Hab mir für heute drei Kämpfe rausgepickt:
Heavyweight Division
Vitali Klitschko (38-2-0) (37 KOs) - Kevin Johnson (22-0-1) (9 KOs) WBC Heavyweight Championship
Klitschko muss ich hier wohl nich näher vorstellen, hat mit seinem Sieg gegen Chris Arreola auch bewiesen, dass noch Sprit im Tank ist. Gehe daher eher mal auf Johnson ein. Der gute Mann ist immerhin auch schon 30, kann aber auf einen fast blütenweißen Kampfrekord zurückgreifen. 22 seiner 23 Profikämpfe konnte er siegreich bestreiten (einmal unentschieden), wenn man mal einen Blick auf seine Gegner wirft, dann macht sich aber recht schnell Ernüchterung breit. Ungefähr die Hälfte der Leute gehört in die Kategorie "aus der nächsten Kneipe rekrutiert", dann sind noch ein paar Durchschnittsboxer dabei und vielleicht noch der ein oder andere, der mal ganz ordentlich war, aber seinen Zenit schon lang überschritten hat. Bruce Seldon z.B. mag einem Boxfan vielleicht noch ein Begriff sein, er war immerhin mal für ein paar Tage WBA-Weltmeister im Schwergewicht, dass war aber 1995, bevor schon wenige Wochen später ein gewisser Mike Tyson mit ihm den Ringboden aufgewischt hat, dass hat damals 109 Sekunden gedauert. Nun war Seldon im Kampf gegen Johnson mittlerweile 41 Jahre alt und verlor den Kampf in der fünften Runde durch KO, beeindruckt mich jetzt nicht gerade. Johnson hat noch keinen einzigen Top-20 Mann geboxt!
Dazu kommt, dass Johnson bei seiner schwachen KO-Quote von 39,13% auch nicht über große Schlagkraft verfügt. Sehe nicht, wie er Vitali gefährlich werden könnte.
Eine Pro-Johnson Info doch noch am Ende:
Reichweite Klitschko 203 cm
Reichweite Johnson 208 cm
Aber wird er Klitschko im Rückwärtsgang ausboxen können? Niemals!
Fazit:
Vitali hat sich mit der Nummer 26 der verbandsübergreifenden Weltrangliste aufgestellt von Boxrec.com einen dankbaren Gegner für seine nächste Titelverteidigung ausgesucht und wird den Kampf meiner Meinung nach spätestens in der neunten Runde klar durch KO/TKO für sich entscheiden.
Trotz der katastrophalen Übertragung von RTL kann man den Kampf gut als Aufwärmprogramm für die beiden Kämpfe in der Nacht nehmen.
Vitali Klitschko by KO/TKO/DQ @ 1,4 10/10
Junior Welterweight Division
Juan Diaz (35-2-0) (17 KOs) - Paulie Malignaggi (26-3-0) (5 KOs)
Hier kommt es zu einem der interessantesten Rückkämpfe des Jahres.
Lassen wir den ersten Kampf einmal Revue passieren. Am 22.08. kam es in Diaz Heimatstadt Houston zum ersten Aufeinandertreffen dieser beiden pfeilschnellen, aber nicht mit großer Schlagkraft gesegneten Juniorweltergewichtler. Es war wie erwartet ein extrem ausgeglichener und hochspannender Kampf, der über die Runden gegangen ist. Ich hatte den Kampf damals 115-113 für Malignaggi gescored. Selbiges Urteil fällten auch Howard Lederman und Lennox Lewis für HBO. Dann kam das offizielle Urteil 118-110 (!) 115-113 116-112 für Diaz. Auch wenn man die 115-113 noch vertreten kann, da einige sehr enge Runde dabei waren, musste man trotzdem von einem Skandalurteil sprechen. Malignaggi hielt ein jetzt schon legendäres Interview nach dem Kampf, wonach noch nie einer in Texas gegen ein Texaner ein faires Urteil bekommen habe. Die Amerikaner waren sich einig, "Paulie has been robbed". Nun kommt es fast zwangsläufig zum Rückkampf, diesmal auf neutralem Boden in Chicago.
Jetzt mal kurz was zu den beiden Boxern.
Juan Diaz:
Alter: 26
Größe: 1,68m
Reichweite: 1,70
Diaz, genannt der "Baby Bull" wurde im Jahr 2004 im Alter von nur 21 Jahren Weltemeister im Leichtgewicht nach Version der WBA und kämpfte sich die nächsten Jahre gegen durchaus gute, wenn auch nicht überragende Leute an die Spitze seiner Division. Im März 2008 kam es dann zu einem Vereinigungskampf gegen IBF- und WBO-Champion Nate Campbell aus den Staaten. Es sollte ein fantastischer Kampf werden, an dessen Ende Campbell knapp, aber verdient nach Punkten die Oberhand behielt. Diaz boxte sich mit einem knappen Punktsieg gegen Michael Katsidis wieder an die Spitze und bekam kurz darauf wieder die Chance die Nr.1 im Leichtgewicht zu werden. Da Nate Campbell inzwischen ins Juniorweltergewicht aufgestiegen war, wurden seine Titel vakant. Diaz traf in einem Kampf um die Gürtel auf Juan Manuel Marquez. Marquez sollte eine Nummer zu groß für Diaz sein und auch wenn der Kampf nach Punkten sehr eng war, sollte der Punch von Marquez ausschlaggebend sein. Er besiegte Diaz nach technischem KO in Runde 9. Nach dem Kampf stieg Diaz ebenfallls ins Juniorweltergewicht auf, wo er dann den oben genannten Kampf gegen Paulie Malignaggi sehr umstritten gewann.
Diaz ist ein technisch hochklassiger Boxer, mit sehr gutem Handspeed, jedoch mangelt es ihm an Schlagkraft und seine Kämpfe gegen Campbell und Marquez haben bewiesen, dass er "nur" ein sehr guter und kein Boxer der absoluten Elite ist.
Paulie Malignaggi:
Alter: 29
Größe: 1,74m
Reichweite: 1,78
Der Italo-Amerikaner Malignaggi debutierte 2001 als Profi und kämpfte sich seinen Weg bis zum Weltmeistertitel im Juniorweltergewicht hoch. Sein erster richtig großer Kampf war 2006 im Madison Square Garden gegen Miguel Cotto um die Krone der WBO im Juniorweltergewicht. Cotto, damals schon ein großer Star im Geschäft, konnte Malignaggi in der zweiten Runde auf die Bretter schicken, doch Paulie bewies großen Kampfgeist und verdammt starke Nehmerqualitäten. Er verlor den Kampf erst nach Punkten und auch wenn das Urteil einstimmig war, war es nicht so deutlich, wie viele damals erwartet hatten. Aus diesem Grund bekam der "Magic Man" kurz darauf die nächste Chance auf den Titel, diesmal nach Version der IBF. Lovemore N'dou hieß der damalige Titelträger und Paulie besiegte ihn extrem eindeutig nach Punkten und wurde dadurch verdienter Weltmeister. Er verteidigte den Titel zweimal bevor es zu einem Vereinigungskampf gegen Ricky Hatton im MGM Grand in Las Vegas kam. Hatton sollte einen fantastischen Tag erwischen und er dominierte Paulie fast über die komplette Distanz, bis er in Runde 11 zu einem technischen KO durch Abbruch kam. Die einzige KO-Niederlage für Malignaggi.
Paulie kam mit einem Aufbaukampf im April 2009 wieder auf die Siegerstraße, bis er dann im August das erste mal auf Diaz traf.
Malignaggi ähnelt Diaz vom Kampfstil sehr, technisch stark, sehr schnell und kaum Punch, dafür verfügt Paulie über überdurchschnittlich gute Nehmerqualitäten. Bei ihm gilt das selbe wie bei Diaz. Ein sehr guter Mann, der gegen die Top-Leute jedoch immer einen sehr schweren Stand haben wird.
Fazit:
Der Kampf ist für mich sowas von 50/50 wie nur selten ein Kampf. Beide Boxer ähneln sich sehr, auch die Workrate dürfte fast identisch sein. Malignaggi kommt mit acht Zentimetern Reichweitenvorteilen in den Kampf, das hat ihm im ersten Duell schon geholfen, weil er Diaz mit seinem Jab gut abfangen konnte. Dieses mal ist der Kampf auf neutralem Boden, man darf also auf ein faires Urteil hoffen. Für mich ist hier eindeutig derjenige zu spielen, der eine Quote über 2,00 hat. Das ist bei Paulie überraschend deutlich der Fall, Sportingbet mit 2,3 im Moment Spitzenreiter.
Außerdem muss der Kampf einfach über die Runden gehen, ohne Verletzungen, schwere Cuts etc. kann ich mir kein KO vorstellen, beide haben einen schwachen Punch und dazu noch ein gutes Kinn. Daher entschließe ich mich für:
Paulie Malignaggi to win @2,3 5/10
Fight to go to the distance @ 1,363 10/10
Timothy Bradley (24-0-0) (11 KOs) - Lamont Peterson (27-0-0) (13 KOs) WBO Juniorwelterweight Championship
Der zweite große Kampf heute Nacht findet in Kalifornien statt. Wieder einmal sind die Juniorwelterweights gefragt, dieses mal geht es sogar um die Weltmeisterschaft.
Titelträger Timothy Bradley (26 Jahre) gilt als einer der besten in seiner Gewichtsklasse, von ESPN bereits auf eins geführt, bei Boxrec Nr.2 und beim Ringmagazine ebenfalls auf Nr.2 geführt, verbandsübergreifend versteht sich.
Bradley ist technisch ein sehr starker Mann, mit sehr schnellen Händen und einem durchaus guten Punch. Seit seinem etwas überraschenden Titelgewinn gegen Junior Witter 2008 hat er durchgehend sehr gute Leute in spannenden, hochklassigen Kämpfen geboxt. Sowohl Edner Cherry als auch Kendall Holt konnten ihn aber nicht bezwingen, sodass es zu einem Kampf gegen Nate Campbell im August diesen Jahres kam. Witter gewann in meinen Augen die ersten drei Runden deutlich, doch dann wurde der Kampf aufgrund eines schweren Cuts über Campbells linken Auge abgebrochen. Er wurde zu einem No Contest erklärt, da es sich um einen unbeabschtigten Zusammenstoß der Köpfe handelte und der Kampf vor Ende der vierten Runde beendet war.
Trotzdem bewies der "Desert Storm" Bradley seine Klasse und behielt seinen blütenweißen Kampfrekord.
Lamont Peterson ist 25 Jahre jung und verfügt ebenfalls über einen makellosen Kampfrekord. Auffallend bei ihm ist seine sehr große Reichweite von 1,88m, womit er gegenüber Bradley einen Vorteil von 13 Zentimetern hat. Peterson ist talentiert, ein guter Konterboxer und kann sowohl im Vorwärts- als auch im Rückwärtsgang boxen. Sicher ein schwer zu boxender Gegner für Bradley. Gegen ihn spricht eindeutig seine Gegnerliste. In seinem bislang wichtigsten Kampf besiegte er Willy Blain um die Interimsversion von Bradleys Titel, aber auch Blain halte ich für alles andere als einen Maßstab. Er hat so gut wie keine Erfahrung in großen Kämpfen und da hat Bradley den entscheidenden Vorteil. Zusätzlich dürfte Bradley die etwas höhere Workrate besitzen und sollte dadurch zu einer verdienten Punktentscheidung zu seinen Gunsten kommen können.
Timothy Bradley to win @ 1,5 8/10