In der Tat, interessant. Du hast natürlich recht, wenn Du schreibst, daß man sehen muß, ob das Ideal praktisch umsetzbar ist.
Shining schrieb:
* Asymmetrische Information: Liegt für mich hier jedenfalls vor, alleine dadurch dass ein bestehender Sender die Meinung der Öffentlichkeit beeinflussen könnte, zeigt dass die Informationen deutlich ungleich verteilt sind.
Ja, aber das sollte kein Problem sein, wenn man funktionierenden Wettbewerb zwischen den Medien hat. Versucht z.B. eine Zeitung, die Öffentlichkeit zu manipulieren, durch die Verbreitung von Unwahrheiten oder die Falschauslegung von Fakten, hätten andere Medien ein Interesse daran, dies aufzudecken, so die Konkurrenz bloßzustellen und sich selbst zu profilieren. Der Wettbewerbsmechanismus würde hier viele Probleme lindern. Außerdem hat man heutzutage viel mehr Möglichkeiten, an Informationen zu kommen, nämlich durch das Internet. Erfreulich, wieviele Seiten es mit Journalismuskritik und investigativem Journalismus inzwischen im Netz gibt. Auch kommen Gruppen zu Gehör, die sonst in den Medien untergehen würden. Die Kehrseite ist natürlich, daß jeder an die Öffentlichkeit kommt mit seinen Zielen (ich denke da nur an die Enthauptungsvideos im Irak... [[kotz]] ). Aber insgesamt ist es heutzutage leichter denn je, an Informationen zu kommen und sich selbst ein Bild zu machen jenseits der Medienberichte. Insofern sehe ich das Informationsasymmetrie-Problem hier nicht als bedeutsam an.
Im übrigen: Wenn Du mal quer liest zwischen Zeitungen, fällt Dir auf, daß sich Texte häufig bis aufs Wort gleichen. Freie Journalisten schreiben für verschiedene Zeitungen die gleichen Texte. Texte von Nachrichtenagenturen werden ungeprüft von Dutzenden von Zeitungen übernommen. Auch dies ist kein richtiger Wettbewerb sondern ein Informationsmonopol in den Händen weniger, die es in zahlreichen Fällen nachweislich für ihre persönliche Agenda mißbraucht haben.
Shining schrieb:
* Öffentliches Gut: Ist für mich das Hauptargument. Wir können uns sicher darauf einigen dass objektive Information, die Vermittlung von moralischen Werten, die Förderung von Kunst und Kultur und die Bildung im Allgemeinen Güter sind, die bereitgestellt werden sollten. Würde man aber diese Güter ausreichend zur Verfügung gestellt bekommen, wenn man die "realen" Kosten (oder nennen wir sie Vollkosten) zu tragen hätte? Das ist der Knackpunkt, ich denke nicht dass sich hier ein Markt bilden würde.
Die Allgemeinheit in Summe würde die Kosten wohl tragen, aber der einzelne bei Benutzung kaum. Die Grenzkosten liegen meist praktisch bei Null (die Übertragung eines Theaterstücks hat keine höheren Kosten wenn sie viele Zuseher im TV mitverfolgen etc.), das gewünschte Konsumverhalten (-> Paternalismus) wird nicht erreicht. -> Freerider-Problematik.
Ein Öffentiches Gut, wenn ich mich recht erinnere ( :mrgreen: ), zeichnet sich durch zwei Dinge aus:
1.Nichtrivalität im Konsum. Das ist hier gegeben. Ein weiterer Fernsehzuschauer nimmt den anderen nichts weg, keiner kann weniger sehen, wenn jemand anderes das gleiche Programm verfolgt.
2.Nichtausschließbarkeit des Konsums. Dies ist nicht gegeben. Mit der heutigen Technik können Programme nur für zahlende Kunden angeboten werden. Das kann z.B. die Verschlüsselung des Programms sein, bei der Kunden nur gegen Zahlung einen Decoder bekommen. Eine Zeitung kann man nur lesen, wenn man sie vorher gekauft hat. Insofern sind die Medien sicherlich kein öffentliches Gut.
Ich glaube, Du meinst hier eher den Begriff des "meritorischen Gutes", also eines Gutes, das zwar privat angeboten werden kann, privat aber in "zu geringem" Maße bereit gestellt würde und die staatliche Bereitstellung zu einem "gesellschaftlich besseren Ergebnis" führen würde. Standardbeispiel dafür ist die Bereitstellung von Schulmilch, von der man annimmt, sie sei gut für die Entwicklung der Kinder. Diese könnte zwar auch privat gekauft werden, würde aber in "zu geringem Maße" getrunken.
Dies macht keinen Sinn zu diskutieren, weil hier zwei ökonomische, gesellschaftliche, fast schon philosophische Grundpositionen aufeinander treffen. Die Annahme der Existenz meritorischer Güter erfordert es zu behaupten, die Entscheider (Regierung, staatliche Verwaltung, Kommissionen, wer auch immer die jeweilige Entscheidung trifft) wüßten besser bescheid, was gut für den Einzelnen ist, als der Einzelne selbst. Als liberaler Mensch, muß ich sagen, habe ich - gelinde gesagt - große Bauchschmerzen mit dieser Annahme. Aber wie gesagt: Hier treffen Weltanschauungen aufeinander, die sich mit dem Austausch von Argumenten nicht klären lassen.
Bei allem, was Du geschrieben hast, ist ein Punkt aber nicht erwähnt worden. Auch wenn man Deinen Argumenten folgt und der Meinung ist, staatliche Kontrolle des Mediensektors sei notwendig, so heißt das noch lange nicht, daß es öffentlich-rechtliche Sender geben muß, d.h. daß der Staat selbst als Senderbetreiber tätig werden muß. Genauso gut könnte das gesamte Programm von privaten Sendern bereitgestellt werden, die dann - folgt man dem Argument der meritorischen Güter - verpflichtet werden, einen bestimmten Anteil des Programms mit Kultur- oder Informationsprogramm zu füllen. Ebenso müssen keine pauschalen Gebühren erhoben werden, sondern man kann sich über Werbung finanzieren oder durch alternative Zahlformate wie Monatsabos (wer den Sender nicht will, braucht auch nicht zu zahlen) oder Pay-per-view. Die Privatisierung der Sender und die Abschaffung der Zwangsgebühr hätte zwei Vorteile. Die öffentlich-rechtlichen Sender wären keine wettbewerbsfreie Zone mehr, wo garantierte Gelder für die Zwecke ausgegeben werden, wofür man selbst gerade Interesse hat. Zweitens wird eine private Firma unter Kostengesichtspunkten immer weniger ineffizient geführt als eine öffentliche Firma. Die Kosten für die Bereitstellung des Programms würden also fallen. Insofern ist Deine Argumentation ein Plädoyer für Regulierung, aber nicht unbedingt für das öffentlich-rechtliche Fernsehen per se.