Friedensnobelpreis 2004

Dragoslav Stepanovic

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Sep. 8, 2003
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Centrebet hat Quoten auf den Friedennobelpreis:

Wichtig! Bitte keine politischen Diskussionen anfangen. Alles, was ich hier sage, spiegelt nicht notwendigerweise meine Meinung wider darüber, ob diese Personen den Preis verdient hätten, zurecht nominiert sind oder die Gründe für ihre Nominierung zutreffen! Die Argumente über Menschenrechtsverletzungen o.ä., die ich bringe, spiegeln ebenfalls nicht notwendigerweise meine Ansicht oder die Realität wider, sondern versuchen die Denkweise der Jury zu antizipieren.

Die Quoten kamen am Freitag raus, sind leider jetzt inzwischen schon einmal revidiert worden.

Die Entscheidung wird von einer 5köpfigen Jury in Norwegen getroffen. Geehrt werden Personen und/oder Institutionen, die sich mit großem persönlichen Engagement für den Frieden, Menschenrechte, Abrüstung etc. eingesetzt haben. Dabei werden entweder außergewöhnliche Ereignisse und ihre Protagonisten geehrt (z.B. der palästinensisch-israelische Friedensvertrag, die Nordirland-Vereinbarung oder zuletzt 2000 die Annäherungsinitiative von Südkoreas Präsident Kim Dae-jung), Personen, die sich unter Einsatz ihres Lebens bzw. ihrer Freiheit für Menschenrechte, Demokratie etc. eingesetzt haben (Aung San Suu Kyi 1991, Rigoberta Menchú 1992 oder letztes Jahr die Iranerin Shirin Ebadi), Organisationen, deren Tätigkeit per se geholfen hat, Frieden, Versöhnung und Menschlichkeit voranzubringen (z.B. Ärzte ohne Grenzen 1999 oder die UNO 2001) und schließlich Nobelpreise, mit denen zugleich gezielte politische Botschaften gesendet werden sollen (so gelten die Nobelpreise für die UNO/Kofi Annan 2001 und Jimmy Carter 2002 allgemein als Kritik an der unilateralen Politik von US-Präsident Bush).

Wie sehen also die Motive für dieses Jahr und die Kandidaten aus? Zunächst einmal läßt sich sagen, daß es kein großes Friedensereignis, einen Friedensvertrag oder ähnliches gegeben hat, so daß offensichtliche Kandidaten fehlen. Gut, Indien und Pakistan reden wieder miteinander, aber mehr auch nicht. Der Nahostfriedensprozeß ist momentan ebenso tot wie die Atom-Gespräche mit Nordkorea oder die Atomdiskussion um den Iran. In Afrika ist keiner der vielen Konflikte gelöst worden, während der Friedensprozeß in Sri Lanka ins Wanken gerät. Das erste Motiv für die Nobelpreisvergabe fällt also weg. Bleiben die anderen. Wie passen die Kandidaten dazu?


Favorit ist Václav Havel @ 7 (zunächst 5). Sicher, Havel ist eine herausragende Figur des 20. Jahrhunderts, der maßgeblich zum Ende des Kalten Krieges beigetragen hat und schon mit zahlreichen Friedenspreisen (einschließlich dem indischen Gandhi-Preis) ausgezeichnet wurde. Auch spricht sein schlechter Gesundheitszustand für eine Vergabe, da der Nobelpreis seit 30 Jahren nicht mehr posthum vergeben werden kann.

Nur finde ich irgendwie die Zeit nicht passend. In der Welt gibt es momentan zahllose Konflikte und Problemherde: Der Kaukasus, Afghanistan, der Irak, der Nahost-Konflikt und ganz allgemein der islamische Fundamentalismus als große Herausforderung, Nordkorea, die AIDS-Epidemie usw. Dazu kommen die zahlreichen Dissidenten in verschiedensten Ländern. Einen Friedensnobelpreis für die „Samtene Revolution“ von 1989 zu vergeben, sieht so aus, als blicke man in eine heilere Welt zurück und verschließe die Augen vor der Gegenwart. Ferner war Havel auch im letzten Jahr Topfavorit, damals gewann die krasse und fast unbekannt Außenseiterin Shirin Ebadi aus dem Iran. Dazu ist die Quote unattraktiv.

Auch der Papst hat seine Verdienste um das Ende des Kalten Krieges und auch sein Gesundheitszustand ist angegriffen. Auch im letzten Jahr hatten ihn viele oben auf der Liste für seine kategorische Ablehnung des Irak-Krieges. Heuer ist die Quote 15 (zuerst 13). Allerdings wurde er letztes Jahr schon nicht gewählt, der Irak-Krieg ist in weiterer Ferne. Zudem gelten die Preise 2001 und 2002 als Kritik an Bush, da braucht es jetzt nicht noch neuer Kritik (obwohl dies angesichts des laufenden US-Wahlkampfes auch nicht ausgeschlossen ist). Zudem gilt die Jury als relativ links und der Papst als extrem konservativ was beispielsweise seine familienpolitischen Ansichten angeht. Angesichts des AIDS-Problems ein klarer Malus. Ein weiterer Punkt ist, daß Päpste normalerweise keine weltlichen Ehrungen annehmen. Papst Pius XII machte klar, daß er keinen Friedensnobelpreis annehmen würde, falls er ihn bekommen würde. Beim jetzigen Papst war das zwar etwas anders, er hat die Ehrenbürgerschaft der Stadt Rom und Ehrendoktorwürden der römischen Sapienza-Universität und mehrerer polnischer Universitäten angenommen. Dennoch wäre der Friedensnobelpreis eine andere Kategorie.

Betrachtet man den Irak-Krieg als mögliches Motiv für die Preisvergabe, so kämen auch Ex-Waffenkontrolleur Hans Blix (@ 6! ,zuvor @ 9) und Mohamed El-Baradei und seine Atomenergiebehörde IAEA (@ 5!!, zuvor 6) in Frage, die sich für eine Vermeidung des Krieges eingesetzt haben. Allerdings: Was hat Blix erreicht? Gar nichts. Von den amerikanischen Medien scharf angegangen, von der irakischen Presse als Homosexueller verunglimpft, konnte er den Krieg nicht verhindern. Bei der IAEA kann man argumentieren, daß sie sich auch um eine friedliche Beilegung der Atomkrise im Iran bemüht, aber auch dort stecken die Verhandlungen erst in den Kinderschuhen. IMO ist es nicht so wahrscheinlich, wie es die Quoten sagen, daß der Irak-Krieg noch eine Rolle spielen wird, denn die öffentliche Meinung ist sich inzwischen relativ einig und das Ereignis als solches (wohl aber seine Konsequenzen) beschäftigt nicht mehr die Öffentlichkeit.

Schaun wir weiter: Die Lugar-Nunn-Initiative CTR zur weltweiten Abrüstung (@ 7) und der israelische „Atomspion“ Mordechai Vanunu (@ 11) würden in der Tradition von Preisträgern stehen, die sich für nukleare Abrüstung eingesetzt haben (zuletzt Joseph Rotblat 1995). Allerdings geht die CTR wieder an den heutigen Problemen vorbei, zu der Quote nicht attraktiv. Die Wahl des äußerst umstrittenen Vanunus wäre eine klare politische Botschaft gegen das israelische Atomprogramm, die einiges an Wirbel auslösen würde, aber nicht undenkbar ist (allerdings IMO auch nicht wahrscheinlich). Für die Quote aber ebenfalls nicht zu spielen.

Es stehen weitere Dissidenten auf der Liste, Leute, die nicht unbedingt in der ersten Reihe der Öffentlichkeit stehen, deren Wirken aber dadurch in den Mittelpunkt gerückt werden würde. Wie im letzten Jahr ist der kubanische Dissident Oswaldo Paya (@ 13, zuerst 12) zu nennen, der damals allerdings schon leer ausging. Der Iraner Aghajari (@51) scheidet wohl aus, nachdem eine Iranerin letztes Jahr gewonnen hat. Andere Namen sind Paulos Tesfagiorgis für seine Verdienste um die Demokratisierung Eritreas oder Mohamed Daddach als politischer Gefangener in der von Marokko besetzten Westsahara (beide @ 26, zuerst 21).

Wie sieht es mit internationalen Organisationen aus? Vorstellen könnte ich mir einen Überraschungspreis an die Treatment Action Campaign von Ahmat Zackie (@ 34). Die südafrikanische, 1998 gegründete Organisation ist äußerst aktiv in der AIDS-Aufklärung und bei Initiativen, die auch ärmeren Bevölkerungsschichten den Zugang zu AIDS-Medikamenten ermöglichen sollen. AIDS, als eines der großen Probleme der Zeit neben all den politischen Auseinandersetzungen wäre reif für ein Nobelpreis-Thema. Gleichzeitig würde man damit eine politische Botschaft senden, bei dem Kampf gegen den Terror die AIDS-Katastrophe, insbesondere in Afrika, nicht zu vergessen.

Centrebet hat die Heilsarmee @ 21 (zuerst 17), naja. Andere Favoriten, die nicht genannt werden (Quote Sonstige @ 3) sind der Rote Halbmond, die Schwesterorganisation des Roten Kreuzes, was durchaus möglich ist, und das „Kriegsverbrechertribunal für Jugoslawien“, das sich aber zunehmend auch von westlichen Rechtsexperten dem Vorwurf ausgesetzt sieht, politische Prozesse zu führen und elementare Rechtsregeln zu mißachten. Davon abgesehen ist die Sammelquote @ 3 nicht gerade berauschend, aber angesichts der Tatsache, daß sich nicht gerade ein Kandidat aufdrängt, auch nicht so schlecht als Absicherung.

Was bleibt sind Rußland und China, beides Länder, in denen nach Ansicht diverser Aktivisten Menschenrechte verletzt werden, die aber aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung nicht im Zentrum der Kritik der Staatengemeinschaft stehen. Die Nobelpreis-Jury muß kein Blatt vor den Mund nehmen und könnte hier durch die Preisvergabe Kritik äußern und damit ein Zeichen setzen. In China stehen einige Kandidaten zur Auswahl wie die Mütter von Tiananmen (@ 51), Falun Gong-Gründer Li Hongzhi (@ 67), oder Regierungskritiker Wei Jingsheng (@ 34) bzw. Jiang Yanyong (@ 17, zuerst 15). Nur hat die Menschenrechtslage in China sich kontinuierlich verbessert und die Jury würdigt normalerweise solche Entwicklungen. Umgekehrt reagiert sie auch schnell auf Verschlechterungen; so wurde 1989 nach den Ereignissen auf dem Tiananmen-Platz prompt wenige Monate später der Dalai Lama mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Dies ist heuer sehr unwahrscheinlich.

In Rußland hingegen läuft die Entwicklung eher umgekehrt. Westliche Beobachter zeigten sich besorgt über die Entwicklung von Demokratie und Pressefreiheit. Nach den jüngsten Terroranschlägen hat Putin die Macht weiter zentralisiert. Dazu kommt der Krieg in Tschetschenien, der nach Ansicht von Kritikern mit überzogener Härte und Brutalität geführt werde. Dies ist ein äußerst aktuelles Thema, eine Verschlechterung der Situation, die gleichzeitig Auswirkungen auf den Terrorkampf allgemein hat. Insofern böte es sich für die Jury an, falls sie den Argumenten von Putins Kritikern zustimmt, hier eine Botschaft auszusenden.

Was daraufhin sofort ins Auge fällt ist Sergej Kovalyev. Quote war zuerst 34, die ich mir gesichert habe, jetzt steht sie leider nur noch bei 17. Kovalyev als Nobelpreisträger würde perfekt als Botschaft passen. Er ist nicht nur Kämpfer für die Demokratie, er ist auch ein scharfer Kritiker des Tschetschenien-Krieges. Dazu kommt, daß Kovalyev niemand ist, der sich erst seit kurzer Zeit für seine Werte einsetzt. Schon zu Zeiten der UdSSR war er Dissident, gab eine Zeitung heraus und wurde 1974 zu insgesamt zehn Jahren Haft und Verbannung verurteilt. Langfristiger Einsatz + politische Botschaft, attraktive Mischung.

Aufgrund der Überlegungen habe ich ganz small folgendes gespielt:

Kovalyev @ 34
Treatment Action Campaign @ 34

Nach den Quotenänderungen:
Absicherung Mohamed Daddach @ 26

Viel Glück, und hoffentlich gibt es einen würdigen Nobelpreisgewinner.
 
ein beeindruckendes posting.

hinzufügend zu deiner auswahl eine idee, die meine erste war, als ich dein erstes posting gelesen hab, und zwar Papst Johannes Paul II @15

hauptargument sicher einerseits eine art "würdigung des lebenswerks", das, bei aller gebotenen kritik an der (sehr) konservativen haltung in familienpolitischen fragen e.g. immer ein werk für den frieden, für die toleranz, und eben auch für die verständigung über religions- und konfessionsgrenzen hinweg war (in zeiten zunehmender radikalisierung der islamischen welt wohlgemerkt, und irak wird nicht der letzte kriegschauplatz in diesem grossen religionskrieg zwischen christen und moslems sein), anderenseits wie du ansprichst..

ist eine posthume vergabe nicht möglich. wenn, dann also wohl jetzt. oder zumindest bald. aber realistischterweise ist nächstes jahr wohl schon zu spät

zu den sonstigen kandidaten kann ich nicht viel anfügen - imho..

..blix und baradei mögen sich eingesetzt haben, objektiv gesehen - haben sie aber versagt.

..ist havel nicht zu spielen - da gabs andere, die mehr diesbezüglich mehr beigetragen haben

..scheidet der atomspion auf jeden fall aus - zu undurchsichtig sind die wahren hintergründe - und wie das geflügelte wort besagt..man liebt den verrat, aber verachtet den verräter.

..hat die heilsarmee keine chance..

..ist tschetschenien zu weit vom öffentlichen interesse entfernt - wie in den letzten jahren zu beweisen war. seit gut 10 jahren wird dort geschlachtet - keinen interessierts. ob man putin diesbezüglich weiter reizen sollte? wohl eher nicht.

..sollte man den chinesischen kandidaten aufmerksamkeit schenken. die menschenrechtslage mag sich entspannt haben, aber gibts nicht immer noch tausende öffentliche hinrichtungen pro jahr? der rücktritt von zemin als armeechef ist ein schritt in die richtige richtung, und ein diesbezügliches lenken der öffentlichen aufmerksamkeit auf china würde jintao in seinem behutsamen reformkurs sicherlich nicht schaden.
 
@ Joker: Wo hast Du die Quote 17 für den Papst her? Bei centrebet steht sie bei 15. Hast Du noch andere Bookies für diese Wette gefunden?

Den Papst als Träger kann ich mir nicht vorstellen, weil

a) ... der schlechte Gesundheitszustand auch in den letzten Jahren als Argument genannt wurde, aber offensichtlich nicht gestochen hat,

b) ... Päpste wie schon gepostet in der Regel weltliche Ehrungen ablehnen,

c) ... und drittens zwar die Friends- und Versöhnungseinstellung des Papstes in vielen Fällen zutrifft, es aber auch Makel gibt. Der Vatikan hat in den Neunziger Jahren im Krieg auf dem Balkan mitgemischt. Dazu haben einige Kritiker Papst Johannes Paul II. die Seligsprechung von Papst Pius XII. nicht verwunden. Dieser war Papst zur Nazi-Zeit, und ihm wird eine persönliche Mitschuld bei der Judenverfolgung und der Fluchthilfe für Hunderte von Nazis nach Südamerika eingeräumt.

Mit Kovalyev würde nicht nur Tschetschenien, sondern die Entwicklung in ganz Rußland in den Mittelpunkt gerückt. Und Rußland ist auf jeden Fall interessant für die Weltöffentlichkeit. Immerhin schreibt die Presse von einer deutlichen Verschlechterung der Lage in den letzten Monaten.

Und ob Hu eine grundlegende Politikänderung gegenüber Jiang durchsetzen würde, ist laut Medienberichten über seine ersten Äußerungen zweifelhaft. Dazu weiß ich nicht, ob ein chinesischer Nobelpreisträger nicht eher als Provokation denn als Unterstützung der Reformer angesehen würde. Wenn aber ein Chinese, dann würde ich persönlich am ehesten Wei Jingsheng wählen, seine Leistungen würde ich von den chinesischen Kandidaten am höchsten einschätzen.

Dazu besteht immer die Möglichkeit, daß die Jury sich nicht auf einen Kandidaten einigen kann und ein Kompromiß aus dem Hut gezaubert wird, der niemandem wehtut und alle zufriedenstellt. Die Wetten sollten auch auf diesen Aspekt hin abgeklopft werden.

edit: Sehe schon, daß Du die Quote geändert hast.
 
vertippt mit den 17..

gerade weil es eben kein großes (singuläres) Friedensereignis, einen Friedensvertrag oder ähnliches gegeben hat, spricht mich der "lebenswerk" gedanke an..

wie gesagt, mein erster gedanke, ob der immer der beste ist - nun, darüber scheiden sich bekanntlich die geister. abgesehen davon ist die thematik derart komplex, dass wohl kaum übereinstimmung zwischen zwei beliebigen personen erreicht werden kann. aber um das gehts ja eh nicht, sondern um das aufzeigen von möglichkeiten. eine sehr ambitionierte wette so oder so, egal für wen man sich entscheidet.

interessant wären einschätzungen darüber - wie man sieht, bin ich in der materie zu unbewandert - wie gross das gewünschte politische signal ist, das man dieses jahr setzen möchte - und natürlich in welche richtung es gehen soll.

konkreter konflikt? - so wie in der vergangenheit nordirland, osttimor, nahost - oder "allgemeine", übergreifende, weltweite thematik wie aids, atom etc - vergl. landminen bzw. rotblat in der vergangenheit. (bzw. einzelne person? oder institution? (wobei mir der papst fast eine art zwischenspezies dieser beiden gegensatze - person und amt - vorkommt))

die chinaoption gefällt mir, weil einerseits die "revolution", die stattfindet, zwar natürlich behutsam, anders wirds wohl kaum gehen, aber doch zumindest stattfindet - und eben (relativ) unblutig. das war ja in der vergangenheit nicht immer selbstverständlich. aber die richtung stimmt wenigstens - im gegensatz zu russland z.b.

china wird in den nächsten 20? jahren zu einer der wirtschaftlichen supermächte aufsteigen - die politische bedeutung hinkt allerdings weit hinterher und wird es wohl weiterhin tun. aufgrund der tatsache, dass de facto die gesamte westliche politik die menschenrechtsfrage in china ausklammert (um sich die geschäfte nicht zu gefährden), wäre es eine gute gelegenheit, die aufmerksamkeit auf china zu lenken.. - ohne zuviel geschäftliches porzellan zu zerschlagen. grau ist alle theorie.

wer sind eigentlich die 5 mitglieder der jury? [[nixweiss]]
 
joker schrieb:
wer sind eigentlich die 5 mitglieder der jury? [[nixweiss]]

Die fünf Mitglieder sind Norweger, die vom norwegischen Parlament bestimmt werden. Wenn ich es richtig weiß, dürfen es keine aktuellen Abgeordneten sein. Meistens sind es renommierte und politisch erfahrene Personen, die für sechs Jahre gewählt werden. Die Namensliste konnte ich nicht herausfinden, aber viele Informationen gibt es hier:

http://www.nobel.no/index.html

Joker schrieb:
abgesehen davon ist die thematik derart komplex, dass wohl kaum übereinstimmung zwischen zwei beliebigen personen erreicht werden kann. aber um das gehts ja eh nicht, sondern um das aufzeigen von möglichkeiten. eine sehr ambitionierte wette so oder so, egal für wen man sich entscheidet.

Genauso ist es. Die Jury muß kein Protokoll der Sitzung und der Diskussionen vorlegen, so daß es auch kaum Erfahrungen bzgl. Argumenten und wichtigen Aspekten der Entscheidungsfindung gibt. Nur folgende Anmerkung: Der Topfavorit für den Nobelpreis hat ihn wohl noch nie bekommen.
 
fabelhaft! großartig! [[bussi]]
solche eine Diskussion im Wettforum. ich bin echt begeistert. [[bussi]]

bzgl. China sehe ich ähnlich wie Stepi. Vergabe Nobelpreise an ein chinese wäre eine Provokaiton schlechthin. und insbedonder an Li, Hongzhi schliesse ich kategorisch aus. Wenn dann hätte nur Wei,Jingsheng verdient. aber die Zeitpunkt ist so was von unpassend. Dazu ist die Auswirkung von Wei mMn zu klein.
 
Ein Riesenlob für dieses Posting, Stepi, fantastisch und interessant! Ohne mich mit der Materie näher beschäftigt zu haben, würde ich in der Frage "Russland oder China" auch eher zu Russland tendieren. Während des lange nicht ausreichenden, aber doch immerhin langsam voranschreitenden chinesischen Reformkurses "dazwischenzufunken" könnte zwar unterstützend wirken und zusätzlichen Druck ausüben, scheint aber nicht akut erforderlich zu sein.

Das sieht in Russland etwas anders aus, wobei man die ganz aktuellen Ereignisse in Beslan gar nicht mal überinterpretieren sollte, denn ich glaube, dass die Jury sich nicht allzu emotional entscheiden wird. Allerdings würde es Sinn machen, die Probleme, die nach dem Zusammenbruch der UdSSR erst entstanden sind, in den Fokus der Weltöffentlichkeit zu rücken, in gewisser Weise Putin den Deckmantel des Frieden suchenden Staatsmannes zu nehmen und seine unnachgiebige, brutale Vorgehensweise gegenüber seinen Landsleuten zu entlarven. Was heißt entlarven - unbekannt ist die Tschetschenien-Problematik ja nicht, aber v.a. unter wirtschaftlichen Zwängen von Spitzenpolitikern immer wieder gerne verschwiegen.

Welcher der Bushs, Schröders, Chiracs ist denn nicht Putins bester Freund? Und gerade dies ist immer eine Chance des Friedensnobelpreises: auf Probleme aufmerksam zu machen, die diejenigen, die es am besten könnten, unter den Teppich kehren.

Interessant, dass Centrebet auch Gerhard Schröder als Kandidaten aufführt. [[stupid]] Naja, und das mit Milosevic ist doch irgendwie ein recht makabrer und wenig gelungener Gag.
 
The Greatest schrieb:
Naja, und das mit Milosevic ist doch irgendwie ein recht makabrer und wenig gelungener Gag.

Bitte keine politischen Diskussionen. [[hammer]] [[hammer]] [[hammer]]

Jeder der nominiert wird, kommt auf die Liste. Nach unserer Rechtsauffassung gilt jeder solange als unschuldig, bis ihm eine Schuld nachgewiesen wurde (womit man in Den Haag übrigens große Probleme hat).
 
Die Quoten verändern sich rasch, die IAEA steht bei @ 3 [[stupid]] . Kovalyev @ 15, TAC @ 17, schwer zu sagen, wie sehr das auf die Diskussionen in diesem Ordner zurückzuführen ist bzw. welcher Anteil von woanders kommt? Inzwischen gefällt mir auch die Quote von @ 4 auf ANY OTHER ziemlich gut. Wie gesagt: Es drängt sich kein Kandidat wirklich auf, viele sind umstritten und eignen sich nicht für eine Konsensentscheidung. Als Absicherung auf jeden Fall sinnvoll.
 
die Quote kurz vor Bekanntgabe am 08.10:
mal schaut wer gewinnt, bin echt gespannt.

INTERNATIONAL ATOMIC ENERGY AGENCY/ELBARADEI, Mohamed 2.50

COOPERATIVE THREAT REDUCTION/LUGAR, Richard/NUNN, Sam 3.50

BLIX, Hans 5.50

VANUNU, Mordechai 8.00

HAVEL, Vaclav 11.00

KOVALYEV, Sergei 13.00

JOHN PAUL II 17.00

TREATMENT ACTION CAMPAIGN/ACHMAT, Zackie 17.00

YANYONG, Jiang 17.00

PAYA, Oswaldo 21.00

BUSH, George W. 26.00

KARZAI, Hamid 26.00

BONO 34.00

BRAHIMI, Lakhdar 34.00

DADDACH, Mohamed 34.00

TESFAGIORGIS, Paulos 34.00

TIANANMEN MOTHERS 34.00

BLAIR, Tony 51.00

JINGSHENG, Wei 51.00

SALVATION ARMY 51.00

EUROPEAN UNION 67.00

INTERNATIONAL SOLIDARITY MOVEMENT 67.00

AGHAJARI, Hashem 101.00

CHIRAC, Jacques 101.00

COMMUNITY OF SANT' EGIDIO 101.00

HOWARD, John 101.00

LULA DA SILVA, Luiz Inacio 101.00

MOTHERS IN BLACK 101.00

QUE, Nguyen Dan 101.00

SCHRODER, Gerhard 101.00

WOMEN IN BLACK 101.00

AKASHI, Yasushi 201.00

GIULIANI, Rudolph 201.00

HONGZHI, Li 201.00

MUSHARRAF, Pervez 201.00

RYAN, George 201.00

VAJPAYEE, Atal Behari 201.00

YOUSEFI ESHKEVARI, Hassan 201.00

ZIYANG, Zhao 201.00

GONZALEZ, Fernando 501.00

GONZALEZ, Rene 501.00

GUERRERO, Antonio 501.00

HERNANDEZ, Gerardo 501.00

KHATAMI, Mohamed 501.00

KOMARICA, Franjo 501.00

LABANINO, Roman 501.00

NELSON, Willie 501.00

SOLHEIM, Erik 501.00

CASTRO, Fidel 1001.00

MILOSEVIC, Slobodan 1001.00

ANY OTHER 5.50
 
Heute früh stand "ANY OTHER" noch bei 6.00, worauf ich noch einmal darauf nachgelegt habe. Wie bereits diskutiert habe ich einige Personen/Initiativen gepickt, die zu den jetzigen Quoten allerdings nicht mehr spielbar sind. Daher angesichts des Mangels an offensichtlichen Kandidaten noch eine Wette auf "ANY OTHER".
 
Ganz interessant, diese Börse. Mein spontaner Tipp zum Abschluss lautet: Entweder kriegt tatsächlich der Papst den Nobelpreis - oder einer, den man gar nicht auf der Rechnung hatte, also "any other".

Wird's dann doch eine politische Entscheidung zugunsten einer Einzelperson, erscheinen mir aus dem größeren Favoritenkreis Kovalyev und Vanunu (ja, das Thema Israel hatten wir vielleicht doch ein bissschen vernachlässigt) am logischsten. Bin mal gespannt.
 
[[nixweiss]] [[nixweiss]] [[nixweiss]]

Auf der offiziellen Homepage steht noch gar nichts, aber auf einer schwedischen Homepage steht geschrieben, daß der kenianische Umweltminister Wangari Maathai den Friedensnobelpreis erhält. Angeblich hat der Typ das persönlich den Medien in Nairobi mitgeteilt... [[bang]]

Um 11 Uhr ist die offizielle Bekanntgabe.