TSG Hoffenheim - FC Liverpool
Hoffenheim kopfmäßig wohl schon beim CL-Qualispiel am morgigen Dienstag gewesen, wenn man sich so anschaut, was die gegen RW Erfurt im Pokal so veranstaltet und verballert haben. Und in der Tat kann man die Aufregung beim einen oder anderen Spieler verstehen, da der Hoffenheim-Kader ja nicht unbedingt gespickt ist mit vielen international erfahrenen Spielern, die schon zig CL-Spiele in den Knochen haben. Wobei immerhin Sandro Wagner drei CL-Partien mit Werder vorweisen kann, Nordtveit mit Gladbach und Zuber mit ZSKA auf je sechs CL-Partien kommen und Szalai gar sieben mal mit Schalke CL-Luft eingeatmet hat. Insgesamt ist es für die TSG die erste Berührung mit der CL und man darf gespannt sein, wie das Team mit dem ganzen Zirkus und dem Druck umgeht.
Nagelsmann war trotz der DFB-Pokalpflicht überhaupt nicht einverstanden mit der Leistung von manchen Spielern und kündigte gegen Liverpool definitiv Umstellungen an.Es bleibt noch ein Geheimnis, wie man gegen Liverpool aufstellen wird. Aber alles andere als ein intelligenter Druckaufbau auf die löchrige Pool-Abwehr wäre schon verwunderlich. Nagelsmann wird die Flexibilität seiner zentralen Mittelfeldspieler brauchen, allen voran Demirbays Dribbelfähigkeit, um zwischen den Reihen für Kreativität zu sorgen und um mit einem Flügeldrang, wenn die Zentrale verstellt ist, Hoffes Angriffsspiel flexibel und unberechenbarer zu machen. Ich denke man kann davon ausgehen, dass Nagelsmann in der Lage ist, nach Lücken in der Liverpool-Abwehr zu fahnden.
Mit Rudy hat Hoffe leider einen energischen Sechser und Schlüsselspieler im Aufbauspiel verloren und auch wenn sich nach wie vor Vogt bei Bedarf aus der Kette löst und dann als zweiter Sechser neben Polanski agiert, ist Rudys Verlust in meinen Augen nicht eins zu eins zu ersetzen. Zudem ist ja auch Süles Stabilität nicht mehr präsent und Neuzugang Nordtveit hat bisher noch nicht so souverän auftreten können, wie man das von ihm gewohnt ist, er ist laut Einschätzungen von Beobachtern neben Kramaric Streichkandidat im Hinblick auf die erwähnte, veränderte Startaufstellung gegen Liverpool. Hoffenheim presst zwar hart, gibt sich dann aber normalerweise mit Ballbesitz zufrieden. Ich bin gespannt, ob sie gegen Liverpool ein wenig schneller umschalten wollen, oder ob sie, was wahrscheinlicher ist, das Spiel bei eigenem Ballbesitz beruhigen wollen.
Denn Klopp wird seinerseits versuchen die Flexibilität der Hoffenheimer Offensive so früh wie möglich stören zu wollen. Das Gegenpressing könnte gegen Hoffenheim durchaus funktionieren, wenn auf die zentralen Mittelfeldspieler starken Druck aufgebaut wird und auch die AVs nachpressen, damit die Außenbahnen keine Optionen werden. Es wird sich zeigen, ob Hoffe konzentriert, intelligent und handlungsschnell genug ist, um eigene Fehler zu vermeiden und Schwächen im Liverpool-Spiel aufzudecken. Wenn Liverpool es schafft die starke Zentral von Hoffenheim lahmzulegen, werden die Engländer Vorteile über die Außen haben. Leider muss man aus Liverpools Sicht sagen, ist RV Clyne am Dienstag nicht mit von der Partie, was die Optionen auf den Außen weniger werden lässt; wer für ihn aufläuft ist noch offen, beim enttäuschenden 3:3 bei Watford lief der 18-jährige Alex-Arnold auf.
Desweiteren fallen für Liverpool neben Clyne, Coutinho, Sturridge, Lallana und Ings aus, was für Hoffenheim natürlich gute Nachrichten sind. Vor allem Coutinho und Lallana fehlen als intelligente und spielstarke Offensivgeister. In acht nehmen muss sich Hoffenheim dafür umso mehr vor dem pfeilschnellen und sehr beweglichen Mané, der im ersten Saisonspiel einen guten Eindruck machte.
Liverpool war hinten teilweise unsortiert (Eckbälle) und grämte sich am Ende aufgrund eines Abseitstores von Watford, nicht alle drei Punkte mitgenommen zu haben. Es bleibt abzuwarten, wie sie den Hoffenheimern begegnen aber die Ausfälle sind nicht ohne und die Nagelsmann-Elf sollte definitiv Mittel und Wege finden Liverpools Abwehr zu überwinden.
Auf der anderen Seite ist Liverpool auch ohne Coutinho und Lallana dank dem Neuzugang Salah und den arrivierten Kräften um Mané und Firmino gefährlich genug, um Hoffenheim ebenfalls einzuschenken. Vor allem Firmino dürfte bei der Rückkehr an alte Wirkungsstätte aufgeladen und motiviert sein. Leider ist Liverpools Chancenauswertung mal wieder mangelhaft gewesen gegen Watford. Nach dem 3:2 durch Salah muss Liverpool den Sack zumachen, die Latte und mehrmals ein paar Zentimer sorgten aber dafür, dass es am Ende nur zu einer Punkteteilung reichte.
Fassen wir zusammen: Liverpool fehlen ein paar Stammkräfte, dadurch hat man weniger Alternativen und sieht auf der RV-Position ganz schön alt aus. In der Verteidigung ist man anfällig genug, auch nach Standards, so dass ich mir nicht vorstellen kann, dass sie gegen Hoffenheim zu Null spielen. Im Gegenteil. Hoffenheim hat durch sein eingespieltes Nagelsmann-System genug Optionen, um Liverpools Schwächen zu offenbaren. Auch wenn die Zentrale es nicht so leicht haben wird wie in der Bundesliga, um seine Flexibiität und Gefahr zur vollen Entfaltung zu bringen, gibt es immer noch über die Außen und zwischen den Reihen Möglichkeiten Liverpools Abwehr in Verlegenheit zu bringen. Clynes Abwesenheit ist hier besonders hervorzuheben. Liverpool sollte vorne aber darauf aus sein, wichtige Auswärtstore zu erzielen und Mané, Salah und Firmino sind durch ihr schnelles Zusammenspiel, durch Weitschüsse und Einzelaktionen nie zu unterschätzen.
Thesen:
- Es fallen auf beiden Seiten Tore und mindestens drei Tore im Spiel.
- Hoffenheim verliert nicht
- Drei Mittelfeldspieler kassieren eine gelbe Karte, mind. ein AV kassiert eine gelbe Karte
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