Jara
Jara
Wir Hamburger sind auch nicht gerade Stimmungskanonen, aber Jaras mimikloses Gesabbel ging mir doch ziemlich auf den Keks. Für Österreichs Bundesliga ist Jara wohl ein Weltklasse-Trainer, aber mich hat er und seine Taktik in 70 Prozent der HSV-Spiele nicht überzeugen können. Als er beispielsweise in Berlin nach dem 1:1 in der Nachspielzeit von einem Punktgewinn sprach und dass seine Mannschaft wieder eine tolle Moral bewiesen hätte, sich in der 1. Halbzeit zu weit zurück drängen hat lassen blabla, hätte ich ihm an die Gurgel springen können. Ich war so sauer über den Murks-Fußball, aber von Jara kamen wieder die gleichen Standard-Platitüden mit der Folge, dass der HSV in Dnjepropetrowsk noch schlechter gespielt hat. Grundsätzlich bin ich auch kein Freund von Trainer-Entlassungen. Pagelsdorf hätte ich wesentlich mehr Kredit eingeräumt als Jara, weil ich ihn persönlich mehr mag. Wo steht der HSV jetzt 2 Jahre nach der Entlassung von Pagelsdorf? Der Verein und die Mannschaft ist keinen Schritt weiter gekommen. Jara hatte zwei Jahre Zeit, seine Qualitäten als Trainer zu zeigen. Wenn Spieler wie Ujfalusi, Mahdavikia, Romeo, Barbarez oder Hoogma in dieser Saison schlechter spielen als vor 6 Monaten, dann ist es Aufgabe des Trainers, diesen Spielern in den Hintern zu treten und sich taktisch etwas einfallen zu lassen. Was mich auch besonders stört, ist die mangelhafte Nachwuchsarbeit beim HSV. Jara nahm auf die Mannschaft, die in der Regionalliga herumkrebst, keine Rücksicht und hat auch kein großes Interesse daran gezeigt, frische Talente an die Profimannschaft heranzuführen. Beim FC Bayern ist Hermann Gerland, bei Dortmund beispielsweise Horst Köppel Trainer der Amateurmannschaft. Diese deutschen Trainer halte ich nicht für unqualifizierter als Kurt Jara.
Kein Trainer hat den Garantieschein für Erfolg. Toppmöller hat jetzt beim HSV auch keine Weltklassespieler wie Ballack, Ze Roberto oder Lucio zur Verfügung. Den VfL Bochum hat er allerdings 1997 auch ohne solche Klassespieler in den UEFA-Cup geführt. Jara hatte zwei Jahre die Chance, seine Qualitäten unter Beweis zu stellen. Den HSV hat es nicht weiter gebracht. Zuletzt waren 70 Prozent der HSV-Fans gegen Jara. Ein Trainer kann ohne die Rückendeckung der Fans nicht lange bei einem Verein überleben. Deswegen wird Stevens diese Saison auch nicht bei Hertha BSC überleben können. Der Kredit ist weg. Bis gestern hatte ich dem Manager-Neuling Beiersdorfer und dem unscheinbaren Vorstandsvorsitzenden Hoffmann nicht so viel Handlungsfähigkeit zugetraut. Aus meiner Sicht als HSV-Fan ist es genau die richtige Entscheidung im richtigen Moment mit den üblichen taktischen Wortwindungen im Vorspiel. In 2 Wochen hätte man wohl zwischen Zettel-Ewald Lienen, Löwe Werner Lorant, Hamburgs verlorenen Sohn Andy Brehme, Schalke-Flop Frank Neubarth oder Huub Stevens wählen müssen. Toppmöller hat unter allen verfügbaren deutschen Trainern den besten Ruf und den Segen der Mehrheit der HSV-Fans.
Wenn alle Trainer, die entlassen werden, schlechte Trainer wären, wäre kaum einer der aktuellen Trainer mehr im Geschäft. Der HSV braucht jetzt allerdings frischen Wind und den kann Jara nicht mehr machen. Natürlich trifft jede Mannschaft die Hauptschuld an den Ergebnissen, denn Jara kann keine Tore schießen und die Bälle auch nicht halten. Der Trainer ist allerdings der Verantwortliche für die Mannschaft und für die Ergebnisse. Wenn die nicht stimmen und er keine passenden Antworten mehr findet, muß ein neuer Mann die Verantwortung übernehmen. Jara hat beispielsweise in 15 aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen keine Antwort finden können, wie die HSV-Mannschaft ein Auswärtsspiel gewinnt. Hoffentlich fällt Toppmöller eine Lösung ein.