FC Chelsea vs. FC Barcelona, 06.05.2009, 20.45 Uhr (kick-off)
Competition: UEFA-Champions-League
Spieltag / Runde: Halbfinale (Rückspiel)
Stadion: Stamford Bridge (London)
Schiedsrichter: Tom Henning Øvrebø (NOR)
Team - FC Chelsea
Ich sagte bereits im Hinspiel, dass es mich wundert, wieso kaum jemand die "Blues" auf dem Zettel hat. Immerhin war das Team von Neu-Trainer Hiddink in den letzten Jahren stets in den Final-Spielen vertreten. Letzte Saison erreichte man unter Ex-Trainer Grant sogar das Finale in Moskau. Doch nach einer hart umkämpften Partie musste sich der Traditionsclub von der Stamford Bridge mit 6:5 i.E. gegen ManU geschlagen geben. Acht Spieler, die damals in der Startelf standen, werden wohl auch heute von Beginn an auflaufen. Ballack und Co. haben die Tränen von Moskau noch nicht vergessen. Die Chancen, an ManU in Rom "Rache" zu nehmen, sind nach dem 0:0-Unentschieden im Camp Nou gestiegen. Denn die "Blues" treten heute vor heimischer Kulisse an und können dabei auf ihre Heimstärke bauen.
Der Weg ins Halbfinale der Champions-League:
4:0 (2:0) (H) vs. Girondins Bordeaux (1. Spieltag)
0:0 (0:0) (A) vs. CFR Cluj (2. Spieltag)
1:0 (0:0) (H) vs. AS Rom (3. Spieltag)
3:1 (1:0) (A) vs. AS Rom (4. Spieltag)
1:1 (0:0) (A) vs. Girondins Bordeaux (5. Spieltag)
2:1 (1:0) (H) vs. CFR Cluj (6. Spieltag)
Was fällt auf?
In einer mittelstarken Vorrunden-Gruppe A belegte der FC Chelsea mit elf Punkten und einem Torverhältnis von 9:5 den 2. Platz (Sp. 6: g. 3, u. 2, v. 1). Im Gegensatz zum FC Barcelona spielten die "Blues" bereits in der Vorrunde drei Mal (!) zu null. Zwar landete Chelsea auswärts keinen einzigen Dreier, doch dafür gewann man an der Stamford Bridge alle drei Heimspiele!
Torschützen in der Champions-League-Vorrunde:
Anelka (2), Terry (2), Kalou, Drogba, Lampard, J. Cole, Malouda
Achtelfinale:
1:0 (1:0) (H) vs. Juventus Turin (Hinspiel)
2:2 (1:1) (A) vs. Juventus Turin (Rückspiel)
Viertelfinale:
1:3 (1:1) (A) vs. FC Liverpool (Hinspiel)
4:4 (0:2) (H) vs. FC Liverpool (Rückspiel)
Was fällt auf?
Sowohl das Spiel gegen "Juve" als auch das "ewige Duell" mit dem Liga-Konkurrenten FC Liverpool gestaltete sich sehr eng. Bei den Partien mit Juventus durfte sich Hiddink nur deshalb über ein gelungenes Debüt freuen, weil den Italienern im Abschluss das Glück fehlte. Spielerisch präsentierten sich jedoch beide Teams ebenbürtig. Dass man gegen die "Reds", die kaum zu schlagen sind, im Hinspiel einen 1:0-Rückstand in ein 3:1-Sieg ummünzte, unterstrich die Willenskraft und individuelle Klasse der Chelsea-Akteure. Insbesondere im Luftkampf sind die "Blues" eine Macht! So drehte Ivanovic mit zwei Kopfball-Toren das Spiel. Ein Wechselbad der Gefühle erlebten die Chelsea-Stars dann im turbulenten Rückspiel: Nach 0:2-Pausenrückstand drehte Chelsea den Spieß nach der Pause um (3:2) und schien das Halbfinalticket schon gelöst zu haben. Doch die Benitez-Elf zeigte Moral und ließ die Gastgeber mit einem Doppelschlag noch einmal zittern. Am Ende zog die Mannschaft von Neu-Trainer Hiddink - nicht unverdient - ins Halbfinale der CL ein. Lampard sorgte mit seinem Rechtsschuss für den 4:4-Endstand (89.). Auch in dieser Partie stimmten die "Basics" im Chelsea-Team. Im Vergleich zu Barcelona hatten es die "Blues" in den Final-Spielen mit weitaus unangenehmeren Gegnern zu tun. Insgesamt wurden vier von bislang fünf Heimspielen gewonnen. Dabei behielt Chelsea drei Mal eine "weiße Weste". Lediglich im Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Liverpool trennte man sich 4:4-Unentschieden.
Torschützen in den Final-Spielen:
Drogba (4), Ivanovic (2), Lampard (2), Essien, Alex
Kader / wer fehlt?
A. Cole, der im Hinspiel gefehlt hat, steht - aller Voraussicht nach - wieder in der Startelf. Jedenfalls steht A. Cole im Kader.
Wissenswertes:
Im laufenden Wettbewerb musste sich der FC Chelsea nur ein einziges Mal geschlagen geben (3:1 vs. AS Rom, 4. Spieltag). Zudem blieben die "Blues" nur am 2. Spieltag beim CFR Cluj ohne Torerfolg. An der Stamford Bridge setzte es im laufenden Wettbewerb noch keine Niederlage. Vier fünf bislang fünf Heimspielen wurden gewonnen. Dabei behielt Chelsea drei Mal eine "weiße Weste". Damit ist der Final-Teilnehmer aus dem letzten Jahr seit 17 CL-Spielen ungeschlagen.
aktuelle Form:
In der Liga bleiben die "Blues" ihrem minimalistischen Stil treu. Über ein Drittel der bisherigen Siege wurden mit einem Tor Unterschied erzielt. Unter Neu-Trainer Hiddink, der auf Scolari folgte, hat man allerdings eine sehr gute Bilanz vorzuweisen. Acht von zehn Liga-Spielen wurden unter seiner Regie gewonnen. Lediglich gegen die "Spurs" musste man sich am 30. Spieltag mit 1:0 geschlagen geben. Von 18 Heimspielen wurden nur zwei verloren: 9. Spieltag: 0:1 vs. FC Liverpool, 15. Spieltag: 1:2 vs. FC Arsenal London. In neun von 18 Heimspielen blieb Chelsea ohne Gegentor, was einem Wert von 50% entspricht.
voraussichtliche Aufstellung:
P. Cech - Bosingwa, Alex, Terry, A. Cole - Ballack, Essien, Lampard, Malouda - Anelka, Drogba
Team - FC Barcelona
Das Star-Ensemble des FC Barcelona galt als absoluter Top-Favorit auf den CL-Titel. Doch nach dem 0:0-Unentschieden im Hinspiel sind die Chancen auf den Finaleinzug sicherlich nicht gestiegen. Die Katalanen trugen sich zum letzten Mal in der Saison 2006 in die Ehrentafel der CL-Sieger ein. Doch diesmal sind die Jungs von Erfolgscoach Pep Guardiola noch besser, noch schneller, noch technisch versierter. Bereits im Viertelfinale hat das "Dream Team" um Messi, Henry und Eto´o dem deutschen Rekordmeister aus München eine Lehrstunde erteilt (4:0). Doch gegen defensiv aufgestellte "Blues" gelang es den Katalanen nicht, ein ähnliches Feuerwerk abzubrennen. Die "Blues" erreichten in den Spielzeiten 2007 / 2008, 2006 / 2007, 2004 / 2005 und 2003 / 2004 jeweils mindestens das Halbfinale der "Königsklasse". Namen wie Terry, Ballack, Lampard, Essien und Drogba sprechen zudem für sich. Es wird erneut ein "Spiel auf Messers Schneide". Beide Teams verfügen über absolute Top-Akteure, die sowohl physisch als auch fußballerisch auf höchstem Niveau agieren. Doch mit Marquez und Puyol fallen zwei wichtige Defensivakteure vor. Außerdem wiegt der kurzfristige Ausfall von Top-Stürmer Henry natürlich besonders schwer.
Der Weg ins Halbfinale der Champions-League:
3:1 (1:0) (H) vs. Sporting Lissabon (1. Spieltag)
1:2 (1:0) (A) vs. Schachtjor Donezk (2. Spieltag)
0:5 (0:3) (A) vs. FC Basel (3. Spieltag)
1:1 (0:0) (H) vs. FC Basel (4. Spieltag)
2:5 (0:2) (A) vs. Sporting Lissabon (5. Spieltag)
2:3 (0:1) (H) vs. Schachtjor Donezk (6. Spieltag)
Was fällt auf?
In einer schwachen Vorrunden-Gruppe C belegte "Barca" mit 13 Punkten und einem Torverhältnis von 18:8 den 1. Platz (Sp. 6: g. 4, u. 1, v. 1). Nur der FC Liverpool (14 Pkt.) und der FC Bayern München (14 Pkt.) schlossen die Gruppenphase mit mehr Punkten ab. Im heimischen Camp Nou, das traditionell als "Festung" gilt, wurde allerdings nur ein einziges Vorrunden-Spiel gewonnen. Zudem kassierten die Guardiola-Schützlinge in allen drei Heimspielen mindestens ein Gegentor. Insgesamt spielten die Blau-Roten nur am 3. Spieltag zu null. Auswärts wurden dafür alle drei Heimspiele gewonnen. Mit 18 bzw. 17 (+ 1 Eigentor) eigens erzielten Vorrunden-Toren stellte "Barca" die mit Abstand beste Offensive.
Torschützen in der Champions-League-Vorrunde:
Messi (5), Bojan (3), Xavi (2), Sergi Busquets (2), Henry, Pique, Sylvinho, Marquez, Eto´o + 1 Eigentor
Achtelfinale:
1:1 (1:0) (A) vs. Olympique Lyon (Hinspiel)
5:2 (4:1) (H) vs. Olympique Lyon (Rückspiel)
Viertelfinale:
4:0 (4:0) (H) vs. FC Bayern München (Hinspiel)
1:1 (0:0) (A) vs. FC Bayern München (Rückspiel)
Was fällt auf?
Das Achtelfinal-Hinspiel im Stade Gerland gestaltete sich lange Zeit sehr offen. OL hatte mehrere Möglichkeiten das 2:0 nachzulegen, doch "Ex-Kanonier" Henry sorgte mit seinem Treffer für das wichtige 1:1-Unentschieden. Im Rückspiel vor heimischer Kulisse ließen die Katalanen nichts anbrennen, dennoch kassierte die wacklige Barca-Defensive erneut zwei Gegentore. Der 4:0-Heimerfolg im Viertelfinal-Hinspiel über die "Klinsmänner" kam einer Demütigung gleich. Messi machte mit Lahm-Vertreter Lell was er wollte. Allerdings darf hier nicht außer Acht gelassen werden, dass der Rekordmeister große Verletzungssorgen hatte und er intern mit großen Unstimmigkeiten zu kämpfen hatte. Zudem klappte bei "Barca" an diesem Tag einfach alles.
Torschützen in den Final-Spielen:
Henry (4), Messi (3), Eto´ o (2), S. Keita (2)
Kader / wer fehlt?
Barca-Trainer Guardiola kann personell nicht aus den Vollen schöpfen. Mit Márquez, Puyol und Henry fallen gleich drei wichtige Spieler aus.
Wissenswertes:
Bis auf den 4:0-Erfolg gegen den FC Bayern München blieben die Katalenen nie ohne Gegentor. Sowohl im Achtel- als auch Viertelfinale landete die Guardiola-Elf auf fremden Terrain keinen Dreier. Dennoch setzte es auswärts noch keine einzige Niederlage.
aktuelle Form:
Die Barca-Akteure befinden sich in bestechender Form. Schließlich wurde Erzrivale Real Madrid mit 6:2 im eigenen Stadion vorgeführt. Somit bleiben die Blau-Roten ihrem Stil treu: Auch die übrigen Spiele gegen vermeintliche Top-Teams der Primera Division wurden erstaunlich hoch gewonnen.
voraussichtliche Aufstellung:
Victor Valdes - Daniel Alves, Pique, Touré, Abidal - Xavi, Iniesta, Sergio Busquets, S. Keita - Messi, Eto'o
Fazit:
Der FC Chelsea wird - im Gegensatz zum Hinspiel - an der heimischen Stamford Bridge deutlich offensiver auftreten. Ob dies nun einen Vorteil für Chelsea oder sogar für Barcelona bedeutet, sei dahingestellt. Denn einerseits eröffnet man damit einer spielstarken Mannschaft wie Barcelona mehr Tormöglichkeiten, aber andererseits könnte man die angeschlagenen Defensive der Katalanen durch eine offensive Spielausrichtung in erhebliche Schwierigkeiten bringen. Wie dem auch sei: Der FC Chelsea hat sich durch das 0:0 im Hinspiel einen klaren Vorteil erarbeitet. Immerhin spielt man heute zu Hause und kann personell aus dem Vollen schöpfen. Barca dagegen muss mit Marquez, Puyol und Henry auf drei wichtige Akteure verzichten. Insbesondere Puyol und Henry lieferten gegen Real Madrid eine ganz starke Leistung ab. Ein kleiner, aber feiner "Pluspunkt" für Chelsea könnte der norwegische Schiedsrichter, Tom Henning Øvrebø, sein. Denn - ähnlich wie in England - pfeift der Norweger nicht unbedingt kleinlich. Dies kommt sicherlich eher Chelsea als Barcelona zu Gute. Chelsea ist ein sehr erfahrenes Team. Die Zahlen sprechen für sich: Die "Blues" erreichten in den Spielzeiten 2007 / 2008, 2006 / 2007, 2004 / 2005 und 2003 / 2004 jeweils mindestens das Halbfinale der "Königsklasse". Ballack und Co. haben die Tränen von Moskau noch nicht vergessen. Die Chancen, an ManU in Rom "Rache" zu nehmen, sind nach dem 0:0-Unentschieden im Camp Nou gestiegen. Denn die "Blues" treten heute vor heimischer Kulisse an, können dabei auf ihre Heimstärke bauen und zudem auf alle wichtigen Stammkräfte zurückgreifen. Insbesondere im Luftkampf sind die "Blues" den Spaniern klar überlegen. Die Ausfälle von Puyol und Marquez werden bei Standards noch mehr ins Gewicht fallen.
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