Tour de France - Der Favoritencheck: Contador macht's
Eurosport - <abbr class="date updated" title="2010-07-01T15:34:00+00:00">Do 01.Jul. 17:34:00 2010</abbr>
Alberto Contador ist der Mann, den es zu schlagen gilt, und den zu besiegen unmöglich scheint. Aber dahinter ist das Feld eng wie selten. eurosport.yahoo.de hat die interessantesten Kandidaten für das Gesamtklassement unter die Lupe genommen und Prognosen gewagt: Für Armstrong wird es schwer.
Vorjahres-Protagonisten
Alberto Contador (Spanien, 27, Astana, vierte Teilnahme, Tour-Sieger 2007 & 2009)
"Mir als Kletterer liegt die diesjährige Route noch besser als die letztjährige", stellte der Titelverteidiger fest und unterstrich damit seine Favoritenstellung. Denn schon 2009 war der Spanier seinen Kontrahenten überlegen. Er ist der unumstritten beste Kletterer der Welt und unter den Rundfahrt-Assen wohl auch der beste Zeitfahrer.
Prognose: Wenn Contador überhaupt ein Problem bekommen sollte, dann vielleicht auf dem Kopfsteinpflaster der 3. Etappe. Aber selbst wenn, in den Bergen wird er die Zeit zurückholen - und mehr als das. Contador holt seinen dritten Tour-Sieg.
Andy (Luxemburg, 25, Saxo Bank, dritte Teilnahme, Tour-Zweiter 2009, Giro-Zweiter 2007) &
Fränk Schleck (Luxemburg, 30, fünfte Teilnahme, Tour-Fünfter 2008 & 2009)
Die Brüder aus Luxemburg sind die größten Widersacher von Contador und werden ihn mit abwechselnden Attacken zu zermürben versuchen. Aber auch wenn Andy inzwischen luxemburgischer Zeitfahrmeister ist, der Kampf gegen die Uhr ist sowohl für ihn, als auch für Fränk das große Problem.
Prognose: Um Contador zu schlagen müsste einer der beiden Brüder mit Vorsprung und im Gelben Trikot aus den Bergen kommen. Diese Vorstellung wirkt unrealistisch, deshalb: Andy landet erneut auf Rang zwei und Fränk fällt im Zeitfahren knapp aus den Top 5 heraus.
Lance Armstrong (USA, 38, RadioShack, elfte Teilnahme, siebenfacher Tour-Sieger 1999-2005, Weltmeister 1993)
Anfang Juni gab sich der Rekord-Sieger zurückhaltend und sagte, er sei kein Tour-Favorit. Ein Bluff? Wohl nicht. Seine ursprüngliche Parade-Disziplin, das Einzelzeitfahren ist bereits im vergangenen Jahr eher zu einer Schwäche des Amerikaners geworden und dieser Trend setzte sich 2010 fort. Am Berg bewies er bei der Tour de Suisse unlängst allerdings eine stark ansteigende Form.
Prognose: Bei seiner wohl wirklich allerletzten Tour verpasst Armstrong erstmals seit seiner Krebserkrankung das Podium und sogar die Top 5. Hinter Fränk Schleck reicht es nur zum siebten Rang.
Shooting-Stars
Robert Gesink (Niederlande, 24, Rabobank, zweite Teilnahme, Vuelta-Sechster 2009)
Der Niederländer wird in seiner Heimat hoch motiviert an den Start gehen und bildet zusammen mit Denis Mentschow ein schlagkräftiges Duo an der Rabobank-Spitze. Gesink stieg im Vorjahr nach einem Sturz aus der Tour aus, überzeugte im Herbst aber bei der Vuelta und sorgte im Juni bei der Tour de Suisse für einen Paukenschlag, als er auf der Königsetappe am Albulapass alle Kontrahenten mühelos stehen ließ. Dennoch verspielte er den Gesamtsieg in der Schweiz im Zeitfahren.
Prognose: Am Berg wird Gesink ganz vorn mitmischen, das topfebene Zeitfahren bei Bordeaux kostet den Jungstar aber eine mögliche Top-5-Platzierung. Möglich sind auch ein früher Zeitverlust und der anschließende Angriff aufs Bergtrikot.
Roman Kreuziger (Tschechien, 24, Liquigas, dritte Teilnahme, Tour-Neunter 2009, Sieger Tour de Suisse 2008, Tour de Romandie 2009)
Zwei Jahre lang galt Kreuziger als "Mann für die Schweiz", weil er 2008 und 2009 kein Podium von Tour de Suisse und Tour de Romandie ausgelassen hat. In dieser Saison aber strebt der Tscheche größeres an. Nach dem neunten Platz im Vorjahr soll jetzt der nächste Schritt folgen.
Prognose: Kreuziger kann mit seinen starken Antritten am Berg für Spannung im Rennverlauf sorgen. Trotzdem ist der 24-Jährige zunächst die Nummer zwei im Team hinter Basso - für die Top 10 reicht es erneut, für die Top 5 aber nicht.
Alte Bekannte
Cadel Evans (Australien, 33, BMC, sechste Teilnahme, Tour-Zweiter 2007 & 2008, Weltmeister 2009)
Im vergangenen Jahr hieß es "jetzt oder nie" für Evans, aber der Australier enttäuschte bei der Tour auf der ganzen Linie. Dann aber folgte nach einer ordentliche Vuelta der WM-Titel und die Wandlung vom Terrier, der sich ausschließlich am Hinterrad der Gegner festbeißt, zum angriffslustigen Fahrer. Mit diesem neuen Fahrstil besiegte er den Fluch des Regenbogentrikots, gewann den Fleche Wallone und hielt beim Giro am Berg trotz schlechter Mannschaft gut mit.
Prognose: Evans hat im Jahr 2010 bereits sehr viele Rennen bestritten. Es ist fraglich, ob seine Kraft bis zur entscheidenden dritten Tour-Woche reichen wird. Wenn dem so ist, dann schafft er es mit einer nun stärkeren Mannschaft (Kroon, Burghardt, Hincapie, Ballan) zumindest in die Top 5.
Ivan Basso (Italien, 32, Liquigas, sechste Teilnahme, Tour-Zweiter 2005, Tour-Dritter 2004, Giro-Sieger 2006 & 2010)
Vor seiner Dopingsperre galt Basso als der legitime Nachfolger von Armstrong als Tour-Serien-Sieger. Doch noch bevor er seine erste Frankreich-Rundfahrt ohne den Amerikaner starten konnte, war der Traum erstmal vorbei. Doch spätestens seit dem Giro-Sieg im Mai 2010 ist klar: Basso ist wieder da. In Italien war er am Berg unschlagbar. Fast locker wirkte der Italiener, als er die Angriffe der Konkurrenz abwehrte.
Prognose: Die Frage ist, ob die Kräfte reichen. In der Verfassung vom Mai kann er bei der Tour am Podium kratzen und Vierter werden.
Denis Mentschow (Russland, 32, Rabobank, achte Teilnahme, Tour-Dritter 2008, Vuelta-Sieger 2005 & 2007, Giro-Sieger 2009)
Mentschow ist nicht der Mann für das große Spektakel, aber er ist am Berg in den letzten Jahren immer stärker geworden und das Zeitfahren war ohnehin noch nie sein Problem. Die Krönung war der Giro-Sieg 2009, auf den dann allerdings eine enttäuschende Tour folgte. Aus diesem Fehler hat der Russe gelernt und sich für dieses Jahr einzig und allein auf die Große Schleife konzentriert.
Prognose: Mentschow landet zum zweiten Mal nach 2008 auf dem Tour-Podium, weil ihm in der dritten Woche nicht die Kräfte ausgehen werden wie Basso und Evans. Für ganz vorn ist er allerdings nicht stark genug.
Und sonst?
Ein besonders interessanter Nachwuchsmann ist Estlands
Rein Taaramäe. Der 23-Jährige gibt in diesem Jahr sein Tour-Debüt, ist ein starker Kletterer und war in der französischen Amateur-Szene gefürchtet, bevor er bei Cofidis anheuerte. Für die Top 10 wird es bei der Tour sicher noch nicht reichen, aber ein prestigeträchtiger Etappensieg in den Bergen ist drin.
Außerdem sollte man
Luis Leon Sanchez (Caisse d'Epargne) und
Nicolas Roche (Irland, Ag2r) im Auge behalten. Der 26-jährige Spanier ist nach der Sperre von
Alejandro Valverde zum Kapitän der iberischen Traditionsmannschaft geworden und belegte bei Paris-Nizza im Frühjahr Rang zwei hinter Alberto Contador. Roche feiert am Tag des Prologs seinen 26. Geburtstag und ist allein durch die von Vater
Stephen Roche mitgegebenen Gene schon interessant.
Bradley Wiggins (England, 30, Sky) ist nach starkem Gewichtsverlust im vergangenen Jahr überraschend auf den vierten Gesamtrang gefahren. Er muss beweisen, dass das kein Zufallserfolg war. Immerhin scheint eine erneut starke Vorstellung von Wiggins wahrscheinlicher, als von
Carlos Sastre (Spanien, 35). Der Cervelo-Kapitän gewann die Tour vor zwei Jahren, ging bei seiner Titelverteidigung aber unter und verpasste den anvisierten Podestplatz auch beim Giro 2010 deutlich. Sein Stern scheint nach 22 "Grands Tours" langsam zu erlöschen.
Andreas Klöden,
Levi Leipheimer (beide RadioShack) und
Alexander Winokurow (Astana) werden sich ihren Kapitänen Armstrong und Contador unterordnen.
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