und werden nun mit Hitz und Weinzierl sich erst mal prima abfinden können.
Gegen Bremen wird es nicht leicht! Aber: Werder tut sich gegen destruktive und nicht so spielstarke Teams oft sehr schwer und wenn ich immer höre, in Bremen sei es so schwer wegen den tollen Fans und der Stimmung. Das mag sein aber vier Heimsiege in elf Partien sind absolut nichts Besonderes! Gegen Top-Teams wie Bayern, Gladbach und Leverkusen hat man verloren, gegen Hannover und Nürnberg Unentschieden gespielt, also das ist jetzt nicht so als ob Werder der übermächtige Heimgegner ist. Die Bookies stellen es aber genauso dar.
Sagen wir es wie es ist, normalweise gewinnt das Bremen heute im HC, wenn sie ihre Normal- bis Gutform zu Hause erreichen und wenn der VfB so spielt wie er sich schon die ganze Saison präsentiert. Aber wenn ich dann sehe, dass sich in Stuttgart durchaus was bewegt hat die letzte Woche und es diesmal sich so anfühlt als waren es nicht nur gute zehn oder zwanzig Minuten sondern wirklich über weite Strecken eine gute Leistung, dann kann ich das, zusammen mit den positiven Vibes nach dem Reschke-Rauswurf, nicht einfach so ignorieren und eine 1.5 auf Werder akzeptieren. Hier spielt ein Team, das fast mit dem Rücken zur Wand spielt und sich eigentlich auf vor dem wichtigen Hannover-Gipfel keine allzugroße Negativerfahrung erlauben kann.
Erinnern wir uns auch daran, dass das Hinspiel glücklich vom VfB gewonnen werden konnte und das unbewusst in den Köpfen auch Mut machen könnte.
Ich probiere hier etwas Kleines auf den VfB und denke, dass die Quote schon ein wenig arg hoch ist, zumal Werder starken Schwankungen unterliegt. Wenns blöd läuft fertigen sie den VfB ab allein ich glaube es nicht.
Das Gefühl ist einfach gut.
VfB +1 1.92 sbo 1/10