Einen interessanten Bericht zu Oliver Kahn habe ich gestern in der NRZ gelesen und den Bericht werde ich gleich an mein Posting hängen.
Aber zuerst zum Spiel. Glatter und verdienter 2-0 Erfolg der Bayern gegen ängstliche Schalker, die ideenlos und unispiriert agierten. Bayern holte die 3 Zähler ohne Probleme und mußte dazu nichteinmal 100 % abrufen. Es langten da gepflegte 50 %.
Bleibt da die Aktion mit Oliver Kahn. Im Wrestling nennt man diesen Schlag einen Clothline, wenn ich richtig informiert bin. Was war passiert ? Hoher Ball in den 16er. Larsen und Kahn gehen am 5er zum Ball, kein Foul ist zu sehen, beide fallen zu Boden, stehen auf und Sportskamerad Kahn streckt den Larsen gleich wieder zu Boden. Objektiv betrachtet ist das eine Aktion, die mit rot bestraft werden muß. Egal, ob der Täter jetzt Kahn, Lehmann, Neuer oder Enke heißt und beim BVB, VfB oder S04 spielt. Da sind wir uns alle einig. Das sage ich als Fußballinteressierter, nicht als Schalke Anhänger und nicht als Bayern Hasser.
Und es ist im Endeffekt müßig zu diskutieren, ob Schalke noch was gerissen hätte mit einem Mann mehr und 22 Minuten auf der Uhr. Verdient wäre es auf jeden Fall nicht gewesen und ich bin mir auch fast sicher, das den Königsblauen mit 11 gegen 10 kein Tor mehr gelungen wäre.
Als letztes noch der erwähnte NRZ Bericht, den ich sehr interessant fand :
Der Erfolg der Methode Kahn
Wenn Schiedsrichter zu Komplizen werden
Also, das muss man Oliver Kahn lassen : Als Wolf im Schafspelz tritt er gewöhnlich nicht auf, er bevorzugt das offene Visier. Gut, der von Jürgen Klinsmann vor der WM degradierte Nationaltorwart hat Fußball-Deutschland wochenlang zum Narren gehalten, als er den fairen Verlierer spielte. So überzeugend übrigens, dass ihm selbst viele Kritiker auf den Leim gingen und Preise verliehen - dafür, dass er rechtzeitig herausgefunden hatte, wie viel Geld ihn eine WM-Absage kosten und welche Chance zu einem Imagewechsel ihm die Rolle der klaglosen Nummer zwei bieten würde. Wie er wirklich dachte, hat er unlängst preisgegeben, als er dem Focus versicherte, mit ihm im Tor wäre Deutschland Weltmeister geworden.Aber zurück in der Bundesliga ist Kahn wieder der Alte. Seit er die auf Macht-Demonstration ausgerichtete Bayern-Philosophie, andere einzuschüchtern, verinnerlicht hat, geht er unbeirrbar - treffender: unbelehrbar - seinen Weg.
Wer ihm dabei in die Quere kommt, muss wissen : Über kurz oder lang wird er Kahns Fäuste im Gesicht, Kahns Hände am Hals oder Kahns Finger in der Nase spüren. Ginge es nicht um Fußball, man könnte es positiv sehen: Der Mann ist aggressiver als Virgil Hill und Henry Maske zusammen. Selbst ein Titan könnte jedoch keinen so durchschlagenden Erfolg haben, wüsste er nicht ihm treu ergebene Wegbegleiter um sich: Uli Hoeneß, Ottmar Hitzfeld und - vorneweg - die Schiedsrichter. Kahn sei unberechenbar, heißt es. Das Gegenteil ist der Fall. Seine Ausraster sind wohl kalkuliert. Weil völlig risikolos.Klar, nicht erst, seit sich der Bayern-Torwart auf dem Platz wie ein Pitbull aufführt, ist "Denkmalschutz" auch im Fußball ein Thema. Aber Kahn als schützenswertes Unikat ? Für die Fandel, Merk und Co. offenbar keine Frage.
Die Folge: Die letzte rote Karte für Kahn, der schätzungsweise 50 Bundesligaspiele weniger absolviert hätte, wären bei ihm die gleichen Maßstäbe angelegt worden wie bei anderen, datiert aus der Saison 1995/1996. Noch bemerkenswerter sind die Umstände der letzten gelb-roten Karte, die Kahn 2001 in Rostock sah. Der Torwart war ausnahmsweise niemandem an den Kragen gegangen, sondern hatte mit beiden Händen ein Tor erzielt. Irgendwie witzig, ließ doch diese Aktion auch unsereins mal über Kahn lachen. Damit aber ist es längst vorbei.