Theissen: "Zuverlässigkeit Herausforderung Nummer eins"
München - Ab der Saison 2004 muss ein Motor in der Formel 1 über das gesamte Rennwochenende halten. Im Gespräch mit Sport1 beschreibt BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen die Herausforderungen, die sich für die Ingenieure bei der Entwicklung eines solchen Aggregates stellen.
Zudem spricht Theissen über die Fahrerfrage. Er geht davon aus, dass Juan Pablo Montoya 2004 für BMW-Williams fahren wird. Danach würden dem Team alle Optionen offen stehen.
Sport1: Für Sie als Motor-Experte: Ist die neue Regelung, dass ein Triebwerk über das gesamte Rennwochenende halten muss vielleicht die größte Aufgabe, der sie sich in den letzten Jahren stellen mussten?
Mario Theissen: Es ist zunächst einmal eine Aufgabe, die das Team bewerkstelligen muss. Für die Ingenieure ist es so, dass sich der Rahmen verschoben hat. Doppelte Laufleistung heißt, wir müssen jedes Teil robuster auslegen. Sie können davon ausgehen, dass der diesjährige Motor wirklich nur auf 400 Kilometer ausgelegt war. Robustere Auslegung heißt auch, dass im Normalfall jedes Teil etwas größer und schwerer wird. Damit sinkt die erreichbare Drehzahl und damit auch die erreichbare Leistung. Jetzt geht es darum, für nächstes Jahr einen Motor zu entwickeln, bei dem diese Auswirkungen möglichst gering sind. Sie können davon ausgehen, dass wir von dieser zur nächsten Saison nicht die übliche Steigerung haben, sondern sogar einen Rückgang.
Sport1: Gibt es da schon eine Größenordnung?
Theissen: Ich kann Ihnen keine Zahlen nennen. Als die Regeln vor einem Jahr herauskamen, habe ich vermutet, es werden an die zehn Prozent sein. Heute gehe ich davon aus, dass es weniger ist.
Sport1: Es ist für BMW schon Verpflichtung, gerade im nächsten Jahr den stärksten und besten Motor zu bauen?
Theissen: Das ist unser Anspruch.
Sport1: Bei den Fahrern gibt es um Juan Pablo Montoya immer wieder Wechselgerüchte. Wäre es nicht sinnvoll, den Vertrag von Montoya so schnell wie möglich zu verlängern?
Theissen: Wir haben einen Vertrag bis 2004. Ich gehe davon aus, wie auch alle im Team und Juan Pablo, dass dieser Vertrag erfüllt wird. Danach stehen dem Team und Juan Pablo alle Optionen offen.
Sport1: Aber sie sind sich sicher, dass er 2004 noch im Williams BMW sitzen wird?
Theissen: Davon gehe ich aus.
Sport1: Muss nicht eine Entscheidung baldmöglichst getroffen werden?
Theissen: Muss nicht. Wenn Sie sehen, was in diesem Jahr gelaufen ist, ist es einfach so, dass mehr gute Plätze in Autos zur Verfügung stehen, als Spitzenfahrer da sind. Das hat schon in diesem Jahr dazu geführt, dass einige Teams bei denen die Fahrer-Verträge zu Saisonende ausgelaufen sind, sich lange Zeit gelassen haben und sich zum Teil immer noch überlegen, wen sie im nächsten Jahr ins Auto setzen. Also dieser Zwang ist nicht da, ein Jahr im Vorjahr im Voraus zu entscheiden.
Sport1: Die Vertragsverlängerung von Ralf scheint ja fast perfekt zu sein.
Theissen: Ja.
Sport1: Würden Sie bestätigen, dass Ralf der Mann der Zukunft für das Team ist?
Theissen: Wir werden auch in den nächsten Jahren auf beide Fahrer setzen.
Sport1: Egal, wie sie heißen?
Theissen: Das Ziel ist natürlich auch in den nächsten Jahren zwei Top-Fahrer in unseren Reihen zu haben und alle Möglichkeiten, die sie bieten, zu nutzen.
Sport1: Über die neue Motorenregelung haben wir bereits gesprochen. Nun wurden auch neue Regeln verabschiedet, die zum Beispiel das Qualifying betreffen. Was halten Sie davon?
Theissen: Für mich ändert es am Status Quo nicht viel. Wir haben weiterhin zwei Einzel-Zeitfahren, wie in diesem Jahr auch. 2004 finden sie eben nacheinander statt. Das ist der einzige Unterschied. Aber von der Art und Weise, wie wir das Auto für Qualifying und Rennen einstellen, ändert sich nichts.
Sport1: Sind sie ein bisschen überrascht, wie die FIA entscheidet? Vor einem Jahr hieß es noch, man wolle den Freitag aufwerten und legte ein Qualifying an den Anfang des Rennwochenendes. Jetzt wird der Freitag ja eigentlich wieder abgewertet. Zwar ist das Training wichtig für die Teams, für die Zuschauer ist es aber wenig spektakulär. Überrascht Sie die Rolle Rückwärts der FIA?
Theissen: Es ist sicher schwierig die sehr unterschiedlichen Interessen der Betroffenen und Beteiligten in der Formel 1 unter einen Hut zu bringen. Das führt hier und da zu Entscheidungen oder Kompromissen, die nicht nachvollziehbar sind oder als Rückschritt empfunden werden. Aber man muss schon alles im Zusammenhang sehen und erkennen, warum welche Entscheidung gefallen ist und welche Vorteile sie bringen. Es geht um verschiedene Ziele. Es geht zum einen darum, die Show zu verbessern. Es geht aber auch darum, eine gemeinsame Plattform zu finden, was das Testen und das Training angeht. Es geht vor allem darum, die Kosten zu senken. Ich glaube, dass man hier schon etwas erreicht hat. Aber natürlich nicht in allen Kriterien.
Sport1: Zum Beispiel ist der Sonntag-Morgen vom sportlichen Aspekt her leer geblieben.
Theissen: Jetzt warten wir Mal ab, wie das Wochenend-Programm für die nächste Saison aussieht. Dass da kein Formel-1-Training oder ein Qualifying stattfindet, heißt ja nicht, dass der Sonntag-Morgen leer ist. Da können auch noch andere Programme fahren.
Sport1: Hätten Sie sich persönlich für das Rennwochenende andere Regelungen gewünscht?
Theissen: Für mich ist das wichtigste, und das scheint mit dieser Regelung nun so zu sein, dass wieder alle Teams nach demselben Modus testen und trainieren. In diesem Jahr war es eben so, dass die sog. Heathrow-Teams am Freitag-Morgen das Freie Testen hatten. Die Zuschauer, die nicht wirklich im Reglement drinstecken, haben sich gewundert, dass da nur sechs oder sieben Autos fahren und auch ein paar Fahrer dabei sind, die beim Rennen gar nicht teilnehmen. Umgekehrt sind andere Teams, wie wir, in ein Riesen-Testprogramm außerhalb des Rennwochenendes gegangen, von dem die Zuschauer überhaupt nichts mitbekommen haben. Das war in meinen Augen keine glückliche Situation. Ich bin froh, dass wir wieder zu einem einheitlichen Schema kommen. Das ist der eine Punkt. Der zweite, den ich auch für den richtigen Weg halte, ist die Ein-Motoren-Regel. Das haben wir vor einem Jahr schon diskutiert, auch unter den Motorenherstellern. Wir haben damals gesagt, 'das unterstützen wir'. Wir werden also einen Motor mit 700 bis 800 Kilometer Laufleistung entwickeln. Wir haben uns alle auf den Weg gemacht, arbeiten jetzt seit knapp einem Jahr daran. Daher ist es wichtig, dass die Regel jetzt auch so kommt. Nur so lassen sich vom Technik-Aufwand her die Kosten senken.
Sport1: Erwarten Sie wegen dieser Regel im nächsten Jahr mehr Motorschäden?
Theissen: Die Zuverlässigkeit ist im nächsten Jahr die Herausforderung Nummer eins. Wir haben in diesem Jahr eine erstaunlich hohe Zuverlässigkeit erlebt, gemessen an der Tatsache, dass erstmals Qualifying und Rennen mit einem Motor durchgeführt wurden. Wir haben über die Saison keinen einzigen Motorschaden gehabt. Das ist natürlich nicht mehr leicht zu überbieten.
Sport1: Wenn Sie 'überbieten' sagen: Um ihre Leistung aus der vergangenen Saison zu überbieten, müssten Sie eigentlich 2004 Weltmeister werden - so nah, wie das BMW WilliamsF1 Team jetzt schon am Titel dran war.
Theissen: Dieses Jahr waren wir das erste Mal in Schlagdistanz zum Titel. Das ist richtig. Natürlich ist es jetzt unser klares Ziel, den Titel auch zu holen.
quelle: sport1.de
München - Ab der Saison 2004 muss ein Motor in der Formel 1 über das gesamte Rennwochenende halten. Im Gespräch mit Sport1 beschreibt BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen die Herausforderungen, die sich für die Ingenieure bei der Entwicklung eines solchen Aggregates stellen.
Zudem spricht Theissen über die Fahrerfrage. Er geht davon aus, dass Juan Pablo Montoya 2004 für BMW-Williams fahren wird. Danach würden dem Team alle Optionen offen stehen.
Sport1: Für Sie als Motor-Experte: Ist die neue Regelung, dass ein Triebwerk über das gesamte Rennwochenende halten muss vielleicht die größte Aufgabe, der sie sich in den letzten Jahren stellen mussten?
Mario Theissen: Es ist zunächst einmal eine Aufgabe, die das Team bewerkstelligen muss. Für die Ingenieure ist es so, dass sich der Rahmen verschoben hat. Doppelte Laufleistung heißt, wir müssen jedes Teil robuster auslegen. Sie können davon ausgehen, dass der diesjährige Motor wirklich nur auf 400 Kilometer ausgelegt war. Robustere Auslegung heißt auch, dass im Normalfall jedes Teil etwas größer und schwerer wird. Damit sinkt die erreichbare Drehzahl und damit auch die erreichbare Leistung. Jetzt geht es darum, für nächstes Jahr einen Motor zu entwickeln, bei dem diese Auswirkungen möglichst gering sind. Sie können davon ausgehen, dass wir von dieser zur nächsten Saison nicht die übliche Steigerung haben, sondern sogar einen Rückgang.
Sport1: Gibt es da schon eine Größenordnung?
Theissen: Ich kann Ihnen keine Zahlen nennen. Als die Regeln vor einem Jahr herauskamen, habe ich vermutet, es werden an die zehn Prozent sein. Heute gehe ich davon aus, dass es weniger ist.
Sport1: Es ist für BMW schon Verpflichtung, gerade im nächsten Jahr den stärksten und besten Motor zu bauen?
Theissen: Das ist unser Anspruch.
Sport1: Bei den Fahrern gibt es um Juan Pablo Montoya immer wieder Wechselgerüchte. Wäre es nicht sinnvoll, den Vertrag von Montoya so schnell wie möglich zu verlängern?
Theissen: Wir haben einen Vertrag bis 2004. Ich gehe davon aus, wie auch alle im Team und Juan Pablo, dass dieser Vertrag erfüllt wird. Danach stehen dem Team und Juan Pablo alle Optionen offen.
Sport1: Aber sie sind sich sicher, dass er 2004 noch im Williams BMW sitzen wird?
Theissen: Davon gehe ich aus.
Sport1: Muss nicht eine Entscheidung baldmöglichst getroffen werden?
Theissen: Muss nicht. Wenn Sie sehen, was in diesem Jahr gelaufen ist, ist es einfach so, dass mehr gute Plätze in Autos zur Verfügung stehen, als Spitzenfahrer da sind. Das hat schon in diesem Jahr dazu geführt, dass einige Teams bei denen die Fahrer-Verträge zu Saisonende ausgelaufen sind, sich lange Zeit gelassen haben und sich zum Teil immer noch überlegen, wen sie im nächsten Jahr ins Auto setzen. Also dieser Zwang ist nicht da, ein Jahr im Vorjahr im Voraus zu entscheiden.
Sport1: Die Vertragsverlängerung von Ralf scheint ja fast perfekt zu sein.
Theissen: Ja.
Sport1: Würden Sie bestätigen, dass Ralf der Mann der Zukunft für das Team ist?
Theissen: Wir werden auch in den nächsten Jahren auf beide Fahrer setzen.
Sport1: Egal, wie sie heißen?
Theissen: Das Ziel ist natürlich auch in den nächsten Jahren zwei Top-Fahrer in unseren Reihen zu haben und alle Möglichkeiten, die sie bieten, zu nutzen.
Sport1: Über die neue Motorenregelung haben wir bereits gesprochen. Nun wurden auch neue Regeln verabschiedet, die zum Beispiel das Qualifying betreffen. Was halten Sie davon?
Theissen: Für mich ändert es am Status Quo nicht viel. Wir haben weiterhin zwei Einzel-Zeitfahren, wie in diesem Jahr auch. 2004 finden sie eben nacheinander statt. Das ist der einzige Unterschied. Aber von der Art und Weise, wie wir das Auto für Qualifying und Rennen einstellen, ändert sich nichts.
Sport1: Sind sie ein bisschen überrascht, wie die FIA entscheidet? Vor einem Jahr hieß es noch, man wolle den Freitag aufwerten und legte ein Qualifying an den Anfang des Rennwochenendes. Jetzt wird der Freitag ja eigentlich wieder abgewertet. Zwar ist das Training wichtig für die Teams, für die Zuschauer ist es aber wenig spektakulär. Überrascht Sie die Rolle Rückwärts der FIA?
Theissen: Es ist sicher schwierig die sehr unterschiedlichen Interessen der Betroffenen und Beteiligten in der Formel 1 unter einen Hut zu bringen. Das führt hier und da zu Entscheidungen oder Kompromissen, die nicht nachvollziehbar sind oder als Rückschritt empfunden werden. Aber man muss schon alles im Zusammenhang sehen und erkennen, warum welche Entscheidung gefallen ist und welche Vorteile sie bringen. Es geht um verschiedene Ziele. Es geht zum einen darum, die Show zu verbessern. Es geht aber auch darum, eine gemeinsame Plattform zu finden, was das Testen und das Training angeht. Es geht vor allem darum, die Kosten zu senken. Ich glaube, dass man hier schon etwas erreicht hat. Aber natürlich nicht in allen Kriterien.
Sport1: Zum Beispiel ist der Sonntag-Morgen vom sportlichen Aspekt her leer geblieben.
Theissen: Jetzt warten wir Mal ab, wie das Wochenend-Programm für die nächste Saison aussieht. Dass da kein Formel-1-Training oder ein Qualifying stattfindet, heißt ja nicht, dass der Sonntag-Morgen leer ist. Da können auch noch andere Programme fahren.
Sport1: Hätten Sie sich persönlich für das Rennwochenende andere Regelungen gewünscht?
Theissen: Für mich ist das wichtigste, und das scheint mit dieser Regelung nun so zu sein, dass wieder alle Teams nach demselben Modus testen und trainieren. In diesem Jahr war es eben so, dass die sog. Heathrow-Teams am Freitag-Morgen das Freie Testen hatten. Die Zuschauer, die nicht wirklich im Reglement drinstecken, haben sich gewundert, dass da nur sechs oder sieben Autos fahren und auch ein paar Fahrer dabei sind, die beim Rennen gar nicht teilnehmen. Umgekehrt sind andere Teams, wie wir, in ein Riesen-Testprogramm außerhalb des Rennwochenendes gegangen, von dem die Zuschauer überhaupt nichts mitbekommen haben. Das war in meinen Augen keine glückliche Situation. Ich bin froh, dass wir wieder zu einem einheitlichen Schema kommen. Das ist der eine Punkt. Der zweite, den ich auch für den richtigen Weg halte, ist die Ein-Motoren-Regel. Das haben wir vor einem Jahr schon diskutiert, auch unter den Motorenherstellern. Wir haben damals gesagt, 'das unterstützen wir'. Wir werden also einen Motor mit 700 bis 800 Kilometer Laufleistung entwickeln. Wir haben uns alle auf den Weg gemacht, arbeiten jetzt seit knapp einem Jahr daran. Daher ist es wichtig, dass die Regel jetzt auch so kommt. Nur so lassen sich vom Technik-Aufwand her die Kosten senken.
Sport1: Erwarten Sie wegen dieser Regel im nächsten Jahr mehr Motorschäden?
Theissen: Die Zuverlässigkeit ist im nächsten Jahr die Herausforderung Nummer eins. Wir haben in diesem Jahr eine erstaunlich hohe Zuverlässigkeit erlebt, gemessen an der Tatsache, dass erstmals Qualifying und Rennen mit einem Motor durchgeführt wurden. Wir haben über die Saison keinen einzigen Motorschaden gehabt. Das ist natürlich nicht mehr leicht zu überbieten.
Sport1: Wenn Sie 'überbieten' sagen: Um ihre Leistung aus der vergangenen Saison zu überbieten, müssten Sie eigentlich 2004 Weltmeister werden - so nah, wie das BMW WilliamsF1 Team jetzt schon am Titel dran war.
Theissen: Dieses Jahr waren wir das erste Mal in Schlagdistanz zum Titel. Das ist richtig. Natürlich ist es jetzt unser klares Ziel, den Titel auch zu holen.
quelle: sport1.de