Ich werde nun hier meine große Analyse posten zum Eurovision Song Contest 2010. Vorneweg vielleicht einige Informationen dazu: Ich habe alle Lieder mehrfach angehört und analysiert, so wie ich es seit einigen Jahren bei jedem Eurovision Song Contest mache. Ich tue das absolut objektiv und muss meinen subjektiven und eigenen Musikgeschmack ausschalten, da das sonst nicht zu bestreiten wäre und erst gar nicht zu bewerten. Es ist dieses Jahr noch um einiges schwieriger als im letzten Jahr, da dieses mal sogar schon im Halbfinale eine Jury mit dabei ist, die ganz 50 % Stimmrechte hat.
Aber versuchen wir es einfach mal. Tipps werde ich dann erst nach und nach posten, wenn mir irgendwelche Quoten passen sollten. Einige Wetten habe ich auf Grund der Dynamik im Markt bereits abgegeben, aber einige Märkte sind einfach noch viel zu unausgereift, so dass eine derzeitige Abgabe meines Tipps einfach nicht in diesem Umfang möglich ist.
Ich werde nun alle Länder der Reihe nach durch gehen. es geht los mit dem 1. Halbfinale, welches am 25. Mai 2010 stattfinden. Stimmberechtigt sind alle Teilnehmer dieses Halbfinals und Deutschland, Spanien und Frankreich. Ich werde auch auf die so genannten „Freundschaftspunkte“ eingehen und alle möglichen Länder nennen, die dem besagten Lied Punkte schenken könnten. In beiden Halbfinals starten jeweils 17 Länder, von denen sich 10 für das Finale qualifizieren und 7 wieder abreisen dürfen.
1. Halbfinale am 25. Mai 2010
Moldawien
Der Eurovision Song Contest 2010 beginnt mit der Moldau und der Band Sunstroke Project & Olia Tira. Ihr Lied Run Away bezeichne ich als eine Art Disco-Lied, welches durch das Saxophon erst so richtig eigen und besonders klingt. Diese Besonderheit wird durch das Auftreten und das Aussehen der Band noch ein mal deutlich verstärkt, allerdings macht es die Performance nicht gerade seriös und professionell. Die Band hatte bei ihren bisherigen Auftritten absolute Stimmprobleme, was bedeutet, dass der Live-Gesang mangelhaft ist. Das Lied an sich wirkt phasenweise etwas billig. Geschenkte Punkte erhält Moldawien wahrscheinlich ein bisschen aus Portugal. Die Rumänen, sonst immer sicherer 12-Punkte-Lieferant, starten ja erst zwei Tage später im 2. Halbfinale und können somit keine Punkte vergeben.
Russland
Der direkte Gegensatz folgt sofort auf dem Fuß. Russland war die letzten Jahre immer gut dabei und hatte den ein oder anderen schnellen und guten Popsong am Start, doch dieses Jahr gehen sie ganz andere Wege. MKPN singt den Opern-Song Lost and forgotten und katapultiert damit Russland an die Grenze des Aussscheidens. Der Sänger hat eine so schlechte englische Aussprache, sieht extrem ungepflegt aus und die Bühnenshow und seine Gestik und Mimik ist teilweise so krampfhaft und lächerlich, dass einige ESC-Fans schon die Vermutung geäußert haben, dieser Auftritt würde pure Ironie enthalten. Ob dies nun der Fall ist oder nicht, spielt für uns aber keine Rolle. Es stellt sich die Frage, ob Russland mit diesem Lied die Zielgruppe der ESC-Fans trifft oder ob sie gnadenlos daran vorbei schießen. Musikalisch ist dieses Lied vielleicht gut gemacht und gut gesungen, aber was bringt das, wenn es die Zuschauer nicht wählen? Russland kann von Estland und Weißrussland Freundschaftspunkte erwarten.
Estland
Mit diesem Lied kann ich selbst sehr wenig anfangen. Ich finde es extrem nervig und unrhythmisch. Viele ESC-Fans bezeichnen dieses Lied als „zu modern“ für den Contest. Das Lied Siren wird von Malcom Lincoln gesungen und von einer sehr wirren Choreographie begleitet. Die Kamera ist ständig in Bewegung und der Sänger spaziert auf der Bühne herum. Die Choreo passt zum Lied, da alles irgendwie unruhig und hektisch ist. Da sie aber mit Finnland, Lettland und Moldawien gleich drei potentielle Freunde in ihrem Halbfinale haben, könnten sie sogar damit Chancen auf den Finaleinzug haben.
Slowakei
Hier sehen die Zuschauer dann das erste gute Lied und den für mich ersten sicheren Finalisten. Die Slowakei schickt Kristina mit Horehronie ins Rennen und setzt mit diesem Titel auf landesbezogene Klänge, die im Osten Europas, genauso wie ihre Sprache, sicherlich sehr gut ankommen werden. Der Bühnenauftritt besteht aus vielen rumhüpfenden Männern, die Schwerte und sonstige Dinge herum tragen. Eventuell ändert sich ja bei der Performance immer noch etwas, was hier sicherlich angebracht wäre. Insgesamt etwas zu viel und zu wirr. Aber ansonsten ist die Stimme und das Lied und die Frau absolut gut genug, um sich in diesem sehr schwach besetzten Halbfinale durchzusetzen. Von Freundschaftspunkten weiß ich in diesem Fall nichts, da die Slowakei noch nicht so häufig dabei war und Rückschlüsse daher zu spekulativ wären. Aber dieses Lied hat solche Punkte auch gar nicht nötig.
Finnland
Diesen Auftritt kann ich absolut nicht bewerten, da ich so etwas noch nie gesehen oder gehört habe. Es handelt sich hier um zwei Blondinen, die mit einem Akkordeon spielen und finnisch dazu singen. Klingt für mich wie eine Art Volksmusik und ich hab absolut keine Ahnung, wie dieses Lied ankommen wird. Ich denke aber, dass Finnland mit dem Lied Työlki ellää von Kuunkuiskaajat bestenfalls das Finale erreicht und dann irgendwo im Mittelfeld landen wird. Ein Siegerlied ist es auf jeden Fall nicht. Unterstützung ist von Estland und Island zu erwarten, aber vielleicht auch von noch mehreren umliegenden Ländern, da für sie diese Sprache und diese Art der Musik vielleicht etwas gewöhnlicher ist.
Lettland
Lettland ist eigentlich mein persönliches Hass-Lied bei diesem ESC. Eine blonde Frau, die keine Miene verzieht und starr wie ein Stein ihre biblischen Gebete singt. What for? Only Mr. God knows why wird gesungen von Aisha. Der Auftritt ist ziemlich gruslig und es sind irgendwelche Frauen in komischen Gewändern zu sehen, die Wäsche waschen und auf dem Boden knien. Eigentlich ein sicherer Kandidat für das Ausscheiden, aber die Konkurrenz ist hier so schwach, dass es mich nicht wundern würde, wenn sie weiter kommen. Unterstützung gibt es von Island und Estland.
Serbien
Serbien hatte die letzten Jahre sehr oft gute Lieder und geht dieses Jahr mit Ovo je Balkan von Milan Stankovic an den Start. Diesmal handelt es sich jedoch um keine schöne Ballade und auch um kein anderes Qualitativ besonders hochwertiges Gut, sondern um einen ziemlichen altmodische, traditionellen Gute-Laune-Song. Der Sänger, der wirklich recht gut singen kann, ist einfach nur peinlich und auch die Outfits der ganzen Band ist sehr gewöhnungsbedürftig. Da Serbien aber starke Unterstützung von Bosnien bekommt und ebenfalls Punkte aus Mazedonien und Albanien bekommen wird, könnte es für das Finale reichen. Die Jury wird wohl weniger begeistert sein von diesem Auftritt.
Bosnien-Herzegowina
Vukasin Brajic singt mit Thunder and Lightning eine Rockballade, die mir persönlich wirklich sehr gut gefällt. Leider sieht das die Mehrheit der ESC-Gemeinde anders und es wird schwer für ihn, überhaupt das Finale zu erreichen und dann in die Top 10 zu kommen. Der Song ist einfach sehr unauffällig, auch wenn er eine wirklich schöne Melodie hat und die Stimme des Sängers dafür passend ist. Ich bezweifle nur leider sehr stark, ob man dieses Lied noch im Kopf hat, wenn man alle anderen auch an diesem Abend aufgetischt bekommt. Unterstützung gibt es aus Serbien und er Slowakei, womit es in einem so schlecht besetzten Halbfinale eigentlich wirklich für das Finalticket reichen muss.
Polen]
Nun kommen wir mit Polen zu meinem ersten sicheren Kandidaten des Ausscheidens. Selbst in diesem so schlecht besetzten Halbfinale wird Polen mit Marcin Mrozinski und dem Lied Legenda keine Chancen haben. Ich habe dieses Lied bereits mehrfach gehört und kann keinen einzigen Bruchteil des Liedes wiedergeben. So wird es den Zuhörern auch gehen, wenn sie das Lied nur ein einziges mal hören dürfen. Zwischen Bosnien und Belgien zu starten ist zudem auch kein Vergnügen. Polen kriegt vielleicht etwas Unterstützung aus Deutschland, aber das wird einfach nicht reichen.
Belgien
Tom Dice spielt Gitarre und singt dazu sein Lied mit dem passenden Titel Me and my guitar. Er hat eine hervorragende Stimme, die absolut perfekt zu diesem ruhigen Lied passt. Dass er die Gitarre auch noch selbst spielt, wird sicherlich gut ankommen. Dafür gibt es aber keinerlei Bühnenshow. Nur der Kerl und seine Gitarre. Bei seinen Auftritten hat er ziemlich bauernhafte Kleidung an, was die Belgier hoffentlich noch ändern werden, denn er sieht so etwas herunter gekommen aus. Normalerweise müsste Tom hier locker das Finale erreichen, weil das Lied echt gut ist und die Konkurrenz so schwach ist. Belgien kann leider auf keine Freundschaftspunkte hoffen. Zudem könnte es zum Problem werden, weil nach ihm noch 3 Balladen kommen werden. Das Lied ist einfach sehr langatmig und hat keinen rhythmischen Refrain, den man als Ohrwurm im Kopf behält.
Malta
Malta schickt Thea Garrett mit My dream ins Rennen und steht damit in direkter Konkurrenz mit dem Startplatz zuvor. Die Ballade steigert sich im Vergleich zu Belgiens Lied und hat somit einen Höhepunkt und einen Weg dorthin. Dennoch fehlt auch dieser Ballade der Pepp, um ohne Zweifel sicher ins Finale ein zu ziehen. Der mangelhafte Gesang und der komische Auftritt des menschlichen Vogels bringen auch dieses Land ins Schwanken. Auch hier sind keine geschenkten Punkte zu erwarten.
Albanien
It’s all about you wird gesungen von Juliana Pasha und sollte das Finale auf jeden Fall erreichen können. Sie trifft praktisch jeden Ton und hat auch ihr Aussehen deutlich verändert. Bei der Performance liegen Welten zwischen ihrem Auftritt beim Vorentscheid und dem, was sie nun aufs Parkett legt. Ihre besonderer Vorteil ist auch, dass sie nach vier etwas ruhigeren Liedern die Bude wieder aufwecken und rocken wird. Der Startplatz ist für sie ein starker Vorteil, den sie mit ihrer hervorragenden Stimme und dem guten Lied ausnutzen muss, um ins Finale zu kommen. Zudem sind Punkte aus Mazedonien, Griechenland und der Schweiz zu erwarten.
Griechenland
Opa! von Giorgos Alkaios & Friends ist dagegen absolut sicher im Finale. Griechenland ist jedes Jahr gut dabei und hat auch dieses Jahr bewiesen, wie wichtig in diesem Land der ESC ist. Zwar ist es dieses Mal eine ganz andere Art von Musik, jedoch keineswegs schlechter. Es handelt sich um eine Gute-Laune-Musik, die mit griechischen Klängen untermalt wird. Im Hintergrund gibt es Tänze und Bewegungen, die den Refrain mit „Opa!“ kräftig unterstützen. Das Lied und der Refrain ist leicht zu merken und wird im Kopf bleiben und für Anrufe sorgen. Aus Albanien und Belgien wird es wohl Punkte geben, aber auch die anderen Länder dürften genug oft anrufen, um dieses Lied ins Finale zu voten.
Portugal
Ha dias assim von Filipa Azevedo ist dagegen chancenlos und wird das Finale nicht auf der Bühne erleben können. Es ist eine Ballade komplett ohne Höhepunkte, so dass absolut nichts hängen bleibt. Man vergisst das Lied schon wieder, während man es hört. Direkt nach Albanien und Griechenland dürfte die Sängerin einfach kein Land sehen. Geschenkte Punkte durch das Zuschauervoting gibt es dieses Jahr im Halbfinale durch Spanien.
Mazedonien
Jas ja imam silata von Gjoko Taneski ist eine Mischung aus Rap und Rockmusik, welches somit in direktem Vergleich mit der Türkei stehen dürfte, da es den selben Musikgeschmack trifft. Zwischen diesen beiden Liedern liegt aber kilometerweite Klasse. Mazedonien wird trotz der Freundschaft zu Serbien, Bosnien und Albanien und der schlechten Konkurrenz in diesem Semi das Finale nicht erreichen. Das Lied ist einfach viel zu belanglos und langweilig, als dass es sich hier abheben könnte.
Weißrussland
Das Lied Butterflies von 3+2 aus Weißrussland ist stark an das Genre der Filmmusik angelehnt. Es ist ein kitschiges Lied, welches aber durch guten Gesang und gute Bühnenpräsenz durchaus seine Chancen haben dürfte, das Finale zu erreichen. Das sehr ruhige Lied wird zum Ende hin spannender und energischer, was wenigstens einen definitiv notwendigen Spannungsbogen schafft. Durch die hohe Balladen-Konkurrenz in diesem Semi ist es aber sehr schwer, eine Prognose zu wagen. Hilfe gibt es aus Russland und etwas aus Mazedonien, Moldawien und Lettland.
Island
Island tritt mit Je ne sais quoi von Hera Björk an. Die Sängerin hebt sich optisch gesehen leider stark von der Konkurrenz ab. Sie ist etwas dick und im Vergleich zu vielen echt hübschen und jungen Teilnehmerinnen auch etwas älter. Das Lied wird in meinen Augen keine guten Chance haben, weil die Sängerin sich zudem nicht richtig bewegt und es wenn, dann nicht sexy aussehen würde, das Lied aber deutlich zum Tanzen und zur Bewegung einlädt. Ihr einziger Vorteil könnte der letzte Startplatz sein und die Hilfe aus Finnland und Portugal.
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Fazit Halbfinale 1
Im 1. Halbfinale ist allgemein die Qualität nicht sehr gut. Es fällt mir schwer, einen richtigen Favoriten zu nennen. Grundsätzlich gilt es für mich, festzustellen, wer sicher weiter kommen sollte und welche Länder eigentlich keine Chancen haben dürften. Dann bleibt hier im 1. Halbfinale ein großer Pulk in der Mitte übrig, wo die Tagesform, die Bühnenpräsenz, der Startplatz, die Freundschaftspunkte und die Jury so minimale Unterschiede haben, dass es fast 2 Monate zuvor unmöglich ist, eine Einschätzung zu treffen. Gerade bei Ländern wie Russland, die ein sehr ungewöhnliches Lied haben, aber traditionell gut abschneiden, ist es praktisch nicht möglich zu sagen „Sie scheiden auf jeden Fall aus“. Daher sind das hier meine Einschätzungen, die sich aber bei den Proben kurz vor dem Beginn durchaus noch verschieben könnten.
Ausscheiden sollten:
Polen, Portugal, Mazedonien, Island
Sicher weiter kommen sollten:
Slowakei, Albanien, Griechenland
Gute Chancen auf ein Weiterkommen haben:
Serbien, Bosnien, Belgien