Aktueller Stand Glücksspielstaatsvertrag

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Hi,
könntest du das, was niemals öffentlich gemacht werden dürfte, näher erläutern?
was glaubst du, was Lotto zum Spielerschutz bewegt? Nur die staatlichen Vorgaben. Bei den Handlungsweisungen im Umgang mit scheinbar Spielsüchtigen hält man sich bedeckt, auch wenn die offenen Schreiben dann wieder anders aussehen. Wobei ich ganz klar sage, dass niemals dazu aufgefordert wurde Spielsüchtige auszunutzen, nicht dass da ein falscher Eindruck entsteht.

Ich beziehe mich im Folgenden auch nur auf die normalen Lotto-Spiele, oddset läuft bei uns großartig.

Generell ist der Umgang schwierig. Bei manchen weißt du, dass sie spielsüchtig sind, andere verprassen halt gern ihre sauer verdienten Kohlen. Wir haben Leute, die verzocken jede Woche zwischen 150 und 200 Euro, aber denen ist es egal, die verdienen auch entsprechend. Also nicht egal, aber egal. Andere haben schon Monatsanfang alles auf Lotto verballert und hatten nix mehr zu fressen. Ist hier aber schon in diversen Threads durchgekaut worden, Lotto da meiner Ansicht nicht so suchtanfällig wie Sportwetten, aber darf ich nicht laut sagen, weil das ja eines der Hauptargumente.

Die Sache ist aber, was machst du, wenn die Leute zu dir kommen und ballern jede Woche Kohlen auf die Kästchen, immer schön fragen, noch Quicktipp dazu, Glücksspirale vielleicht? Es ist deine Kohle, du verdienst dir damit dein eigenes Fressen. Auf der anderen Seite weißt du, dass die Leute ihr Geld aus dem Fenster werfen. Mir ist es immer so peinlich, Leute haben einen verschissenen Fünfer und kriegen dafür nicht mal fünf Riesen. Hier geht es mir noch nicht mal um die Süchtigen!

Un wenn du nen Glücksspielsüchtigen hast, du erkennst es irgendwann, wenn es problematisch wird. Sprichst du die Leute offen drauf an? Redest du mit Verwandten, die bei dir in den Laden kommen? In der Großstadt weiß ich von Gewaltandrohungen, aufm Dorf ist dann gleich Gesprächsthema. Du schädigst dich selbst. Nicht weil dir die paar Mark Umsatz entgehen, sondern mit dem Drumherum. Das mit dem Suchtschutz ist aus meiner Sicht nicht umsetzbar. U18-Tipper klar, kein Problem. Und die Aussagen der Lotto-Mitarbeiter sind dann, man könne den Betroffenen ja eine der Broschüren unauffällig zukommen lassen. Mir fällt außer lächerlich kein Wort dazu ein.

Spielsucht ist wie Alkohol oder Drogen nicht vollends in den Griff zu kriegen, schon gar nicht, wenn man es nicht verbietet. Da verschiebt sich das ganze in grauere Regionen. Es würde lediglich die Zahl der Neueinsteiger bremsen, also doch komplettes Verbot. Darf ich aber auch nicht laut sagen, weil ich dann mir selbst eine wichtige Einnahmequelle nehme. Und der Staat will es ja gar nicht verbieten, der ist genauso geil auf die Kohlen, wie die Leute, die jedes Mal nen Ständer kriegen, wenn abertausend Millionen im Jackpot sind.

Alles weitere überlasse ich der Phantasie.

Sind auch nur meine Eindrücke, sieht in anderen Bundesländern bestimmt auch anders aus.[[rofl]]Hier fehlt mir der richtige Smily, so ein Bestimmt-Smily.
 
Staat attackiert Glücksspielindustrie im Netz | NDR.de - Nachrichten

Staat attackiert Glücksspielindustrie im Netz(...)
Schon mehr als 100 Verbote, aber kaum Wirkung.
Den Behörden ist das durchaus bewusst. Sie haben schon mehr als 100 Verbote ausgesprochen,
die von den meist im Ausland ansässigen Unternehmen aber kaum beachtet wurden (...)

Aber jetzt scheint der Staat ernsthaft gegen die Glücksspielindustrie vorgehen zu wollen. Niedersachsen kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Die Bundesländer haben in einer gemeinsamen Aktion insgesamt 28 Anhörungsschreiben an große Online-Anbieter von Glücksspielen geschickt. Sie sind ein erster Schritt in Richtung Verbot. Die Länder "beabsichtigen die Untersagung", heißt es in dem Schreiben, das NDR und "Süddeutscher Zeitung" vorliegt. Betroffen sind vor allem Onlinepoker und -casino, aber auch Lottovermittler. (...)

Sollten die Firmen sich nicht an die Untersagungen halten, könnte ihnen von Niedersachsen aus der Zahlungsverkehr blockiert werden. Das Bundesland ist die zentrale Stelle für das sogenannte Payment Blocking.
Banken und Finanzdienstleister dürften dann kein Geld mehr zu beziehungsweise von den betroffenen Anbietern weiterleiten. In den USA haben Behörden auf diesem Weg 2011 dem Markt einen kräftigen Dämpfer versetzt.(...)
Die Zahlungsblockierung wäre der letzte und wahrscheinlich auch einzig wirksame Weg, um die Geschäfte der Anbieter zu unterbinden. In Niedersachsen ist man zuversichtlich, damit Erfolg zu haben: "In Deutschland betreten wir damit durchaus Neuland. Allerdings gibt es in anderen Staaten der Welt Erfahrungen in diesem Zusammenhang. Für uns Deutschland geht es jetzt darum, dass wir uns jetzt darauf vorbereiten", sagt Dirk Verleger, Glücksspielreferent im Innenministerium in Hannover. Auch Ingo Fiedler hält es für möglich, über diesen Weg in Deutschland viele Spieler davon abzubringen, im Internet zu zocken.(...)

Das niedersächsische Innenministerium hat eigens Experten angestellt, um diese juristisch umstrittene und technisch schwer machbare Maßnahme durchzusetzen. Es teilt betroffenen Firmen derzeit mit, Klagen bei Gericht gegen ein Verbot hätten "keine aufschiebende Wirkung". Wer trotzdem weiter Spieleinsätze aus Deutschland annehme, mache sich strafbar. Und wer das als "Mitglied einer Bande" tue, könne sogar zu im höchsten Fall fünf Jahren Gefängnis verurteilt werden. (...)
Die Banken sind da allerdings skeptischer. Sie haben schon bei den Beratungen zum aktuellen Glücksspielstaatsvertrag auf "wesentliche praktische und rechtliche Hindernisse für eine Umsetzung des Zahlungsverbotes" hingewiesen. So könnten die Kreditinstitute etwa gar nicht unterscheiden, ob Zahlungen an die Unternehmen im Zusammenhang mit Glücksspiel stünden oder nicht.(...)

Anbieter drohen mit "astronomischen" Schadenersatzklagen

Anwälte wie Wulf Hambach, die große Online-Glücksspiel-Anbieter vertreten, drohen gar mit Schadensersatzklagen gegen die Länder. Sie bezweifeln, dass die deutschen Verbote im Einklang mit europäischem Recht stehen. Denn die meisten Anbieter haben Lizenzen aus anderen EU-Ländern. Seit Jahren streiten die Glücksspielindustrie und die Länder vor Gerichten bis hin zum Europäischen Gerichtshof über Gültigkeit und Auslegung des Glücksspielstaatvertrags. Hambach sagt: "Die Summen werden astronomisch sein, wenn man sich das Geschäft im Online-Glücksspielbereich anschaut und das dann gegebenenfalls zu Unrecht unterbunden wird."
 
Die Geschichte geht weiter, Rücktritte wegen Lizenzvergabe Debakel Sportwetten - Rücktritte wegen Lizenzvergabeverfahren

Den letzten Absatz sollte man einrahmen:
Dazu kommt: Die Zuständigkeit des Glücksspiel-Kollegiums ist höchst umstritten. Nach mehreren Rechtsgutachten kann ein aus Verwaltungen mehrerer Länder bestehendes Gremium nicht in die Entscheidung einer einzelnen Landesregierung wie in diesem Fall beim Glücksspielrecht eingreifen. Das hat schon das Verwaltungsgericht Wiesbaden in einem Beschluss bestätigt. Setzt sich diese Rechtsauffassung durch, wären alle Entscheidungen des Glücksspiel-Kollegiums in Sachen Sportwetten-Lizenzen hinfällig.
Das bedeutet, die könnten jetzt beraten, beschließen und machen und tun, was sie wollten, im Endeffekt hat sich kein Bundesland daran zu halten, weil Glücksspielrecht - wie alle wissen - in die Gesetzgebungskompetenz der Länder fällt [[rofl]]

Mittlerweile glaube ich, ein Glücksspiel-Kollegium des Wettforums könnte eine bessere Gesetzesvorlage ausarbeiten als es die Politik zu diesem Thema schafft.
 
Was tun gegen illegales Glückspiel? « DiePresse.com

In einer aktuellen Studie hat die European Casino Association (ECA) eruiert, welche rechtlichen Maßnahmen die einzelnen Mitgliedsländer vorsehen. Die Regeln divergieren. „In Italien etwa hat das Glücksspielmonopol das Recht, alle Websites mit ,.com‘ sperren zu lassen. Offizielle Anbote laufen nur unter ,.it‘, sagt Dietmar Hoscher, Vorstand der Casinos Austria und Vize-Präsident der ECA. In Dänemark werden nicht lizenzierte Anbieter gerichtlich verfolgt. Streng agiert Ungarn. Dort listet ein „Gaming Board“ die zu blockierenden Anbieter auf einer Website. Es werden sowohl IPs als auch Onlinewerbung geblockt. Die nationale Behörde für Medien und Informationskommunikation kontrolliert die Durchführung des Blockings.(...)
http://www.juve.de/nachrichten/verf...rw-haftet-nicht-gegenueber-privaten-anbietern
Wer ein privates Wettbüro betreibt, hat keinen Anspruch auf Schadensersatz, wenn ihm die Vermittlung von Sportwetten verboten worden war.

Obwohl der Europäische Gerichtshof das staatliche Monopol im Jahr 2010 wegen Verstoßes gegen das EU-Recht kippte, leitete der BGH daraus keinen Schadensersatzanspruch für die davorliegenden Jahre ab. Die Richter in Karlsruhe argumentierten, dass die Rechtslage bis zur Rechtsprechung des EuGH unklar gewesen sei und den Kommunen nicht wegen früherer Verfügungen etwas vorgeworfen werden könne. Das sieht die Klägerseite anders. Schon damals sei den Kommunen die Verletzung von EU-Recht erkennbar gewesen: Unter anderem habe die Lotto-Gesellschaft gezielt Werbung trotz einer Werbebeschränkung betrieben.
Und auch für die Zeit nach 2010 haben die Kläger laut BGH keine Ansprüche: Auch nach dem EuGH-Urteil aus dem Jahre 2010 müssen private Sportwettenbüros eine Erlaubnis zum Betreiben ihres Gewerbes haben – ob der klagende Betrieb aus NRW die Voraussetzungen für diese Erlaubnis gehabt hätte, konnte nicht festgestellt werden.
Hab bei dem Artikel aber ein schlechtes Gefuehl. Die CBH vertritt staatliche Interessen (uA Westlotto) und so klingt der Artikel auch.
 
Zuletzt bearbeitet:
Der BGH befasst sich also am 07 Mai mit der Vereinbarkeit der zwei Systeme. Ich bin eigentlich guter Dinge was das angeht,das Karlsruhe den SH Weg geht um endlich deswegen Ruhe zu haben. Denn an der Dienstleistungsfreiheit kommen sie so leicht nicht vorbei. * Glücksspiel: Urteil durch den BGH am 7.Mai*by*Ostfussball.com

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BGH: Pressemitteilung Nr.*80/15 vom*7.5.2015

Spannend ist folgendes:

Der für den Internetvertrieb von Sportwetten nach dem Glücksspieländerungsstaats-vertrag vom 15. Dezember 2011 geltende Erlaubnisvorbehalt ist auch Gegenstand des Verfahrens I ZR 203/12, über das der Bundesgerichtshof am 12. November 2015 verhandeln wird.
Mehr Infos zu I ZR 203/12: BGH, 30.10.2013 - I - dejure.org
 
Nun, der EuGH hat bereits x Mal darauf hingewiesen, wie vor allem Deutschland stets seine Glücksspielgesetze falsch gemacht hat. Es werden aber immer dieselben Fehler gemacht, und wenn sich eine aktuelle Situation mit schon gesprochenen Urteilen deckt, dann können Sportwetten im Internet generell NICHT illegal sein, auch wenn der Vertreter das gerne anders sehen will, weil wir wieder eine identische Ausgangsposition, wie x Mal zuvor haben.

Ich denke, der Bundesgerichtshof hat mittlerweile verstanden, das man am Ende wieder eins übergezogen bekommt, und wird sich am 12.11. mit Hilfe des EuGH, sicher gegen das Monopol entscheiden, ansonsten endet es wieder dort.

Die Konzessionsvergabe ist ein Desaster, weil da nur inkompetente Leute am werkeln sind.

Nur das schleswig-holsteinische Modell kann den Staatsvertrag als bundesübergreifende Maßnahme am Ende retten, alles andere verstößt wieder gegen EU-Richtlinien.

Ich war jetzt mehrere Monate dabei, und konnte mich entsprechend hier nichtmehr äußern, die Arroganz der staatlichen Gesellschaften ist schon zum Kotzen, und welch Überraschung, geht es denen natürlich nur um ihre Alleinherrschaft auf dem Markt, da musste denen mal offen gesagt werden, dass das Angebot von Oddset, dreist, lächerlich und unverschämt ist.
 
Nun, der EuGH hat bereits x Mal darauf hingewiesen, wie vor allem Deutschland stets seine Glücksspielgesetze falsch gemacht hat. Es werden aber immer dieselben Fehler gemacht, und wenn sich eine aktuelle Situation mit schon gesprochenen Urteilen deckt, dann können Sportwetten im Internet generell NICHT illegal sein, auch wenn der Vertreter das gerne anders sehen will, weil wir wieder eine identische Ausgangsposition, wie x Mal zuvor haben.

Ich denke, der Bundesgerichtshof hat mittlerweile verstanden, das man am Ende wieder eins übergezogen bekommt, und wird sich am 12.11. mit Hilfe des EuGH, sicher gegen das Monopol entscheiden, ansonsten endet es wieder dort.

Die Konzessionsvergabe ist ein Desaster, weil da nur inkompetente Leute am werkeln sind.

Nur das schleswig-holsteinische Modell kann den Staatsvertrag als bundesübergreifende Maßnahme am Ende retten, alles andere verstößt wieder gegen EU-Richtlinien.

Ich war jetzt mehrere Monate dabei, und konnte mich entsprechend hier nichtmehr äußern, die Arroganz der staatlichen Gesellschaften ist schon zum Kotzen, und welch Überraschung, geht es denen natürlich nur um ihre Alleinherrschaft auf dem Markt, da musste denen mal offen gesagt werden, dass das Angebot von Oddset, dreist, lächerlich und unverschämt ist.

Ich würde deinen Beitrag 50 X liken wenn es gehen würde. [[yo]]
 
FAZ: Thomas Gößl der Glücksspiel-Diktator

FAZ: Thomas Gößl der Glücksspiel-Diktator

Stand unlängst in der FAZ schwarz auf weiß, siehe Artikel unten. Solange dieser gewisse Dr. Thomas Gößl aus Bayern als Vorsitzender des Glücksspielkollegiums sein Unwesen treibt, gibt es in Deutschland weder Glücksspiel-Lizenzen noch irgendeine Rechtssicherheit. Unfassbar, was das den Steuerzahler schon für Geld gekostet hat. 3 Jahre für ein Konzessionsverfahen und KEINE Lizenz vergeben???[[sleep]][[sleep]][[bang]]

Ich denke langsam müssten aber auch die letzten Hinterwäldler in Politik und Amtsstuben kapiert haben, dass Internet-Wetten inkl. Live-Wetten nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind. Das gehört zum Fußball wie Bratwurst und Bier![[cheers]]

Mal sehen wie lange man den Gößl da noch schalten und walten lässt...eine Schande, dass um Deutschland herum Glücksspiel überall vernünftig reguliert werden kann (ja selbst im Bundesland Schleswig-Holstein) nur die Deutschen bekommen das nicht hin! [[stupid]]


FAZ vom 11. Mai

Kampf um die Befreiung vom „Glücksspiel-Diktator“

Politaffäre um die Sportwetten: Der Staat hat sich mit der Lizenzvergabe an Unternehmen verzockt. Hessen übt Kritik und fordert jetzt eine Öffnung für alle Anbieter.

Von Michael Ashelm, Frankfurt

Sieben Milliarden Euro werden mit Sportwetten in Deutschland umgesetzt. Getrieben wird der Markt von einer hohen Kundennachfrage, der steigenden Beliebtheit von Online-Angeboten, einer Vielzahl von Unternehmen und letztlich auch der schier grenzenlosen Popularität wachsender Unterhaltungssparten wie dem Fußball. Fast alle Bundesligaklubs haben Sponsoren aus der Wettbranche, aber riskieren aufgrund weiterhin fehlender Konzessionierung Strafverfahren. Der jahrelange Versuch der Bundesländer, die staatlichen und privaten Glücksspielangebote vernünftig zu regulieren, ist im Desaster geendet. Deutsche Gerichte erteilen den Behörden, die zum Teil mit obskuren Mitteln weiterhin das eigentlich abgeschaffte staatliche Glücksspielmonopol verteidigen, immer öfter eine Abfuhr. Zusätzlich sorgt eine Klagewelle von Wettanbietern, die bei der Lizenzvergabe leer ausgingen, für Chaos. Die EU-Kommission verschärft ihre Kritik an bedenklichen Wettbewerbsbeschränkungen. Aber mehr noch: Das sich nun schon drei Jahre hinziehende Verfahren um die Vergabe der Konzessionen für Sportwetten-Anbieter hat sich zu einer Politaffäre ausgeweitet, die bizarre Blüten treibt.

Die Verwerfungen sind so groß, dass der hessische Innenminister, der federführend im Auftrag aller Bundesländer für die Konzessionsvergabe zuständig ist, jetzt die Notbremse ziehen will. Peter Beuth (CDU) spricht von einer „Sackgasse“ und appelliert an die Länderchefs. „Wir benötigen jetzt die Bereitschaft aller Ministerpräsidenten, den Deckel zu öffnen und die Begrenzung auf 20 Konzessionen aufzuheben“, sagt er gegenüber dieser Zeitung. Die Vergabe der Sportwetten-Konzessionen sei durch die vielen gerichtlichen Verfahren erheblich belastet und in die Länge gezogen. Hessen habe von Anfang an gefordert, wegzukommen von einer quantitativen Bewertung und qualitative Maßstäbe bei der Vergabe der Konzession an die Bewerber zu stellen. „Deshalb ist auch jede Kritik an Hessen als Durchführende des Verfahrens, das wir für alle Länder umsetzen müssen, nicht gerechtfertigt“, sagt Beuth.

In einem internen Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, hatte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) seine Kollegen schon im vergangenen Jahr für eine Öffnung und einen liberaleren Kurs in dem festgefahrenen Prozess gewinnen wollen. Zwecklos. Manche Ministerpräsidenten legen sich quer, wie Hannelore Kraft (SPD), die das staatliche Monopol mit den einflussreichen Lottogesellschaften der Länder protegiert. Andere Länderchefs spielen ein undurchsichtiges Doppelspiel, sind wie die Bayern vorgeblich für den Wettbewerb, aber blockieren trotzdem. Die heimliche Macht in der Verteidigung des staatlichen Wettmonopols ist aber eine andere Institution: das Glücksspielkollegium.

Treibende Kraft ist sein Vorsitzender Thomas Gößl aus dem bayerischen Innenministerium. Der Ministerialrat hat am Glücksspielstaatsvertrag federführend mitgeschrieben und steuert im Hintergrund das fragwürdige Konzessionsverfahren. Angeblich geht es ihm um die steigenden Suchtgefahren bei ausufernden Sportwettangeboten. Die Arbeit des Glücksspielkollegiums ist aber nicht einsehbar. Sitzungstermine, Tagesordnungen oder Protokolle werden nicht veröffentlicht. Es gibt keine offizielle Liste mit den Namen der Mitglieder. In der Branche wird Gößl aufgrund seines fundamentalistischen Eifers gegen die Öffnung des Wettmarktes auch als „Ajatollah“ oder „Diktator“ bezeichnet. Eigentlich wäre er in seiner Position der Neutralität verpflichtet, in Wirklichkeit trat er schon als Vertreter des Freistaats in Verhandlungen vor Gericht gegen Wettunternehmen auf.

Nach der Klage eines nichtberücksichtigten Wettanbieters bezeichnete die Richterin des Verwaltungsgerichts Wiesbaden die Entscheidungsfindung des Glücksspielkollegiums als „intransparent“ und „fehlerbehaftet“. Einige Staatsrechtler halten das Glücksspielkollegium für verfassungswidrig. Es fehle an Kontrolle und Aufsicht. Rechtsanwalt Rolf Karpenstein, der vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden einen Kläger erfolgreich vertrat, bezeichnet das Glücksspielkollegium als „Geheimbund“, der gesichtslos im Hintergrund die Strippen ziehe. „Es handelt sich um eine dritte Macht im Staat, die einer effektiven auch gerichtlichen Kontrolle entzogen ist“, kritisiert der Rechtsanwalt Frieder Backu, der seit vielen Jahren Unternehmen aus dem Online-Gaming berät. Mathias Dahms, Präsident des Deutschen Sportwettenverbandes, sagt, dass das Konzessionsverfahren sehenden Auges gegen die Wand gefahren worden sei, und fordert die Politik zum Eingreifen auf. Aus Sicht seiner Kollegin Karin Klein vom europäischen Sportwettenverband würde das Glücksspielkollegium einseitig private Anbieter benachteiligen. Die Gerichte geben den Kritikern recht.

Eine konkrete Anfrage dieser Zeitung zu den Vorwürfen wird nicht von Gößl selbst, sondern der Pressestelle des bayerischen Innenministeriums beantwortet – allerdings ausweichend. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) tut nichts. Dagegen fordert sein Parteikollege, der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer, Mitglied im Innen- und Sportausschuss, eine praxistaugliche Regulierung. Daraus verspricht er sich weitere Steuereinnahmen und auch Abgaben für den Breitensport. „Im Bereich der Sportwetten ist der Glücksspielstaatsvertrag jedenfalls gescheitert“, sagt Mayer der F.A.Z. Aus Protest gegen die Arbeit des Glücksspielkollegiums zog sich inzwischen auch der Sportbeirat, in dem Vertreter großer Sportverbände sitzen, als Beratungsgremium beim Sportwetten-Konzessionsverfahren zurück.

Während das Verwaltungsgericht in Wiesbaden zuletzt feststellte, dass das Konzessionsverfahren rechtswidrig sei, gehen Behörden juristisch gegen Wettbüros vor. Obwohl von den Ländern während des ungeklärten Konzessionsverfahrens gegenüber der EU-Kommission eine Art Friedenspflicht zugesichert worden war, gibt es zum Beispiel in Bayern Strafverfahren und Urteile gegen kleinere Anbieter wegen unerlaubter Vermittlung von Sportwetten. Wenn ein FC Bayern Millionenverträge mit privaten Wettunternehmen abschließt, passiert dagegen nichts. Eine Amtsrichterin in Sonthofen hatte Bedenken gegen die Verurteilung einer Wettvermittlerin und reichte ein Vorlageverfahren beim Europäischen Gerichtshof ein.

Derweil geben viele private Wettunternehmen, darunter alle aus dem Sportwettenverband, auch ohne Konzession freiwillig Steuerzahlungen ab. Diese summierten sich 2014 auf 226 Millionen Euro. Es könnte aber viel mehr sein, wenn feste Regelungen geschaffen würden und nicht mehr im halblegalen Graumarkt operiert werden müsste. Somit haben die gescheiterten staatlichen Regulierer derzeit Monat für Monat auch steuerliche Mindereinnahmen zu verantworten. Wie sauber das Konzessionsverfahren noch ablaufen kann, hängt aber auch noch von anderen wichtigen Fragen ab. Dazu gehört die höchst zweifelhafte Einbindung der Rechtsanwaltskanzlei CBH in den Vergabeprozess der Wettlizenzen. Während Rechtsanwälte von CBH seit Jahren staatliche Lottogesellschaften vertreten sowie beraten und sich in Anhörungen fürs staatliche Wettmonopol einsetzten, mussten sich private Wettunternehmen für ihre Bewerbung um eine Konzession bei CBH als Verfahrenshelfer mit ihren kompletten Geschäftszahlen offenbaren. Nicht nur dem Verwaltungsgericht Wiesbaden kommt das merkwürdig vor. Für die EU-Kommission könnte unter Umständen ein Verstoß gegen das Verbot der „Günstlingswirtschaft“ vorliegen. Ein Interessenkonflikt wird von CBH auf Anfrage zurückgewiesen.

Selbst einige staatliche Lottogesellschaften, die wettbewerbsorientiert denken, gehen inzwischen auf Distanz zu den selbsternannten Wächtern des Wettmonopols. Sie wollen sich mit verschiedenen Angeboten am lukrativen Geschäft beteiligen. „Wir kommen aus der verfahrenen Situation nur heraus, wenn jetzt mit Hilfe der Politik die Grenze für 20 Sportwetten-Konzessionen endlich aufgehoben wird“, fordert der Geschäftsführer von Lotto Hessen, Heinz-Georg Sundermann. Durch den Markt würde dann sowieso eine Konzentration auf fünf bis zehn wettbewerbsfähige Unternehmen stattfinden.
 
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