Bayern sprechen von "Millionenklage"
Große Aufregung um einen Bericht der Münchener "tz". Sowohl der FC Bayern als auch der DFB nehmen den im Zusammenhang mit dem neuen Wettskandal genannten Nationalspieler Bastian Schweinsteiger massiv in Schutz. Auch der ebenfalls genannte Quido Lanzaat (1860 München) setzt sich zur Wehr. Von der Staatsanwaltschaft München folgten umgehende Dementis.
Gegenüber dem "Tagesspiegel" sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß: "Wir haben sofort einen Anwalt eingeschaltet. Wenn es wahr ist, was wir gehört haben, dann läuft das auf eine Millionenklage gegen die tz hinaus." Schweinsteiger habe dem FC Bayern erklärt, er "habe nie in seinem Leben auch nur einen Euro auf ein Spiel gesetzt".
In einem persönlichen Gespräch mit den Bayern-Verantwortlichen habe der 21-Jährige versichert, dass "die aufgestellten Behauptungen absolut frei erfunden sind." Der deutsche Rekordmeister betonte ferner, dass der Spieler weder von der Polizei noch von der Staatsanwaltschaft München verhört worden sei. Auch gebe es keine Erkenntnis, dass Schweinsteiger an angeblichen Wettmanipulationen beteiligt gewesen sei.
Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) zeigte während der Pause der Übertragung des UEFA-Cup-Spiels Schalke 04 gegen US Palermo Ausschnitte einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz des FC Bayern München. Der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern München AG, Karl-Heinz Rummenigge, unterstrich dabei in einer emotionalen Rede, dass der deutsche Rekordmeister juristische Maßnahmen gegen die Urheber der Gerüchte plant. Empört sprach Rummenigge von einem "Rufmord an einem 21-Jährigen."
Auch der Geschäftsführende DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger nahm Schweinsteiger in Schutz. Von Seiten des DFB ist von "unverantwortlichen Medien-Spekulationen" die Rede. Der DFB sichere seinen Nationalspielern angesichts der jüngsten Entwicklung jegliche juristische Unterstützung zu, um sie vor derartigen "haltlosen Vorwürfen" zu schützen. Zwanziger: "Ich halte es für einen primitiven Vorgang, wenn durch effekthascherische Berichterstattung in der Öffentlichkeit stehende Sportler in Misskredit gebracht werden. Der DFB wird alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen, die gegen solche Vorgehensweisen eingeleitet werden können. Wir bagatellisieren nichts, wenn Fakten da sind. So lange dies aber nicht der Fall ist, müssen wir unsere Spieler und damit auch unseren Sport mit allem Nachdruck schützen." Auch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhof zeigte sich empört: "Ich finde es unverantwortlich, wenn auf Grund von Spekulationen praktisch Rufmord an unseren Nationalspielern betrieben wird."
Auch der in dem Bericht neben seinem Mannschaftskollegen Paul Agostino genannte Quido Lanzaat setzt sich zur Wehr und behält sich rechtliche Schritte vor: "Ich habe damit nichts zu tun. Das habe ich auch meinem Verein gesagt. Ich habe in der Vergangenheit nicht auf Spiele meines Vereins gesetzt und werde das auch in Zukunft nicht machen." Von der Staatsanwaltschaft habe er nichts gehört, sagte er gegenüber dem "Tagesspiegel" weiter und nahm auch seinen Teamkollegen Paul Agostino in Schutz: "Bei mir ist das nur ein Gerücht, und ich gehe davon aus, dass das auch bei Paul Agostino ein Gerücht ist. Die Leute, die Beweise haben, sollen sich melden, dann weiß ich, wie mein Name dahin kommt."
Unterstützung erhalten die Akteure von ihrem Verein. "Wir wollen uns in dieser Phase weder zum juristischen oder moralischen Richter aufschwingen", wird 1860-Geschäftsführer Detlef Romeiko in einer Pressemitteilung der "Löwen" zitiert. "Wir werden jedoch gegen die Veröffentlichungen auf Basis von Gerüchten mit gleicher Härte vorgehen, mit der auch unsere Spieler konfrontiert wurden. Bis zur Vorlage von Tatsachen gehen wir von der Unschuld unserer Spieler aus." Gegenüber der Vereinsführung haben beide Spieler versichert, "weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft auf Spiele (auch einzelne Spielaktionen), Ergebnisse oder Tabellenplatzierungen der Liga, für die der TSV 1860 zum jeweiligen Zeitpunkt lizenziert ist, Wetteinsätze platziert zu haben, noch platzieren werden oder dies über Dritte getan haben."
Laut der "tz" sollen Nationalspieler Bastian Schweinsteiger sowie Quido Lanzaat und Paul Agostino in den neuen Wettskandal verwickelt sein. Die drei Spieler würden laut dem Blatt von der Staatsanwaltschaft München I als "Beschuldigte" geführt und sollen bereits verhört worden sein. Ein "Wettpate" habe sie massiv belastet. Genau von der Münchener Staatsanwaltschaft I kam jedoch umgehend ein Dementi.
"Die Staatsanwaltschaft hat keine Personen vernommen. Wir werten derzeit Informationen aus. Wir reden nicht über Namen", sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler der dpa. "Es gibt noch keine Beschuldigten und auch noch keine Namen von Verdächtigen", so Winkler weiter. Gegenüber dem Radiosender "Antenne Bayern" bestätigte der Oberstaatsanwalt, dass noch keine Personen vernommen wurden: "Wir haben noch keine einzige Person im Rahmen dieses Wettskandals, wenn es einer ist, die wir konkret beschuldigen. Wir haben noch keinen einzigen im Rahmen dieser Auswertungen der Informationen vernommen oder zu irgendeiner Vernehmung geladen", so Winkler.
Quelle : Kicker