Deutschland - DEL2: Selber Wölfe vs. Löwen Frankfurt - 17.10.2021 - 17:00 Uhr
Es ist das ungleiche Duell des 6.Spieltags in der DEL2. Aufsteiger Selb empfängt den Aufstiegsfavoriten aus Frankfurt. Während die Gastgeber teilweise große Probleme eine Etage höher haben, spielen die Löwen derzeit alles in Grund und Boden.
Selb der sportliche Aufsteiger aus der Oberliga. Im Tor soll der Kanadier Evan Weninger für Rückhalt sorgen, der in der abgelaufenen Saison in den USA in der ECHL (unterhalb AHL) zum zweitbesten Goalie gewählt wurde. Selb ist dabei seine erste Profistation in Europa. Mit Nick Walters und Brad Ross (beide kamen von den Lausitzer Füchsen) hat man DEL2-erfahrene Spieler mit deutschen Pass von der Konkurrenz verpflichten können. Offensiv soll Nicholas Miglio weiterhin für Furore sorgen, er verlängerte um zwei Jahre. Die zwei übrigen AL-Lizenzen vergab man indes für Brett Thompson (Sterjnen / Norwegen), der zuvor vor allem in Dänemark sein Offensivpotenzial unter Beweis stellen konnte und für Pascal Aquin (Jacksonville Icemen) der als unbeschriebenes Blatt ebenfalls aus der ECHL kommt. Mit Richard Gelke (2014-2015) und Lanny Gare (2013-2015) stehen hier zwei Ex-Spieler der Löwen Frankfurt im Kader. Letzterer ist mittlerweile schon 43 Jahre alt, hat in den vergangenen Spielzeiten in der Oberliga aber noch gute Zahlen aufgelegt. In ihrem ersten DEL2-Spiel nach 34 Jahren ging es nach Bayreuth zum Franken-Derby. Dort gingen sie durch Miglio zweimal in Führung, verloren schlussendlich aber verdient gegen spielerisch klar bessere Tigers mit 2:4. In ihrem ersten DEL2-Heimspiel in dieser Saison schlugen sie überraschend die Kassel Huskies mit 4:3. Wie sich schnell herausstellen sollte, war dies aber eher dem bodenlosen Auftreten der Huskies, als der individuellen Klasse der Selber zuzuschreiben. Fünf Tage später gingen sie zuhause gegen den EV Landshut das erste Mal komplett unter beim 1:10. Zwei Tage später die nächste Chance zuhause gegen Weißwasser. Aber auch hier gab es beim 3:6 keine Punkte zu holen. Zuletzt verloren sie Freitag nach gutem 1.Drittel mit 3:5, nachdem sie mit 0:3 in Front lagen. Zudem müssen sie verletzungsbedingt auf zwei Verteidiger (Hammbauer / Ondruschka) und die beiden Center der ersten beiden Reihen, Thompson (2/1) und Ross (0/2) verzichten. Oldie Lanny Gare (0/2) fällt ebenfalls aus.
Man verpasste in der abgelaufenen Spielzeit den erstmals vorhandenen Aufstieg seit etlichen Jahren. Hauptschuldiger war Corona, man hatte viel Pech, lange Quarantäne und in den Playoffs fielen fast zwei komplette Reihen aus. Damit einhergehend die jungen deutschen Talente (Hüttl, Fischer, Schinko) alle an DEL-Clubs verloren. Nun gibt es eine neue Philosophie und die hatte es auf dem Transfermarkt bereits in sich. Der Kader ist spitzer zugenäht, weniger Breite, dafür deutlich mehr Qualität in der Spitze. Somit leistet man sich sogar eine AL-Lizenz im Tor (Jake Hillebrand), da der deutsche Markt nichts gescheites her gab. Zusammen mit Kucis sollte man hier gut aufgestellt sein. Defensiv war es kein großer Umbruch, Top-Defender Faber konnte gehalten werden, aus Heilbronn kam der mittlerweile gestandene Verteidiger Kevin Maginot (spielte bereits bis vor zwei Jahren für FFM) zurück und mit Bobby Raymond verpflichtete man Erfahrung aus Iserlohn. Die Forwards hingegen wurden fast komplett ausgetauscht. Überwiegend konnten gerade die Kontingentspieler nicht überzeugen, somit verließen auch Kerbashian und Collberg den Club. McAulay hätte man gehalten, den zog es aber zu Düsseldorf in die DEL. Die Verpflichtungen haben es allerdings in sich, Carey (Düsseldorf), Sykora (Bremerhaven), McMillan (Bremerhaven), Swartz (Lausitzer Füchse), Wruck (Heilbronner Falken), Moser (Kassel Huskies), das ist ein qualitativer Mix aus Rollenspielern, die dem Gegner unter die Haut gehen und einer gehörigen Wucht an Offensivpotenzial. Mit Wruck somit einen Deutschen in den Reihen, der als Scorer locker AL-Zahlen auflegt. Das sie einer der Top-Favoriten auf den Aufstieg sind, haben sie trotz verkürzter Vorbereitung (zwei Wochen Quarantäne) und eher durchwachsenen Ergebnissen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zum Auftakt gewannen sie bei in der Regel heimstarken Freiburgern mit 3:0. Im ersten Heimspiel gegen Kaufbeuren lief es etwas holprig. Im ersten Abschnitt war man noch nicht voll da, am Ende gewann man die Partie dennoch mit 5:3. In Spiel 3 ging es zum Derby nach Kassel. Die Gastgeber schoss man mit 6:1 regelrecht aus der Halle. Konsequente Special-Teams und gute Defensivarbeit waren der Schlüssel. Am vergangenen Sonntag wurde die deutlich verbesserte Landshuter Mannschaft mit 5:0 in heimischer Eissporthalle abgefertigt. Fünf Tage später siegten sie gegen die Dresdner Eislöwen mit 5:1. Das Endergebnis stand bereits nach einer guten halben Stunde Spielzeit.
Es ist auf dem Papier ein Spiel der absolut krassen Gegensätze. Eine verstärkte Oberliga-Mannschaft gegen einen absoluten Aufstiegsfavoriten. Selb kann hier nur mit einer absolut destruktiven Spielweise, fünf Mann vor dem eigenen Tor und dann auf Hilfe von oben hoffen etwas mitnehmen. Der Kader, dessen Qualität hinter der ersten Reihe ohnehin stark abfällt, muss hier auf fünf Leistungsträger zusätzlich verzichten. Das sie bisher nicht noch chancenloser waren, verdanken sie alleine ihrem Goalie Wenninger, der trotz der Gegentorflut eine Save-Percentage von gut 91% innehält. Wenn wir schon mal bei den Zahlen sind. Frankfurt kassiert pro Spiel bisher nur ein einziges Gegentor, während der Schnitt der geschossenen Tore bei 4,8 pro Partie liegt. Sie benötigen nur 6,4 Schüsse für ein Tor - ein absoluter Spitzenwert. Und Selb? Die lassen pro Spiel satte 45,1 Schüsse zu - ein absolut miserabler Wert. Ihr Powerplay ist nicht der Rede wert (13,4%), während die Löwen über ein exellentes Penaltykilling (Spitzenwert 94,4%) verfügen. Zudem erzielten die Gäste bereits drei Shorthander. Dreimal so viele Tore, wie sie bisher in eigener Unterzahl kassierten. Unterzahl ist hingegen ein großes Problem bei Selb, denn da bringen sie gerade mal unterdurchschnittliche 70% in die Statistiken, während Frankfurt 32% Powerplayquote aufzufahren vermag. Es sind diese kleinen Quoten, um die ich normalerweise einen Bogen mache, weil die im Eishockey oft nichts wert sind. Die Ausgangssituation hier ist aber eine bisschen andere. Vor sieben Jahren trafen beide in der Relegation zur DEL2 aufeinander. Frankfurt siegte zuhause 6:0 und in Selb mit 5:1. Das ist mindestens die Line, die ich hier erwarten würde. Ähnliche Voraussetzungen, dazu viele wichtige Ausfälle bei Selb und ein absolut professionelles Frankfurter Team auf der Gegenseite. Da muss schon viel zusammen kommen, wenn die Gastgeber hier am Ende ein enges Spiel gestalten wollen, zumal sie sich oftmals selbst durch krasse Schnitzer im eigenen Drittel in Bedrängnis bringen. Frankfurt hat im bisherigen Saisonverlauf schon gegen deutlich stärkere Gegner Fehler eiskalt ausgenutzt. Wenn Frankfurt 60 Minuten durchzieht, kann das ganz ganz übel werden. Wenn nicht und davon ist durchaus auszugehen, weil es Frankfurt bisher mit Weitblick auf die Saison spielt und bei klarer Führung routiniert verwaltet sind wir hier in etwa bei einem vier Tore Unterschied. Stake dennoch nur medium, denn ein zwei-Tore Sieg sind ebenso drei Punkte. Das HC ist eben schon recht hoch. In ~ 8/10 Spielen zwischen diesen beiden in der aktuellen Konstellation wird das Ergebnis aber sehr deutlich. Von dem bisher gesehenen von beiden Teams ein zwei Klassen Unterschied.
Löwen Frankfurt AHC -2,5 @2,06 5/10 Unibet
Löwen Frankfurt AHC -3,5 @3,01 1/10 Pinnacle