@j0Shi
Vielleicht scheiden sich ja unsere Geister auch 'nur' an der Zeitebene?
Ich möchte dir sogar Recht geben, dass Enke (offensichtlicherweise) zum Zeitpunkt des Suizids keine andere Option mehr als gangbar empfand.
Aber nur wenige Stunden zuvor lehnte er (jedenfalls so in der Berichterstattung zu lesen) eine stationäre Aufnahme bewußt ab. In den Tagen und Wochen zuvor gab es immer wieder Angebote seiner Umgebung und seines Arztes. Er aber machte (wiederum Berichterstatttung) bewußt allen etwas vor.
Und nirgends hatte er deiner Meinung nach die geringste Chance anders zu handeln, als er tat?
Jop ... in den letzten Wochen der bewussten Täsuchung wurde der Zeitpunkt einer akuraten Behandlung lange verpasst. Da tritt dann eben jener Determinusmus ein. Enke war hier schon längst krankheitsgesteuert. In diesem Zusammenhang verstehe ich den behandelnden Arzt auch nicht. Wenn seit 2003 eine Depression bekannt war, die zwischenzeitlich wohl abklang, ist besonders bei einer Wiederkehr sofort und unverzüglich zu intervenieren, und zwar durch das Umfeld!
Erschwerend kam hier denn noch dazu, dass Enke bei einem "Outing" sowohl sportliche als auch persönliche Konsequenzen befürchten musste, so dass ich einfach mal davon ausgehe, dass auch der behandelnde Arzt diesem Umstand Tribut zollte und das war genau der Fehler.
Bei jedem normalen Menschen ist sofort klar, dass sich ein Zurückziehen und Ablehung von Behandlung teil des Problemes ist und nur weil Enke nun prominent war und dadurch die Argumente vllt. sogar schlüssig erschienen, wurde nichts unternommen. Ihm ging es nach eigenen Aussagen schon wieder besser. Nur leider geht das nicht ... Depressionen gehen unbehandelt nur ganz selten einfach wieder weg. Solche Aussagen sollten wie rote Telefone für Angehörige sein ... da stimmt dann irgendwas nicht!
Sorry aber in so einer deterministischen Welt tue ich zumindest nicht leben, befreit sie einen doch von nahezu jeglicher Verantwortung für das eigene Handeln.
Besonders abstoßend eine solche Sichtweise in Extremfällen: dem Suchtkranken, dem Pädophilen, dem Massenmörder. Alle wehrlos ihrer Krankheit ausgeliefert ohne Chance dem Lauf der zerstörerischen Dinge Einhalt zu gebieten?
Nicht mit mir. Und btw. auch nicht mit der Wissenschaft!
Wie gesagt argumentiert die Wissenschaft hier auch nicht mit Zwangsläufigkeit, sondern nur mit der These, dass gewisse Ereignisse und genetische Dispositionen eher ein Krankheitsbild hervorrufen können.
Es mag nicht einfach sein, zu glauben, der Mensch wäre nicht Herr seines eigenen Handelns, aber das ist so auch nicht in der Gänze von der Hand zu weisen. Hier als nur ein Beispiel der philosophische Konstruktivismus zu nennen.
Hunden nimmt man sofort ab, dass sie einer Konditionierung einfach unterliegen können. Bei Menschen setzt man aufgrund des höher entwickelten Verstandes und Gehirns aber vorraus, dass sie resistenter sind. Was aber nicht ausschließt, dass unser Gehirn entsprechend komplexeren Mechanismen der Fremdsteuerung ebenfalls hilflos ausgeliefert ist.
Bei deinen o.g. Beispielen kommt noch hinzu, dass man auch noch destruktive Tendenzen gegenüber anderen Menschen entwickeln muss.
Das ist schon wieder eine Nummer größer als eine Depression, die ja nun ausschließlich selbstzerstörerisch verläuft. Somit lässt sich das nicht ganz einfach 1:1 übertragen. Pädophile haben ganz oft das Gefühl "etwas falsches zu tun," was sich ganz klar von einem depressiven Suizid abgrenzt. Dort tut der Kranke seiner Meinung nach das Richtige.
Nebenbei gibt es auch in der Medizin Strömungen, die davon ausgehen, dass jede psychische Störung genetisch und/oder hormonell bzw. ums abzurunden, körperliche Ursachen hat. D.h. spätestens dann wäre jede psychische Krankheit mit jeder körperlichen und deren Determinismen gleichzusetzen. Ich gehe damit nicht einher, aber nur als Beispiel.
Liebe Grüße [[cheers]]