Mit zahlreichen Neuerungen will das Schweizer Sauber-Team den Anschluss an die Spitzenrennställe in der Formel 1 wiederherstellen. Mit einer großen Show präsentierten die Eidgenossen vor 800 Gästen in Salzburg ihren neuen Wagen C23 für die am 7. März in Melbourne beginnende Saison.
Bei der Konzeption des neuen Autos wählte Technikchef Willy Rampf einen pragmatischen Ansatz: Der C23 soll eine Annäherung an die schnellsten Autos im Feld sein und viel Spielraum für Weiterentwicklungen bieten - vor allem im aerodynamischen Bereich. "Da wir die Arbeit in unserem neuen Windkanal erst nach dem Roll-out des C23 aufnehmen können, machte diese Lösung für uns am meisten Sinn", so Rampf, der große Hoffnungen in den neuen, erst im Dezember eingeweihten ultramodernen Windkanal setzt: "Die ersten neuen aerodynaqmischen Komponenten, die in der eigenen Anlage getestet wurden, dürfen wir im April in Imola erwarten."
Das Hauptaugenmerk Rampfs bei der Konzeption des C23 lag auf größerer Kompaktheit, insbesondere im Heckbereich, einer Verbesserung der Komponentensteifigkeit und einer weiteren Reduzierung des Gewichts. Errreicht wurde letzteres unter anderem durch den neuen Petronas-Motor, der wesentlich leichter ist als sein Vorgänger. Erstmals basiert das Triebwerk auf der aktuellen Ausbaustufe des Ferrari-Aggregats, bisher musste Sauber mit dem jeweiligen Vorjahres-Motor der Italiener vorlieb nehmen.
Außerdem übernahm Sauber auch erstmals das sehr kurze Ferrari-Getriebe, um das Heck noch schlanker zu gestalten. "Wir haben letztes Jahr in der zweiten Saisonhälfte ein deutlich engeres Heck entwickelt, was sich als erheblicher Vorteil erwies. Wir sahen, dies ist der richtige Weg", verriet Rampf. Eine Weiterentwicklung des C22 ist der neue Boliden dennoch nicht. Bis auf die Radmuttern ist am C23 "alles brandneu".
Deutlich wird dies vor allem im Frontbereich, wo sich Rampf aus Gründen der Steifigkeit vom Doppelkiel verabschiedet hat; im Gegensatz zu BMW-Williams, die mit der breiten, kürzeren Nase auf eine ganz neue Doppelkiellösung setzen. Unübersehbar sind dagegen die Anleihen beim 'großen Bruder' Ferrari. Von der Seite und im Heckbereich sieht der C23 dem Vorjahres-Ferrari F2003GA zum Verwechseln ähnlich. "Wir haben uns den Ferrari schon sehr genau angesehen", verriet Rampf.
Für die kommende Saison hat sich Sauber viel vorgenommen. "Unser Ziel für 2004 ist es, die Performance deutlich zu steigern. Wie gut uns das gelingen wird, hängt vor allem davon ab, wie schnell wir die Erkenntnisse aus dem neuen Windkanal auf der Strecke umsetzen können", sagte Teamchef Peter Sauber. Zunächst müssen seine Ingenieure aber noch den Rest ihrer Hausaufgaben machen: bislang hat der C23 nämlich den obligatorischen Crashtest noch nicht bestanden.
Dennoch soll Giancarlo Fisichella am Mittwoch in Valencia erstmals mit dem neuen Boliden auf die Strecke gehen. Mit der Verpflichtung des Italiener hat sich Sauber nach eigener Auskunft einen großen Wunsch erfüllt. "Für mich gehört er zu den Top 6 der Branche, und ich bin überzeugt, dass er uns ein Stück weiter bringen wird", so Sauber. Gleiches erwartet er auch von Felipe Massa, der nach seinem Lehrjahr als Ferrari-Testfahrer 2004 wieder für die Schweizer Gas geben wird.
Mit seinem neuen Traum-Duo will Sauber zumindest den sechsten WM-Platz, den Heinz-Harald Frentzen und Nick Heidfeld in der vergangenen Saison herausfuhren, verteidigen. Der Teamchef weiß, dass dies nicht einfach werden wird: "Durch die Präsenz von sieben Automobilkonzernen ist der Konkurrenzkampf in der Formel 1 zwar härter denn je, aber wir sind bereit, diese Herausforderung anzunehmen."