KentB schrieb:Mag sein, daß sich die Teams zu diesem Zeitpunkt entschieden haben nicht zu fahren, aber bekannt war es nicht - ich habe RTL/ORF und die einschlägigen Internetseiten live verfolgt und alle haben noch Minuten vor dem Rennen spekuliert, was passieren wird - der Haug hat dann eine oder zwei Minuten vor dem Rennen gesagt, daß McLaren nicht fahren wird.
Aber bei BF ist Schumi schon circa um diese Zeit runter, also irgendwer wird da was gewußt haben.
Wo hast denn das mit 19:37 her ?
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Reifen-Chaos
Entscheidung um 19.37 Uhr:
14 Fahrer starten nicht
Nur die Bridgestone-Teams nehmen Aufstellung, alle anderen Wagen sind in die Boxengasse fahren
Einen größeren Skandal hat die Formel 1 noch nicht erlebt. Der Große Preis der USA wurde gestern mit nur sechs Fahrern gestartet. Ein Eklat für den Rennsport. Eine Blamage für Reifenhersteller Michelin. Aber auch Ferrari steht am Pranger.
Millionen TV-Zuschauer in aller Welt waren entrüstet und enttäuscht, als Schumis Skandal-Rennen um 20 Uhr unserer Zeit begann – und der Weltmeister seinen ersten höchst merkwürdigen Saisonsieg einfuhr.
Nur die Teams von Ferrari, Jordan und Minardi gingen ins Rennen. Alle anderen (also auch Mercedes, BMW und Renault) fuhren nach der Aufwärmrunde in die Box zurück.
Der Ablauf des Starts: Am Ende der Aufwärmrunde kamen erst nur die beiden Ferrari zur Startlinie
Es begann mit Ralf Schumachers (29) Horror-Crash im Training von Indianapolis (BILD berichtete) .
Das BILD-Protokoll.
Freitag um 14.12 Uhr Ortszeit platzt im Training der linke Hinterreifen am Schumi-II-Toyota. Eine Michelin-Analyse ergibt, daß ihre gelieferten Walzen – Michelin stattet 7 Teams aus (u.a. Mercedes, Renault, BMW) – „nicht den Ansprüchen der High-Speed-Passagen“ genügen.
Die Michelin-Teams sind unsicher: Wie gefährlich sind unsere Reifen?
Samstag um 8.45 Uhr erklärt Michelin, die Gummi-Probleme nicht genau erörtern zu können.
Klar ist nur, daß die Reifenschulter falsch konstruiert ist. Sie bricht, der Reifen explodiert.
Michelin beschließt, neue Reifen aus Europa einfliegen zu lassen. Das Problem: Zwischen Qualifying und Rennen dürfen die Gummis laut Reglement nicht gewechselt werden. Renault-Boß Briatore: „Wenn wir die neuen Reifen nicht straffrei aufziehen dürfen, fahren wir nicht.“
Ferrari (ausgestattet von Michelin-Konkurrent Bridgestone) kündigt Protest an. Ross Brawn: „Es wäre unfair, wenn ein Team gewinnt, das noch die Reifen wechselt.“
Dann am Sonntagmorgen der nächste Vorschlag: Eine Schikane soll die Vollgas-Kurve entschärfen. Alle Teams stimmen zu – nur Ferrari nicht. Solche Entscheidungen müssen aber einstimmig fallen.
Schumi: „Ist doch egal, was wir machen. Den Schwarzen Peter kriegen wir eh immer zugeschogen. Das ist immer so gewesen.“
Dupasquier empfiehlt allen Michelin-Teams einen Start-Verzicht: „Alles andere können wir nicht verantworten.“
19.10 Uhr, 50 Minuten vorm Rennen. Alle Teamchefs (außer Ferrari, Minardi und Jordan) treffen sich mit Formel-1-Boß Bernie Ecclestone. Sie finden aber keine einvernehmliche Lösung.
Ecclestone ist außer sich. Er weist die Teamchefs an, ihre Fahrer wenigstens die Aufwärmrunde fahren zu lassen. Er fürchtet sonst Regreßforderungen der US-Veranstalter.
Um 19.37 Uhr war klar: 14 Fahrer starten nicht. 6 Minuten vor Start erklärt Teamchef Peter Sauber: „Das ist eine Katastrophe für unseren Sport und die Fans. Aber wir können nicht fahren.“ BMW-Sportchef Mario Theissen ergänzt: „Michelin hat erklärt, daß die Reifen nicht sicher sind. Deshalb werden wir die Sicherheit der Fahrer nicht riskieren.“
19.58 Uhr, die Aufwärmrunde fahren alle mit. Dann bleiben nur die Teams mit Bridestone-Reifen auf der Strecke. Der Eklat ist perfekt.
Toyota-Fahrer Jarno Trulli, der auf der Pole Position stand, ist entsetzt: „Das ist eine Schande für die Formel 1.“
Nick Heidfeld: „Wir Fahrer konnten die Entscheidung gar nicht beeinflussen.“
Ecclestone unwirsch: „Michelin hat das alles verursacht. Die haben die falschen Reifen geliefert.“
Renault-Boß Flavio Briatore: „Wir konnten das Leben unserer Piloten nicht riskieren.“ Und Norbert Haug führt an: „Die Fans hätten sicher nicht gewollt, daß es Tote und Verletzte hätte geben können.“
Letztendlich waren beide Seiten stur – keiner wollte nachgeben.
Die Michelin-Teams hätten ja auf sichere Reifen wechseln und damit starten können – sie hätten allerdings eine Zeitstrafe in Kauf nehmen müssen.
Ferrari lehnte Schikane und ein straffreies Reifenwechseln ab – um jeden Preis wollten sie ihren 1. Sieg. Auf dem liegt jetzt allerdings ein großer Schatten...