GRUPPE D, Deutschland – Serbien, FR 18. 06. 13:30
Zu Deutschland:
Ich glaube, die althergebrachten Floskeln, wie Deutschland sei eine Turniermannschaft, die „über den Kampf ins Spiel findet“, sind passé. Eine neue Spielergeneration, die Beste seit der WM 1990, hat die Fussballbühne betreten und hat schon jetzt viel zu bieten. Ich erinnere mich noch an Zeiten eines Berti Vogts oder Erich Ribbeck (als Nationaltrainer), damals war noch die Rede vom Rumpelfussball, eine treffende Beschreibung, dessen was sich am grünen Rasen damals abspielte. Man fragte sich tatsächlich, wie kann ein Land mit solch grosser Fussballtradition so schlechte Kicker hervorbringen. Man besann sich auf die typisch deutschen Tugenden und konnte so auch in diesen Zeiten Erfolge feiern , wie der EM-Titel 1996 oder Vizeweltmeister 2002 dies bezeugen. Richtig guten Fussball spielten aber Andere. Die Bilanz der Deutschen gegen die Top-Nationen (Brasilien, Argentinien, Holland, Frankreich, Italien, England und Spanien) sieht im letzten Jahrzehnt ernüchternd aus: 22 Spiele, 2 S, 7 U, 13 N, die beiden Siege waren gegen England. Man war zwar immer in der erweiterten Weltspitze präsent, weil man gegen gute und weniger gute Teams immer wieder gewann, aber eben nicht gegen die Besten.
Ich nehme es vorweg, für die Besten wird es auch diesmal noch nicht reichen. Bosnien-Herzegowina (in der Vorbereitung) und Australien sind keine Gradmesser, es kommen noch andere Kaliber. Aber, eines kann man jetzt schon sagen, nach 20 Jahren S P I E L T Deutschland wieder Fussball, und wie. Schön, effizient, modern – der Ball rollt von Fuss zu Fuss, die Timings passen, 1-zu-1 Situationen werden gesucht und erfolgreich gemeistert, das Spiel hat Struktur, es werden kaum noch Bälle „verschenkt“. Ich sehe zwei entscheidende Faktoren für diesen Aufschwung verantwortlich: 1. Jogi Löw, der die Mannschaft in und auswendig kennt, somit jedes Rädchen perfekt in sein Spielsystem einfügen kann. Bei ihm spielen nicht die besten Spieler, sondern die, die am besten ins System passen. 2. eine neue Generation, die auch für ein neues Deutschland steht, ein Schmelztiegel der Völker und Kulturen: Khedira, Tasci, Boateng, Marin, Oezil, Cacau, oder die Polska-Connection Klose und Podolski. Zum Vergleich, die Schweiz wurde U-17 Weltmeister mit 13 Spielern, die einen Migranten-Hintergrund aufweisen.
Zu den Spielern: jeder Einzelne (auch die Einwechselspieler) rechtfertigten Löws Vertrauen, vor allem die viel gescholtenen Klose und Podolski. Wenn Mesut Oezil seine Abschlussschwäche beheben kann wird er einer der besten Mittelfeldspieler der Welt. Warum van Gaal auf Thomas Müller setzte, weiss seit Sonntag auch der Rest der Fussballwelt. Lahm war, zusammen mit Oezil und Müller, die treibende Kraft, von der Klose, Podolski und später Cacau profitierten. Schweini und Khedira überzeugten im zentralen Mittelfeld mit sehr gutem Stellungsspiel, die Balldistribution ist sicher noch, bei stärkeren Gegnern, zu verbessern. Mertesacker, Friedrich und Badstuber waren nicht gefordert, hinterliessen aber nicht immer den sichersten Eindruck, vor allem Mertesacker.
Ein stärkerer Gegner hätte dies ausgenutzt. Ob Badstuber die Idealbesetzung auf links ist, wird sich noch zeigen. Die Chancenverwertung war mangelhaft, vor allem Klose und Oezil müssen mehr daraus machen, wenn man schon von den Herren Moore und Neill zum Tore schiessen eingeladen wird. Man hat in der 2. Halbzeit mit Marin und Cacau zwei sehr gute, mit Gomez eine weniger gute Alternative gesehen.
Ich glaube, Deutschland kommt ins Halbfinale, für den ganz grossen Coup reicht es noch nicht.
Zu Serbien:
Ich weiss nicht ob es ein Fluch ist, die Gene oder was Drittes. Fakt ist, Serbiens Kicker sind nicht geschaffen für grosse Turniere. Rückblende: WM 1998, 2. Gruppenspiel, Jugoslawien (Serben und Montenegriner) spielt gegen Deutschland, die Balkan-Kicker führen 2:0, beherrschen Ball und Gegner, wollen den Kontrahent vorführen und erniedrigen, schiessen das 3:0 aber nicht. Ein abgefälschter Schuss von Tarnat, 2:1, und schon herrscht Panik bei den Jugos, sie betteln um ein 2.Tor und bekommen es auch (Bierhoff). Damals hatten sie ein Weltklasse-Mittelfeld (Jugovic, Stankovic, Savicevic, Stojkovic) und einen gewissen Mijatovic im Sturm. Heute haben sie Weltklassespieler in der Abwehr, einen neuen Staatsnamen, sonst hat sich nichts geändert, wenn es drauf ankommt, bringen sie nichts zustande. Das ist der grosse Unterschied zu den Deutschen. Die sind „born to win“, die Serben „born to lose“ (was Fussball betrifft, wohlgemerkt). Wie am Sonntag, nach dem Motto, wenn der Gegner nicht imstande ist uns zu besiegen, besorgen wir es uns selber, ein dummes Foul, ein noch dümmeres Handspiel, und der serbische Fussball-Masochismus hatte noch ein Kapitel mehr. Natürlich hatte der serbische(hic!) Trainer die Ghanaer taktisch hervorragend eingestellt, aber was die Serben boten war Fussball-Antiquariat pur. Und das ganze ohne Biss und Leidenschaft. Erst, als sie zu 10. waren, merkte man ihnen das Bemühen an. Ja, sie hätten dann in Führung gehen können, müssen. Verdient wäre es nicht gewesen. So kam, was kommen musste.
Antic blieb seiner Taktik und seinen Spielern aus der Quali treu, aus einer starken Defensive heraus schnelle Konter über die starken Aussenspieler Krasic und Jovanovic, auch Ivanovic und Kolarov, die dann die Spitzen anspielen, oder zurücklegen auf die schussgewaltigen Stankovic und Milijas. Auch legt er grossen Wert auf die Standardsituationen, so hat Serbien einige Tore erzielen können. Die Taktik ging nicht auf, die Flügel wurden teilweise gedoppelt, in der Mitte ging nichts, weil der Ball nur seitlich oder zurück gespielt wurde, so spielte Serbien schön altmodisch hohe Bälle nach vorne, die die Stürmer nicht zu verwerten wussten. Serbien hatte keinen Plan B, auch nicht den Mumm einen solchen zu erzwingen, denn der Gegner war offensiv harmlos. Das wird am Freitag nicht der Fall sein. Nach dem Spiel hörte man wieder die für Serben typische Realitätsferne: wir waren besser, hatten aber kein Glück.
Ich möchte hier klarstellen. Auch nach diesem Spiel gehört Serbien zur 2. Liga des Weltfussballs (1. Liga siehe oben), sie sind mehr als verdient bei dieser WM, besser spielten die Griechen, Slowenen und Slowaken auch nicht. Haben sie überhaupt eine Chance gegen Deutschland ? Ja, aber mit anderer Aufstellung und anderen Spielern. Statt 4-4-2 wäre ein 4-2-3-1 angebracht, mit Kacar statt Milijas im defensiven Mittelfeld, Tosic mit Jovanovic und Krasic hinter Lazovic als einziger Spitze, sonst haben die Deutschen ein spielentscheidendes Uebergewicht im Mittelfeld. Und, vor allem, sie müssen beherzt auftreten.
Zur Quotierung:
Da ich bezweifle, dass die Serben den Mental-Schalter umdrehen können, gehe ich auf Deutschland. Aus diesem Grund sind die 1,72, diePinnacle oder Unibet anbieten, Value. Auch Value finde ich over 2,5 um 2,20 -2,25, da die Serben spätestens in der 2. Halbzeit was riskieren werden. Daher spiele ich
Deutschland 1 @1.72 Pinnacle 6/10
Over 2,5 @2.26 10bet 4/10