Gestern fand der Runoff in Georgia statt, wie erwartet hat Warnock gegen Walker gewonnen, gut für meine noch ausstehenden Wetten. Am Ende hatte Warnock in der Stichwahl einen Vorsprung von knapp 2 Prozentpunkten (51,4% gegen 48,6%), was für die Verhältnisse in Georgia schon fast komfortabel, angesichts der Kandidatenqualität aber eigentlich saumäßig knapp ist.
Auch wenn damit die Wette gewonnen ist, darf man sich schon wundern, wie die es hinbekommen, dass eine Gestalt wie Herschel Walker an der 50%-Marke kratzt. Wenn man sich einen schlechtestmöglichen Kandidaten backen könnte, dann käme da wohl so jemand wie Herschel Walker raus – allein wie er neulich in einer Rede darüber schwadroniert hat, dass er einen Film über Vampire und Werwölfe gesehen hat und dass er lieber Werwolf als Vampir wäre, weil Werwölfe Vampire töten können (oder war es umgekehrt?), hatte schon eine spezielle Komik. Am Ende ist das sicher Ausdruck dafür, wie gespalten dieses Land ist. Auch ein Großteil der Republikanischen Wähler hat vermutlich mitbekommen, dass Walker ein Pflaumenaugust ist, hat aber eher Walker hingenommen als eine Demokratische Mehrheit im Senat. Das ist die Logik, die da im Augenblick dominiert.
Dann mal zur Auswertung. Bis hierhin war der Zwischenstand ja:
Gouverneurswahl Georgia, - 3,5 Einheiten
Senat Pennsylvania, Sieg Fetterman + 6,88 Einheiten
Gouverneurswahl Pennsylvannia, Sieg Shapiro + 3,86 Einheiten
Senat Arizona, Sieg Kelly:+ 5,344 Einheiten und +0,5 Einheiten = +5,844 Einheiten
Gouverneurswahl Florida, Sieg DeSantis -1,5 Einheiten
Gouverneurswahl Michigan, Sieg Whitmer, +1,68 Einheiten
Senatswahl New Hampshire, Sieg Hassan + 2 Einheiten
Zwischenstand bis gestern also ein Plus von 15,264 Einheiten.
Neue Auswertungen:
7 Einheiten: Warnock bei den Senatswahlen in Georgia, Quote 1,796, 22Bet, gesetzt am 9.8., macht ein Plus von 7 x 0,796 = 5,572 Einheiten
3 Einheiten: Warnock bei den Senatswahlen in Georgia, Quote 1,665, 22Bet, gesetzt am 29.9., macht ein Plus von 3 x 0,665 = 1,995 Einheiten
2 Einheiten: Patt im Senat, Quote 6, 22Bet, gesetzt am 28.6. Verloren, war ja aber im Grunde eh ein selbstgebasteltes 1X.
2 Einheiten: Demokratische Mehrheit im Senat, Quote 8, 22Bet, gesetzt am 28.6., macht ein Plus von 2 x 7 = 14 Einheiten
2 Einheiten: Demokratische Mehrheit im Senat, Quote 5,2, 22Bet, gesetzt am 9.8., macht ein Plus von 2 x 4,2 = 8,4 Einheiten
Wenn ich mich nicht verrechnet habe, dann macht das 15,264 + 5,572 + 1,995 + 14 + 8,4 Einheiten. Alles in allem also ein Plus von 45,2 Einheiten.
Ich glaube, unter dem Strich ist das nicht so schlecht gelaufen. Ein paar Fehleinschätzungen bzw. Versuchsballons, die dann doch geplatzt sind, teilweise waren Ergebnisse knapper als ich gedacht hatte. Aber insgesamt mag ich echt nicht beschweren. Wie immer ist bei dieser Art von Wetten natürlich die Frage, ob man so langfristige Geschichten macht. Ist vermutlich nicht jedermanns Sache Wetten abzuschließen, deren Ergebnis erst Monate später ausgekegelt wird, muss halt jeder selbst wissen.
Wie geht es jetzt weiter? Im Grunde hätte ich schon fast Lust den nächsten Thread zur Präsidentschaftswahl und der Kongresswahl 2024 aufzumachen. Allerdings habe ich im Augenblick noch keine sehr konkrete Wette. Wie im letzten Post spekuliert, hat Trump tatsächlich seine Kandidatur erklärt. Das Echo war allerdings sehr geteilt. Im Augenblick ist die Stimmung so ein bisschen Anti-Trump. Viele lasten ihm – in Teilen sicher zurecht – das schwache Abschneiden bei den Midterms an. Auch seine diversen Konflikte mit dem Gesetz sind sicher kein Pluspunkt. Abschreiben würde ich ihn aber auf keinen Fall. Er hat für unglaublich viele immer noch eine riesige Strahlkraft und er ist schon so oft abgeschrieben worden und trotzdem ist er noch im Spiel. Ein Indikator für die gegenwärtig gesunkene Bedeutung Trumps liegt darin, dass entgegen meiner Vermutung DeSantis mit seiner Kandidatur noch nicht rausgerückt ist. Wenn sich zurzeit ohnehin niemand für Trump interessiert, dann gibt es auch keinen Grund für ihn sich gleich schon in den Wind zu stellen. DeSantis wird derzeit als Favorit gehandelt, aber da wäre ich auch noch sehr vorsichtig. Er wäre nicht der erste gehypte Kandidat, der dann am Ende doch keine Rolle gefunden hat, gibt genügend Beispiele. Und als Kandidat hat er sicher seine Probleme. Auf wen von den beiden ich setzen würde, wüsste ich derzeit nicht, die Quoten liegen jeweils bei etwas über 2 – und das ist kein echter Deal. Ich freue mich aber jetzt schon auf die Debatten, das wird ein Riesenspaß. Vielleicht gesellen sich ja auch noch ein paar Old-School-Republicans dazu, John Sununu denkt angeblich nach, das wäre sicher eine Bereicherung.
Auch bei den Demokraten werden wir viel Spaß haben. Biden hat meines Erachtens einen Fehler gemacht als er angekündigt hat, im Januar zu verkünden, ob er nochmal antritt oder nicht. Damit setzt er sich ja unnötig unter Zugzwang. Heute wurde kolportiert, dass es wohl auf eine Kandidatur für eine 2. Amtszeit hinausläuft. Bisschen schwer abzuschätzen, ob das ernst zu nehmen oder eher ein Test ist, um mal die Reaktionen abzuwarten. Am Ende ist das aber alles eh egal, er weiß wer seine beiden potentiellen Gegenkandidaten sind und muss halt abschätzen, ob er ausreichende Chancen hat, das Ding zu gewinnen. Wenn er sich entscheidet anzutreten ist meine Prognose auf jeden Fall, dass er mit einem / einer anderen VP-Kandidaten antritt und Harris austauschen wird. Wenn er verzichtet gäbe es auf jeden Fall eine Menge Interessenten für die Nachfolge – und all bets are off.
Jammerschade, dass es in Deutschland keine gescheiten Anbieter mehr gibt. Predictit nur für Amis nutzbar zum Beispiel.
So oder so, wir gleiten auf jeden Fall fast nahtlos in die nächste spannende Campaign-Season über.