3.20 Cheltenham Gold Cup: Long Run @ 3.00 William Hill @ 3/10
Morgen der letzte Tag des Cheltenham Festivals, und mit ihm steht das wichtigste Rennen des Jahres an: Der Gold Cup! So bedeutend wie Champions League, EM & WM Finale zusammen! Es ist DAS Rennen im National Hunt Sport überhaupt. Morgen ist es aber vor allem der Kampf von Kauto Star gegen Long Run. Beide Pferde stehen klar heraus in diesem Feld, was alleine ihr offizielles BHA Rating zeigt. Kauto mit einem OR von 183, LR mit 182, das am dritt höchsten eingestufte Pferd ist What A Friend mit einer Marke im Vergleich deutlich niedrigeren Marke von 167. Der Rest ist dann noch schlechter eingestuft, wobei schlecht nicht wirklich schlecht ist, denn das sind alles verdammt gute Pferde, nur das Kauto Star und Long Run eben die absolute Spitzenklasse sind.
Das Rennen morgen steht vor allem aber ganz im Zeichen Kauto Stars. In den letzten Monaten hat sich die Popularität dieses Pferdes nochmal um ein vielfaches gesteigert, er hat praktisch einen Gott ähnlichen status angenommen, und ist, wie man so schön zu pflegen sagt zu "public property" geworden. Kauto Star ist 12 Jahre alt, was selbst für ein National Hunt Pferd auf diesem hohen Niveau ein gehöriges Alter ist. Seit sieben Jahren nun schon läuft er auf dem allerhöchsten Level, was außergewöhnlich ist. Er hat in seiner Karriere bereits zwei mal den Gold Cup gewinnen können, 2007 & 2009, dazu u.a. fünf mal das King George, insgesamt kommt er auf 20 Siege... schier unfassbare Zahlen. Man könnte meinen dieses Pferd ist nicht von dieser Welt. Letztes Jahr dann aber war es aus mit aller Herrlichkeit. Kauto wurde sowohl im King George als auch im Gold Cup von... Long Run geschlagen, und das nicht zu knapp. Das letzte Rennen der Saison in Punchestown war dann der absolute Tiefpunkt, Kauto mußte angehalten werden im Rennen, nichts ging mehr. Die Experten waren sich einig: Kauto hat genug, schickt ihn in den verdienten Ruhestand. Aber nichts da sagte Trainer Paul Nicholls. Er glaubte weiter an seinen alternden Star. Ein letztes halleluja sollte es geben, Kauto sollte sich nicht so unwürdig verabschieden. So wurde er für die Betfair Chase in Haydock im November so trainiert, das er in absoluter Spitzenform antreten würde. Normalerweise ist dieses Rennen immer eher ein leichter Aufgallop gewesen für ihn, denn man möchte das Pferd natürlich erst Monate später für das Saisonhighlight in Topform haben. Man kann sich das wie bei Radsportlern vorstellen, die erst für Tour de France ihre Maximalform versuchen zu erreichen. Haydock aber war nun Kauto's persönlicher Gold Cup. Niemand glaubte so recht, nach dem wie er die letzte Saison lief, das er eine echte Chance hätte. Es war auch von vornherein klar, läuft Kauto schlecht, ist es das endgültige Karriereende. Es kam alles anders. Kauto wie in seinen besten Tagen, vernichtete die Konkurrenz, inklusive Long Run, der allerdings zu dem Zeitpunkt noch nicht bei 100% war. Kauto also wieder da, ließ nur fünf Wochen später den nächsten Kracher folgen, gewann sein fünftes King Geroge - absoluter Rekord! Er schlug dabei erneut Long Run, diesmal allerdings ging es bereits knapper aus.
Die Pferderennsportwelt lag Kauto Star zu Füßen, mit diesem Sieg machte er sich unsterblich. Eine lebende Legende. Das Kauto mit praktisch 12 Jahren zu solchen Leistungen fähig war, ist einfach unglaublich und schwer in Worte zu fassen. Vermutlich ist er der beste Athlet, ob Mensch oder Tier, den es jemals auf diesem Planeten gab. Wenn er morgen den Gold Cup ein drittes mal gewinnen würde... es wäre die größte sportliche Leistung aller Zeiten, wage ich zu behaupten. Jeder hofft und wünscht sich das Kauto das Wunder perfekt macht, inklusive mir. Ich liebe Kauto, wie kann man dieses Pferd auch nicht lieben?! Mein Herz hofft so sehr das er das eigentlich unmögliche möglich machen kann. Doch an dieser Stelle kommt der Verstand ins Spiel. Wenn es ums Wetten geht, muß ich alle Emotionen bei Seite legen. Der Kopf sagt mir das Kauto morgen nicht gewinnen wird/kann. Leider.
Das Problem ist, das Kauto vor kurzem einen schweren Trainingsunfall hatte, als er an einem Hindernis stürzte. Die Chancen das er es überhaupt zum Rennen schafft waren 50/50. Am Montag gab es dann doch das Gründe Licht, alles sei in Ordnung mit Kauto, er hat seine Tests gut bestanden. Trainer Paul Nicholls würde ihn sicher auch nicht ins Rennen schicken, wenn er nicht überzeugt von Kautos Fitness wäre. Allerdings ist die Vorbereitung zweifelsohne, eben durch diese Geschichte, alles andere als eine solche gewesen, wie man sie sich wünscht für das wichtigste Rennen des Jahres. Und wie extrem Kauto am Ende tatsächlich davon nachhaltig beeinflusst ist, weiß letztlich mit Bestimmtheit keiner. Aber wir wissen das er trotz all seiner immensen Klasse nicht jünger wird. Und das ist ein riesen Problem. Also 12 Jähriger braucht er längere Regenerationszeiten, hat jetzt aber diesen Unfall gehabt, und dazu zwei sehr harte Rennen, in denen er am absoluten Limit war. Wieviel ist da jetzt noch im Tank? Was ist er in der Lage abzurufen, in einem schweren Finish, wenn es den Cheltenham hill hoch geht? Das sind Fragen, die an Kautos Siegchancen zweifeln lassen. Hier aber noch ein ganz wunderbarer Artikel über ihn:
Kauto Star: why everyone wants to see this horse win at Cheltenham - The Guardian
Soviel vorerst zu Kauto Star, nun zu Long Run. Es ist schwer dieses Pferd so richtig zu mögen. Geliebt wie Kauto wird er nie werden, egal wie viel Gold Cups er gewinnen wird. Ihm fehlt das gewisse Etwas an Ausstrahlung, was einen absoluten Superstar ausmacht. Vor allem aber ist es die Tatsache, das er einem reichen Besitzer gehört, der dieses Pferd für seinen Sohn (der Herrscher über ein Zahnärzte Praxen Imperium ist) gekauft hat, damit dieser seinem Hobby, dem Rennpferde reiten, auch auf allerhöchstem Niveau frönen darf. Sonst würde nämlich niemand anderes auf die Idee kommen, dem Jungen einen solchen Klasse Ritt anzuvertrauen. Klingt nicht gerade Märchenhaft, nicht war? Rein sportlich ist Long Run aber ein phantastisches Pferd. Mit sieben Jahren noch jung, hat noch nicht sonderlich viele Rennen in Beinen, hat immer noch das Potential sich steigern, und hat trotz seiner jungen Alters, bereits ein King George und einen Gold Cup gewonnen.
Diese Saison lief noch nicht so wie gewünscht allerdings. Wie bereits erwähnt, spielte er sowohl in der Betfair Chase, als auch im King George, nur die zweite Geige hinter Kauto Star. Allerdings ist davon auszugehen, das er bei diesen Rennen nicht unbedingt spot on war. In Kempton zeigte er gutes Stehvermögen im Finish und wurde letztlich nur knapp geschlagen von Kauto. Zuletzt sein Vorbereitungsrennen in Newbury gewonnen, solide Leistung dort, aber auch nicht atemberaubend. Er wird jedoch für den Gold Cup in absoluter Topform zu erwarten sein, denn das Rennen ist das entscheidende für ihn. In sofern bin ich sicher das er sich deutlich steigern kann zu den bisherigen drei Formen der Saison. Was für Long Run im Gold Cup aber am allermeißten spricht ist die Distanz. Er wurde von Kauto beide male über 3 Meilen geschlagen, die Gold Cup Distanz ist aber 500m länger. Das ist ein gewaltiger Unterschied, auch wenn es sich nach gar nicht so viel anhören mag. Zwar hat Kauto zwei mal in Cheltenham den Gold Cup bereits gewonnen, aber seine favorisierte Bahn war es nie, und die Distanz ist mittlerweile vielleicht doch auch ein bisschen zu weit für ihn. Im letzten Jahr war er im
Gold Cup 2011 bis 400m vor dem Ziel vorne, aber dann kam das Stehvermögen von Long Run ins Spiel, und der gewann den GC schließlich nich souverän. Bei seinen beiden Siegen in diesem Jahr, wurde Kauto auf den letzten Metern immer sehr müde, und Cheltenham ist noch anspruchsvoller, zudem ist da noch wie gesagt, die weitere Distanz. Das spricht alles gegen Kauto, aber eindeutig für Long Run, dessen Steherfähigkeit sein großes Plus ist. Er hat nicht den Speed, ist oft früh schon im Rennen unter Druck, springt oft auch nicht sonderlich sauber, aber seine Zähigkeit ist seine große Stärke, die ihn durch diese Situationen bringt. Nun muß man dazu sagen das Long Run von einem Amateur geritten wird. Wie weiter oben auch bereits angeschnitten. Sam Waley-Cohen ist kein schlechter Reiter, aber es ist zweifelsfrei ein Unterschied ob ein Ruby Walsh oder eben ein Waley-Cohen im Sattel sitzt. Cohen hat so seine lieben Probleme die Pace eines Rennens richtig einzuschätzen, und eine Hilfe ist er dem ohnehin schon nicht richtig guten Spinger Long Run auch nicht. Das ist etwas das mir Sorgen macht.
Letztlich aber ist Long Run, trotz der beiden Niederlagen in dieser Saison gegen Kauto, der eindeutige Favorit in meinen Augen, aus oben genannten Gründen. Er ist der Titelverteidiger, Distanz und Konditionen des Rennens im Allgemeinen sind zu seinem Vorteil. Die Quote @ 3 ist zweifelsfrei zu hoch, bedenkt man auch, das Trainer Nicky Henderson ein phantastisches Festival hatet bisher. Der diesjährige Gold Cup scheint alles zusammen also eher ein 2 Pferde Rennen zu sein. Aber man muß auch darauf hinweisen das Long Run Stallgefährte Burton Port ein interessanter Kandidat sein könnte. Der kam nach mehr als einjähriger Pause kürzlich zurück und wurde nur knapp geschlagener zweiter zu Long Run. Von diesem Rennen kann er sich sicher steigern, aber normalerweise hat er nicht die Qualität von Long Run. Auch Weird Al kann ein gutes Rennen laufen zu einem größeren Preis. Synchronised wird ebenfalls ein starkes Rennen zugetraut. Für mich wäre es allerdings eine Überraschung, wenn nicht Long Run der Sieger hieße. Die anderen Pferde in diesem Rennen sind alles gute Pferde, aber zwischen sehr gut und Spitzenklasse gibt es eben ein Unterschied. In diesem Sport kann immer viel passieren, diese Woche hat es wieder eindrucksvoll gezeigt. Aber Long Run müßte weit unter seinen Möglichkeiten bleiben, oder stürzen, was allerdings auch immer im Bereich des möglichen liegt bei Hindernisrennen, um geschlagen zu werden.
Es ist in gewisserweise eine unpopuläre Wette gegen Kauto Star zu gehen. Jeder möchte das er es noch einmal packt, das er das Wunder wahr macht. Ich auch, mein Herz schlägt wie gesagt, klar für Kauto. Aber aus Wettsicht macht es keinen Sinn für mich. Da ist Long Run der Value, eindeutig. Ich habe lange über diesem Rennen gesessen, dachte zuerst einen Außenseiter Each-Way zu backen, aber auch wenn der Sieg zu viel erwartet wäre, platzieren sollte Kauto sich schon, steht er von der Qualität mit Long Run zum Rest eben einfach massiv raus. Was bedeutet das im Normalfall nur noch ein Platz in Frage käme, was für eine Each-Way Wette keine sonderlich guten Voraussetzungen sind. Letztlich ist die einzige sinnvolle Wette Long Run für den Sieg @ 3 zu wetten. Für mich zumindest. Daes allerdings die kleinen Zweifel über die Qualität des Jockeys und das Springen des Pferdes gibt, sind 3 Einheiten angemessenen.