Psychologie beim Wetten

ssirroki

New member
Nov. 6, 2006
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Habe über diese Thematik hier im Forum nichts gefunden.

Habe vor kurzem in der Uni bei einer Vorlesung in Wirtschaftspsychologie das Thema Anlegerverhalten gehabt und dabei einige Paralellen zum Wetten gezogen, was für den ein oder anderen vielleicht auch sinnvoll sein kann.
Sicherlich sind einige Aspekte für den Profi hier logisch und nicht nennenswert, dennoch möchte ich hier einiges zu schreiben, da für mich die Psychologie bei Finanzentscheidungen und Wetten identisch ist, wichtig ist und nicht jeder darüber nachdenkt.

Falls die Admis diesen Thread für überflüssig halten, können Sie diesen schließen.

Der Thread kann aber auch dazu benutzt werden, jegliche Art von psychologischen Aspekten hier zu diskutieren.

Im folgenden möchte ich einfach einige Ergebnisse aus der Vorlesung vereinfacht aufzählen, dabei aber nicht ins Detail gehen sondern versuchen dies für unseren Bereich wichtig zu machen.

-->Einfluss der Medien auf das Verhalten/Psyche des Entscheiders
Medien neigen dazu, Informationen zu polarisieren, extremisieren, Infos zu ignorieren. Mannschaften mit Erfolg werden in gewisser Weise noch positiver dargestellt, Mannschaften mit Misserfolg werden noch negativer dargestellt. Die Realität kann verzerrt werden und der einfache Wetter wird dadurch ungewollt manipuliert, er trifft wahrscheinlich die falsche Entscheidung. Beispiele aus der Welt des Fussballs gibt es genug, läuft es beim FC Bayern schlecht, ist die Anzahl an weiteren negativen Meldungen höher als wenn es gut läuft.

-->Qualität der Info-Quelle
Menschen neigen dazu, jeglicher Art von Quelle, Glauben zu schenken und so wird ihre Entscheidung beeinflusst, sei es ein Fachmagazin, die Bild, der Rat eines Freundes oder der Beitrag eines Users hier.
Nicht der Inhalt ist wichtig, sondern die Quelle, die diese Info gibt, soll wichtig sein.

-->Einfluss der allgemeinen Stimmung auf die Entscheidungen
Positive Stimmung führt dazu, das der Anteil an richtigen Entscheidungen geringer wird, Menschen in neutraler Stimmung handeln besser, treffen mehr richtige Entscheidungen. Bei negativer Stimmung ist die Anzahl an richtigen Entscheidungen ähnlich hoch wie bei neutraler Stimmung, da man bei schlechter Laune vorsichtiger ist.
Die gute Laune verleitet den Menschen fahrlässiger zu sein bei der Wahl von Alternativen.

-->Image eines Unternehmens hat Einfluss auf die Wahl der Entscheidung
Vereine, die einem sympatisch sind, verleiten dazu, auch diese zu wählen.

-->Überoptimismus
Überschätzung der Wahrscheinlichkeit, das positive Ereignisse für einen selbst eintreten.
Unterschätzung der Wahrscheinlichkeit, das negative Ereignisse für einen selbst eintreten.
Ich glaube daran, das ich schon richtig tippe

Habt ihr Erfahrungen damit? Macht ihr bei der Wahl eurer Wetten mehr Fehler, wenn ihr besonders gut gelaunt seid? Ignoriert ihr tatsächlich Meldungen, die von Laien kommen, oder haben auch diese, unbewußt, einen Einfluss auf euch?
 
nette zustammenstellung, interessant

zu punkt 1: die macht der medien, da lass ich mich noch oft genug verleiten. obwohl ich nachrichten immer ins neutrale zu verschieben versuche, abseits von den extremen.
zu punkt 3: bin ich anderer meinung, eher das gegenteil. mag vielleicht sein, dass man bei sehr guter laune übermutig wird?
 
interessant

interessant

Da die Aussagen so absolut getätigt wurden, gibt es gerade für Punkt 2 und 3 empirische Daten, die solche Schlüsse nahelegen

Ansonsten meine ich, dass umso länger man dabei ist, umso:
Punkt 1: mehr Nutzen zieht man daraus
Punkt 2: weniger trifft dies überhaupt zu
Punkt 3: ??? - Beweise
Punkt 4: mehr trifft diese Aussage auf mich zu . Über die Jahre / bzw. gewonnenen/verlorenen Wetten entwickelt man wahrscheinlich automatisch recht starke pos./neg. Assoziationen mit bestimmten Vereinen.
Punkt 5: realistischer kann man die "Güte" seiner eigenen Leistung / Estimations einschätzen
 
Re: Psychologie beim Wetten

ssirroki schrieb:
.

Der Thread kann aber auch dazu benutzt werden, jegliche Art von psychologischen Aspekten hier zu diskutieren.

Kurz mein Statement zu den Punkten.


-->Einfluss der Medien auf das Verhalten/Psyche des Entscheiders
Ich denke, daß es im Sport mehr auf die Betrachung aller Seiten ankommt. Häufig wird aber nur eine Mannschaft beleuchtet und da werden einzelne Fakten auch noch überinterpretiert.

-->Qualität der Info-Quelle
Neben der Qualität ist die Exclusivität extrem wichtig. Normalerweise kommt man nur über Zweit- oder Drittquellen an die Infos. Die sind in aller Regel allerdings dann schon eingepreist.


-->Einfluss der allgemeinen Stimmung auf die Entscheidungen
Keine Ahnung. Aber kann schon sein, daß man zum Abschluß des Tages Real Madrid noch wettet, weils besonders gut lief (und so der krönende Abschluß folgen soll) oder umgekehrt diese absolute Frustwette den bescheidenen Tag doch noch retten soll.

-->Image eines Unternehmens hat Einfluss auf die Wahl der Entscheidung
Vereine, die einem sympatisch sind, verleiten dazu, auch diese zu wählen.
Sorry, das ist tatsächlich eine Binsenweisheit. siehe Fanbrille.

-->Überoptimismus
Eher die (Fehl)Einschätzung, wenn es alle tun, wird es schon richtig sein. Stichwort Volkstip.
 
In der tat ist es empirisch belegt, das positive Stimmung zu schlechteren Ergebnisse bei der Aktienauswahl kommt.

Bei Versuchen hat man dies bestätigt. Die Probanten sollten am Markt Entscheidungen treffen, Währungen kaufen/Verkaufen usw...
Dabei wurde bei einem Teil positive Stimmung erzeugt, durch Musik, Feedback.
Ergebnis war, das der Anteil an richtigen Entscheidungen geringer war.

Studie von Au, Chan, Wang und Vertinsky (2003)
 
im prinzip alles ganz gut auf den punkt gebracht...
denke mal abweichende ansichten sind sehr individuell, so tippe ich zb gerne auch gegen Lieblingsmannschaften, weil ich in jedem falle gewinne: entweder geld, weil sie tatsächlich verlieren oder ich verliere geld aber die mannschaft(en) gewinnen ;-)

grundsätzlich meide ich verhasste ligen/ mannschaften nicht, kapital kann man aus allem schlagen. aber wenn ich wenig zeit habe konzentriere ich mich natuerlich auf die ligen/ mannschaften an die ich (zuletzt) gute erinnerungen habe :D
das ist denke ich auch sehr hilfreich, wenn ich daran denke wie schlagartig sich manchmal ein ligamerkmal von saison zu saison aendert ... allerdings kontrolliere ich das dann meist auch, weil der mensch zu selektivem gedaechtnis neigt und selbstkritik sehr hilfreich sein kann.

denke das (selbstkontrolle und -kritik) ist besonders wichtig...

das mit der grundstimmung stelle ich auch oft fest... laeuft der tag gut an, spielt man mal eben noch ein oder zwei spiele mehr. da muss man sich schon mal bremsen und auch ein gutes spiel auslassen ;-)

was mir noch auffaellt ist, dass erfolg auch oft vom angebot abhaengt (war mir im letzten jahr stark aufgefallen). wenn sich zb die eishockeysaison dem ende neigt und weniger spiele zur auswahl stehen, sinkt der eigene anspruch ganz langsam (bei manchen auch schneller ^^ ) an gute quoten langsam.

bin kein mathefreak, aber so zur selbstkontrolle hab ich immer ein paar quoten - tabellen-relationen aufgeschrieben, um einen guten (mathematischen) vergleich zu haben und als bestätigung dass man sich nicht denkt "oh hab eben nur ein bisschen pech", sondern sagen kann: ja ich hab scheisse gespielt (oder eben wirklich nur pech hatte).

in jedem fall ist eine zusammenarbeit mit anderen leuten sehr praktisch. 4/6 oder 8 augen sehen mehr und verschiedene seiten einer konstellation.
 
Du kannst die psychologischen Erkenntnisse prinzipiell 1:1 vom Aktienmarkt
auf den Wettmarkt übertragen. Leider ist auch der Nutzen über-
tragbar. Der ist nämlich Null. Von seltenen Ausnahmen abgesehen,
wo der Markt ganz krass reagiert und es sozusagen jeder Döpp
erkennt, ist das Timing nicht handhabbar. Dies ist bei Sportwetten
umso mißlicher, weil nicht unendlich Zeit zur Verfügung steht.

Es geht immer tiefer, als man es sich in seinen kühnsten Träumen
vorstellen kann und es geht ebenso immer höher.

Ein weiterer Nachteil bei Sportwetten ist die Wette lediglich auf
ein Einzelereignis analog zu einer Aktie. Während bei einer Aktie
Insider am Werke sein könnten gilt dies bei Sportereignissen ebenso,
was wiederum den ganzen Psychokrempel ad absurdum führt.

Einzig tauglich ist das psychologische Moment nur bei Indizes zu-
sammen mit weiteren Analysen/Indikatoren und einem unter-
geordneten Zeitfaktor. Da Beides für Sportereignisse so nicht
übertragbar ist, taugt es hierfür noch weniger, als an der Börse.
 
Ergänzung : Falls es um Trading/Handel geht, stelle ich einfach
mal die Behauptung auf, es kommt überhaupt nicht darauf an,
wann und wo man einsteigt, sondern darauf, wie man danach
agiert.
Klar, ein ungünstiger Punkt für einen Short/Lay könnte ein großer
Sell-off sein, weil die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass es zu-
mindest zu einer technischen Reaktion nach oben kommt.
Wenn es aber dazu nicht kommt....dann ist die Frustration
derer, die einen scheinbaren Boden gesehen haben gegen
unendlich und der Sell-off war erst der bescheidene Anfang...usw..

Wie ich bereits erwähnte, wenn es sich nicht um einen ganz
krassen Fall (Über-oder Unterbewertung) handelt, ist eigentlich
alles wurscht. Einzig und allein das Geschick und die Erfahrung
nach dem Eingehen einer Position entscheidet. Glück spielt
da à la longue überhaupt keine Rolle.