Centrebet hat Quoten auf den Friedennobelpreis:
Wichtig! Bitte keine politischen Diskussionen anfangen. Alles, was ich hier sage, spiegelt nicht notwendigerweise meine Meinung wider darüber, ob diese Personen den Preis verdient hätten, zurecht nominiert sind oder die Gründe für ihre Nominierung zutreffen! Die Argumente über Menschenrechtsverletzungen o.ä., die ich bringe, spiegeln ebenfalls nicht notwendigerweise meine Ansicht oder die Realität wider, sondern versuchen die Denkweise der Jury zu antizipieren.
Die Quoten kamen am Freitag raus, sind leider jetzt inzwischen schon einmal revidiert worden.
Die Entscheidung wird von einer 5köpfigen Jury in Norwegen getroffen. Geehrt werden Personen und/oder Institutionen, die sich mit großem persönlichen Engagement für den Frieden, Menschenrechte, Abrüstung etc. eingesetzt haben. Dabei werden entweder außergewöhnliche Ereignisse und ihre Protagonisten geehrt (z.B. der palästinensisch-israelische Friedensvertrag, die Nordirland-Vereinbarung oder zuletzt 2000 die Annäherungsinitiative von Südkoreas Präsident Kim Dae-jung), Personen, die sich unter Einsatz ihres Lebens bzw. ihrer Freiheit für Menschenrechte, Demokratie etc. eingesetzt haben (Aung San Suu Kyi 1991, Rigoberta Menchú 1992 oder letztes Jahr die Iranerin Shirin Ebadi), Organisationen, deren Tätigkeit per se geholfen hat, Frieden, Versöhnung und Menschlichkeit voranzubringen (z.B. Ärzte ohne Grenzen 1999 oder die UNO 2001) und schließlich Nobelpreise, mit denen zugleich gezielte politische Botschaften gesendet werden sollen (so gelten die Nobelpreise für die UNO/Kofi Annan 2001 und Jimmy Carter 2002 allgemein als Kritik an der unilateralen Politik von US-Präsident Bush).
Wie sehen also die Motive für dieses Jahr und die Kandidaten aus? Zunächst einmal läßt sich sagen, daß es kein großes Friedensereignis, einen Friedensvertrag oder ähnliches gegeben hat, so daß offensichtliche Kandidaten fehlen. Gut, Indien und Pakistan reden wieder miteinander, aber mehr auch nicht. Der Nahostfriedensprozeß ist momentan ebenso tot wie die Atom-Gespräche mit Nordkorea oder die Atomdiskussion um den Iran. In Afrika ist keiner der vielen Konflikte gelöst worden, während der Friedensprozeß in Sri Lanka ins Wanken gerät. Das erste Motiv für die Nobelpreisvergabe fällt also weg. Bleiben die anderen. Wie passen die Kandidaten dazu?
Favorit ist Václav Havel @ 7 (zunächst 5). Sicher, Havel ist eine herausragende Figur des 20. Jahrhunderts, der maßgeblich zum Ende des Kalten Krieges beigetragen hat und schon mit zahlreichen Friedenspreisen (einschließlich dem indischen Gandhi-Preis) ausgezeichnet wurde. Auch spricht sein schlechter Gesundheitszustand für eine Vergabe, da der Nobelpreis seit 30 Jahren nicht mehr posthum vergeben werden kann.
Nur finde ich irgendwie die Zeit nicht passend. In der Welt gibt es momentan zahllose Konflikte und Problemherde: Der Kaukasus, Afghanistan, der Irak, der Nahost-Konflikt und ganz allgemein der islamische Fundamentalismus als große Herausforderung, Nordkorea, die AIDS-Epidemie usw. Dazu kommen die zahlreichen Dissidenten in verschiedensten Ländern. Einen Friedensnobelpreis für die „Samtene Revolution“ von 1989 zu vergeben, sieht so aus, als blicke man in eine heilere Welt zurück und verschließe die Augen vor der Gegenwart. Ferner war Havel auch im letzten Jahr Topfavorit, damals gewann die krasse und fast unbekannt Außenseiterin Shirin Ebadi aus dem Iran. Dazu ist die Quote unattraktiv.
Auch der Papst hat seine Verdienste um das Ende des Kalten Krieges und auch sein Gesundheitszustand ist angegriffen. Auch im letzten Jahr hatten ihn viele oben auf der Liste für seine kategorische Ablehnung des Irak-Krieges. Heuer ist die Quote 15 (zuerst 13). Allerdings wurde er letztes Jahr schon nicht gewählt, der Irak-Krieg ist in weiterer Ferne. Zudem gelten die Preise 2001 und 2002 als Kritik an Bush, da braucht es jetzt nicht noch neuer Kritik (obwohl dies angesichts des laufenden US-Wahlkampfes auch nicht ausgeschlossen ist). Zudem gilt die Jury als relativ links und der Papst als extrem konservativ was beispielsweise seine familienpolitischen Ansichten angeht. Angesichts des AIDS-Problems ein klarer Malus. Ein weiterer Punkt ist, daß Päpste normalerweise keine weltlichen Ehrungen annehmen. Papst Pius XII machte klar, daß er keinen Friedensnobelpreis annehmen würde, falls er ihn bekommen würde. Beim jetzigen Papst war das zwar etwas anders, er hat die Ehrenbürgerschaft der Stadt Rom und Ehrendoktorwürden der römischen Sapienza-Universität und mehrerer polnischer Universitäten angenommen. Dennoch wäre der Friedensnobelpreis eine andere Kategorie.
Betrachtet man den Irak-Krieg als mögliches Motiv für die Preisvergabe, so kämen auch Ex-Waffenkontrolleur Hans Blix (@ 6! ,zuvor @ 9) und Mohamed El-Baradei und seine Atomenergiebehörde IAEA (@ 5!!, zuvor 6) in Frage, die sich für eine Vermeidung des Krieges eingesetzt haben. Allerdings: Was hat Blix erreicht? Gar nichts. Von den amerikanischen Medien scharf angegangen, von der irakischen Presse als Homosexueller verunglimpft, konnte er den Krieg nicht verhindern. Bei der IAEA kann man argumentieren, daß sie sich auch um eine friedliche Beilegung der Atomkrise im Iran bemüht, aber auch dort stecken die Verhandlungen erst in den Kinderschuhen. IMO ist es nicht so wahrscheinlich, wie es die Quoten sagen, daß der Irak-Krieg noch eine Rolle spielen wird, denn die öffentliche Meinung ist sich inzwischen relativ einig und das Ereignis als solches (wohl aber seine Konsequenzen) beschäftigt nicht mehr die Öffentlichkeit.
Schaun wir weiter: Die Lugar-Nunn-Initiative CTR zur weltweiten Abrüstung (@ 7) und der israelische „Atomspion“ Mordechai Vanunu (@ 11) würden in der Tradition von Preisträgern stehen, die sich für nukleare Abrüstung eingesetzt haben (zuletzt Joseph Rotblat 1995). Allerdings geht die CTR wieder an den heutigen Problemen vorbei, zu der Quote nicht attraktiv. Die Wahl des äußerst umstrittenen Vanunus wäre eine klare politische Botschaft gegen das israelische Atomprogramm, die einiges an Wirbel auslösen würde, aber nicht undenkbar ist (allerdings IMO auch nicht wahrscheinlich). Für die Quote aber ebenfalls nicht zu spielen.
Es stehen weitere Dissidenten auf der Liste, Leute, die nicht unbedingt in der ersten Reihe der Öffentlichkeit stehen, deren Wirken aber dadurch in den Mittelpunkt gerückt werden würde. Wie im letzten Jahr ist der kubanische Dissident Oswaldo Paya (@ 13, zuerst 12) zu nennen, der damals allerdings schon leer ausging. Der Iraner Aghajari (@51) scheidet wohl aus, nachdem eine Iranerin letztes Jahr gewonnen hat. Andere Namen sind Paulos Tesfagiorgis für seine Verdienste um die Demokratisierung Eritreas oder Mohamed Daddach als politischer Gefangener in der von Marokko besetzten Westsahara (beide @ 26, zuerst 21).
Wie sieht es mit internationalen Organisationen aus? Vorstellen könnte ich mir einen Überraschungspreis an die Treatment Action Campaign von Ahmat Zackie (@ 34). Die südafrikanische, 1998 gegründete Organisation ist äußerst aktiv in der AIDS-Aufklärung und bei Initiativen, die auch ärmeren Bevölkerungsschichten den Zugang zu AIDS-Medikamenten ermöglichen sollen. AIDS, als eines der großen Probleme der Zeit neben all den politischen Auseinandersetzungen wäre reif für ein Nobelpreis-Thema. Gleichzeitig würde man damit eine politische Botschaft senden, bei dem Kampf gegen den Terror die AIDS-Katastrophe, insbesondere in Afrika, nicht zu vergessen.
Centrebet hat die Heilsarmee @ 21 (zuerst 17), naja. Andere Favoriten, die nicht genannt werden (Quote Sonstige @ 3) sind der Rote Halbmond, die Schwesterorganisation des Roten Kreuzes, was durchaus möglich ist, und das „Kriegsverbrechertribunal für Jugoslawien“, das sich aber zunehmend auch von westlichen Rechtsexperten dem Vorwurf ausgesetzt sieht, politische Prozesse zu führen und elementare Rechtsregeln zu mißachten. Davon abgesehen ist die Sammelquote @ 3 nicht gerade berauschend, aber angesichts der Tatsache, daß sich nicht gerade ein Kandidat aufdrängt, auch nicht so schlecht als Absicherung.
Was bleibt sind Rußland und China, beides Länder, in denen nach Ansicht diverser Aktivisten Menschenrechte verletzt werden, die aber aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung nicht im Zentrum der Kritik der Staatengemeinschaft stehen. Die Nobelpreis-Jury muß kein Blatt vor den Mund nehmen und könnte hier durch die Preisvergabe Kritik äußern und damit ein Zeichen setzen. In China stehen einige Kandidaten zur Auswahl wie die Mütter von Tiananmen (@ 51), Falun Gong-Gründer Li Hongzhi (@ 67), oder Regierungskritiker Wei Jingsheng (@ 34) bzw. Jiang Yanyong (@ 17, zuerst 15). Nur hat die Menschenrechtslage in China sich kontinuierlich verbessert und die Jury würdigt normalerweise solche Entwicklungen. Umgekehrt reagiert sie auch schnell auf Verschlechterungen; so wurde 1989 nach den Ereignissen auf dem Tiananmen-Platz prompt wenige Monate später der Dalai Lama mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Dies ist heuer sehr unwahrscheinlich.
In Rußland hingegen läuft die Entwicklung eher umgekehrt. Westliche Beobachter zeigten sich besorgt über die Entwicklung von Demokratie und Pressefreiheit. Nach den jüngsten Terroranschlägen hat Putin die Macht weiter zentralisiert. Dazu kommt der Krieg in Tschetschenien, der nach Ansicht von Kritikern mit überzogener Härte und Brutalität geführt werde. Dies ist ein äußerst aktuelles Thema, eine Verschlechterung der Situation, die gleichzeitig Auswirkungen auf den Terrorkampf allgemein hat. Insofern böte es sich für die Jury an, falls sie den Argumenten von Putins Kritikern zustimmt, hier eine Botschaft auszusenden.
Was daraufhin sofort ins Auge fällt ist Sergej Kovalyev. Quote war zuerst 34, die ich mir gesichert habe, jetzt steht sie leider nur noch bei 17. Kovalyev als Nobelpreisträger würde perfekt als Botschaft passen. Er ist nicht nur Kämpfer für die Demokratie, er ist auch ein scharfer Kritiker des Tschetschenien-Krieges. Dazu kommt, daß Kovalyev niemand ist, der sich erst seit kurzer Zeit für seine Werte einsetzt. Schon zu Zeiten der UdSSR war er Dissident, gab eine Zeitung heraus und wurde 1974 zu insgesamt zehn Jahren Haft und Verbannung verurteilt. Langfristiger Einsatz + politische Botschaft, attraktive Mischung.
Aufgrund der Überlegungen habe ich ganz small folgendes gespielt:
Kovalyev @ 34
Treatment Action Campaign @ 34
Nach den Quotenänderungen:
Absicherung Mohamed Daddach @ 26
Viel Glück, und hoffentlich gibt es einen würdigen Nobelpreisgewinner.
Wichtig! Bitte keine politischen Diskussionen anfangen. Alles, was ich hier sage, spiegelt nicht notwendigerweise meine Meinung wider darüber, ob diese Personen den Preis verdient hätten, zurecht nominiert sind oder die Gründe für ihre Nominierung zutreffen! Die Argumente über Menschenrechtsverletzungen o.ä., die ich bringe, spiegeln ebenfalls nicht notwendigerweise meine Ansicht oder die Realität wider, sondern versuchen die Denkweise der Jury zu antizipieren.
Die Quoten kamen am Freitag raus, sind leider jetzt inzwischen schon einmal revidiert worden.
Die Entscheidung wird von einer 5köpfigen Jury in Norwegen getroffen. Geehrt werden Personen und/oder Institutionen, die sich mit großem persönlichen Engagement für den Frieden, Menschenrechte, Abrüstung etc. eingesetzt haben. Dabei werden entweder außergewöhnliche Ereignisse und ihre Protagonisten geehrt (z.B. der palästinensisch-israelische Friedensvertrag, die Nordirland-Vereinbarung oder zuletzt 2000 die Annäherungsinitiative von Südkoreas Präsident Kim Dae-jung), Personen, die sich unter Einsatz ihres Lebens bzw. ihrer Freiheit für Menschenrechte, Demokratie etc. eingesetzt haben (Aung San Suu Kyi 1991, Rigoberta Menchú 1992 oder letztes Jahr die Iranerin Shirin Ebadi), Organisationen, deren Tätigkeit per se geholfen hat, Frieden, Versöhnung und Menschlichkeit voranzubringen (z.B. Ärzte ohne Grenzen 1999 oder die UNO 2001) und schließlich Nobelpreise, mit denen zugleich gezielte politische Botschaften gesendet werden sollen (so gelten die Nobelpreise für die UNO/Kofi Annan 2001 und Jimmy Carter 2002 allgemein als Kritik an der unilateralen Politik von US-Präsident Bush).
Wie sehen also die Motive für dieses Jahr und die Kandidaten aus? Zunächst einmal läßt sich sagen, daß es kein großes Friedensereignis, einen Friedensvertrag oder ähnliches gegeben hat, so daß offensichtliche Kandidaten fehlen. Gut, Indien und Pakistan reden wieder miteinander, aber mehr auch nicht. Der Nahostfriedensprozeß ist momentan ebenso tot wie die Atom-Gespräche mit Nordkorea oder die Atomdiskussion um den Iran. In Afrika ist keiner der vielen Konflikte gelöst worden, während der Friedensprozeß in Sri Lanka ins Wanken gerät. Das erste Motiv für die Nobelpreisvergabe fällt also weg. Bleiben die anderen. Wie passen die Kandidaten dazu?
Favorit ist Václav Havel @ 7 (zunächst 5). Sicher, Havel ist eine herausragende Figur des 20. Jahrhunderts, der maßgeblich zum Ende des Kalten Krieges beigetragen hat und schon mit zahlreichen Friedenspreisen (einschließlich dem indischen Gandhi-Preis) ausgezeichnet wurde. Auch spricht sein schlechter Gesundheitszustand für eine Vergabe, da der Nobelpreis seit 30 Jahren nicht mehr posthum vergeben werden kann.
Nur finde ich irgendwie die Zeit nicht passend. In der Welt gibt es momentan zahllose Konflikte und Problemherde: Der Kaukasus, Afghanistan, der Irak, der Nahost-Konflikt und ganz allgemein der islamische Fundamentalismus als große Herausforderung, Nordkorea, die AIDS-Epidemie usw. Dazu kommen die zahlreichen Dissidenten in verschiedensten Ländern. Einen Friedensnobelpreis für die „Samtene Revolution“ von 1989 zu vergeben, sieht so aus, als blicke man in eine heilere Welt zurück und verschließe die Augen vor der Gegenwart. Ferner war Havel auch im letzten Jahr Topfavorit, damals gewann die krasse und fast unbekannt Außenseiterin Shirin Ebadi aus dem Iran. Dazu ist die Quote unattraktiv.
Auch der Papst hat seine Verdienste um das Ende des Kalten Krieges und auch sein Gesundheitszustand ist angegriffen. Auch im letzten Jahr hatten ihn viele oben auf der Liste für seine kategorische Ablehnung des Irak-Krieges. Heuer ist die Quote 15 (zuerst 13). Allerdings wurde er letztes Jahr schon nicht gewählt, der Irak-Krieg ist in weiterer Ferne. Zudem gelten die Preise 2001 und 2002 als Kritik an Bush, da braucht es jetzt nicht noch neuer Kritik (obwohl dies angesichts des laufenden US-Wahlkampfes auch nicht ausgeschlossen ist). Zudem gilt die Jury als relativ links und der Papst als extrem konservativ was beispielsweise seine familienpolitischen Ansichten angeht. Angesichts des AIDS-Problems ein klarer Malus. Ein weiterer Punkt ist, daß Päpste normalerweise keine weltlichen Ehrungen annehmen. Papst Pius XII machte klar, daß er keinen Friedensnobelpreis annehmen würde, falls er ihn bekommen würde. Beim jetzigen Papst war das zwar etwas anders, er hat die Ehrenbürgerschaft der Stadt Rom und Ehrendoktorwürden der römischen Sapienza-Universität und mehrerer polnischer Universitäten angenommen. Dennoch wäre der Friedensnobelpreis eine andere Kategorie.
Betrachtet man den Irak-Krieg als mögliches Motiv für die Preisvergabe, so kämen auch Ex-Waffenkontrolleur Hans Blix (@ 6! ,zuvor @ 9) und Mohamed El-Baradei und seine Atomenergiebehörde IAEA (@ 5!!, zuvor 6) in Frage, die sich für eine Vermeidung des Krieges eingesetzt haben. Allerdings: Was hat Blix erreicht? Gar nichts. Von den amerikanischen Medien scharf angegangen, von der irakischen Presse als Homosexueller verunglimpft, konnte er den Krieg nicht verhindern. Bei der IAEA kann man argumentieren, daß sie sich auch um eine friedliche Beilegung der Atomkrise im Iran bemüht, aber auch dort stecken die Verhandlungen erst in den Kinderschuhen. IMO ist es nicht so wahrscheinlich, wie es die Quoten sagen, daß der Irak-Krieg noch eine Rolle spielen wird, denn die öffentliche Meinung ist sich inzwischen relativ einig und das Ereignis als solches (wohl aber seine Konsequenzen) beschäftigt nicht mehr die Öffentlichkeit.
Schaun wir weiter: Die Lugar-Nunn-Initiative CTR zur weltweiten Abrüstung (@ 7) und der israelische „Atomspion“ Mordechai Vanunu (@ 11) würden in der Tradition von Preisträgern stehen, die sich für nukleare Abrüstung eingesetzt haben (zuletzt Joseph Rotblat 1995). Allerdings geht die CTR wieder an den heutigen Problemen vorbei, zu der Quote nicht attraktiv. Die Wahl des äußerst umstrittenen Vanunus wäre eine klare politische Botschaft gegen das israelische Atomprogramm, die einiges an Wirbel auslösen würde, aber nicht undenkbar ist (allerdings IMO auch nicht wahrscheinlich). Für die Quote aber ebenfalls nicht zu spielen.
Es stehen weitere Dissidenten auf der Liste, Leute, die nicht unbedingt in der ersten Reihe der Öffentlichkeit stehen, deren Wirken aber dadurch in den Mittelpunkt gerückt werden würde. Wie im letzten Jahr ist der kubanische Dissident Oswaldo Paya (@ 13, zuerst 12) zu nennen, der damals allerdings schon leer ausging. Der Iraner Aghajari (@51) scheidet wohl aus, nachdem eine Iranerin letztes Jahr gewonnen hat. Andere Namen sind Paulos Tesfagiorgis für seine Verdienste um die Demokratisierung Eritreas oder Mohamed Daddach als politischer Gefangener in der von Marokko besetzten Westsahara (beide @ 26, zuerst 21).
Wie sieht es mit internationalen Organisationen aus? Vorstellen könnte ich mir einen Überraschungspreis an die Treatment Action Campaign von Ahmat Zackie (@ 34). Die südafrikanische, 1998 gegründete Organisation ist äußerst aktiv in der AIDS-Aufklärung und bei Initiativen, die auch ärmeren Bevölkerungsschichten den Zugang zu AIDS-Medikamenten ermöglichen sollen. AIDS, als eines der großen Probleme der Zeit neben all den politischen Auseinandersetzungen wäre reif für ein Nobelpreis-Thema. Gleichzeitig würde man damit eine politische Botschaft senden, bei dem Kampf gegen den Terror die AIDS-Katastrophe, insbesondere in Afrika, nicht zu vergessen.
Centrebet hat die Heilsarmee @ 21 (zuerst 17), naja. Andere Favoriten, die nicht genannt werden (Quote Sonstige @ 3) sind der Rote Halbmond, die Schwesterorganisation des Roten Kreuzes, was durchaus möglich ist, und das „Kriegsverbrechertribunal für Jugoslawien“, das sich aber zunehmend auch von westlichen Rechtsexperten dem Vorwurf ausgesetzt sieht, politische Prozesse zu führen und elementare Rechtsregeln zu mißachten. Davon abgesehen ist die Sammelquote @ 3 nicht gerade berauschend, aber angesichts der Tatsache, daß sich nicht gerade ein Kandidat aufdrängt, auch nicht so schlecht als Absicherung.
Was bleibt sind Rußland und China, beides Länder, in denen nach Ansicht diverser Aktivisten Menschenrechte verletzt werden, die aber aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung nicht im Zentrum der Kritik der Staatengemeinschaft stehen. Die Nobelpreis-Jury muß kein Blatt vor den Mund nehmen und könnte hier durch die Preisvergabe Kritik äußern und damit ein Zeichen setzen. In China stehen einige Kandidaten zur Auswahl wie die Mütter von Tiananmen (@ 51), Falun Gong-Gründer Li Hongzhi (@ 67), oder Regierungskritiker Wei Jingsheng (@ 34) bzw. Jiang Yanyong (@ 17, zuerst 15). Nur hat die Menschenrechtslage in China sich kontinuierlich verbessert und die Jury würdigt normalerweise solche Entwicklungen. Umgekehrt reagiert sie auch schnell auf Verschlechterungen; so wurde 1989 nach den Ereignissen auf dem Tiananmen-Platz prompt wenige Monate später der Dalai Lama mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Dies ist heuer sehr unwahrscheinlich.
In Rußland hingegen läuft die Entwicklung eher umgekehrt. Westliche Beobachter zeigten sich besorgt über die Entwicklung von Demokratie und Pressefreiheit. Nach den jüngsten Terroranschlägen hat Putin die Macht weiter zentralisiert. Dazu kommt der Krieg in Tschetschenien, der nach Ansicht von Kritikern mit überzogener Härte und Brutalität geführt werde. Dies ist ein äußerst aktuelles Thema, eine Verschlechterung der Situation, die gleichzeitig Auswirkungen auf den Terrorkampf allgemein hat. Insofern böte es sich für die Jury an, falls sie den Argumenten von Putins Kritikern zustimmt, hier eine Botschaft auszusenden.
Was daraufhin sofort ins Auge fällt ist Sergej Kovalyev. Quote war zuerst 34, die ich mir gesichert habe, jetzt steht sie leider nur noch bei 17. Kovalyev als Nobelpreisträger würde perfekt als Botschaft passen. Er ist nicht nur Kämpfer für die Demokratie, er ist auch ein scharfer Kritiker des Tschetschenien-Krieges. Dazu kommt, daß Kovalyev niemand ist, der sich erst seit kurzer Zeit für seine Werte einsetzt. Schon zu Zeiten der UdSSR war er Dissident, gab eine Zeitung heraus und wurde 1974 zu insgesamt zehn Jahren Haft und Verbannung verurteilt. Langfristiger Einsatz + politische Botschaft, attraktive Mischung.
Aufgrund der Überlegungen habe ich ganz small folgendes gespielt:
Kovalyev @ 34
Treatment Action Campaign @ 34
Nach den Quotenänderungen:
Absicherung Mohamed Daddach @ 26
Viel Glück, und hoffentlich gibt es einen würdigen Nobelpreisgewinner.