Die Tabellenkonstellation fließt definitv mit in meine Überlegungen mit ein.
Der Blick auf die Tabelle hilft mir aber nur in wenigen konkreten Fällen wirklich weiter. Ein Beispiel ist, wenn eine Mannschaft ziemlich hoch geflogen ist, obwohl ich sie persönlich schwächer einschätze, oft natürlich auch im Vergleich zu den Tabellennachbarn. Dann schaue ich einfach wie die nächsten Spiele sind, antizipiere wer da eher klettern und eher fallen wird. Dann kannst ab und an gegen das formstarke Team gehen, weil Du einfach antizipierst, dass es so nicht weiter gehen wird. Beispiel diese Saison ist Mainz 05. Sind punktetechnisch nicht weit weg von der EL aber es ist aufgrund der Konkurrenz und der tatsächlichen Stärke des Teams einfach unwahrscheinlich, dass sie auf Rand sechs oder fünf rutschen. Also war nach den zwei Siegen gegen Nürnberg und Stuttgart einfach relativ leicht anzunehmen, dass es so nicht weitergeht und prompt kamen zwei Niederlagen. Jetzt stehen sie wieder da wo sie hingehören. Ich bin generell ein Freund des Spruchs: Die Tabelle lügt nicht und man kann schon ein wenig hinschauen und gucken wer steht da zurecht, wer könnte die nächste Zeit klettern usw.
ABER: Da ist halt dann oft das Endprodukt an Überlegungen, weil dafür solltest ja vorher schon genau wissen, welche Teams aktuell wie stark einzuschätzen sind. Du kannst fast jeden Spieltag hernehmen: Meine Grundregel lautet erst mal in jeder Begegnung sich zu fragen: Wer ist, ganz nüchtern betrachtet, für mich aktuell das bessere Team. Dass beinhaltet ein wenig mehr als die aktuelle Form sondern ist eher so die tatsächliche Form. Da viele Spiele ja oft vom Spielverlauf anders sind als das Ergebnis aussagt. Also ausgehend von der "tatsächlichen Form" kommst dann mit aktuellen Infos über Verletzte, Serien, Heim- und Auswärtsstärken, mögliche Rekorde usw. schon sehr weit und kriegst ein gutes Gefühl für das Spiel im Verlaufe der Jahre. Du weißt einfach sehr schnell was gut ist und was nicht und kannst von einer viel besseren Basis aus die Kleinigkeiten recherchieren auf die es oft ankommt.
Mir persönlich gefallen die Spiele, wo ich einfach weiß, dass da Tore kommen. Da musst aber im besten Fall halt ein wenig taktisch auch wissen, wie die Grundausrichtung ist, dann spielt die Motivation ein gewaltiger Faktor klar.
Ich merke immer, wie komplex und intuitiv und spontan die Suche nach guten Spielen immer wieder aufs Neue ist. So ein Schema oder Modell hatte ich nie und halte auch nicht viel davon. Wichtig ist, was Du da rauskriegen kannst, wie die Mannschaften immer gegen Gegner ähnlichen Kalibers spielen im Verlaufe der Jahre aber meistens reicht das, wenn Du das innerhalb der Saison weißt, und auch das kannst bequem nachschauen.
Die Recherche eines Bundesligaspiels zieht sich bei mir die ganze Woche hin zum Beispiel. Hier mal mein Entscheidungsfindungsprozess für BVB - Hoffe Tipp war over 3.5
Ich schaute erst mal auf die Quote und war nicht überrascht, dass man schon das over 3.5 anstatt des over 2.5 spielen muss, wenn man eine ordentliche Quote erwischen will. Für mich ist das vom Prozess her aber nicht schlimm, weil ich auch meine over 2.5 immer damit beginne zu recherchieren, ob ich mir mehr als 3.5 Tore vorstellen kann. Also schaue ich erst mal, ob meine Erfahrung und mein Gefühl stimmen, dass beide Mannschaften so torreich sind und natürlich sind sie es, wie mir die over 3.5 Statistik verrät. Dann sagt mir meine Erfahrung, dass Hoffe aber aktuell ein wenig schlechter spielt als sie könnten und ich erinnere mich daran, dass sie ja die Unentschiedenkönige der Liga sind und unglaublich viele Punkte diese Saison verschenkt haben, weil sie nicht konsequent genug im Abschluss waren. Dann schaue ich mal kurz ob die da Interviews von Nagelsmann finde und schaue nochmal das letzte Spiel wo alle mächtig angepisst waren und mir fällt auf, dass das ja die schlechteste Saisonleistung war gegen Düsseldorf, dass man das aber ja auch nicht zu hoch bewerten darf, weil Düsseldorf diese Saison gute Spiele raushauen kann. Also lese ich in der Zeitung nochmal wie angefressen Nagelsmann ob der vielen ausgelassenen Chancen dieses Jahr ist und denke mir, dass die gegen Dortmund sicher ne Reaktion zeigen wollen nach dem schwachen D-Spiel und frage mich, ob da was dagegen spricht. Dann kurz auf podcasts und blogs und foren geschaut wie die Stimmung vor dem Spiel so ist, klar BVB findest natürlich viel mehr als für Hoffe. Dann doch recht eindeutig verstanden, dass Hoffe für den BVB selten ein angenehmer Gegner war. Schaue das h2h an und erinnere mich sogar vage an ein paar Spiele. Dann wird mein Gefühl für Tore immer besser weil ich mir auch in Erinnerung rufe, dass der BVB ja hinten zuletzt nicht ganz in Bestbesetzung und ganz sicher nicht in Bestform war, vor allem das Leipzig Spiel habe ich da vor Augen wo sie viel Glück hatten hinten. Dann mal genau die Personalien auf beiden Seiten angeschaut und mich dann ganz nüchtern gefragt, ob sie es auch ohne Reus schaffen. Antwort eindeutig ja, weil Hoffenheim so viele Chancen und Tore gegen fast jeden Gegner schon zugelassen hat, warum soll dann der BVB in seinem Tempel vor der Kulisse nicht auf Hoffe an die Wand drücken. Wichtig war dass Sancho fit war wieder, wäre er ausgefallen und Reus auf der Kippe hätte ich es mir wirklich anders überlegt wohl. Also geschaut, wie Hoffe denn taktisch so spielen lässt und einfach keinen Grund gefunden wieso die da jetzt in Dortmund was zu verlieren hätten als underdog und dass sie defensiv ja gar nicht spielen können (nur für den Fall halt immer gut die Grundformation nochmal zu checken und den Trainer ein wenig zu kennen, ob er gerne mal von der Herangehensweise große Änderungen macht); dann die Nachricht dass Reus ausfällt nicht abgewartet, weil ich mir fast sicher war, dass er spielen kann. Da war die Wette schon abgegeben, Gefühl war dann nicht mehr so gut aber das ist normal. Viele Tipps zur Kenntnis genommen, die Hoffenheim +1 oder ähnlich angespielt haben und gedacht, hoffe gibt das kein blödes 1:1 oder so. Der Rest ist bekannt.
also reingespielt haben da letztlich
- stärke der teams, aktuelle form nach punkten und toren, von mir eingeschätzte tatsächliche form
- heimstärke, auswärtsstärke
- h2h, erfahrung mit dem gegner,
- motivationslage, wie lief das letzte spiel
- personalien
- taktiksche grundausrichtung
- bevorstehende aufgaben
p.s. der aktuelle tabellenrang war da jetzt z.B. überhaupt nicht ausschlaggebend. wenn man auf +1 auf hoffe gespielt hätte, wäre die überlegung, reicht es nicht auch wenn der bvb 5 punkte vorsprung hat nach dem spieltag sicher nicht verkehrt gewesen
Ich will damit nur sagen: Es ist egal wo Du anfängst aber Du musst halt irgendwo einhaken und aufbauend auf Deinem Grundwissen erst mal sehr viel über das Spiel herausfinden. Wo kommen die Teams gerade her? Was wollen sie in diesem Spiel genau? Was steht an usw.