Ägypten vs. USA, 21.06.2009, 20.30 Uhr (kick-off)
Competition: Confederations Cup 2009
Austragungsort: Südafrika (Rustenburg)
Stadion: Royal Bafokeng Stadium (Rustenburg)
Team - Ägypten
Die Mannschaft von Trainer Hasan Shehata rangiert in der Gruppe B mit drei Punkten und einem Torverhältnis von 4:4 auf Platz drei (Sp. 2: g. 1, u. 0, v. 1). Damit würde den "Pharaonen" im letzten Gruppenspiel gegen die USA (theoretisch) ein Remis reichen, vorausgesetzt, Italien verliert zeitgleich gegen Brasilien. Wer jedoch die Mentalität des amtierenden afrikanischen Kontinentalmeisters kennt, der weiß, dass Ägypten auf Sieg spielen wird! Dies ist auch ratsam, da Halbfinal-Mitkonkurrent Italien auf Tabellenführer Brasilien trifft, der sich bereits für die Runde der letzten Vier qualifiziert hat.
Die Spiele der Ägypter:
Das erste Spiel der Gruppe B hatte einen Auftakt parat, der so spektakulär wie nur möglich war. Bereits nach fünf Minuten erzielte Rekordweltmeister Brasilien mit der ersten Chance die 1:0-Führung, als Neu-Madrilene Kaka von Robinho in Szene gesetzt wurde und sich gegen zwei Gegenspieler durchsetzte, um in den ägyptischen Strafraum einzudringen und ohne Mühe einzuschieben. Der Afrika-Champion hatte jedoch die perfekte Antwort parat: Mohamed Zidan, bei Borussia Dortmund unter Vertrag, sorgte in der 9. Spielminute für den 1:1-Ausgleich. Die Freude über diesen Treffer hielt allerdings nur knappe 180 Sekunden an, denn Luis Fabiano sorgte durch einen fulminanten Kopfball aus zehn Metern für die erneute Führung der Seleçao. Acht Minuten vor dem Pausenpfiff ging das Star-Ensemble von Carlos Dunga sogar mit 3:1 in Führung, als Juan nach einer Elano-Ecke am höchsten stieg und das Leder per Kopf in die Maschen setzte. Nach der Pause ging der offene Schlagabtausch munter weiter. Ägypten meldete sich dank seines Edeltechnikers Aboutrika auf phänomenale Weise zurück. Nach 54 Minuten bediente der Mann mit der Rückennummer 22 Mohamed Shawky, der aus 16 Metern trocken abzog und für den Anschlusstreffer sorgte. Nur knappe 60 Sekunden später konnten die Zuschauer einen erneuten Traumpass von Aboutrika bewundern, den Mohamed Zidan zum 3:3 verwertete. Beide Teams drängten nun auf den Sieg. Doch trotz aller Euphorie agierte Ägypten weiterhin clever und ließ nicht zu, dass die technisch versierten Brasilianer die Kontrolle über das Spiel erhielten. In der Nachspielzeit dann der Schock: Brasilien bekam nach Handspiel von Ahmed Al Muhamadi einen Elfmeter zugesprochen, den Kaka zum (glücklichen) 4:3-Endstand verwandelte. Im 2. Gruppenspiel präsentierte sich das Team von Hasan Shaheta erneut in brillanter Form und wurde diesmal auch belohnt: Mit 1:0 besiegte man den amtierenden Weltmeister Italien, so dass die erste Turnier-Sensation perfekt war! Mohamed Homos sorgte vor rund 52.000 Zuschauern im Ellis-Park-Stadium von Johannesburg für das Tor des Tages. An diese Leistung wollen die "Pharaonen" nun anknüpfen und einen weiteren Dreier im Duell mit den US-Boys landen.
Kader / wer fehlt?
Zwar spielen 19 der insgesamt 23 nominierten Akteure in Ägypten, doch gerade deshalb ist die Mannschaft von Hasan Shehata vielleicht so stark. Fünf Spieler stehen beim erfolgreichsten Verein Ägyptens, Al Ahly, unter Vertrag. Dieselbe Zahl an Spielern schnürt ihre Schuhe für den SC Ismaily. Enppi ist insgesamt drei Mal vertreten. Folglich spielen momentan ausschließlich Mohamend Zidan (Borussia Dortmund) und Mohamed Shawky (FC Middlesbrough) für europäische Spitzenklubs. Dies hat allerdings nicht besonders viel zu sagen, denn in Ägypten wird gute Nachwuchsarbeit geleistet. Außerdem sind die meisten Spieler sehr heimatverbunden und wollen in Ägypten bleiben. Da gibt es zum Beispiel Mohamed Aboutrika, Afrikas Fußballer des Jahres 2006, dem in der Heimat eine herausragende Stellung zukommt. In Europa mag der Name Aboutrika zwar nur wenigen ein Begriff sein, doch in der arabischen Welt, selbst in Afrika, gibt es kaum einen Fußballer, der erfolgreicher ist und derart viele Fans hat wie der Spielmacher mit der Rückennummer 22. Angebote aus Deutschland, der Ukraine und Russland gab es für Aboutrika jedenfalls en masse. Vor drei Jahren war es noch der VFL Wolfsburg, der den Spielmacher verpflichten wollte. Eine weitere Stütze ist Ahmed Hassan. Der 34-Jährige ist sehr erfahren und spielte bereits für türkische Spitzenklubs und den RSC Anderlecht. Auch Hosni Abd Rabbou (Racing Straßburg) und Ahmed Fathi (Sheffield United) waren bereits in Europa aktiv. Andere stehen auf der Beobachtungsliste zahlreicher Vereine und werden wohl nach dem Confed-Cup Angebote erhalten. Mohamed Zidan, der mit zwei Toren die interne Torschützenliste anführt, wird gegen die US-Boys aller Voraussicht nach ausfallen. Sein Fernbleiben würde zwar erheblich ins Gewicht fallen, doch aufgrund einer Oberschenkelverletzung bleibt dem BVB-Stürmer wohl nichts anderes übrig, als seinen Teamkollegen von der Tribüne aus die Daumen zu drücken. Vielleicht ist die Meldung, dass Zidan verletzt sein, auch nur ein "Bluff", um die Amerikaner in Sicherheit zu wiegen. Denn einen Tag nach dem 1:0-Sieg über Italien waren die Vereinsärzte und Zidan noch sehr optimistisch, was einen Einsatz gegen die USA betraf. Normalerweise ist eine solche Blessur "leicht" in den Griff zu bekommen. Zidan zu schonen würde ja auch nichts bringen, da man es selbst nicht mehr in der Hand hat, das Halbfinale zu erreichen. Neben Zidan drohen zudem Ahmed Fathi und Sayed Moawad auszufallen.
Der Trainer:
Hasan Shehata, seit fünf Jahren Trainer, war bislang ausschließlich in der arabischen Welt aktiv - sowohl als Spieler als auch als Trainer. Für mich ergeben Team und Trainer einen homogenen "Mix", da Shehata auch zwei Jahre lang die U-Nationalmannschaft Ägyptens betreute und daher viele seiner Spieler aus Juniorenteams kennt.
Das Spiel der Ägypter:
Ägypten ist physisch sehr stark, spielt immer auf Sieg und hat vor keinem Gegner Angst. Das Spiel ist zwar durchaus taktikgeprägt, aber viele Akteure sind enorm versiert und können ein Spiel im Alleingang entscheiden (z.B. Zidan, Aboutrika). Wie bereits erwähnt, wird in Ägypten - im Gegensatz zum westlichen oder südlichen Afrika - grundsätzlich viel Wert auf eine gute fußballerische Ausbildung gelegt. Nach dem Vorbild von Ajax Amsterdam werden seit Jahrzehnten Talente in Akademien ausgebildet, europäische Trainer haben Jahre in Kairo verbracht.
Was fällt auf?
Die ägyptische Nationalmannschaft ist insgesamt sehr erfahren. Torwart Essam El Hadary, Ahmed Fathi, Hosni Abd Rabbou und Mohamed Aboutrika haben z.B. allesamt mehr als 60 Länderspiele auf dem Konto. Ahmed Hassan lief sogar schon 156 Mal (!) für Ägypten auf.
Team - USA
Die US-Boys um "Superstar" Landon Donovan belegen mit 0 Punkten und einem Torverältnis von 1:6 den letzten Platz der Gruppe B (Sp. 2: g. 0, u. 0, v. 2). Damit ist die Mannschaft von Trainer Bob Bradley das einzige Team, das bislang noch keinen einzigen Punkt landen konnte. Denn "Kanonenfutter" Neuseeland erreichte in der Gruppe A immerhin einen 0:0-Endstand und somit einen Zähler am letzten Spieltag gegen den Irak. Theoretisch haben die Amerikaner aber weiterhin die Möglichkeit, ins Halbfinale des Confed-Cups einzuziehen. Dafür müsste aber gegen Ägypten in jedem Fall ein Dreier her. Die Abhängigkeit vom Ausgangs des zweiten Spiels zwischen Italien und Brasilien bleibt natürlich dennoch bestehen.
Die Spiele der US-Boys:
Im ersten Gruppenspiel trafen die Bradley-Schützlinge direkt auf Weltmeister Italien. Nach anfänglichem Abtasten beider Teams in einer zunächst von Taktik geprägten Partie ergriff die "Squadra Azzurra" allmählich die Initiative. Alberto Gilardino, der als Stoß-Stürmer in einer 4-5-1-Formation agierte, hatte nach knapp einer Viertelstunde die erste Torchance. Doch US-Torwart Tim Howard konnte den Linksschuss des Italieners sicher "entschärfen". In der Folge gestaltete sich das Spiel recht offen, doch dann der Schock: Nach einem hässlichen Einsteigen von Ricardo Clark gegen Italiens Mittelfeld-Motor Gattuso sah der Mann von Houston Dynamo die Rote Karte und schwächte sein Team damit unnötig. Dies sollte das US-Ensemble aber vorerst nicht daran hindern, mit einer 1:0-Führung in die Halbzeit zu gehen, nachdem Kapitän und Rekordnationalspieler Landon Donovan per Elfmeter zum 1:0 eingenetzt hat (41.). Die Freude hielt aber nicht lange an, denn die engagierten US-Boys mussten nach der Pause dem großen Kraftaufwand Tribut zollen. Giuseppe Rossi glich bereits in der 58. Minute zum 1:1 aus, ehe Daniele de Rossi knappe zehn Minuten später das 2:1 erzielte. In der Nachspielzeit war es dann erneut Giuseppe Rossi, der den 3:1-Endstand markierte. Die Italiener bewiesen also Moral. Der eingewechselte Giuseppe Rossi und Daniele Rossi erwiesen sich mit ihren sehenswerten Toren als Matchwinner. Im zweiten Gruppenspiel unterlagen die US-Boys dem technisch versierten Star-Ensemble aus Brasilien mit 0:3 (0:2). Felipe Melo, Robinho und Maicon ließen die Seleção mit ihren Toren jubeln. In der Halbzeit schien US-Coach Bob Bradley in der Kabine für ein Donnerwetter gesorgt zu haben, denn seine Schützlinge präsentierten sich zu Beginn der 2. Hälfte mit einem völlig anderen Gesicht. Angetrieben von Trainersohn Michael Bradley suchten die Nordamerikaner ihr Heil nun in der Offensive, blieben aber ein immer wieder in der brasilianischen Abwehr hängen. So sollten die Bemühungen der USA schnell verpuffen und die Seleção gewann wieder an Oberwasser. Insgesamt war der deutliche Sieg der Dunga-Elf aber zu keiner Zeit ernsthaft gefährdet, denn die Brasilianer kontrollierte die Partie in souveräner Manier. Übrigens: In der 57. Spielminute schwächte sich das Bradley-Ensemble wie schon im ersten Gruppenspiel gegen Italien selbst, nachdem sich Kljestan zu einem hässlichen Foul hinreißen ließ und folgerichtig des Feldes verwiesen wurde.
Kader / wer fehlt?
Zwar stehen viele US-Boys in europäischen Spitzenligen unter Vertrag, über einen echten Top-Spieler verfügt man aber dennoch nicht. Tim Howard (FC Everton), Oguchi Onyewu (Standar Lüttich), Jonathan Spector (West Ham United), DaMarcus Beasley (Glasgow Rangers), Michael Bradley (Borussia Mönchengladbach) oder Clint Dempsey (FC Fulham) sind einige Beispiele. Interner "Superstar" der US-Boys ist allerdings Kapitän und Rekordnationalspieler Landon Donovan (111 Länderspiele für die USA). Bezüglich seiner fußballerischen Fähigkeiten vertrete ich jedoch die Meinung von Bayern-Macher Uli Hoeneß. Ein Donovan hätte nicht mal in der 3. Liga eine bedeutende Rolle gespielt. Er konnte sich weder bei Bayer 04 Leverkusen noch beim FC Bayern München durchsetzen - alles Zufall bzw. Pech? Für mich steht es jedenfalls fest: Nach Neuseeland verfügen die US-Boys über den zweitschwächsten Kader aller Confed-Cup-Teilnehmer.
Der Trainer:
Bob Bradley ist seit 2006 im Amt. Er kennt den amerikanischen Fußball, aber ist - verglichen mit seinem Gegenüber Hasan Shehata - längst nicht so ein Taktikfuchs und (fußball-)erfahren. Bis vor acht Jahren agierte es häufig nur als Co-Trainer.
Das Spiel der US-Boys:
Bislang konnte ich noch keine Struktur erkennen! Dreh- und Angelpunkt soll Landon Donovan sein, doch der Ex-Bayern-Spieler ist längst nicht so technisch versiert und ideenstark, als dass er das eigene Spiel wirklich lenken könnte. Offensiv setzen die Amerikaner nur wenig Akzente und die physisch starke Defensiv zieht im Eins-gegen-Eins immer wieder den Kürzeren.
Was fällt auf?
Die US-Boys sind das einzige Team, das bislang noch keinen einzigen Punkt landen konnte. Nach Neuseeland (7) stellen die Amerikaner zudem die zweitschwächste Defensive.
Fazit:
Während Ägypten sowohl gegen Brasilien als auch Italien zu gefallen wusste, haben die US-Boys bereits sechs Gegentore kassiert und noch keinen einzigen Punkt gelandet. Ägypten ist in meinen Augen ein Kandidat fürs Finale. Dass 19 der 23 nominierten Spieler in Ägypten unter Vertrag stehen, ist für mich kein Nachteil. Wie bereits gesagt: Die ägyptischen Spieler genießen in der Heimat viele Privilegien, schließen langfristige Verträge ab und können lukrative Karrieren einschlagen. Auch auf Grund ihres Glaubens möchten viele nicht in eine der großen Ligen wechseln. Zidan nimmt wohl vorerst auf der Bank Platz und wird ggf. in der 2. HZ ins Spiel kommen. Fußballerisch sind die "Pharaonen" deutlich überlegen. Wenn alles normal läuft, schießen sie mindestens zwei Tore.
Mein Tipp: 1 @ 2.04 betfair
Mein Tipp: over 2, 5 @ 2.14 betfair (zum Traden)
Mein Tipp: Shawky to score @ 11.50 betfair (small)
Mein Tipp: Aboutrika to score @ 3.20 betfair (small)