DEL: Nürnberg Ice Tigers vs. Straubing Tigers - 26.09.2021 19:00 Uhr
Derbywochenende - Teil 2. Am späten Sonntag Abend kreuzen die Nürnberg Ice Tigers und die Straubing Tigers zum ersten Mal in dieser noch jungen Saison die Schläger. Beide Teams mit einem eher schwachen Start. Nürnberg nur einen Sieg aus den ersten sechs Partien, Straubing konnte immerhin zwei Partien für sich entscheiden. In der letzten Spielzeit gewann jeweils das Heimteam. Nürnberg an dieser Stelle 4:3 und 3:2. Das Spiel wird live (neben MagentaSport) auf Sport 1 übertragen.
Zu Nürnberg hatte ich bereits in der Pre-Season etwas geschrieben. Daher greife ich an dieser Stelle auch auf ein paar der genannten Informationen zurück.In der abgelaufenen corona-bedingt verkürzten Saison 2020/2021 wurde man in der stärkeren Süd-Gruppe Letzter (7.Platz). 10-1-8-19 bei 94:141 Toren und 40 Punkten reichten immerhin noch dafür, diesen letzten Platz nicht auch noch in der Endabrechnung zu bekommen, denn die Krefeld Pinguine (18 Punkte) waren einfach noch bedeutend schlechter. Die Verteidigung hielt man größtenteils zusammen, allerdings wurde die Offensive stark umgebaut. Nach nur 94 Toren in 39 Spielen auch nicht allzu verwunderlich. Richten sollen es dort jetzt der Wandervogel Stoa (kam aus Schweden - HV71 Linköping), sowie Sheehy (Iowa Wild) und MacLeod (Grand Rapid Griffins) aus der AHL. Die Defensive verstärkte man noch um die Spieler Parlett (Tappara) und Welsh (Rochester Americans). Der Saisonstart verlief dann genauso, wie man es im Nürnberger Umfeld nicht haben wollte. Aktuell belegt man mit nur einem Sieg und vier Punkten aus sechs Partien den 15.Tabellenplatz. Damit ist man Letzter und das wäre definitiv der direkte Abstieg in die DEL2. Bis Platz 10 (Pre-Playoffs) sind es aber auch nur drei Punkte. Die Teams auf den Rängen 14 (Schwenningen - 4 Zähler), 13 (Krefeld - 4 Zähler) und 12 (Bietigheim - 5 Zähler) sind dabei Konkurrenten, die man auf jeden Fall hinter sich lassen sollte. Auswärts waren das nicht mal immer schlechte Auftritte, das 1:4 in Iserlohn war eher noch mau, dafür ein ganz starkes Auswärtsspiel in Mannheim, dort nur knapp und spät unglücklich 2:3 unterlegen. 2:4 in einem hoch emotionalen Spiel in Köln und am Freitag hat man beim 3:8 in Schwenningen ein berühmtes "Ketchupflaschen" Spiel erwischt, als Schwenningen wirklich jedes noch so krumme Ding im Tor versenken konnte. Nach dem ersten Drittel stand es dabei noch 1:0 für die Ice Tigers. Zuhause schlugen sie Aufsteiger Bietigheim mit 3:0 und verloren etwas unglücklich mit 2:3 nach Verlängerung gegen Bremerhaven. Die Klatsche in Schwenningen war schlussendlich ausschlaggebend dazu, dass man sich gestern vom Headcoach Fischöder trennte. Manager Ustorf übernimmt, bis ein Nachfolger gefunden ist. Jake Ustorf (Sohnemann), Marcus Weber und Jeremy Welsh sind für heute out.
Straubing erreichte in der abgelaufenen Spielzeit gerade so mit einer 15-2-4-16 Bilanz bei 103:102 Toren und 53 Punkten aufgrund des Punkteschnitts den 4.Tabellenplatz in der Süd-Gruppe. In den Mini-Playoffs unterlag man im Viertelfinale knapp mit 1:2 Siegen den Adler Mannheim, nach dem man in Spiel 1 auswärts 3:2 nach Verlängerung gewann und in Spiel 3 bis zur 49.Minute 3:0 führte. man tauschte im Sommer vor allem die Kontingentspieler aus. Publikumsliebling Jeremy Williams (5 Spielzeiten im Tigers Trikot, davon drei als Assistant-Captain) zollte seinem Alter von 37 Lenzen Tribut und spielt nun für die Heilbronner Falken in der DEL2. Sena Acolatse wechselte zu den Iserlohn Roosters und Fredrik Eriksson (38 Jahre) gab sein Karriereende bekannt - spielt jetzt unterklassig in Schweden. Diese waren in den vergangenen Jahren Leistungsträger im Tigers-Trikot. Mit Brandon Gormley wechselte neben Acolatse und Eriksson ein weiterer Defender den Verein - er ging nach Riga. Goalie Robson sollte dabei nur als Randnotiz aufgeführt werden - er konnte nicht überzeugen und spielte ohnehin nicht oft, da Oldie Sebastian Vogl (35 Jahre) auf seinen letzten Karriere-Metern eine Gala-Saison ablieferte. Durch die letzten zwei, drei starken Spielzeiten kletterten die Tigers in der DEL-Hierarchie etwas nach oben. Dadurch konnte mit Jason Akeson der Topscorer aus Köln verpflichtet werden. Im Tor setzte man Sebastian Vogl mit Tomi Karhunen (SC Bern) einen Europa-erfahrenen Legionär vor. Cody Lampl kam aufgrund einer langen Verletzung (nur zwei Spiele letzte Saison für Mannheim) aus dem Adler-Nest. Defensiv holte man noch mit Manning eine kleine Wundertüte, der zuletzt ein komplettes Jahr pausierte, davor aber über einiges an NHL und AHL-Erfahrung verfügte. Mit Ian Scheid stieß ebenfalls ein weiterer US-Amerikaner zum Team, wenngleich er eher in den Minor-Leagues unterwegs war. Offensiv sollten Travis St. Denis (Binghampton / AHL) und der nachverpflichtete Taylor Leier (Mannheim) sollen der offensive mehr Wucht verleihen. Letzterer ist der Nachfolger von J.C. Lipon, der ursprünglich einen Vertrag bei den Tigers unterschrieben hatte, dann aber doch lieber ein lukrativeres Angebot aus der KHL (Sochi) annahm. In der aktuellen Spielzeit vom Resultat her eher enttäuschend mit nur zwei Siegen aus sechs Spielen auf Rang 11. Zuhause dabei an sich gute Auftritte, 4:2 gegen Mannheim, 4:1 gegen Ingolstadt und dann noch ein 0:4 gegen die Eisbären Berlin. Auswärts aber hapert es. Du kannst in Bremerhaven verlieren (5:4), du kannst natürlich auch in München verlieren (6:3). Allerdings kassierte man auch am Freitag im Derby bei den bis dato wenig überzeugenden Augsburger Panthern eine 4:6 Schlappe. Damit schon 17 Gegentore in drei Auswärtsspielen - das ist ne Menge Holz. Bisher nicht wirklich zurecht kommt der vor der Saison hochgelobte Tomi Karhunen, der einem Gegentorschnitt von 3,63 aufweist. Die Save-Percentage von 86% unterstreicht dies.
Es ist ein Derby, bei dem beide Teams nicht wirklich zufrieden sein können. Nürnberg "krönte" den einen Sieg aus sechs Spielen mit einer 3:8 Klatsche beim bis dato Tabellenletzten Schwenningen und kassierte damit mehr Tore, als Schwenningen in der bisherigen Saison überhaupt erzielen konnte. Straubing hatte mit Mannheim, Bremerhaven, München, Ingolstadt und Berlin ein schweres Auftaktprogramm, versiebte dann aber das erste Derby am Freitag in Augsburg komplett. Ich hatte für heute erst das andere Derby (Augsburg - Ingolstadt) im Blick, aber dort sind die Kurse gut gesetzt und das Over zu niedrig. In diesem Spiel hier sehe ich die Ice Tigers ob des schwachen Saisonstarts dennoch leicht vorne. Das hat zum einen mit dem Trainerrauswurf zu tun, denn mit Ustorf kommt vom sportlichen Leiter sicher ein neuer Impuls, der seine Spieler jetzt in die Pflicht nimmt. Am Freitag lief nicht wirklich viel zusammen und ein 3:8 in Schwenningen ist absolut peinlich, weshalb ich gerade deswegen heute eine Reaktion vor heimischer Kulisse erwarte. Nichts kommt dafür mehr gelegen, wie ein Derby gegen die Straubing Tigers. Die zwei Heimauftritte bisher waren auch sehr ordentlich. Noch dazu tragen dann auch die Gäste ihren Teil bei, die sich defensiv bisher nicht immer sattelfest präsentieren. Vor allem auswärts kassierte man regelmäßig ein halbes Dutzend (oder nahe darunter) Gegentore und das nicht immer gegen die absoluten Größen des deutschen Eishockeys. Ich kann mir nach dem Freitags-Spiel nicht vorstellen, dass Karhunen auch den Start heute bekommt. Allerdings muss ein Sebastian Vogl auch erst einmal beweisen, dass er nach eher absteigenden Leistungen in den letzten Jahren das Niveau der Vorsaison halten kann. Bisher bekam er einen Einsatz, beim 0:4 gegen die Eisbären Berlin. Darüber hinaus sind für mich weitere Parallelen erkennbar, denn es ist nicht das erste Mal, dass die Tigers anfänglich große Probleme auf fremden Eis haben. In der verkürzten, abgelaufenen Spielzeit verlor man gar die ersten neun Spiele als Gast, darunter auch zweimal hier in Nürnberg. Qualitativ sind die Gäste sicher etwas besser einzuschätzen, dennoch sehe ich das ganze hier eher als relativ ausgeglichene Partie mit sehr leichten Vorteilen für Nürnberg unter den genannten Punkten. Ein sehr guter Spot, um das Publikum mitzunehmen und den schwachen Saisonstart in den Hintergrund zu rücken. Wäre nicht das erste Mal, dass eine Mannschaft unter den genannten Voraussetzungen eine deutliche Reaktion zeigt - jüngst erst gesehen vergangenen Donnerstag auf Krefelder Seite. Ich traue den Nürnbergern heute absolut etwas zu - die Kurse dafür einfach zu hoch:
Nürnberg Ice Tigers 2-Way @2,12 4/10 (div.)