Hoeneß fordert höhere TV-Gebühren der öfftl. Rechtlichen....

noch einmal

noch einmal

zu bofinger: ist seit 1992 ordentlicher professor für volkswirtschaftslehre. das ist nur ein auszug aus seiner vita. nachzulesen unter www.wifak.uni-wuerzburg.de

soviel, drago, zum thema langjährige kapazität. es wird nicht jemand mitglied dieses rates, wenn er zwei monate am bankschalter steht.

ben

ps. ich bin keiner anhänger bofingers, ich habe ihn nur zitiert. und in deutschland hat ihm aufgrund seiner aussage über die gewinnsituation noch keiner widersprochen. entschuldigung: drago natürlich [[bussi]]
 
In der Tat, interessant. Du hast natürlich recht, wenn Du schreibst, daß man sehen muß, ob das Ideal praktisch umsetzbar ist.

Shining schrieb:
* Asymmetrische Information: Liegt für mich hier jedenfalls vor, alleine dadurch dass ein bestehender Sender die Meinung der Öffentlichkeit beeinflussen könnte, zeigt dass die Informationen deutlich ungleich verteilt sind.

Ja, aber das sollte kein Problem sein, wenn man funktionierenden Wettbewerb zwischen den Medien hat. Versucht z.B. eine Zeitung, die Öffentlichkeit zu manipulieren, durch die Verbreitung von Unwahrheiten oder die Falschauslegung von Fakten, hätten andere Medien ein Interesse daran, dies aufzudecken, so die Konkurrenz bloßzustellen und sich selbst zu profilieren. Der Wettbewerbsmechanismus würde hier viele Probleme lindern. Außerdem hat man heutzutage viel mehr Möglichkeiten, an Informationen zu kommen, nämlich durch das Internet. Erfreulich, wieviele Seiten es mit Journalismuskritik und investigativem Journalismus inzwischen im Netz gibt. Auch kommen Gruppen zu Gehör, die sonst in den Medien untergehen würden. Die Kehrseite ist natürlich, daß jeder an die Öffentlichkeit kommt mit seinen Zielen (ich denke da nur an die Enthauptungsvideos im Irak... [[kotz]] ). Aber insgesamt ist es heutzutage leichter denn je, an Informationen zu kommen und sich selbst ein Bild zu machen jenseits der Medienberichte. Insofern sehe ich das Informationsasymmetrie-Problem hier nicht als bedeutsam an.

Im übrigen: Wenn Du mal quer liest zwischen Zeitungen, fällt Dir auf, daß sich Texte häufig bis aufs Wort gleichen. Freie Journalisten schreiben für verschiedene Zeitungen die gleichen Texte. Texte von Nachrichtenagenturen werden ungeprüft von Dutzenden von Zeitungen übernommen. Auch dies ist kein richtiger Wettbewerb sondern ein Informationsmonopol in den Händen weniger, die es in zahlreichen Fällen nachweislich für ihre persönliche Agenda mißbraucht haben.

Shining schrieb:
* Öffentliches Gut: Ist für mich das Hauptargument. Wir können uns sicher darauf einigen dass objektive Information, die Vermittlung von moralischen Werten, die Förderung von Kunst und Kultur und die Bildung im Allgemeinen Güter sind, die bereitgestellt werden sollten. Würde man aber diese Güter ausreichend zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man die "realen" Kosten (oder nennen wir sie Vollkosten) zu tragen hätte? Das ist der Knackpunkt, ich denke nicht dass sich hier ein Markt bilden würde.
Die Allgemeinheit in Summe würde die Kosten wohl tragen, aber der einzelne bei Benutzung kaum. Die Grenzkosten liegen meist praktisch bei Null (die Übertragung eines Theaterstücks hat keine höheren Kosten wenn sie viele Zuseher im TV mitverfolgen etc.), das gewünschte Konsumverhalten (-> Paternalismus) wird nicht erreicht. -> Freerider-Problematik.

Ein Öffentiches Gut, wenn ich mich recht erinnere ( :mrgreen: ), zeichnet sich durch zwei Dinge aus:
1.Nichtrivalität im Konsum. Das ist hier gegeben. Ein weiterer Fernsehzuschauer nimmt den anderen nichts weg, keiner kann weniger sehen, wenn jemand anderes das gleiche Programm verfolgt.
2.Nichtausschließbarkeit des Konsums. Dies ist nicht gegeben. Mit der heutigen Technik können Programme nur für zahlende Kunden angeboten werden. Das kann z.B. die Verschlüsselung des Programms sein, bei der Kunden nur gegen Zahlung einen Decoder bekommen. Eine Zeitung kann man nur lesen, wenn man sie vorher gekauft hat. Insofern sind die Medien sicherlich kein öffentliches Gut.

Ich glaube, Du meinst hier eher den Begriff des "meritorischen Gutes", also eines Gutes, das zwar privat angeboten werden kann, privat aber in "zu geringem" Maße bereit gestellt würde und die staatliche Bereitstellung zu einem "gesellschaftlich besseren Ergebnis" führen würde. Standardbeispiel dafür ist die Bereitstellung von Schulmilch, von der man annimmt, sie sei gut für die Entwicklung der Kinder. Diese könnte zwar auch privat gekauft werden, würde aber in "zu geringem Maße" getrunken.

Dies macht keinen Sinn zu diskutieren, weil hier zwei ökonomische, gesellschaftliche, fast schon philosophische Grundpositionen aufeinander treffen. Die Annahme der Existenz meritorischer Güter erfordert es zu behaupten, die Entscheider (Regierung, staatliche Verwaltung, Kommissionen, wer auch immer die jeweilige Entscheidung trifft) wüßten besser bescheid, was gut für den Einzelnen ist, als der Einzelne selbst. Als liberaler Mensch, muß ich sagen, habe ich - gelinde gesagt - große Bauchschmerzen mit dieser Annahme. Aber wie gesagt: Hier treffen Weltanschauungen aufeinander, die sich mit dem Austausch von Argumenten nicht klären lassen.

Bei allem, was Du geschrieben hast, ist ein Punkt aber nicht erwähnt worden. Auch wenn man Deinen Argumenten folgt und der Meinung ist, staatliche Kontrolle des Mediensektors sei notwendig, so heißt das noch lange nicht, daß es öffentlich-rechtliche Sender geben muß, d.h. daß der Staat selbst als Senderbetreiber tätig werden muß. Genauso gut könnte das gesamte Programm von privaten Sendern bereitgestellt werden, die dann - folgt man dem Argument der meritorischen Güter - verpflichtet werden, einen bestimmten Anteil des Programms mit Kultur- oder Informationsprogramm zu füllen. Ebenso müssen keine pauschalen Gebühren erhoben werden, sondern man kann sich über Werbung finanzieren oder durch alternative Zahlformate wie Monatsabos (wer den Sender nicht will, braucht auch nicht zu zahlen) oder Pay-per-view. Die Privatisierung der Sender und die Abschaffung der Zwangsgebühr hätte zwei Vorteile. Die öffentlich-rechtlichen Sender wären keine wettbewerbsfreie Zone mehr, wo garantierte Gelder für die Zwecke ausgegeben werden, wofür man selbst gerade Interesse hat. Zweitens wird eine private Firma unter Kostengesichtspunkten immer weniger ineffizient geführt als eine öffentliche Firma. Die Kosten für die Bereitstellung des Programms würden also fallen. Insofern ist Deine Argumentation ein Plädoyer für Regulierung, aber nicht unbedingt für das öffentlich-rechtliche Fernsehen per se.
 
Re: noch einmal

Re: noch einmal

ben schrieb:
ich bin keiner anhänger bofingers, ich habe ihn nur zitiert. und in deutschland hat ihm aufgrund seiner aussage über die gewinnsituation noch keiner widersprochen.

Ich nehme an, mit den Rekordgewinnen in Deutschland meinst Du seine Aussage zur Gewinnquote in Deutschland. Dies ist eine von Gewerkschaften und ihnen nahestehenden Wissenschaftlern gern genutzte Statistik. Dem widersprechen viele, es ist nicht wahr, daß es dazu keinen Widerspruch gibt. Das Problem ist folgendes: Das gesamte Volkseinkommen wird aufgeteilt in den Anteil, der auf Löhne und Gehälter zurückzuführen ist (die Lohnquote), und den Rest. In dem Rest sind nicht nur (einbehaltene) Unternehmensgewinne enthalten, sondern auch Dividenden, Mieteinnahmen und Pachten, Zinseinnahmen etc. etc., also auch die Kapitalgewinne, die Angestellte machen, es ist also eine Residualgröße. Das Volkseinkommen wird regelmäßig gemessen. Über Löhne und Gehälter gibt es detaillierte Statistiken, so daß die Lohnquote berechnet werden kann. Das was übrig bleibt ist die Gewinnquote, aber das heißt nicht, daß die Gewinne der Unternehmen diese Größe haben. Davon abgesehen ist ein Anstieg der Gewinnquote zum jetzigen Konjunkturzeitpunkt, nämlich in einem Aufschwung, eine häufig zu beobachtende Tatsache. Nun schau Dir an, was im abgelaufenen Jahr passiert ist. Einem moderaten Wirtschaftswachstum steht ein Rückgang der Beschäftigung und leicht sinkende Realeinkommen gegenüber. Folglich ist der Lohnanteil am Volkseinkommen gesunken. Per definitionem ist damit die Gewinnquote gestiegen. Das heißt aber nicht, daß es den Unternehmen besser geht. Dies ist eine mögliche Interpretation, aber das folgt daraus nicht. Jetzt schau Dir mal den DAX an. Wenn es den Unternehmen gut geht, sollte sich das in den Aktienkursen niederschlagen. Der DAX ist im Jahr 2004 in der Tat deutlich gestiegen. Schaut man sich aber die Einzelaktien an, dann sieht man daß ein großer Teil der Kursgewinne auf wenige Aktien zurückzuführen ist: Deutsche Telekom, E.ON und RWE, bezeichnenderweise die Unternehmen, denen die Bundesregierung mit ihrem Korporatismus saftige Margen durch Ausschaltung des Wettbewerbs auf Kosten der Verbraucher sichert. Aber eine gesunde gesamtwirtschaftliche Gewinnsituation sieht anders aus. Nimmt man noch einige Vorzeigeunternehmen wie Adidas heraus, kommst Du auf gar keine Kursgewinne mehr. Die Behauptung, Deutschlands Unternehmen gehe es so gut wie nie, ist gnadenloser Populismus und einfach falsch.

Und auch in anderen Punkten ist Bofinger fragwürdig. Ich darf ein führendes deutsches Wirtschaftsmagazin zitieren (Wirtschaftswoche Nr. 1/2, 2005, S.25). Zahlreiche weitere Quellen lassen sich finden, aber ehrlich gesagt habe ich keine Lust, meine Zeit mit Bofinger zu vergeuden. Daher hier nur ein Beispiel eines seriösen Magazins: "Ebenso wie Flassbeck [...] quält nun Bofinger seine Kollegen im Sachverständigenrat mit vulgär-keynesianischem Gedankengut. Zwar bringt der Würzburger Ökonom seine Argumente mit Verve vor - überzeugen können sie trotzdem nicht. So fordert Bofinger beispielsweise kräftige Lohnzuwächse zur Ankurbelung der Binnenkonjunktur. Die Tarifpartner sollten die Lohnzuwächse an der Summe aus Produktivitätsfortschritt und Inflationsrate orientieren, empfiehlt er. Dass [sic] ein Teil des statistisch gemessenen Produktivitätsanstiegs jedoch durch Entlassungen zu Stande kommt und als Verteilungsmaßstab für Lohnverhandlungen nicht taugt, verschweigt er geflissentlich. Auch seine Rezepte in der Finazpolitik sind fragwürdig. So warnt er die Bundesregierung davor, 'die Drei-Prozent-Marke des Stabilitäts- und Wachstumspakts um jeden Preis einzuhalten' und empfiehlt stattdessen eine antizyklische Fiskalpolitik, von der er sich 'positive Impulse für die konjunkturelle Entwicklung' erhofft. Peinlich nur, dass [sic] neuere wissenschaftliche Studien das Gegenteil belegen. So hat die in den USA forschende Ökonomin Silvia Ardagna in einer 2004 veröffentlichten Untersuchung nachgewiesen, dass [sic] eine überzeugende Haushaltskonsolidierung durch Kürzungen der Staatsausgaben das Wirtschaftswachstum ankurbelt. Zweifelhaft bleibt auch Bofingers Versuch, den Standort Deutschland gesundzubeten. Den Lesern seines Buches erklärt er, die Steuerbelastung in Deutschland sei 'niedriger als in den meisten anderen Ländern' und verweist auf die geringen Steuereinnahmen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt. Dass diese Kennziffer wenig aussagekräftig ist, weil sie vor allem zeigt, dass Unternehmen und Bürger alle erdenklichen Schlupflöcher ausnutzen und Gewinne ins Ausland verlagern, um den hohen Steuersätzen in Deutschland zu entgehen, scheint Bofinger nicht zu stören." usw. usw.

Bofinger ist nicht anders als seine Vorgänger Flassbeck und Kromphardt. Er hat allerdings erheblich größeres Geschick, seine Sache vorzutragen und die Medien zu instrumentalisieren. Das macht seine Argumentation aber nicht richtiger.

Gruß

Stepi
 
Dragoslav Stepanovic schrieb:
Ich glaube, Du meinst hier eher den Begriff des "meritorischen Gutes", ...

Ja, ja, die VWL war nie mein Lieblingsgebiet, hast natürlich recht, das kommt davon wenn man um 1:00 noch was über VWL schreiben möchte... [[grin]]

Vor allem die letzte Aussage von dir bringt uns auf einen Nenner: Regulierung muss sein, jedoch nicht unbedingt ein öffentlich-rechtliches Fernsehen mit Gebühren - das kann ich unterschreiben.
Aber die vollkommene Freigabe würde net funktionieren, dabei bleib ich. [[prost]]

Shining
 
Re: zitat

Re: zitat

ben schrieb:
drago, dein erster satz. that is it. aber er ist gleichzusetzen mit meiner ersten hier -zitierten zeile. das ist auch alles.

ben

[[bussi]]
Ist ja auch nichts gegen Dich, falls dieser Eindruck entstanden sein sollte. Nur nervt es halt, wie einige Professoren penetrant Werbung in eigener Sache machen. Da gehört schon eine gehörige Portion Chuzpe dazu, sein Buch praktisch zeitgleich mit dem SVR-Gutachten zu veröffentlichen, wobei im Buch teilweise den Aussagen widersprochen wird, die er selbst noch im Gutachten unterschrieben hat.
 
Hat dieser Hr. H. keine Arbeit oder was???

Schalke hätte ein "unsolides Finanz-Fundament"

"Assauer wolle auf Teufel komm ´raus Titel holen...."
Was gehen ihn die Machenschaften anderer Vereine an, er kann doch froh sein, wenn sie sich ruinieren, aber auch das ist ihm scheinbar nicht recht, oder wie???


Ich sage nur: Vor der eigenen Haustür kehrt sich´s immer noch am einfachsten!

Dieser Mann muß an Verfolgungswahn leiden, anders kann ich mir das nicht erklären. [[nixweiss]] [[nixweiss]]
 
Pele schrieb:
Hat dieser Hr. H. keine Arbeit oder was???

Schalke hätte ein "unsolides Finanz-Fundament"

"Assauer wolle auf Teufel komm ´raus Titel holen...."
Was gehen ihn die Machenschaften anderer Vereine an, er kann doch froh sein, wenn sie sich ruinieren, aber auch das ist ihm scheinbar nicht recht, oder wie???


Ich sage nur: Vor der eigenen Haustür kehrt sich´s immer noch am einfachsten!

Dieser Mann muß an Verfolgungswahn leiden, anders kann ich mir das nicht erklären. [[nixweiss]] [[nixweiss]]

Pele:

Der Hoeneß macht das doch ganz geschickt, und das seit Jahren. Werden die anderen ins Rampenlicht gerückt, wird von eigenen Problemen abgelenkt. Kommt Unruhe in andere Vereine, nutzt das sportlich den Bayern. Wie oft hat Hoeneß schon zwischen zwei wichtigen CL-Spielen etwas über den nächsten Bundesliga-Gegner gesagt, nur um das Spiel interessanter zu machen und mehr Zuschauer ins Stadion zu locken. Das mag einem nicht gefallen, aber Hoeneß macht das in vielen Fällen im Interesse seines Arbeitgebers und kümmert sich weniger um sein Ansehen in der Öffentlichkeit. Und manche würden das 'hochprofessionell' nennen.

EDIT: Die Bayern sind nicht froh, wenn sich die anderen ruinieren, sondern profitieren auch von einer attraktiven Liga. Bayern hat damals die Hertha gerettet. Ich werde nicht vergessen, wie die Bayern 1996/97 kostenlos zum Freundschaftsspiel in Frankfurt angetreten sind und auf die Einnahmen verzichtet haben, als der Eintracht das Wasser Oberkante Unterlippe stand. Insofern ist die Kritik nicht ganz gerecht.