Bayern ist der Don Arroganti des deutschen Fußballs. Dabei neide ich ihnen keinen einzigen Erfolg, den sie sich hart erarbeitet haben und der bewundernswert ist. Jedoch wirken sie auf mich immer mehr wie ein Fehler in der Matrix in 'Matrix'. Durch das décima alemana hat uns der Bayern-Stadl vor Augen geführt, wie es sich anfühlt, wenn sich über Jahre hinweg aus einem authentischen Fußballwettkampf eine bloße Simulation entwickelt. Das Schauen der Bundesliga ist kein Genuss mehr, weil es so ist, als ob man bei einem Krimi schon vorher wüsste: Der Gärtner war's. Die üblichen Verdächtigen heißen Lewandowski, Müller und Neuer. Man kann ihre Gesichter nicht mehr sehen, nicht aus Menschenfeindlichkeit oder Antipathie, sondern, weil sie stellvertretend für den Verlust des Natürlichen im Fußball stehen und das Schaffen einer künstlichen Bayern-Ersatz-Simulation; ein Vorwurf, der von den Verantwortlichen reaktionsschnell mit ihrer vermeintlichen 'finanziellen Gesundheit' gekontert wird.
Ich wünsche mir ein baldiges Ende der Bayern-Ära. Die Fußballseele ist ab einer gewissen Ligagröße sowieso längst unwiderbringlich verloren und ohnehin schon in ihr Dekadenz-Endstadium eingetreten. Was macht es da wirklich noch für einen Unterschied, ob der Geldgeber A moralisch einwandfreier ist als der vlt. etwas weniger korrupte Kapitaleigner B? Ich weiß es nicht, vielleicht ist die etwas weniger neoliberale Oase Deutschland noch um Längen weniger kaputt als barcaeske oder englische Verhältnisse es vormachen und das tragische Beispiel Hertha BSC beweist ja, dass Geld allein noch keinen Erfolg zeitigt, wenn das Drumherum einem atomaren Fallout gleicht. Trotzdem kann und will ich diese Bayern-Dominanz einfach nicht mehr mitansehen, es ist grausam und tut meiner Intelligenz auch irgendwie weh. Vielleicht, weil die Sinnlosigkeit dieses ganzen Fußballzirkus einfach schmerzhaft ist.
Ohne Wetten wäre mein Interesse an Fußball schon vor vielen Jahren erloschen. Lediglich wenn der VfB mal wieder in Abstiegsnot ist, geht mir in manchen Spielen noch einer ab, bis ein Davie Selke es in der vierten Minuten schafft, das muss man sich mal vorstellen, ein Davie Selke, mich aus allen neuerlichen echtfeuchten Fußball-Teenie-Träumen zu reißen. In meiner Welt ist der Fußball leider tot. Er stinkt vor sich hin wie abgelaufener bayerischer süßer Senf, zurückgelassen auf einer grauen Pappe auf der der Tabellenstand von 2012 eingezeichnet ist, dem letzten Nicht-Bayern-Meisterjahr. Es passt einfach zur allgemeinen Malaise, wenn man dann auch noch zig unterschiedliche Abos abschließen muss und diese verstörende Eintönigkeit einem als Premium-Angebot und Nonplusultra der Fußballentwicklung verkauft wird.
Jeder und Exciter tun so als ob es ganz normal sei, aber passt halt zu den Lebensalbträumen des Großteils einer passiv-rezipierenden Bevölkerung, die Netflix schauen in ihrer Freizeit zur Maxime eines Menschenlebens erhoben hat. Sediert erträgt man auch noch die elfte, zwölfte und dreizehnte Bayern-Meistersimulation bis der Reusse vor der Türe steht und man sagt, wir haben es doch nicht kommen sehen.