EU bestätigt Glücksspielmonopole

Staatliches Wettmonopol

Wer nicht spielt, hat schon verloren
Das Bundesland Bayern profitiert von staatlichen Wettfirmen wie Oddset – und verbietet TV-Sendern nun Spots privater Konkurrenten. Die Geschichte einer Doppelmoral.

Von Hans-Jürgen Jakobs


Der Staat, so will es das Gesetz, soll sich aus dem Rundfunk heraushalten. Was aber ist, wenn aus übergeordneten Gründen bestimmte Ziele verfolgt werden – und das Fernsehen nicht so mitzieht, wie Beamte und Politiker das gern sähen?

Der Konflikt eskaliert jetzt in der Frage privater Sportwetten im TV. Zuständig hierfür sind die Landesmedienanstalten, in Bayern zum Beispiel die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) – doch die Regierung des Freistaates will nun über die Köpfe der Medienaufseher hinweg ein Werbeverbot der Zocker-Spots durchsetzen.

Verbot illegaler Sportwetten und deren Werbung

Im bayerischen Landtag redete Staatssekretär Georg Schmid, 53, jetzt Klartext.

Der CSU-Abgeordnete aus Donauwörth verwies in einer Fragestunde darauf, dass Sportwetten und andere Glücksspiele "wegen der negativen Folgen für die Spieler nur in engen Grenzen zugelassen" würden; das Bundesverfassungsgericht habe am 28. März die Veranstaltung oder Vermittlung von Wetten durch private Wettfirmen verboten; am 22. Juni beschlossen dann die Ministerpräsidenten das Verbot illegaler Sportwetten und deren Werbung.

"Konsequentes Vorgehen heißt auch, dass keine Ausnahmen gemacht werden", so Schmid.

Wütend

Der Mann aus der Regierung ist wütend, dass die Medienaufseher der BLM einer Anweisung des bayerischen Wissenschafts-Ministeriums vom 9. Mai nicht nachkamen, spätestens bis Ende Juni die Werbung für illegale Sportwetten in von ihr verantworteten Rundfunkprogrammen einzustellen.

Schmid: "Die Landeszentrale für neue Medien ist dieser Weisung bislang nicht nachgekommen. Deshalb wird das Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst seine Weisung nun durchsetzen", kündigte er an. Und: "Nun werden noch in dieser Woche die notwendigen Anordnungen erlassen werden, um Recht und Gesetz durchzusetzen." Die Betroffenen hätten ausreichend Zeit gehabt, die strafrechtlichen Verstöße einzustellen.

Gemeint ist vor allem das Deutsche Sport-Fernsehen (DSF) in München. 15 Prozent des Werbeumsatzes stammen aus dem Segment Spiele und Wetten.

Klopft hier bald der Staatsanwalt an die Tür? Jedenfalls soll die Tochterfirma der börsennotierten EM.TV AG nun direkt von der Regierung die Anweisung erhalten, Werbefilme von Firmen wie betandwin (jetzt: bwin) nicht mehr auszustrahlen.


Ein paar Tage Zeit

Ein paar Tage soll der Sportkanal Zeit bekommen, sich zu erklären. Länder wie Bayern, die so gegen private Wettfirmen vorgehen, halten zugleich das Monopol staatlicher Toto- und Lottogesellschaften und deren Firma Oddset hoch.

Gegen so viel Doppelmoral haben DSF/EM.TV, Pro Sieben Sat1, Premiere, RTL, Burda und Bild-T-Online den "Arbeitskreis Wetten" gegründet. Forderung: ein neues Konzessionierungssystem (wie in England). Das Vorhaben, ein staatliches Wettmonopol aufrechtzuerhalten, sei "in hohem Maße wirklichkeitsfremd", heißt es in einer Erklärung.

Tatsächlich haben sich auch Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg in einer Protokollerklärung für begrenzte Konzessionierungen Privater ausgesprochen.

Rechtslage für Verbot angeblich nicht ausreichend
Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) hat Anfang Juli angekündigt, dass die privaten TV-Sender weiter – anders als ARD und ZDF – Werbung für Sportwetten von privaten Anbietern zeigen werden. Die Rechtslage reiche für ein Verbot nicht aus.

Die Spots würden aber von Hinweisen auf Gefahren durch Spielsucht und auf das Wettverbot für Jugendliche begleitet, erklärte der Privatsenderverband VPRT. Nun schreiben die Länderchefs Klaus Wowereit (Berlin) und Jürgen Rüttgers (Nordrhein-Westfalen) der DLM, sie solle "unverzüglich" ein Verbot durchsetzen.

Die scharfe Linie Bayerns entsetzt BLM-Präsident Wolf-Dieter Ring. Er ist "einigermaßen erstaunt, dass die Zielrichtung eines bundesweit einheitlich abgestimmten Vorgehens offenbar nicht eingehalten werden soll".

Es entstünde eine "bayerische Sondersituation". Er hätte zumindest erwartet, dass die BLM über die Schritte der bayerischen Regierung informiert wird. In der Zwischenzeit hätten die Sender in Gesprächen, so Ring, zugesagt, ihr Verhalten zu ändern.

Wie wirbt Oddset so schön: "Wer nicht spielt, hat schon verloren."

(Süddeutsche Zeitung vom 20.7.2006)





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24.07.2006, 15.12 Uhr

Gericht stellt Monopol auf Sportwetten in Frage

Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat das staatliche Monopol auf Oddset-Sportwetten in Baden-Württemberg in Frage gestellt. Die Internetwerbung der landeseigenen Toto-Lotto-Gesellschaft widerspreche den Vorgaben aus dem Oddset-Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

Weiteres siehe Quelle
 
Moin,
interessanter Artikel aus der Sddeutschen Zeitung, wenn auch nicht mehr ganz taufrisch....




"Ein Verbot schadet überhaupt nicht, im Gegenteil"
Matthias Lung über die Werbeeffekte des Rechtsstreites um den neuen 1860-Hauptsponsor und die Folgen für den TSV


Dr. Matthias Lung, 47, ist Direktor der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing. Die BAW hat mit ihren Instituten in München und Nürnberg zwei Standorte. Der unabhängige Experte beurteilt den Rechtsstreit um den 1860-Sponsor betandwin aus werblicher Sicht.


SZ: Wie schätzen Sie als Werbefachmann die Situation für betandwin ein? Eher als Chance oder eher als Risiko?


Lung: Betandwin hat nun die Riesenchance, sich in den Köpfen als Konkurrenz zur staatlichen Wette Oddset zu platzieren. Das Hin und Her verstehen ja nur die Insider. Kaum ein Normalbürger weiß ja, dass betandwin noch über eine alte DDR-Lizenz verfügt, die ihnen zumindest in den ostdeutschen Ländern den Rücken freihält. Die Öffentlichkeit liest, hört und sieht die Botschaft: "Das dürfen die nicht", die Behörden zeigen Muskeln, aber es passiert nichts.


SZ: Also muss sich der Sportwettenanbieter nicht fürchten, dass ihm Kunden weglaufen?


Lung: Betandwin lebt von Wetten. Die Wetter sind die Marketingzielgruppe von betandwin, nicht die gesamte deutsche Öffentlichkeit. In dieser Zielgruppe der Wettenden wird die Bekanntheit derzeit zweifelsohne gesteigert, und das führt zu mehr Umsatz. Die Frage ist doch: Wer regt sich gerade auf? Und schadet das denn überhaupt betandwin? Wer gerade zu skandalieren versucht, das sind die Behörden, und hierüber berichten die Medien. Es ist doch nicht die Zielgruppe der Wettenden, die Front machen. Und die stehen als Kunden für einen Wettanbieter im Fokus.


SZ: Wann hätte die Firma ein Imageproblem?


Lung: Ein Problem hätte betandwin dann, wenn das Produkt beziehungsweise der Service und die Abwicklung mangelhaft wären. Aber davon berichten gegenwärtig die Medien nicht.


SZ: Der Konflikt zwischen einigen Bundesländern und den privaten Wett-anbietern bestand ja schon vorher, trotzdem hat sich 1860 bereiterklärt, mit dem Wettanbieter zu kooperieren. Nehmen es beide Parteien in Kauf, dass die Spieler möglicherweise ohne Trikotwerbung antreten müssen?


Lung: Es ist schwer abzuschätzen, wie die Behörden reagieren werden. Betandwin ist ein bundesweites Thema. Die Medien schreiben von ganz Deutschland und von 14 000 Vereinen, die in der einen oder anderen Weise von betandwin gesponsert werden. Sollte es breitflächig zu Verboten kommen, so darf man davon ausgehen, dass dies eine unglaublich erhitzte Diskussion alleine in den betroffenen Vereinen gibt. Die sind doch alle finanziell klamm und freuen sich über jeden Euro. Betandwin kommt also als freundlicher Unterstützer daher und das in einem sehr emotionalisierten Umfeld. Ein Verbot schadet hier der Werbewirkung in der Kernzielgruppe überhaupt nicht. Im Gegenteil.


SZ: Wodurch hat betandwin mehr Aufmerksamkeit, durch die gegenwärtige Berichterstattung oder durch das Sponsoring der Trikots?


Lung: Ganz eindeutig verschafft die gegenwärtige Presse- und Medienarbeit mehr Aufmerksamkeit. Hier finden Emotionen statt. Wer hat denn bei den Löwen so emotional über Festina (der vorherige Hauptsponsor; d. Red.) geredet und geschrieben? Die Leute spekulieren nun doch in alle Richtungen, etwa: "Konkurrenz belebt das Geschäft, und der Staat will doch nur sein Unternehmen Oddset abschotten." Die Aufmerksamkeit ist riesig. Jeder Interessierte hat spätestens jetzt auf die Webseite von betandwin geschaut, ich auch zum ersten Mal.


SZ: Was würde es ein Unternehmen kosten, wenn es die gleiche Aufmerksamkeit erzielen wollte durch klassische Werbemaßnahmen?


Lung: Schwere Frage, das ist schlecht zu beziffern. Eine solche Emotionalisierung bekommen Sie mit klassischer Werbung nur mit Griff unter die Gürtellinie oder in einem provokativen Umfeld hin wie das bei Benetton der Fall war. Im aktuellen Fall liegt die Sache anders, hier werden keine Normen der deutschen Volksgemeinschaft verletzt, sondern welche, die der Gesetzgeber festgelegt hat. Das ist anonym, trifft nicht die Volksseele und wird auch nicht breitflächig abgelehnt. Der Polarisierungsgrad ist daher nicht so hoch.


SZ: Wettunternehmen sind immer wieder im Fokus wegen der möglichen Spielsuchtgefahr. Ab wann schaden die gegenwärtigen Prozesse und dauernden Berichte dem Wettanbieter?


Lung: Man unterscheidet verschiedene Zielgruppen in PR und Marketing. Betandwin hat über die jüngsten Prozesse sicherlich nun ein schlechtes Image bei Behörden, dem staatlichen Wettbewerber und dessen Kunden. Dann noch bei vielen Menschen, die die Medien verfolgen, aber keine Sportwetter sind. In der Kernzielgruppe der Wettkunden glaube ich das nicht. Hier hängt es davon ab, ob sie interessante Wetten, ein transparentes Vorgehen und eine unkomplizierte Abwicklung haben. Denken Sie an die Raucher. Es wird so viel Negatives berichtet, ohne dass es Folgen bei der Kernzielgruppe - den Rauchern - hätte. Am Donnerstag stand sogar in der SZ, dass die Steuereinnahmen aus Tabaksteuern gestiegen sind.


SZ: Welche Folgen hat der Rechtsstreit für das Image des TSV 1860?


Lung: Das Vereinsmanagement muss sich jetzt verantworten vor Mitgliedern, Medien, Fans und den Skandalierern. Das ist aber nicht so kompliziert, denn die Löwen sind ja nicht alleine. Premiumpartner sind auch der SC Freiburg, der VfB Stuttgart, Werder Bremen, der Handballverein SG Flensburg-Handewitt, der Eishockeyverein Kölner Haie und eben 14 000 weitere Vereine und Amateure. Da fallen die Löwen bei dieser Dimension nicht auf. Zu empfehlen wäre den Vereinen nun, in ihrer Antwort auf übergeordnete Werte zurückzugreifen, wie "Der Sport ist ohne Sponsoren in Gefahr, dann muss der Staat mehr Geld geben" oder "Wir brauchen das Geld für unsere Jugendarbeit". Damit generieren sie Sympathie für ihren Werbepartner.

Interview: Gerald Kleffmann

(SZ vom 22.7.2006)


Mc
 
Und noch einer....



Reaktion auf Werbeverbote
Wettfirma Betandwin fordert Schadensersatz
Vorstandschef Norbert Teufelberger: "Wir werden alles unternehmen, um das staatliche Toto-Monopol in Deutschland zu brechen"
Von Klaus Ott

München - Die österreichische Sportwett-Gesellschaft Betandwin kündigt Schadensersatzforderungen an, nachdem ihre Werbung bei Fußballklubs von einigen Bundesländern wie Bayern und Bremen verboten wurde. Die Länder berufen sich auf das Bundesverfassungsgericht, das ein staatliches Wettmonopol erlaube.

Im Streit um die Zulässigkeit privater Toto-Anbieter in Deutschland will die Wiener Aktiengesellschaft Betandwin nach dem rigorosen Vorgehen der Behörden nun Schadensersatz verlangen. "Wir arbeiten schon daran", sagte Vorstandschef Norbert Teufelberger. Auf die deutschen Bundesländer, die ein Monopol ihrer Sportwette Oddset durchsetzen wollen, kämen "gewaltige" Forderungen zu. "Diese Summe wird man spüren", sagte der Manager. Konkrete Zahlen oder zumindest Größenordnungen nannte er aber noch nicht. Der Betandwin-Manager bekräftigte, sein Unternehmen werde "alles unternehmen, um das staatliche Wettmonopol zu brechen". Man sei aber weiterhin zum Dialog mit der Politik bereit, um ein geordnetes Nebeneinander von staatlichen und privaten Wettangeboten möglich zu machen.

Gewinnwarnung

Die Bundesländer Bayern und Bremen haben bereits verfügt, dass der TSV 1860 München und Werder Bremen nicht mehr für Betandwin werben dürfen. Die Österreicher sind Hauptsponsor der beiden Klubs. Baden-Württemberg und Niedersachsen wollen ebenfalls gegen solche Werbeverträge vorgehen. Die 16 Bundesländer regeln das Glücksspiel. Sie veranstalten über ihre Lotteriegesellschaften das Lotto und Toto selbst und betreiben zum Teil auch Spielbanken. Den Finanzministern bringt das jährlich vier bis fünf Milliarden Euro. Auf diese Einnahmen wollen die Länder nicht verzichten.

Zu den Werbeverboten sagte Teufelberger, das sei ein "konzertierter Angriff, mit dem wir seit langem gerechnet haben". Nun müssten die Länder die Folgen tragen. Es sei beispielsweise zu klären, "was an Börsenwert zerstört worden ist". Die Aktie von Betandwin hatte am Mittwoch an der Wiener Börse 25 Prozent verloren und pendelt sich derzeit bei etwas über 30 Euro ein. Vom Jahreshöchstkurs (104,32 Euro) ist inzwischen nicht einmal mehr ein Drittel übrig geblieben.

Ausgelöst worden war der Kursrutsch offenbar vor allem aber durch ein massives Vorgehen der USA gegen dort tätige Sportwettanbieter, was Expansionspläne der großen internationalen Toto-Konzerne bedroht, und eine Art Gewinnwarnung bei Betandwin. Nach Angaben von Teufelberger hat die österreichische Gesellschaft während der Fußball-Weltmeisterschaft mit einem Ertrag zwischen neun und zehn Prozent gerechnet, tatsächlich seien es dann 6,7 Prozent gewesen. Immerhin habe man europaweit und in Mexiko insgesamt 279 000 neue Kunden statt der kalkulierten 160 000 gewonnen. Bei diesen Teilnehmern habe man in den vergangenen Wochen "nicht das gesamte Ertragspotenzial abgeschöpft, das geschieht in den nächsten Jahren". Das habe dazu geführt, dass das zweite Quartal nicht so gut gelaufen sei, wie zuvor erwartet.

Betandwin agiert mit einer Lizenz aus Gibraltar und einer Gewerbeerlaubnis aus der ehemaligen DDR, die einem Anbieter in Sachsen erteilt worden war, bei dem sich die Österreicher später eingekauft hatten. Die Bundesländer wollen diese DDR-Konzessionen nunmehr aberkennen. "Das wäre Willkür", sagt Teufelberger. Sollte es dazu kommen, werde man auch hier Schadensersatz fordern.

Die Länder haben intern notiert, der nachträgliche Entzug der so genannten DDR-Genehmigung könne zu "Entschädigungslasten" führen. Das betreffe vor allem Sachsen und Thüringen, die aber für diesen Fall abgesichert werden sollten. Alle Länder sollten dann gemeinsam zahlen, eventuell über ihre Lottogesellschaften, lautet die Notiz.

(SZ vom 22.7.2006)



Mc
 
Hm, am 10. August soll es nun zur Sache gehen - die Süddeutsche Zeitung schreibt morgen(!):


Bundesländer pochen auf Glücksspiel-Monopol

Schlag gegen größte private Sportwette

Deutscher Ableger von Betandwin soll noch in dieser Woche verboten werden / Fußballbund will Politiker zum Umdenken bewegen

Von Klaus Ott


München - Im Kampf um ein staatliches Wettmonopol holen die Bundesländer zum bisher größten Schlag aus. Der deutsche Ableger des internationalen Totoanbieters Betandwin soll jetzt geschlossen werden. Die Firma will 500 Millionen Euro Schadensersatz verlangen und das Staatsmonopol weiter via Internet unterlaufen.

Kurz vor dem Start in die neue Saison der Fußball-Bundesliga eskaliert der Machtkampf um das ertragreiche Geschäft mit den Sportwetten in Deutschland. Die Bundesländer, die das Glücksspiel regeln und mit eigenen Gesellschaften größtenteils selbst veranstalten, wollen eines der international führenden Totounternehmen vom hiesigen Markt verbannen. Das sächsische Innenministerium will nach Informationen der Süddeutschen Zeitung in Abstimmung mit den Länder dem deutschen Ableger der Wiener Aktiengesellschaft Betandwin die Konzession entziehen. Das soll spätestens am Donnerstag geschehen.

Dem österreichischen Glücksspielkonzern, der sich gerade von Betandwin in Bwin umbenennt, soll außerdem in einem gesonderten Bescheid verboten werden, via Internet weiterhin Wetteinsätze aus Deutschland anzunehmen. Betandwin hat hierzulande mit gut einer Million Kunden, die für jährlich rund 500 Millionen Euro auf den Ausgang von Fußballspielen und anderen Sportereignissen tippen, die staatliche Sportwette Oddset überholt. Oddset rechnet in diesem Jahr noch mit 350 Millionen Euro Umsatz.


Konzession aus DDR-Zeiten

Das Innenministerium in Dresden teilte auf Anfrage mit, man habe der in Sachsen ansässigen deutschen Tochtergesellschaft von Betandwin bereits im Juli eine "Untersagungsverfügung angekündigt" und prüfe nun die nächsten Schritte. Die österreichische AG ist mit 50 Prozent an dem sächsischen Ableger beteiligt, der mit einer Gewerbeerlaubnis aus der ehemaligen DDR agiert und deutsche Wetteinsätze nach Wien vermittelt. Der Konzessionsentzug soll bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Dresden bekannt gegeben werden. Das Land Sachsen will sich darauf berufen, dass das Bundesverfassungsgericht Ende März in einem Grundsatzurteil ein staatliches Wettmonopol unter bestimmten Voraussetzungen für zulässig erklärt hatte.

Die Richter hatten verfügt, ein Monopol müsse vor allem dem Zweck dienen, die Bürger vor der Spielsucht zu schützen. Daran habe es Oddset bislang fehlen lassen. Die Länder beschlossen daraufhin, die eigenen Glücksspielgesellschaften müssten die teilweise reißerische Werbung für Oddset einstellen. Gleichzeitig kamen die Ministerpräsidenten überein, private Konkurrenten zu verbieten. Das wird nun bei Betandwin vollzogen. Andere Anbieter müssen sich ebenfalls auf solche Maßnahmen gefasst machen. Mehrere Länder haben bereits Trikotwerbung von Betandwin untersagt.

Der Vorstandsvorsitzende der an der Wiener Börse notierten AG, Norbert Teufelberger, betrachtet den geplanten Konzessionsentzug in Deutschland als "Willkür". Offenbar sollten die Geschäfte von Betandwin gezielt zum Start der Bundesliga gestört werden. Mit dem Start der Liga steigen die Wetteinsätze rasant. Teufelberger sagte der SZ, das vorgesehene Verbot verstoße gegen europäisches Recht. Man werde via Internet und auf der Grundlage einer Lizenz aus Gibraltar weiter Wetteinsätze aus Deutschland annehmen und so das "nicht haltbare" Oddset-Monopol unterlaufen.

Teufelberger erklärte außerdem, die deutsche Betandwin-Gesellschaft habe dem Land Sachsen vorsorglich bereits hohe Schadensersatzforderungen angekündigt. Es gehe um mindestens 500 Millionen Euro. Falls die Attacken auch die Geschäfte der internationalen Betandwin AG in Wien beeinträchtigten, könne die Forderung noch deutlich höher ausfallen. Der Vorstandschef verwies ferner darauf, dass man in diesem Jahr 56 Millionen Euro für Werbung in Deutschland ausgebe, davon 30 Millionen Euro für Sponsorenverträge mit Werder Bremen, 1860 München und anderen Fußballklubs sowie mit Vereinen und Ligen von Handball, Basketball und Eishockey.


Sponsorenverträge in Gefahr

Betandwin wolle diese Partner nicht fallen lassen, sagte Teufelberger. "Als AG wären wir aber gezwungen, die Verträge zu überprüfen, sollten unsere Geschäfte willkürlich gestört werden." Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Fußball-Bundesliga wollen in Kürze ein eigenes Wettmodell vorstellen, das ein Nebeneinander von staatlichen und privaten Angeboten vorsieht. Für dieses wollen DFB und Liga bei einem Treffen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), mehreren Fachverbänden wie Schwimmen und Landessportorganisationen am 22. August in Frankfurt werben. Von einer Öffnung des Marktes erhoffen sich DFB und Liga zusätzliches Geld für den Sport. Unterdessen gehen die Länder flächendeckend gegen private Anbieter vor. In München wurden am Dienstag 41 Wettbüros geschlossen. (Thema des Tages, München)

(SZ vom 9.8.2006)



Weiss nicht, was ich davon halten soll, vorerst scheint nur Betandwin.DE betroffen zu sein, wenn ich's richtig verstanden habe.....

Mc
 
Mc schrieb:
Weiss nicht, was ich davon halten soll, vorerst scheint nur Betandwin.DE betroffen zu sein, wenn ich's richtig verstanden habe.....

Mc

Ich meine, Gera auch. In dem Tagesschauartikel steht, alle Länder wollen für Sachsen und Thüringen sammeln. Btw: Komisch, plötzlich geht so was ohne Streiterei. [[ironie]] Warum nicht von Berlin die Rede ist, k.A. Vielleicht wird Schäuble dort persönlich anrollen.

Probleme mit BAW wirds wahrscheinlich nicht geben. Der Server für BAW.de steht in Österreich, die schrauben den Briefkasten in Neugersdorf ab, entlassen notfalls das Personal und gut ist...

Komplizierter wirds für Gera und Digibet, die ihre Standorte scheinbar doch noch mehr in Deutschland haben.

Leiden wird die Rechtssicherheit für Deutsche aus Kundensicht.
Und die kruden Ideen der verschärften Banküberwachung könnten wieder angedacht werden.

Und ich weiß nicht, wie britische oder skandinavische WBs auf Unterlassungsklagen reagieren würden. BAW hat ja schon angekündigt, daß SIE auf so was scheißen werden. So gesehen bietet BAW IMHO die größte Sicherheit von allen. Neben Oddset natürlich. [[hammer]]

Und für Aktie kann es nur positiv sein. Da BAW (wahrscheinlich eh [[nixweiss]] ) den größten Teil seines deuschen Umsatzes übers Internet machte, können sie sich eine nette 1/2 Mrd. vom deutschen Steuerzahler erklagen, obwohl sich de facto nichts ändert (siehe oben). Wer wetten will hat inzwischen begriffen, daß es BAW gibt, der Bekanntheitsgrad für die nächsten Jahre ist da, egal ob mit oder ohne Werbung. Jetzt wäre es aus BAW-Sicht nur noch nett von den Medien, häufig zu erwähnen, daß der deutsche Staat Internetwetten zwar verboten hat, BAW aber solche trotzdem annimmt.

Ich bin süchtig, Du bist Deutschland. [[stupid]]

Noch eine juristische Frage: Wer seit Jahren wettet, der muß doch bereits so süchtig sein, daß er als schuldunfähig gelten muß?
 
Wenn ich mir die rasante Entwicklung der letzten Wochen so ansehe, kann ich meinen Augen kaum trauen.
Arbeitslosenquote von über 10%, todkranke Kassensysteme, steigende soziale Ungerechtigkeit, ein allgemein kriselnder Wirtschaftsstandort Deutschland, aber den größten Ehrgeiz zeigen die gewählten Volksvertreter beim Verbot privater Sportwettenanbieter!
Brave new world…
Allein im idyllischen Bayern 682.000 Strafdelikte jährlich und der Herr Dr. Beckstein, Überzeugungstäter im american style und lebendes Vorbild aller Einzeller, hat nix besseres zu tun als seine Knechte Sonntag vormittags von Kuhdorf zu Kuhdorf zu schicken, damit ja keine alte Herrenmannschaft und kein C-Jugendlicher in irgendeiner Hammelliga mit einem verteufelten Trikot aufläuft. Respekt, so setzt man seine Ressourcen sinnvoll ein…
Und das alles um uns vor der schlimmsten Sucht zu bewahren?
Logisch, man kann ja bei bwin oder Gera mit einem Lastwagen voller Geld vorfahren und sagen: „Alles auf HL Binh Dinh im Spiel gegen MH Hai Phong in Vietnam am Sonntag, da ist die Erlaubniserklärung meiner Eltern!“ Solche Unternehmer nehmen ja in keinster Weise dem staatlichen Anbieter Gelegenheitsspieler als zahlungswillige Kunden weg, sondern sind speziell darauf ausgelegt das Kundensegment der highroller zu bedienen. Deswegen haben auch alle Wettskandale der letzten Zeit (und wehe jemand versucht das differenzierter und fundierter zu betrachten) wie Hoyzer, angeworbene Regionalligaspieler, Bastian „der Verbrecher“ Schweinsteiger und die Manipulationen in der Serie A) ihre kausale Ursache bei eben diesen Unternehmen.
Wer so richtig spielsüchtig ist, cold turkey geplagt und on tilt, der geht immer selektiv vor und präferiert daher Sportwetten. Die stecken nicht alles in bunt blinkende Kisten oder tauschen das heimische Schlafzimmer gegen einen Roulettetisch ein. Wäre ja schön dumm, wenn man Wetten kann…
Lottospielen beim Staat völlig suchtfrei und mit Gewinngarantie, ebenso in staatlichen Casinos oder Wetten bei „wir brauchen uns keiner Konkurrenz zu stellen , schauen sie nur auf unseren Quotenschlüssel“ oddset. Überall hat man wahrscheinlich schon verloren bevor man anfängt, aber man hilft dem Staat und damit der Allgemeinheit. Schön oder?
Und bitte schön weiter den Steuersäckel aufhalten bei gänzlich ungefährlichen Pseudo- Suchtmitteln wie Alkohol o.ä. Die paar tausend die sich und andere damit jährlich ins Unglück stürzen sind nichts im Vergleich zu dem was private Sportwetten so anrichten!
 
Zustimmung zu Deinen Beitrag. [[yo]]

swidrigailov schrieb:
Solche Unternehmer nehmen ja in keinster Weise dem staatlichen Anbieter Gelegenheitsspieler als zahlungswillige Kunden weg, sondern sind speziell darauf ausgelegt das Kundensegment der highroller zu bedienen.

Aber auch die privaten Anbieter wollen eigentlich nur die Lemminge und nicht die (erfolgreichen) Highroller bzw. Surebetter.
 
Ich verfolge die ganze Diskussion schon einige Zeit mit großem Interesse. Aber mal abgesehen von der Meinung die wir zum größten Teil über unsere Politiker haben:

was ändert sich für mich als Privatperson die übers Internet Wetten bei ausländischen Bookies abschliesst konkret?? [[nixweiss]]

Kommt es so weit, daß mir alle meine Wettkonten von den Anbietern geschlossen werden und ich warten muß bis sich das EU Recht auch in Deutschland durchsetzt?

Es gibt doch so eine Sperre bereits bei William Hill, oder?

Oder gilt das (wenn es sich soweit kommt) nur für die Anbieter mit deutscher Lizenz und deutscher Domain?
 
Ich arbeite gerade an einem Brief, den ich unserem Innenministerium zukommen lassen werde.

Wenns darum geht, "dass Bürger sich nicht finanziell ruinieren sollen", dann muss auch sofort das Lotto, Spielkasinos wie in Baden-Baden, Pferderennbahnen und der Börsenhandel verboten werden.

Bwin illegal, aber Faber Lotto darf ma spielen. [[rofl]]

Und wenn man sich so um unseren Geldbeutel sorgen macht, dann werd ich dem Innenministerium doch gleich mal dazu raten, die Benzinpreise, Kassenbeiträge und vorallem die Mehrwertsteuer auf 10% zu senken. Es ruiniert uns doch keiner mehr wie der Verbrecher Staat.
Beschweren braucht man sich aber net, selber schuld, wenn man solche Mafiatypen noch wählen geht.

Hier wird mal wieder für etwas abgestimmt, wo niemand auch nur einen Funken Ahnung hat. Wenn man die Innenminister fragen würde, was ne HC-Wette ist, dann könnte niemand es dir beantworten. Aber hauptsache mal wieder für etwas die Hand heben.

Hier wird gezielt der Sport zerstört. 14.000 Amateurvereine werden von von Bwin gesponsert, dazu zahlreiche Profivereine in Fußball, Handball, Basketball und Eishockey.

Wenn dieser Beschluss durchgeht, dass ich nicht mehr mein Geld anlegen kann, wo ich will, dann werde ich prüfen, ob unser Innenminister Aktien hat und sollte dies der Fall sein, wird er mit einer Anzeige rechnen müssen. Sollte er unter diesen Umständen nicht die Tabak- und Alkoholwerbung in Stadien und Hallen verbieten, wird Anzeige erstattet.

Die einfachste Drohung wird sein, dass man dafür wirbt, in Zukunft von seinem Wahlrecht keinen Gebrauch mehr zu machen. Vielleicht werden sie dann mal wieder ihrer eigentlichen Arbeit nachkommen, nämlich als Volksvertreter auch wirklich die Interessen des Volkes zu vertreten und nicht 24 Stunden am Tag daran zu denken, wie schön es doch ist, als Made im Speck zu leben.


Als hätten wir keine größeren Probleme. [[stupid]]
 
Pechvogel schrieb:
Daniel schrieb:
Die einfachste Drohung wird sein, dass man dafür wirbt, in Zukunft von seinem Wahlrecht keinen Gebrauch mehr zu machen.

Ich kann leider nur damit drohen, von meinem Wahlrecht wieder Gebrauch zu machen. [[tutu]]

Tja, dann dürfen ma uns eben net beschweren, wenn sowas bei rauskommt. [[sleep]]

Glaubst etwa, wenn da jetzt 16 andere Deppen sitzen würden, wäre es anders ? [[sleep]]
Das kannst ja wohl haken.
 
Daniel schrieb:
Glaubst etwa, wenn da jetzt 16 andere Deppen sitzen würden, wäre es anders ? [[sleep]]
Das kannst ja wohl haken.

Du sagst es, im System 2aus4 wurden in den letzten 40 Jahren (fast) alle Kombis ohne sichtbaren Erfolg probiert.

Daniel schrieb:
Tja, dann dürfen ma uns eben net beschweren, wenn sowas bei rauskommt. [[sleep]]
[[help]]

Wenn es egal ist, wen man wählt (s.o.), ist es auch egal ob man wählt.
Außer man macht auf dem Denkzettel das Kreuz ganz links oder ganz rechts.

Jetzt aber Back to Topic. Das ist schlimm genug.
[[close]]
 
Ich als Österreicher bin zum Glück da nicht sehr betroffen , bei uns muß ich mich ärgern, daß man aus einer 130-er eine 100-ter zone macht weil man dadurch 10% schadstoffe ersparrt, daß man aber in den letzten 20 Jahren die Schadstoffe der Autos um das zickfache vermindert hat kann sich keiner mehr errinern sann ja alle kinder unsere politiker.

Back zum Thema gibt es in Deutschland anufürsich keine Organisation abgesehen von baw die sich um die rechte der Wetter kümmert, eine Gruppierung die aufzeigen möchte wie es tatsächlich ist und das hier ein falsches bild gemacht wird ......
Unterschriften Sammeln und beim Bürgermeister anklopfen hat zwar die welt nicht verändert aber wer nicht wagt gewinnt nicht
 
Pechvogel schrieb:
Zustimmung zu Deinen Beitrag. [[yo]]

swidrigailov schrieb:
Solche Unternehmer nehmen ja in keinster Weise dem staatlichen Anbieter Gelegenheitsspieler als zahlungswillige Kunden weg, sondern sind speziell darauf ausgelegt das Kundensegment der highroller zu bedienen.

Aber auch die privaten Anbieter wollen eigentlich nur die Lemminge und nicht die (erfolgreichen) Highroller bzw. Surebetter.

War ja eh ironisch gemeint. Bwin und Konsorten probieren doch nun wirklich alles mögliche um uns nicht zu ruinieren, wenn auch nur aus dem lapidaren Grund sich selber nicht dabei zu ruinieren.
Fernab der vielen Gründe, die gegen ein solches Verbot sprechen, stinkt diese verlogene Bevormundung seitens des Staates einfach zum Himmel. Man wird unter Vorwänden wie dem Schutz vor einem selber (wie kaputt ist sowas eigentlich) ausgezogen bis der Big Brother ja alles haargenau sieht. Dann kann man ihnen noch den nackaden Oar... zeigen, trägt aber zur Problemlösung wenig bei.

Wenn das Verbot privater Sportwetten mit voller Tragweite in Deutschland tatsächlich kommen sollte, schlag ich gleich vor Unterforen wie Heiratsmarkt oder Adoptionsanliegen zu eröffnen, merkt`s mi bitte scho mal vor. [[winkewinke]]
 
Interessant für die Sportwetten-Branche ist vielleicht auch dieses Urteil:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/397/82315/

DocMorris darf sich auf die Niederlassungsfreiheit in der EU berufen und weiterhin eine Apotheke in Deutschland betreiben, obwohl sie gegen einige hier geltende Vorschriften verstößt.

Es stehen zwar noch weitere Urteile bzw. Revisionen an. Aber wenn das ganze bis vor das europäische Gericht geht, dann könnte es auch sehr wegweisend sein für die Frage der Niederlassungsfreiheit von Buchmachern.