Vorschau auf die erste Bundesliga Saison 2020/2021 & Saisonwetten
Wenn eine Liga in eine neue Saison startet, dann stehen viele im Wettgeschäft vor sehr ähnlichen Fragen. Die lauten in etwa so: Was hat sich geändert? Welche Werte bleiben erhalten? Wo muss ich eingreifen, wo ist mit „Überraschungen“ zu rechnen? Und eine zentrale Frage: wo gehören die Absteiger hin? Eine weitere lautet so: wo hat die Allgemeinheit recht, wo findet man selbst die gewissen Abweichungen dazu?
Speziell für diese Saison käme eine weitere Schlüsselfrage hinzu: was ist mit dem Heimvorteil?
Es wird auch diese Saison passieren, dass man irgendwo „überrascht“ sein wird. Dies wird jedoch nicht etwa den Ausgang eines einzelnen Spiels betreffen – bei welchen ebenfalls die Überraschungen eintreten werden; dazu später noch etwas mehr --, sondern vor allem das Auftreten einzelner Mannschaften. Die eine wird gewaltig viel besser spielen, als man es gedacht hätte, die andere wird weit unter den Erwartungen bleiben. Und das betrifft eben nicht nur die Ergebnisse, sondern noch mehr die Leistungen – welche allerdings medial angeblich „nächste Woche bereits nicht mehr hinterfragt werden“. Der (angehende) Wettprofi hat jedoch genau hier die Möglichkeit, aus dieser falschen Vereinfachung Profit zu schlagen.
Alles sehr allgemein gehalten. Auch diese Plattitüde: die Absteiger sorgen sehr häufig für Überraschungen. Stimmt. So sagt man zumindest. Genau dies wäre aber beinahe schon paradox: wie könnte man von etwas überrascht sein, was ohnehin Jahr für Jahr wieder genauso eintritt? Dennoch scheint es dieses Phänomen zu geben. Die Allgemeinheit „nicht lernfähig“?
Kommen wir also zur konkreteren Frage der Aufsteiger in diesem Jahr und dem damit verbundenen Überraschungspotenzial: wir haben den VfB Stuttgart und die Arminia aus Bielefeld. Beide sind „gute, alte Bekannte“ in der Spielklasse. Die Arminia dennoch das kleinere Licht, auch über die Jahrzehnte, während man beim VfB schon von einem absoluten Traditionsverein sprechen kann, der natürlich, zumindest nach eigenem Anspruch, immer dorthin gehört, und eher sogar unter die Top 10 als in die unteren Regionen.
Nun gut: genau an dieser Stelle lohnt es sich, ein wenig über die so vielfach angesprochene „Erwartungshaltung“ zu sprechen. Die Medien zwingen die Vereine, irgendwelche Saisonziele auszuloben, sie zwingen sie gar, diese möglichst hoch zu schrauben (beliebte Frage: „da sie nun auf Platz 6 stehen und nur den Klassenerhalt als Ziel ausgerufen haben: wann werden sie ihre Ziele nach oben korrigieren?“, selbst wenn der Verein eben FC Augsburg hieße. Als so in die Zwickmühle genommener Befragter hat man nun zwei Möglichkeiten: man korrigiert NICHT – was absolut vernünftig ist – und erfährt später, dass man genau an dieser Bescheidenheit gescheitert wäre, oder man lässt sich zu der mutigen Aussage hinreißen, dass man „schon mit einem Auge darauf schaut“ und erfährt dann ein paar Wochen später, dass man NUR DESHALB gescheitert sei, da man den Mund zu voll genommen hätte.
Warum diese Diskussion sehr wohl ihren Platz hier hat? Weil es einen sehr guten Grund gibt, dieses aus Sicht des Profiwetters in die Einschätzungen mit einzubeziehen. Genau auch vor Saisonstart. Die Beobachtung geht nämlich genau in diese Richtung: wer schafft es, diese medial meist weit überhöhten Ansprüche von sich zu weisen, wer erliegt der verlockenden, aber völlig falschen Herangehensweise, den „Mund zu voll zu nehmen“? Denn genau dies wirkt sich leistungshemmend aus. All die Vereine, die ihren Fans irgendwelche Versprechungen machen, die weit jenseits der Vernunftsgrenze liegen, haben das höchste Potenzial dafür, an diesen Vorgaben zu scheitern. Das geht bereits beim Trainer los: ist es nur Platz 10 anstatt der versprochene Angriff auf die europäischen Startplätze, werden nicht nur die Fans im Stadion mürrisch und büßen somit ihre Vorschubswirkung, sondern auch die Medien stürzen sich drauf und der Trainer gerät unter Druck, er trifft Verzweiflungsmaßnahmen, weicht „gezwungenermaßen“ von seinem Spielplan ab – und ist spätestens zwei Wochen später nicht mehr im Amt. Dann allerdings müssen die Saisonvorgaben flugs nach unten korrigiert werden und der „Retter“ hat nur die Aufgabe der Schadensbegrenzung.
Dies betrifft jedoch meist ziemlich viele Vereine. Wenn man nämlich sämtliche Traineraussagen aus dem Kicker Sonderheft zusammen nimmt, wo das eigene Team landet, dann ist die obere Tabellenhälfte überbesetzt, während die Abstiegsränge komplett frei blieben. Aber genau dieses Denken wird auch dem Fan eingeimpft – mit den genannten, meist unerfreulichen Folgen.
Insofern wäre die einzige sinnvolle Rangliste diese: wer hat das größte Potenzial, an seinen Vorgaben zu scheitern? Denn: die andere Rangliste ergibt sich fast von selbst. Diese könnte man hier gerne mitliefern, jedoch reflektiert sie im Wesentlichen das, was der Markt ebenfalls darüber „denkt“. Die Einschätzung des Wettmarkts deckt sich in etwa mit meinen Erwartungen:
1. FC Bayern München
2. Borussia Dortmund
3. RB Leipzig
4. Borussia Mönchengladbach
5. Bayer Leverkusen
6. TSG Hoffenheim
7. VfL Wolfsburg
8. Hertha BSC
9. Eintracht Frankfurt
10. SC Freiburg
11. 1.FC Köln
12. VfB Stuttgart
13. Werder Bremen
14. FC Schalke 04
15. Union Berlin
16. FSV Mainz 05
17. FC Augsburg
18. Arminia Bielefeld
Selbstverständlich kann man a) punktuell korrigieren (eins rauf, eins runter), aber auch feststellen, dass viele „eigentlich gleichauf“ liegen, also eine Differenzierung einfach gar keinen Sinn macht.
Die andere Rangliste wäre diese: wer hat zu hohe Ansprüche, wer schafft es, sich die wohltuende und in aller Regel für die Überraschungen erforderliche Ruhe, als Folge von ausbleibendem Erwartungsdruck, zu sorgen?
Da liegen die Aufsteiger nämlich meist sehr weit vorne. Die Fans sind froh, dass sie wieder Erstligafußball zu sehen bekommen und erwarten erstmal nichts. Jeder Punkt ist ein kleiner Erfolg, jedes Mal, wenn das Team gut mithält ist man bereits zufrieden. Dies gilt natürlich für Bielefeld mehr als für Stuttgart.
Die Bayern muss man hier nicht zwingend einordnen, weil sie sich über so viele Jahre fort etabliert haben, wo sie stehen, dass es keinen Zweifel an ihnen geben sollte. Dennoch ist aus Sicht des hiesigen Autoren der Hype um Hansi Flick weit überhöht. Das heißt: man geht davon aus, dass er Sieg an Sieg reiht – und dies dürfte ihm, unabhängig von seinen Qualitäten als Trainer, nicht gelingen (ohne ihm ausdrücklich hiermit Schlechtes gewünscht haben zu wollen). Die Frage wäre, wie nervös man dann reagiert? Souverän war es jedenfalls nicht, was mit Kovac geschah, als die Ergebnisse ausblieben. Und merke: die Hinrunde birgt mehr Potenzial für derartige Überraschungen.
In Dortmund ist es nicht ganz so einfach, die Erwartungen im Zaum zu halten. Favre sieht sich erneut mit der (eigentlich so gut wie „unlösbaren“ Aufgabe konfrontiert, nun doch endlich mal einen Titel zu holen. Absurd, dumm – und nachteilig für die Leistungen.
Auch in Leipzig werden die Ansprüche höher geschraubt worden sein. Keine so gute Voraussetzung, so gut Nagelsmann auch ist.
Am wenigsten erfreulich wäre hier die Perspektive von Hertha BSC zu sehen. Nicht nur das Pokalaus in Braunschweig gibt bereits einen Hinweis. Da geht es drunter und drüber und von sinnvollen Verstärkungen möchte man schon gar nicht reden. Die Hertha hat als Hauptstadtclub natürlich etwas schlechtere Voraussetzungen, aber sie haben es fast immer verstanden, sich anbahnendes Heranschleichen an die Spitze – wo sie eben nach Größe der Stadt irgendwo hingehören – eigenhändig kaputt zu schlagen. Dies wäre sozusagen die Prognose: sie sind Platz 1 in der Rangliste, den Mund zu voll zu nehmen. Insofern der Kandidat mit dem größten Potenzial zum Scheitern.
Positiv könnte man hingegen tatsächlich schon wieder fast Schalke nennen. Dort ist natürlich immer was los und die Probleme häufen sich. Nur könnte dies diese Saison tatsächlich gar für den Trainer für die erforderliche Ruhe sorgen: die Fans erwarten „nur“ bessere Ergebnisse als in der Rückrunde – und dies dürfte ein Leichtes sein. Auch gibt der Kader erstaunlicherweise (aus hiesiger Sicht) noch immer mehr her als bei vielen um sie herumstehenden Teams (natürlich nicht mehr als Durchschnitt, aber da könnten sie hin, und nicht etwa als Abstiegskandidat).
Ansonsten sind halt diese Saison so viele Dinge ausgeblieben, speziell an Transfers, dass man ausnahmsweise mal mit einer gewissen Konstanz rechnen darf – insofern jedoch die deutlich geringeren Abweichungen vom Markt. Er hat einfach recht, mehr oder weniger alles so zu lassen, wie es war.
Größtes Potenzial für positive Überraschungen also bei Bielefeld und Schalke. Negativ bei Hertha, leicht eingeschränkt bei Dortmund, Leipzig, Bayern. Anzuführen wäre hier eventuell noch Augsburg, die sich zwar immer irgendwie gehalten haben, aber die Ansprüche mittlerweile doch etwas höher sind.
Bezüglich der Rückkehr des Heimvorteils (bei sukzessiver Rückkehr von Zuschauern) muss man leider tatsächlich abwarten. Der Start in anderen Ligen hat jedoch ein wenig gezeigt, dass selbst kleinere Zuschauerzahlen für den erwünschten Vorschub gesorgt haben. Genau nämlich wegen ihrer temporären gänzlichen Abwesenheit (sprich: die Spieler hören überhaupt wieder etwas, und das beflügelt).
Die Saisonwetten für 2020/2021, head2head und Abstiegswette
Hertha - Frankfurt
h2h 2 @2,05
bet3000
Union Berlin - Bielefeld
h2h 2 @1,95
bwin
Hertha - Union Berlin
h2h 2 @4,50
williamhill
Hertha - Hoffenheim
h2h 2 @1,95
williamhill Dortmund - Leipzig h2h 2 @3,80 bwin
Augsburg Abstieg @3,00
bwin
Alle Wetten mit 1/10
Über den Autor Dirk Paulsen
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