Deutschland: MagentaSport Cup - Krefeld Pinguine vs. Grizzlys Wolfsburg - 17.11.2020 19:30 Uhr
Zweiter Spieltag in der Gruppe A, die Krefeld Pinguine feiern Heimpremiere in der Yayla-Arena (in meinen Augen beknackter Name, fand ich den KöPi (Königspalast) früher deutlich besser, aber ist nun mal der neue Namenssponsor seit 2018) gegen die Grizzlys Wolfsburg. In der abgelaufenen Spielzeit gab es für die Pinguine gegen Wolfsburg nichts zu holen. Zuhause unterlagen sie 2:3 und 1:5 - auswärts unterlagen sie ebenso mit 2:3 und 1:5.
Die beste Nachricht gab es schon weit vor einem möglichen Saisonstart 2020/2021. Erstmalig seit 2006 wird es wieder einen sportlichen Absteiger / Aufsteiger zwischen der DEL und der DEL2 geben, doch der Abstieg des Letztplatzierten entfällt - aufgrund der besonderen Umstände wegen Corona. Somit hat Krefeld schon mal einen Freifahrtsschein für die kommende Saison (wenn sie stattfindet, schaut ganz ordentlich aus aktuell), denn sie wären auf jeden Fall in der Verlosung gewesen. Letzte Saison waren sie auf Rang 12, 14-1-8-29 Bilanz bei 134:170 Toren und 52 Punkten. Pre-Playoffs? Keine Chance, satte 20 Punkte hinter den Augsburger Panthern. Dafür nur sieben Punkte vor Schwenningen und ein Zähler vor Iserlohn und hinzu kommt die neue Personalsituation. Aber der Reihe nach - in den vergangenen Jahren gab es keine Sommerpause ohne Sommertheater in Krefeld. Jedes Jahr war die Lizenz in Gefahr, jedes Jahr glich Gesellschafter Schulz die Verbindlichkeiten aus oder sicherte sie mit Bürgschaften ab. In diesem Jahr stieg dann die Save´s AG mit Hauptanteilseigner Stefano Ansaldi (80%) ein und rettete den Verein. Brachte ihn aber zeitgleich in eine ungewisse sportliche Zukunft, denn auf dem Transfermarkt bediente man sich vor allem in den russischen Unterligen, deren Niveau je nach Team zwischen hinteren DEL-Reihen und Oberliga schwankt. Als wäre das nicht genug, übernahm vor gut einem Monat auch noch der 24-jährige! Sergey Saveljev die Geschicke vom erfahrenen Roger Nicholas (62j.) als sportlicher Leiter. Letzterer fungiert nur noch als Berater. Sportlich trennte man sich zudem von der Krefelder-Ikone Daniel Pietta (240 Scorerpunkte in 244 Spielen der letzten fünf Seasons!), der 2015 eigentlich einen medienwirksamen 10-Jahresvertrag in Krefeld unterschrieben hatte. Derzeit befindet sich dieses Verhältnis vor dem Arbeitsgericht - Ausgang offen. Pietta hat ganz aktuell nun in Ingolstadt unterschrieben. Es blieb nicht die einzige, fragwürdige Entscheidung der neuen Bosse in Krefeld. Mit Rynnäs ging ihr finnischer Top-Goalie erwartungsgemäß woanders hin, in zog es nach Linköpings. Außerdem verließen Noonan, Ewanyk, Brugisser und Jeremy Welsh den Club. Mit Costello wechselte der beste Scorer der Krefelder der letzten beiden Seasons nach Norwegen zu den Stavanger Oilers. Da geht die Party dann los, denn die Kontingentspieler, die als Ersatz geholt worden sind, kommen fast ausschließlich aus den russischen Minor-League´s unterhalb der KHL. Ansonsten bediente man sich innerhalb der Liga, Lessio und Bergman kamen aus Wolfsburg, Leon Niederberger aus Düsseldorf, Colin Smith aus Köln, Kris Focault aus Ingolstadt und Marvin Cüpper aus Berlin. Focault halte ich für den Top-Transfer, alle anderen haben nicht wirklich bei ihren Clubs überzeugt, bzw. suchen wie Cüpper und Niederberger nach mehr Spielzeit. Für ersteren reichlich blöd, dass man einen Goalie aus der russischen VHL verpflichtete, der letzte Saison kein einziges Spiel absolviert hat, heute aber starten wird. Gegen Bremerhaven - sie verloren zum Auftakt 1:3 - stand der Schwede Johansson im Tor, der extra für dieses Turnier ausgeliehen wurde! Er machte seine Sache sehr gut, ohne ihn hätten sie noch mehr Tore kassiert. Doch das Problem ist weiterhin ein anderes, sie erspielen sich zu wenig Torchancen und nutzen diese dann noch seltener. Das einzige Tor in Bremerhaven war ein Zufallsprodukt, zweimal abgefälscht nach einem harmlosen Schuss von der blauen und dann auf den Schläger gefallen. Das hat wohl auch Coach Glen Hanlon erkannt, denn Krefeld lieh freudig Spieler extra für den MagentaSport Cup aus. So könnten heute auch Casey und Ryan Fitzgerald zum Einsatz kommen, beide sind in der AHL aktiv. Ersterer entscheidet sich erst kurzfristig, ob er als 7.Verteidiger fungiert, Ryan ist sicher dabei - ebenso Martin Schymainski, der gegen Bremerhaven noch fehlte. Definitiv nicht dabei sind Sacher (Trainingsrückstand) und ein weiterer ausgeliehener Spieler - Josh Brook, ebenfalls AHL - der sich noch in Quarantäne befindet. Nach eigenen Angaben trainierte man seit dem Mittwoch-Spiel in Bremerhaven verstärkt die Special-Teams - ob das schon einen deutlichen Nutzen hervorbringen kann, bleibt abzuwarten, denn eine wirkliche Saisonvorbereitung gab es bislang nicht bei den Pinguinen.
Die Wolfsburger profitierten in der Vergangenheit sehr von Coach Pavel Gross, der die Grizzlys über Jahre hinweg immer mindestens in ein Playoff-Halbfinale geführt hatte. Doch dieser ist nun schon zwei Jahre Geschichte und ebenso schwieriger wurde es für die Grizzlys. Vergangene Saison war es nur Platz 9 am Ende, mit einer 19-7-3-23 Bilanz bei 147:150 Toren und 74 Punkten. Immerhin satte 22 Zähler mehr wie der heutige Gegner. Sie verloren ihren Top-Goalie Felix Brückmann an die Adler Mannheim, Lessio und Bergman gingen nach Krefeld, Brent Aubin nach Iserlohn, Johansson zurück nach Schweden. Bis auf Aubin hat maximal noch Bergman etwas überzeugt, der Rest ist definitiv verkraftbar. Geholt haben sie nicht viel, dafür aber gezielt. Für Brückmann kam Dustin Strahlmeier aus Schwenningen, ein ebenso talentierter deutscher Goalie. Brugisser ersetzt Bergman, er kam aus Krefeld. Auf den ersten Blick, mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar ein leichtes Upgrade. Mit Hungerecker und Möser zwei junge deutsche Talente aus Mannheim für die Breite und eigene Entwicklung, dazu Defender Melchiori, zuletzt in der AHL aktiv. Darüber hinaus bediente man sich auf dem skandinavischen Markt, Boucher kam von Örebro (Schweden), Görtz aus Malmö (Schweden) und Matti Järvinen aus Kalpa (Finnland). Letzterer bewies gegen Düsseldorf beim 7:0 bereits seine erstklassige Stocktechnik. Der Sieg ist allerdings nicht wirklich zu werten, denn die DEG trat mit einer Rumpf-Truppe an, in derer unter anderem eine komplette U20-Sturmreihe des DNL-Teams fungierte und der Unterschied zwischen DNL und DEL ist wirklich absolut gewaltig. Alles in allem sehe ich Wolfsburg aber besser aufgestellt als in der letzten Saison, vor allem in der Breite agieren sie in meinen Augen sehr ausgeglichen, was auch das Scoring-Niveau über die 147 Tore der letzten Saison heben sollte. Die Center schauen wirklich allesamt sehr gut aus. Defensiv mit Strahlmeier und Pickard ein gutes DEL Goalie-Duo am Start und ganz ehrlich, eine strukturierte Defensive war in Wolfsburg selten ein Problem.
Es ist immer noch ein Vorbereitungsturnier, das darf man nicht vergessen. Dennoch nehmen es die teilnehmenden acht Mannschaften allesamt Ernst, man merkt den Spielern definitiv an, dass sie richtig Bock haben, wieder Eishockey zu spielen. Im Endeffekt überrascht es mich tatsächlich, dass diese Partie hier so ausgeglichen quotiert ist. Klar, Krefeld hat das im ersten Spiel nicht schlecht gemacht, aber die offensive Ausbeute scheint weiterhin ein großes Problem der Rheinländer zu sein. Offensiv hat es funktioniert bei den Grizzlys, gleich 7x trafen sie und das hinten raus mit angezogener Handbremse, sonst wäre diese Partie zweistellig geworden. Aber das sollte man nicht zu hoch hängen. Aufgrund des oben aufgeführten sehe ich die Wolfsburger aber sowohl in der Qualität, als auch in der aktuellen Verfassung vorne. Krefeld muss viele neue Akteure, teilweise auch noch durch kurzfristige Leihen einbinden, während Wolfsburg das vorhandene Konstrukt durchaus clever verstärkt hat. Dem reichen Kontingentmarkt sei Dank. Die Gäste sehe ich in einer DEL-Saison durchaus um Platz 6 mitspielen zu können, sicher aber auf einem der vorderen Pre-Playoff Plätze, wenn sie keine großen Ausfälle zu beklagen haben. Krefeld? Nun, da geht es eher darum Clubs zu finden, die noch schlechter abschneiden könnten. Schwenningen zeigt sich bis dato deutlich verbessert, Iserlohn noch nicht einschätzbar und dann wird es dünne. Platz 10 für die Pre-Playoffs, vielleicht - je nach Spielkonstrukt - sogar Platz 8, wenn ohne Pre-Playoffs gestartet wird. Von ersterem sehe ich sie doch ein gutes Stück entfernt, Platz 8 wäre nahezu ne Sensation mit diesem Kader. Da gibt es einfach kaum schlechtere Mannschaften in der DEL. Wenn nicht noch ordentlich nachgelegt wird, wird das ein Probelauf gegen den sportlichen Abstieg. Zurück zum Tipp, definitiv Wolfsburg zu den Kursen, wenn auch eher small wegen Vorbereitung:
Grizzlys Wolfsburg @2,40 3/10 (diverse)