Auswertung, natürlich mit Kommentaren …
Grüne über 12,5%, Quote 1,833, 4 Einheiten, gesetzt am 27.12.
2 Einheiten auf Grüne Über 12,5% bei 22Bet, Quote 1,714, gesetzt am 3.2.
Ergebnis 11,6%, also deutlich vorbei und somit -6 Einheiten.
Ich weiß, das kann auch rechthaberisch wirken, aber ich halte mindestens die erste Wette zum Zeitpunkt der Wettabgabe immer noch für gut, auch hinter der zweiten Wette stehe ich immer noch.
Mein Argument war ja im Kern, dass 12,5% angesichts der vergangenen Ergebnisse und angesichts der Umfragen sehr machbar ausschauen, und vor allem, dass Robert Habeck ein sehr starker Kandidat ist. Und an dem halte ich nach wie vor fest. In einem Wahlkampf, wie er kurz vor dem Jahreswechsel ausschaute, wären die Grünen bei 15-17% oder so gelandet. Habecks persönliche Beliebtheitswerte waren immer sehr hoch, teilweise auf Augenhöhe mit Merz in der Kanzlerfrage (als Vertreter der deutlich kleineren Partei), einige sehr oft geklickte Social-Media-Auftritte, die Veranstaltungen waren extrem gut besucht, es gibt einen Mitgliederzuwachs von 42.000 – das ist alles schon ein echtes Pfund. Ich glaube deshalb, dass Habecks Kalkül im Grunde ein sehr nachvollziehbares war. Ich glaube gewiss nicht, dass die Grünen im Wahlkampf alles richtig gemacht haben, man hätte an vielen Stellen offensiver sein können, z.B. die Energiepolitik und die Klimapolitik stärker in den Vordergrund rücken (siehe Minikecks Beitrag), aber die Grundausrichtung ist nur schwer zu kritisieren.
Und dann kommt der große Bruch im Wahlkampf, der Mord in Aschaffenburg (und später dann München). Seitdem dominiert das Migrationsthema den kompletten Wahlkampf, und die Medien springen da auch noch volle Kanne auf den Zug auf. Damit will ich nicht sagen, dass es da kein Problem gäbe, aber die Lösungen sind nicht so einfach, wie einige das behaupten. Und mit Blick auf Kriminalitätsstatistiken usw. kann man das Ganze auch versachlichen. Dass z.B. beim ersten Kanzlerduell zwischen Schulz und Merz von 90 Minuten ca. 35 Minuten auf dieses Thema verwandt werden, ist angesichts der Dringlichkeit anderer Themen einfach nicht gerechtfertigt.
Dann kommt Merz auch noch die aus meiner Sicht extrem verachtenswerte Idee die Konzepte der AFD zu übernehmen und – wissend dass die SPD und die Grünen da nicht zustimmen können – eine Kooperation mit den Braunen in Kauf zu nehmen. Das ist sicherlich ein Punkt, an dem man eine Entscheidung treffen muss, und die Grünen haben sich dafür entschieden, entschieden gegen Merz‘ Move zu sein, zugleich aber staatstragend vernünftig zu bleiben und eine Zusammenarbeit mit der CDU trotzdem nicht per se auszuschließen. Am gleichen Tag hält im Bundestag Heidi Reichinnek ihre Rede, die in den Wochen danach X-millionenfach geklickt wird …
Auch wenn ich das hier anders gelesen habe, natürlich ist es ein Zeichen, wenn in der Folge deutschlandweit Millionen von Leuten auf die Straße gehen. Und zu dem Zeitpunkt habe ich den Einsatz auf die Grünen erhöht mit dem Argument, dass diese Mobilisierung den Mitte-Links-Parteien zugutekommen dürfte. Was ich ehrlicherweise nicht geblickt habe ist, wer genau denn profitiert. Das ist eben – meiner Meinung nach vor allem initiiert durch die Reichinnek-Rede – vor allem die Linke gewesen. Habeck ist dafür massiv abgestraft worden, dass er bis gestern spätnachts konsensorientiert und kompromissbereit war während ein gewisser Teil der Wähler eben eine klare Abgrenzung wollte, und die hat halt nur die Linke angeboten.
Die Linken lagen zum Zeitpunkt der Wettabgabe bei 3%, am Ende sind es 8,8% geworden. Die Linken haben im Vergleich zu 21 rund 2 Millionen Stimmen gewonnen, die Grünen haben rund eine Millionen Stimmen verloren. Aufschlussreich ist hier die Spiegel-Online-Übersicht zur Wählerwanderung:
https://www.spiegel.de/politik/waehlerwanderung-bei-der-bundestagswahl-2025-an-wen-die-spd-stimmen-verlor-und-wo-die-afd-gewann-a-d897db41-0136-4007-b0f4-532b616ae057
Demnach haben die Grünen von keiner Partei nennenswert Stimmen abziehen können (naheliegende Erklärung: konnten angesichts des politischen, auch von den Medien geprägten Klimas nicht mit ihren Themen und Konzepten durchdringen), haben zugleich aber 700.000 Stimmen an die Linken verloren (naheliegende Erklärung: fehlende Abgrenzung zur CDU).
@deutscherdybala: Glückwunsch zur gewonnen Wette. Ich hatte damals ja schon geschrieben, dass es ein fairer Zug war, eine konkrete Gegenwette zu setzen. Aber wenn du behaupten solltest, dass du am 27.12. genau diese Entwicklung vorausgesehen hast, dann würde ich dich gerne kennenlernen, damit du mir heimlich die Lottozahlen der nächsten Wochen verrätst.
AFD unter 23,5%, Quote 1,833, 2 Einheiten, 22Bet, gesetzt am 13.01.
Ergebnis: 20,6%, macht also ein Plus von 1,666 Einheiten
Was soll man sagen? Schwer zu bestimmen, ob die AFD vom Merz-Move profitiert hat oder nicht. Ich hatte privat auch ein bisschen auf Unter 21,5% gesetzt, und mit diesem Einsatz war es mir zwischendurch etwas mulmig, wie ich zugeben muss. Aber Über 23,5% schien mir den ganzen Wahlkampf über nicht plausibel, ich habe auch nie irgendwelche Zahlen gesehen, die das gestützt hätten. Interessanterweise zieht hier aber Minikecks Argument nicht richtig, die AFD hat nicht nennenswert an das BSW verloren.
Ausdrücklich meine persönliche Meinung: ich bin wirklich erschrocken, wie schnell die Normalisierung dieser Partei voranschreitet und wie wenig sowohl die politischen Konkurrenten als auch die Medien es schaffen, diese Partei zu entzaubern, sowohl in Hinblick auf ihre braunen als auch in Hinblick auf ihre libertären Anteile.
2 Einheiten SPD über 15,5%, Quote 1,833 bei 22Bet, gesetzt am 22.01.
2 Einheiten auf SPD Über 15,5% bei 22Bet, Quote 1,833, gesetzt am 3.2.
Ergebnis 16,4%, also ein Plus von 3,332 Einheiten
Das liegt wohl im Rahmen der Erwartungen. Mein Argument war ja, dass ich den Boden bei ungefähr 14% sehe und die SPD da am Ende ein Stück weit drüber landen dürfte, und genauso ist es gekommen. Das dürfte auch am mäßig attraktiven Alternativangebot (Merz halt …) liegen. Trotzdem finde ich, dass die SPD einen grottenschlechten Wahlkampf geführt hat, und das gilt auch und vor allem für Scholz persönlich.
Am Ende ergibt sich -6 + 1,666 + 3,332 = -1,002 Einheiten.
Hatte ich mir natürlich anders vorgestellt, ich hätte viel lieber etwas gewonnen …