Möchte mit Renault Weltmeister werden
München - Für Fernando Alonso hätte die Saison kaum erfreulicher verlaufen können: Der Spanier holte sich in Ungarn als jüngster Fahrer seinen ersten GP-Sieg und schrieb damit Formel-1-Geschichte.
Nicht wenige Experten sehen im 22-Jährigen den zukünftigen Weltmeister und Schumacher-Erben.
Im Sport1-Interview spricht der Renault-Pilot über sein Verhältnis zu Michael Schumacher, wie man den Abgang von Technik-Guru Mike Gascoyne kompensieren wird und welche Chancen er sich für die neue Saison ausrechnet.
Sport1: Fernando, wie zufrieden sind Sie mit ihrer Saison 2003?
Fernando Alonso: Ich bin sehr zufrieden. Renault wollte zu Beginn der Saison 2003 eigentlich nur einige Punkte holen und einige Male auf das Siegerpodest fahren. Acht Monate später habe ich zwei Pole-Positions geholt und ein Rennen als jüngster Fahrer aller Zeiten gewonnen. In einigen Rennen haben wir uns mit den absoluten Top-Teams harte Duelle geliefert - das war einfach ein fantastisches Gefühl. Das ganze Team hatte ein großartiges Jahr und meine kühnsten Träume wurden bei weitem übertroffen. Jetzt schauen wir in die Zukunft und wissen genau, dass auf uns noch sehr viel Arbeit wartet.
Sport1: Waren Sie von der überzeugenden Performance von Renault in der vergangenen Saison überrascht?
Alonso: Ja und nein. Ja, denn wir waren sogar ein bisschen besser unterwegs, als selbst wir das erwartet hatten. Nein, weil ich weiß, wie hart jeder gearbeitet hat, um in die Position zu kommen, in der wir jetzt sind. Und ich weiß, wie gut die Leute in diesem Team sind. Wir sind einige Risiken eingegangen, die sich ausbezahlt haben. Dazu zählen zum Beispiel die Freitagstests. Wir haben aber auch das ganze Jahr über weiter entwickelt. Zwischen dem ersten und dem letzten Rennen der Saison wurden 300 verschiedene neue Teile am Auto angebracht, dazu gab es bei jedem Rennen Verbesserungen. Ich meine, wir haben in diesem Jahr gute Arbeit geleistet. Ich denke, die Resultate, die wir erzielt haben, spiegeln das wider.
Sport1: Es wird spekuliert, dass sie 2007 Michael Schumacher bei Ferrari ersetzen sollen. Was sagen Sie dazu?
Alonso: So weit denke ich im Moment noch gar nicht. Ich stehe bei Renault unter Vertrag und möchte mit Renault Weltmeister werden. Dieser Aufgabe gilt meine ganze Konzentration.
Sport1: Es war offensichtlich, dass die Motoren-Power des Renault nicht so stark war, wie die der anderen Top-Teams. Was wird Renault tun, um dieses Manko abzustellen?
Alonso: Die Ingenieure haben in Viry während des ganzen Jahres sehr hart gearbeitet und wir haben große Fortschritte zwischen Melbourne und Suzuka gemacht. Wir waren vom Potenzial her gut genug, die letzten beiden Saisonrennen zu gewinnen. Dazu war Jarno in Monza, dem für Motoren anspruchsvollsten Kurs, Dritter, bevor er ausschied. Für das nächste Jahr haben wir ein neues Motor-Konzept, das die neuen Anforderungen erfüllen wird. Die Dinge entwickeln sich gut. Es gibt viel Arbeit zu tun, aber das schreckt mich nicht.
Sport1: Gibt es etwas, das Sie von Ihrem Teamkollegen Jarno Trulli gelernt haben?
Alonso: Ja, Jarno ist ein sehr erfahrener Pilot, und er hat mir viel beigebracht. Er arbeitet sehr hart an seinen fahrerischen Fähigkeiten und an seiner Fitness. Diese Hingabe hat mir die Augen geöffnet, wie anspruchsvoll die Formel 1 wirklich ist. Wir sind Freunde, und das macht einen großen Unterschied darin, wie wir unseren Job angehen: Wir arbeiten nicht nur zusammen, wir haben auch Spaß dabei. Er ist ein fantastischer Teamkollege.
Sport1: Ist der Abschied von Mike Gascoyne ein großer Verlust für das Team?
Alonso: Dass Mike das Team verlässt, ist ein großer Verlust. Er lieferte eine hervorragende Arbeit ab und wir haben große Fortschritte gemacht, als er hier war. Wir haben trotzdem ein sehr gutes Team hier, angeführt von Bob Bell, der für drei Jahre stellvertretender Technischer Direktor war. Wir mussten nicht außerhalb des Teams einen Nachfolger suchen, um jemanden zu ersetzen. Das sagt viel darüber aus, wie stark unsere Technik-Abteilung ist.
Sport1: Was erwarten Sie von der Saison 2004?
Alonso: Im Moment ist es noch zu früh, um über unsere Ziele für 2004 zu reden. Das Technik-Team hat sich Ziele über die Verbesserungen, die es erreichen will, gesetzt. Sie beinhalten das Chassis und den Motor, und die Dinge laufen im Moment ganz gut. Ich persönlich will hart trainieren und im nächsten Jahr in noch besserer Form sein. Zwischen 2002 und 2003 haben wir einen großen Fortschritt erzielt, und wir können erwarten, dass wir auch bis Beginn des neuen Jahres Fortschritte machen.
Sport1: Wann beginnt die Saison 2004 für Sie? Wann sehen wir Sie also wieder in Aktion?
Alonso: Ich werde im frühen Dezember in Barcelona das erste Mal wieder fahren. Bis dahin werde ich sieben Wochen lang nicht mehr im Auto gesessen haben. Daher freue ich mich darauf, wieder auf der Piste zu sein. Das neue Auto wird dann im Januar vorgestellt. Wir werden vor Melbourne hart arbeiten, um vor den drei Übersee-Rennen zu Beginn der Saison eine maximale Zuverlässigkeit zu erreichen.