Briskes Bundesligatagebuch

2. Bundesliga Saisonvorschau 2026/27

VfL Osnabrück: Mit Bremer Brücke und Beton-Abwehr gegen den Klassenunterschied

Die Story
Als selbstbewusster Überraschungsmeister der 3. Liga kommt der VfL Osnabrück mit extrem breiter Brust im Unterhaus an. Das Fundament der Meistersaison war ein echtes Abwehrbollwerk: Beste Defensive der Liga, 19-mal zu null – mehr Stabilität geht kaum. Nun will sich das Team eine Etage höher beweisen und zeigen, dass die defensive Güteklasse auch in der 2. Bundesliga Bestand hat.

Wie das gelingen soll
Auf der Trainerbank ist Schultz die entscheidende Konstante. Er hat aus einem einstigen Krisenverein eine hochgradig disziplinierte, geschlossene und defensivstarke Einheit geformt. Die Basis für den Klassenerhalt soll vor allem die Festung Bremer Brücke sein, wo die gegnerische Offensive traditionell wenig zu lachen hat.

Personell hat der VfL gezielt nachjustiert, um den Abgang wichtiger Führungsspieler aufzufangen:
  • Hintermannschaft verstärkt: Mit Krumrey, Faber, Abu Hanna und Bornschein wurde die Abwehr gezielt ergänzt, um das Erfolgsrezept "Beton anrühren" fortzuführen.
  • Neues Tempo im Angriff: Da sich das Team offensiv neu erfinden muss, bringen Neuzugänge wie Badjie, Lesueur und Meißner die nötige Geschwindigkeit und Torgefahr für schnelle Umschaltmomente mit.
  • Spielwitz im Zentrum: Das Mittelfeld gewinnt durch Münst, Raimund und Opitz an Kreativität und bietet neue spielerische Lösungsansätze, verliert aber auch an Erfahrung (Tesche, Kehl).
Die drei größten Trümpfe:
  1. Extrem hohe defensive Stabilität
  2. Ungeheure Heimstärke an der Bremer Brücke
  3. Ein intensiver, akribischer Trainer
Wo Zweifel angebracht sind
Der Sprung von der 3. Liga in die 2. Bundesliga ist enorm - vor allem beim Spieltempo und der individuellen Qualität. Viele junge, Zweitliga-unerfahrene Akteure müssen beweisen, dass sie das verinnerlichte Spielkonzept, das sich nicht grundlegend verändern wird, auch eine Liga höher durchziehen können, ohne dass die eigene Offensive komplett verkümmert. Zudem bringt der Kader ein paar Fragezeichen mit sich: Reicht die reine Qualität in der Spitze aus? Auf der Torwartposition droht zudem unnötige Unruhe, falls kein klarer Rückhalt entsteht (warum hat man nochmal so einen relativ guten TW geholt?). Zu guter Letzt könnte das knackige Auftaktprogramm direkt zum Härtetest (HDH, Bochum, Magde, Bayern (Pokal), Braunschweig, Hertha) werden - läuft es zu Beginn unglücklich, gerät das in Liga 3 aufgebaute Selbstvertrauen schnell ins Wanken.

Die drei größten Gefahren:
  1. Die jungen Spieler können das hohe Tempo der 2. Liga nicht schnell genug adaptieren.
  2. Ladehemmungen im Sturm (zu schlechte Torquote).
  3. Ein Fehlstart bringt früh Unruhe ins Umfeld.
Prognose: Der VfL kann die Liga nur dann halten, wenn sie sich zu einem sehr effizienten Umschaltspezialisten entwickeln. Alleine mit Defensivfußball wird man in dieser top besetzen 2. Bundesliga keinen Preis gewinnen können. Man hat die Zeichen aber erkannt und sich gezielt verstärkt, die bisherige Vorbereitung zeigt, dass die Lila-Weißen durchaus auch Spiellaune entwickeln können. Die Herausforderung wird zwar enorm groß werden aber ich tippe, dass das Team von Timo Schultz die Klasse knapp hält: Rang 15
 
Energie Cottbus: Mit Energie, Engelhardt und Emotionen gegen das Unterhaus

Die Story
Schritt für Schritt hat sich Energie Cottbus aus schweren sportlichen sowie finanziellen Zeiten zurück in die 2. Bundesliga gekämpft. Die Lausitzer kehren keineswegs als duckmäuserischer Außenseiter zurück: Cottbus will sich auch im Unterhaus von seiner typischen Seite zeigen - offensiv, energiegeladen und mutig, um den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu packen.

Wie das gelingen soll
Das Fundament steht: Cottbus geht mit einer klar definierten Identität in die Saison, die Mannschaft kennt ihre Abläufe, vertraut einander und besitzt eine gewachsene Hierarchie. Die wichtigste Nachricht des Sommers war die langfristige Vertragsverlängerung mit Offensiv-Fixstern Erik Engelhardt (beeindruckende 48 Tore und 28 Vorlagen in 100 Pflichtspielen), zudem ließ der Königstransfer des gestandenen Bundesligaspielers Leo Bittencourt aufhorchen, der ablösefrei von Werder kommt. Mit Kinsombi hat man einen reifen Spieler von Rostock für die rechte Außenbahn geholt.
Auch defensiv stimmen die Pfeiler: King Manu konnte in der Abwehr gehalten werden und bis Saisonende verstärkt der 21-jährige Deutsch-MalierFousseny Doumbia den Klub, das Talent kommt als Leihe von der Eintracht aus Frankfurt. Dazu holte man den Einwurfspezialisten und erfahrenen Abwehrmann Ryan Malone an die Spree. Aufstiegsheld TW Funk - der in Regensburg mit seinem gehaltenen Last-Minute-Elfmeter den Weg ebnete - verlässt den Verein zurück nach Stuttgart, für ihn wurde Marcel Lotka von der Fortuna aus Düsseldorf verpflichtet, der als neue Nummer Eins im Tor gesetzt ist. Der Kader der Cottbuser ist aber damit noch nicht komplett. Vier bis sechs weitere Spieler wünscht sich Claus-Dieter Wollitz noch. Cottbus sucht deshalb noch einen Stürmer, einen Innenverteidiger, einen dynamischen Sechser und einen offensiven Außenbahnspieler.

Die drei größten Trümpfe:
  1. Die Heimfestung und Aufstiegseuphorie: Das heimische Stadion wird zum Hexenkessel. Die leidenschaftlichen Fans können eine Atmosphäre kreieren, die selbst erfahrene Zweitligisten ins Wanken bringt - Heimsiege gegen direkte Konkurrenten sind hier Pflicht.
  2. Der Faktor Claus-Dieter Wollitz: Der Cheftrainer ist Emotionalität pur. Wollitz lebt die Energie-DNA vor, erzeugt ein extremes Gemeinschaftsgefühl und stellt sich schützend vor sein Team. Er wird kämpfen, provozieren und jeden Funken Energie mobilisieren.
  3. Eingespieltheit & Engelhardt: Das Team muss sich nicht erst finden und hat mit Engelhardt einen echten Unterschiedsspieler im Angriff.
Wo Zweifel angebracht sind
Die Risiken für den Aufsteiger sind unübersehbar. Der Sprung in die 2. Liga ist gewaltig und viele Akteure besitzen kaum oder gar keine Zweitligaerfahrung. Zudem birgt der mutige, offensive Spielansatz das Risiko, dass spielstarke Gegner die entstehenden Räume eiskalt ausnutzen. Hinzu kommt die Kaderstruktur: Zu Beginn der Vorbereitung fehlte es noch an Qualität auf Schlüsselpositionen, und die Kadertiefe könnte bei Verletzungen oder Sperren schnell an ihre Grenzen stoßen. Sollte Gegnern die Cottbuser Spielweise bis zur Winterpause entschlüsselt haben, wird die Rückrunde umso steiniger. Energie muss sich auf einen zähen Abstiegskampf bis zum Schluss einstellen.

Die drei größten Gefahren:
  1. Verletzungspech & Engels-Abhängigkeit: Fällt Engelhardt aus oder verfällt in ein Formtief, fehlt es im Angriff an Alternativen.
  2. Taktische Naivität: Die mutige Ausrichtung wird von der höheren individuellen Qualität der Zweitliga-Gegner bestraft.
  3. Der Wollitz-Grat: Die enorme Emotionalität des Trainers ist Stärke und Risiko zugleich - bei Negativserien kann der Zündstoff auch nach innen schlagen.
Prognose: Es ist absolut erfreulich, dass mit Energie Cottbus ein weiterer Traditionsverein aus dem Osten die 2. Bundesligasaison bereichert! Das werden gegen Dynamo und Magdeburg heiße Duelle. Energie kommt über die Leidenschaft, Emotion und einer Portion Aggressivität. Sie werden vor allem in den Heimspielen aus jeder Begegnung ein Endspiel machen wollen. Da allerdings der Kader noch einige Baustellen aufweist und das Niveau ein deutlich höheres als in Liga 3 ist, wird sich Cottbus normal verdammt schwertun. Sie müssen das defensive Mittelfeld verstärken, sonst wird es womöglich für spielerisch starke Gegner zu einfach, Cottbus zu outscoren. Ich denke Cottbus kann gut starten aber es riecht danach, dass sie in der Rückrunde womöglich durchgereicht werden. Rang 18.
 
Arminia Bielefeld: Mit neuem Coach und schmalem Kader ins verflixte zweite Jahr

Die Story
Die Arminia aus Bielefeld hat in der vergangenen Saison den Klassenerhalt sensationell gepackt. Am Ende stand Rang 13 mit 39 Punkten - nur zwei Zähler vor der Relegation und einem Abstiegsplatz. In einem Zitterspiel bis zum allerletzten Spieltag krönten die Ostwestfalen ihre Saison mit einem spektakulären 6:1-Kantersieg gegen Hertha BSC. Das Team glänzte mit einer starken Offensive (53 Tore), machte sich das Leben durch eine wackelige Abwehr (51 Gegentore) aber immer wieder selbst unnötig schwer. Nun wartet das extrem schwierige zweite Jahr in der 2. Bundesliga, in dem man sich erneut beweisen will. In der 2. Bundesliga weiß man: Wenn man sich stabilisieren will, braucht man mehr Spielkontrolle.

Wie das gelingen soll
Auf der Trainerbank gab es vielleicht auch daher einen Wechsel: Mitch Kniat ist Geschichte, neu übernimmt Oliver Kirch. Der Ex-Armine hat eine tiefe Wurzel im Verein (U17-Co-Trainer, U19-Coach, Entwicklungscoach), kommt jedoch mit überschaubarer Vita von Borussia Mönchengladbach II (Punkteschnitt 1,53 in der Regionalliga West). Er steht bevorzugt für eine Dreierkette (3-4-2-1) und soll für mehr Spielkontrolle sorgen. Die Arminia soll lernen, Führungen ruhiger zu verteidigen, schwächere Phasen ohne Gegentor zu überstehen und gegen Mannschaften auf Augenhöhe selbst das Tempo zu bestimmen. Allzu oft hatte sich die Arminia das Leben selbst schwer gemacht, musste viele Rückstände aufholen.

Kadertechnisch setzt man auf Kontinuität, ein anvisierter Umbau ist bisher doch recht überschaubar. Mit Maximilian Bauer (für 350.000 € von Augsburg) und Jannik Rochelt (für 400.000 € von Hannover) wurden zwei bisherige Leihspieler und Leistungsträger fest verpflichtet, der Kaderkern gehalten. Als bislang einzig echter neuer Name verstärkt Henry Koudoussou (für 500.000 € vom FC Augsburg) die rechte Abwehrseite, muss sich nach Verletzungsproblemen aber erst wieder festspielen. Wichtige Abgänge wie Christopher Lannert (Darmstadt) oder der drohende Abgang von Stammkeeper Jonas Kersken (Union Saint-Gilloise) hinterlassen Lücken, die erst noch geschlossen werden müssen.

Die drei größten Trümpfe:
1. Eingespielte Offensive mit relativ hoher Durchschlagskraft (Grodowski letzte Saison 12 Tore geschossen, Momuluh halten können, Bankspieler nicht zu unterschätzen).
2. Tiefe Identifikation und Stallgeruch des neuen Trainers Oliver Kirch
3. Großer Rückhalt und Begeisterung durch das gerettete Umfeld

Wo Zweifel angebracht sind
Der Transferommer verläuft bislang sehr verhalten. Neben den Festverpflichtungen bekannter Gesichter fehlt es an echter Breite und neuen Impulsen im Kader. Zudem ist die Trainerbesetzung mit Oliver Kirch ein echter Gamble: Seine Bilanz im Herrenbereich ist noch recht dünn und der Sprung auf das hohe Niveau der 2. Bundesliga gewagt. Der drohende Verlust von Torwart Jonas Kersken könnte zusätzlich Unruhe in den Defensivverbund bringen, der ohnehin schon in der Vorsaison die größte Schwachstelle darstellte.

Die drei größten Gefahren:
1. Der Kader ist in der Breite zu dünn besetzt für eine lange Zweitligasaison.
2. Die Abwehrprobleme der Vorsaison werden nicht rechtzeitig behoben.
3. Das Trainerexperiment greift nicht schnell genug und sorgt für frühen Druck.

Prognose: Arminia Bielefeld steht vor einer ganz engen Saison. Das gefürchtete "verflixte zweite Jahr" birgt für die Ostwestfalen enorme Risiken: Während in der Vorsaison noch die Aufstiegseuphorie und der überraschende Pokal-Lauf bis zum Klassenerhalt trugen, ist diese Vorschusslorbeere nun aufgebraucht. Da die Abwehr in der vergangenen Spielzeit mit 51 Gegentoren extrem anfällig war und mit Jonas Kersken womöglich noch der verlässliche Rückhalt im Tor wegbricht, wird der defensive Stabilisierungsprozess zur Herkulesaufgabe. Zwar besitzt die Offensive rund um fest verpflichtete Leistungsträger das Potenzial für Nadelstiche, doch ohne spürbare Kadertiefe drohen Verletzungen oder Formtiefs sofort den Abstiegssumpf heraufzubeschwören. Arminia gehört zusammen mit den anderen Aufsteigern und Kellerkandidaten zu den Hauptanwärtern auf den Abstiegskampf. Die Alm als Festung wird entscheidend sein, um im engen Unterhaus die nötigen Punkte einzufahren. Am Ende dürfte es auf ein extremes Zitterspiel hinauslaufen, bei dem sich Bielefeld im besten Fall knapp über dem Strich rettet. Rang 14.
 
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Dynamo Dresden: Mit spielerischem Mut und gezielten Kader-Upgrades zur Etablierung in der 2. Bundesliga

Die Story
Dynamo Dresden feierte in der vergangenen Saison eine spektakuläre Rückkehr in die 2. Bundesliga. Trotz anfänglicher Startschwierigkeiten erkämpfte sich die SGD am Ende einen hervorragenden 11. Tabellenplatz (41 Punkte, vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone). Als von vielen als Abstiegskandidat Nummer eins, zwei oder drei gehandeltes Team überraschte Dresden mit mutigem, aktivem Offensivfußball (54 erzielte Tore), zahlte defensive Unsicherheiten aber mit 53 Gegentoren heim. Nun soll der nächste Schritt gemacht werden, um sich nachhaltig im Unterhaus zu etablieren.

Wie das gelingen soll
Cheftrainer Thomas Stamm (43) bildet das verlässliche Fundament der Dresdner. Die Vereinsführung bewies in Schwächephasen Geduld und hielt an dem Schweizer fest. Stamm dankte es mit taktischer Flexibilität (Wechsel vom reinen 4-3-3 hin zum variablen 4-2-3-1) und hielt starr an seiner Philosophie fest, selbst mitzuspielen.

In der Sommerpause hat Dresden den Kader konsequent ausgemistet und gezielt verstärkt: Der Kader wurde vor allem aufgeräumt. Unmengen an "Drittliga-Ballast" und Ergänzungsspielern (wie Meißner, Sapina, Kammerknecht oder der Karriere beendende Kutschke) wurden abgegeben, um Platz für höhere Zweitliga-Qualität zu schaffen. Leistungsträger Kofi Amoako wechselte zwar schmerzhaft für 1,8 Mio. € zum HSV, brachte aber die nötigen Mittel für Neuzugänge. Mit Ben Bobzien (1 Mio. € / Mainz 05) und Thomas Keller (1 Mio. € / Heidenheim) kam echte Qualität, es wurden namhafte Verstärkungen für die Offensive und Innenverteidigung geholt. Ergänzt durch Robert Wagner (Freiburg), Jonas Sterner (Hannover 96) sowie den extrem erfahrenen Keeper Nicolai Rapp (KSC, ablösefrei) gewinnt das Team spürbar an Substanz. Der Kader steht früh, viele Positionen sind besetzt, und jetzt sucht Dynamo offenbar nur noch das berühmte letzte Puzzleteil für die rechte Außenbahn. Die Tests hören sich bisher vielversprechend an, unter anderem wurde nach zwei Kantersiegen gegen Bautzen und Spree (je 14-0) der Grazer AK 5-0 besiegt, Hessen Kassel 4-0, gegen Energie Cottbus verlor man aber 1-2 (gewann dann noch ein Testspiel gegen sie 2-1). Was man so hört sind gegnerische Standards noch ein Problem und die vermeintliche Startelf war trotz der guten Resultate doch noch nicht so klar, wie man sich das erhofft hatte. Zwei Wochen vor Saisonstart macht Dynamo aber einen guten Eindruck.

Die drei größten Trümpfe:
1. Eingespieltes System und klarer spielerischer Ansatz unter Thomas Stamm
2. Erhöhte individuelle Qualität im Kader durch gezielte Millionen-Transfers
3. Befreite Grundstimmung und gewachsenes Selbstvertrauen nach der starken Aufstiegssaison

Wo Zweifel angebracht sind
Der Verlust von Schlüsselspieler Kofi Amoako hinterlässt im Zentrum eine Lücke, die das neue Personal erst einmal schließen muss. Zudem verlangt die mutige, spielorientierte Ausrichtung von Thomas Stamm weiterhin eine defensive Restabsicherung, die bereits in der Vorsaison mit 53 Gegentoren die größte Schwachstelle war. Gelingt hier der Spagat zwischen eigenen Ballbesitzphasen und defensiver Stabilität nicht schnell genug, droht bei Rückschlägen wieder die gewohnte Dresdner Unruhe im Umfeld. Insgesamt an die zwölf neue Spieler und davon ein paar mit Substanz bedeuten nicht automatisch, dass alles rund laufen wird. Es müssen sich erst neue Hierarchien bilden und dann wird sich herausstellen, wer Verantwortung übernehmen kann, wenn es mal nicht so läuft.

Die drei größten Gefahren:
1. Die Abwehr bleibt trotz Neuzugängen wie Keller anfällig für Konter.
2. Die vielen neuen Leistungsträger brauchen zu lange, um als Einheit zu harmonieren.
3. Erwartungsdruck steigt nach der guten Vorsaison zu schnell an.

Prognose: Dynamo Dresden hat die Zeichen der Zeit erkannt und den Kader mit Blick auf die gehobenen Anforderungen der 2. Bundesliga extrem vielversprechend aufgewertet. Thomas Stamm ist ein moderner Trainer, der die Mannschaft taktisch kontinuierlich weiterentwickelt und ihr einen mutigen, spielstarken Charakter verliehen hat. Finden die vielen Neuzugänge schnell zueinander und gelingt es, die defensive Anfälligkeit spürbar einzudämmen, wird Dresden mit dem Abstiegskampf rein gar nichts zu tun haben. Der Trend zeigt klar nach oben, sodass ein gesicherter Platz im Mittelfeld das logische Resultat einer nachhaltigen Kaderpolitik sein wird. Rang 10 ist, wenn alles gut läuft möglich, manche sehen sie sogar noch deutlich besser, ich weiß nicht, die Konkurrenz in dieser Tabellenregion ist hoch.
 
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SpVgg Greuther Fürth: Nach dem Relegations-Krimi folgt der Radikalumbruch

Die Story
Die SpVgg Greuther Fürth hat die vergangene Saison um Haaresbreite gerettet. Nach einer turbulenten Spielzeit landeten die Mittelfranken auf Tabellenplatz 16 (punktgleich mit Fortuna Düsseldorf) und mussten in die Zitter-Relegation gegen Rot-Weiss Essen. Nach einem 0:1 im Hinspiel sicherte sich das Kleeblatt erst im Rückspiel durch einen 2:0-Erfolg den späten Klassenerhalt. Trotz verhältnismäßig starker Offensive (49 Tore) war die eklatante Abwehrschwäche mit 68 Gegentoren der Hauptgrund für den tiefen Fall. Nun vollzieht der Verein einen massiven Kaderumbruch.

Wie das gelingen soll
Auf der Trainerbank setzt man weiterhin auf Heiko Vogel (50). Vogel hatte das Team im Dezember 2025 auf dem vorletzten Platz übernommen und in 22 Spielen (Punkteschnitt 1,23) vor dem GAU bewahrt. Nun absolviert er seine erste vollständige Sommer-Vorbereitung, um der Mannschaft seine Spielphilosophie einzuimpfen: körperlich intensiver Fußball, aggressives Gegenpressing und mehr defensive Stabilität nach Ballverlusten.

Auf dem Transfermarkt reagierte die Führungsetage entschlossen auf die Mängel der Vorsaison durch einen herben Aderlass und defensive Erneuerung: Nach 68 Gegentoren verlässt Interims-Abwehrchef Philipp Ziereis den Klub (Melbourne Victory). Als verlässlicher Ersatz für das Zentrum wurde Jannis Heuer (Kaiserslautern/Paderborn) geholt, unterstützt vom jungen Talent Maxim Dal (Mainz 05). Im defensiven Mittelfeld sichert sich das Kleeblatt die Dienste des physisch starken Paul Will fest (von Darmstadt 98). Um die verheerenden Abgänge und die offensiven Kreativeinbußen aufzufangen (Futkeu, Hrgota, Higl), stoßen Shinta Appelkamp (Fortuna Düsseldorf) und Ole Pohlmann (Rio Ave) zum Team. Sie sollen das Spiel zwischen den Linien gestalten und Torgefahr aus der Mittelfeldreihe entwickeln. Nach dem Abgang der Führungskräfte wird Routinier Felix Klaus noch wichtiger und übernimmt das Kapitänsamt. Wichtiger und übersehener Faktor: Mit Hellstern vom VfB Stuttgart (Leihe) haben die Fürther einen besseren Torwart als letztes Jahr!

Die drei größten Trümpfe:
1. Erhöhte spielerische Qualität und Variabilität im Mittelfeld (Appelkamp, Pohlmann, Will)
2. Klare defensiv-taktische Neuausrichtung unter Heiko Vogel in einer vollen Vorbereitung
3. Erfahrung und Vorangehen von Führungsfiguren wie Felix Klaus und Jannis Heuer

​Wo Zweifel angebracht sind

Der Verlust an individueller Qualität und Substanz im Sommer ist immens. Torschützenkönig Noel Futkeu (18 Tore, zurück zu Eintracht Frankfurt), Kapitän Branimir Hrgota (St. Pauli) und Urgestein Julian Green (247 Einsätze) hinterlassen riesige Fußstapfen. Futkeu und Hrgota schossen Fürth im Relegationsrückspiel im Alleingang zum Klassenerhalt - nun müssen ihre Tore auf unzählige Schultern verteilt werden, da eine echte Knipser-Garantie im Sturmzentrum derzeit fehlt. Zudem trifft ein neu formiertes Team zum Auftakt direkt auf St. Pauli und im Frankenderby auf den 1. FC Nürnberg.

Die drei größten Gefahren:
1. Fehlende Durchschlagskraft im Sturmzentrum ohne gelernten Top-Torjäger
2. Ein holpriger Start ins schwere Auftaktprogramm bringt früh negative Dynamik hinein
3. Die komplett neu zusammengestellte Defensive benötigt zu viel Einspielzeit

Prognose: Gelingt es der Mannschaft, die eklatante Anfälligkeit der Vorsaison (68 Gegentore) einzudämmen und die Last des Torekanalisierens auf mehreren Schultern zu verteilen, steht das Kleeblatt vor einer solideren Spielzeit. Der gewohnt stimmungsvolle Sportpark Ronhof muss dabei wieder zu einer uneinnehmbaren Festung reifen, um im harten Abstiegskampf die entscheidenden Punkte gegen die direkte Konkurrenz einzufahren. Stimmt die Abstimmung in der Defensive schnell genug, reicht es diesmal ohne das hochgradige Nervenspiel einer Relegation. Die Testspieleindrücke sind okay aber streckenweise noch durchwachsen, im Sturm kann man, wenig überraschend, einen Futkeu nicht ansatzweise ersetzen, die Qualitätsneuzugänge brauchen noch Zeit und auch die Abwehr wirkte nicht immer überzeugend. Man gewann gegen Zürich (3-2), verlor gegen Hoffenheim (1-4) und gewann gegen den FC Paris (1-0). Obwohl Fürth einen Warnschuss erhalten hat vergangene Saison, habe ich den Eindruck sie könnten wieder in den Abstiegskampf hineinrutschen. Sie sind aber normal zu erfahren (seit 1997/98 in der 2. Bundesliga!) und schaffen einen 13. Tabellenrang am Ende.
 
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VfL Bochum: Umfassender Neuaufbau im Ruhrstadion unter Uwe Rösler

Die Story
Nach einer enttäuschenden Vorsaison, die den VfL Bochum zeitweise nah an den Abstiegssumpf führte, soll in der zweiten Zweitligasaison nach dem Bundesliga-Abstieg die Wende gelingen. Unter Dieter Hecking gestartet, stabilisierte Uwe Rösler ab Oktober 2025 die Mannschaft und führte sie schließlich auf Rang 9 (44 Punkte). Trotz der Rettung war die Bilanz mit 47 Gegentoren und nur 49 eigenen Treffern ernüchternd. Nun leitet die Vereinsführung einen tiefgreifenden, wirtschaftlich vorsichtigen Umbruch ein, um den VfL wieder dauerhaft im oberen Tabellendrittel zu etablieren.

Wie das gelingen soll
Erstmals kann Cheftrainer Uwe Rösler eine vollständige Sommer-Vorbereitung gestalten, um dem Team seine intensive Spielidee einzudrücken: aggressives Pressing, hohe Zweikampfintensität und schnelles Umschaltspiel. Das passt ideal zur Wucht des Ruhrstadions. Auf dem Transfermarkt setzt die Führungsetage vor allem auf ablösefreie, flexible und hungrige Profis: Mit Berkan Taz (36 Torbeteiligungen beim SC Verl) kommt der herausragende Akteur der vergangenen Drittligasaison ablösefrei an die Castroper Straße, es wurde als echte Offensiv-Kreativität verpflichtet. Ergänzt wird der Angriff durch die flexiblen Christian Rasmussen (Fortuna Düsseldorf) und Daniel Hanslik (1. FC Kaiserslautern). Philipp Hofmann (Vertrag verlängert bis 2028) ist als physisch starke Nummer eins gesetzt. Hanslik, Taz, Rasmussen und Gerrit Holtmann sollen ihn mit Flanken füttern und selbst Torgefahr entwickeln, eine klare Hierarchie im Sturmzentrum ist also gegeben. Ex-Kapitän Timo Horn verlängerte vorzeitig bis 2028 und bleibt der emotionale und sportliche Anker der Hintermannschaft. Dazu kamen jetzt noch Mbom (Viborg) und Cokaj (Panathinaikos) als potentielle Starter im ZM/DM. Die Testspiele waren bisher nicht schlecht, man trotzte Ajax ein 1-1, bezwang Swansea 2-0 und verlor nur knapp gegen Werder 0-2. Gewinner der Vorbereitung ist der junge Alessandro Grimaldi, der mit 18 Jahren schon seine dritte Profivorbereitung mitmacht! Er ist aktuell sogar ein Startelfkandidat auf dem linken Flügel (man denkt aber vlt. sogar an eine Leihe, was ich nicht richtig versteh).

Die drei größten Trümpfe:
1. Unangenehme Spielweise unter Rösler gepaart mit dem Hexenkessel Ruhrstadion
2. Überdurchschnittlich besetzter Torwart-Posten mit Timo Horn als Führungsfigur
3. Neue offensive Unberechenbarkeit durch Top-Zugang Berkan Taz und Mittelstürmer Philipp Hofmann

Wo Zweifel angebracht sind
Der Kader verliert enorm viel Routine und Identifikation: Ex-Kapitän Matúš Bero, Abwehrchef Erhan Mašović sowie Routinier Kevin Vogt (Karriereende) hinterlassen gewaltige Lücken in der defensiven Achse und Hierarchie. Insbesondere die Innenverteidigung ist extrem dünn besetzt und schreit nach weiteren Verstärkungen. Strompf und die Neuzugänge Karademir und Steinwender sind die einzig echten drei IVs im Kader. Zudem verpassen Talente wie Mats Pannewig verletzungsbedingt die Vorbereitung. Ob die Neuzugänge ohne große Zweitliga-Garantie den Sprung auf Anhieb schaffen, bleibt abzuwarten. Es ist auch kein Wunder, dass man noch für den Notfall gerüstet sein will und einem Back-up für Hofmann sucht, falls er mal ausfällt. Man muss sich fragen, wer denn sonst noch groß Tore erzielen soll (Hanslik kommt auf gerade mal 18 Tore in 108 Zweitliga-Einsätzen).

Die drei größten Gefahren:
1. Die ausgedünnte Innenverteidigung hält dem Zweitliga-Druck spielerisch und körperlich vielleicht nicht stand.
2. Der Ausfall von Zielspieler Philipp Hofmann kann offensiv nicht gleichwertig kompensiert werden.
3. Nach den Abgängen von Bero und Vogt fehlt es in engen Phasen an erprobten Führungsspielern.

Prognose: Der VfL Bochum präsentiert sich unter Uwe Rösler mit einem klareren sportlichen Konzept und mehr physischer Wucht. Berkan Taz bringt die lange vermisste Spielwitz-Komponente mit, während Philipp Hofmann im Sturmzentrum für die nötigen Hütten sorgen wird. Weil nach dem Weggang der Führungskräfte Bero, Mašović und Vogt die defensive Restabsicherung und die neue Hierarchie aber noch Zeit brauchen, ist der absolute Spitzengruppe-Express in dieser Saison noch ein Stück entfernt. Der Ruhrpott-Klub wird sich spürbar gefestigter präsentieren, immer wieder Topleistungen im eigenen Stadion abrufen und eine ruhige Saison im oberen Mittelfeld absolvieren: Rang 8 - wenn sich da eine eingeschworene Einheit findet, kann es sogar unerwartet höher gehen.
 
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Eintracht Braunschweig: Hoffnung auf den Abschied vom ewigen Zitterspiel

Die Story
Eintracht Braunschweig geriet in der vergangenen Saison erneut in ein hochdramatisches Abstiegsfinale. Am Ende rettete sich der BTSV auf Tabellenplatz 15 (37 Punkte) nur dank des minimal besser Tordifferenz-Verhältnisses gegenüber der Relegations- und Abstiegs-Konkurrenz. Mit lediglich 36 erzielten Toren in 34 Spielen stellte die Eintracht eine der harmlosesten Offensiven der Liga. Um der ewigen Zitterpartie der Vorjahre endlich zu entkommen, strebt der Verein eine stabilere Spielzeit ohne den direkten Blick in den Abgrund an.

Wie das gelingen soll
Cheftrainer Lars Kornetka, der das Team im März 2026 übernahm und nun nach seinem WM-Engagement als Rangnick-Assistent erstmals eine volle Vorbereitung am Biberweg absolviert, setzt auf eine klar strukturierte Spielweise mit hoher Kompaktheit und gezieltem Pressing. Große taktische Veränderungen waren als er in großer Not kam kaum möglich. Zunächst ging es darum, Punkte zu sammeln und den Verein in der Liga zu halten. Nun kann der Trainer die körperlichen und taktischen Grundlagen selbst erarbeiten.


Auf dem Transfermarkt steuerte Sport-Geschäftsführer Benjamin Kessel den Schwachstellen der Vorsaison entgegen: Neuer Hoffnungsträger im Sturmzentrum: Mit Maximilian Entrup (LASK) kommt ein dreifacher österreichischer Nationalstürmer nach Braunschweig. Er soll die verheerende Ladehemmung der Vorsaison beheben und für die nötige zweistellige Trefferzahl sorgen. Denn Braunschweig hat oft in vielen engen Spielen keine Vielzahl an Chancen. Umso wichtiger ist ein Stürmer, der aus wenigen Möglichkeiten Tore macht. Der 20-jährige Schweizer Junior Zé (FC Basel/Midtjylland) soll mit seiner Eins-gegen-Eins-Stärke Umschaltmomente kreieren und endlich Tempo und Dynamik über die Flügel etablieren. Spieler wie Aaron Opoku, Johan Gómez, Sidi Sané oder Jovan Mijatović können dann verschiedene Rollen in der Offensive übernehmen. Frederik Jäkel konnte fest von RB Leipzig verpflichtet werden und allgemein kann man wohl von einem defensiven Qualitätsgewinn sprechen; wenn er nach seiner Knieverletzung zu alter Stärke findet, bildet er zusammen mit Andi Hoti und Torwart-Rückhalt Ron-Thorben Hoffmann ein stabiles Fundament.

Die drei größten Trümpfe:
1. Detailversessener Cheftrainer Lars Kornetka mit seiner ersten vollen Sommer-Vorbereitung
2. Neues Offensiv-Profil durch den international erfahrenen Knipser Maximilian Entrup
3. Verlässlicher Rückhalt im Tor durch Ron-Thorben Hoffmann und eine eingespielte Defensive

Wo Zweifel angebracht sind
Der Verlust an Kaderbreite und Routine wiegt schwer. Durch die Abgänge von Urgestein Fabio Kaufmann (nach 153 Spielen fürs Kleeblatt/BTSV ins Ausland) und mehreren Leihspielern (darunter Yardimci, Alidou und Ranos) verliert Braunschweig viel Erfahrung im Abstiegskampf. Junge Neuzugänge wie Junior Zé werden Formschwankungen unterworfen sein, während Jäkel nach seiner schweren Verletzung Behutsamkeit benötigt. Zudem muss Kornetka erst noch nachweisen, dass er über 34 Spieltage hinweg als Cheftrainer im Profifußball eine Mannschaft konstant durch Krisen steuern kann.

Die drei größten Gefahren:
1. Die Offensive wird zu abhängig von den Toren von Neuzugang Maximilian Entrup
2. Längere Eingewöhnungszeit der jungen Neuzugänge führt zu einem Fehlstart
3. Fehlende Kaderbreite bei Verletzungswellen in den defensiven wie offensiven Schlüsselpositionen

Prognose: Eintracht Braunschweig präsentiert sich taktisch reifer und defensiv gefestigter als in der Vorsaison. Lars Kornetka nutzt die Sommervorbereitung spürbar, um der Mannschaft mehr Kontrolle gegen den Ball und eine klarere Umschaltstruktur einzuhauchen, während Maximilian Entrup im Angriff für die bitter benötigte Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor sorgt. Dennoch bleibt der BTSV ein Team, das in erster Linie über Kampfgeist, Leidenschaft und die Wucht des Eintracht-Stadions seine Punkte gegen die direkte Konkurrenz einfahren muss. Reicht die Puste auf den Außenpositionen und bleibt Hoffmann der gewohnt starke Rückhalt, gelingt die angestrebte kleine Konsolidierung ohne Relegations-Drama. Ich will allerdings nicht glauben, dass alles rund läuft, das tut es in Braunschweig nie, wenn da ein paar Spieler ausfallen, sieht es wirklich nicht gut aus. Ich pack sie sogar auf Rang 17 aber das ist ja alles nur Spielerei und normal geht es wieder saueng zu da unten.
 
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FC Magdeburg: Pragmatismus und Umbruch nach dem Abstiegsschreck

Die Story
Nach dem historischen 5. Platz in der Spielzeit 2024/25 folgte für den 1. FC Magdeburg der tiefe Fall: Der Abgang von Erfolgscoach Christian Titz hinterließ Spuren, und unter Nachfolger Markus Fiedler geriet der FCM nach nur einem Sieg aus den ersten acht Spielen tief in den Strudel des Abstiegskampfes. Erst das Interims-Duo Petrik Sander und Pascal Ibold stabilisierte die Elbestädter und rettete den Club ins gesicherte Fahrwasser. Für die neue Saison nimmt Sander nun fest das Heft des Handelns in die Hand. Nach 12 Abgängen und einem massiven Kaderumbruch geht es an der Elbe um Konsolidierung im Mittelfeld der Liga. Mehr nicht.

Wie das gelingen soll

Sander verzichtet auf den teils hochriskanten, kompromisslosen Ballbesitzfußball der Titz-Ära und impft der Mannschaft einen pragmatischeren, defensiv stabileren Stil ein. Zugleich muss Magdeburg die Balance finden, um gegen tief stehende Gegner weiterhin spielerische Lösungen anzubieten.

Auf dem Transfermarkt steuerten die Verantwortlichen um Sportdirektor Peer Jaekel gezielt nach: Für die runderneuerte Abwehr wurde Paul Jaeckel (Preußen Münster, ex-Union Berlin) als neuer Abwehrchef geholt, er soll Führung und Klarheit in der Abwehr verkörpern. Der irisch-spanische Linksfuß Anselmo García Mac Nulty (PEC Zwolle) bringt zusätzliche Flexibilität für Dreier- oder Viererkette. Mit Moritz-Broni Kwarteng (VfL Bochum) kehrt ein alter Bekannte an seine alte Wirkungsstätte zurück, er soll für mehr Torgefahr aus der Tiefe sorgen. Zudem stößt Torben Müsel (Rot-Weiss Essen, 13 Tore) für mehr Torgefahr aus dem Mittelfeld dazu. Zuletzt wurde noch Iyoha von Düsseldorf geholt, der eine gewissen Physis mitbringt und beim Testspielsieg gegen Paderborn (2-0) prompt traf. Zukunftsinvestitionen sind auch geholt worden: Mit Tony Reitz (Kapitän BVB II), Kevin Manthey (19, Werder Bremen II) und den südkoreanischen Leihspielern Do-young Yoon (19, Brighton) und Chunghyun Lee (18, Bucheon FC) holte der FCM spannende Talente.

Die drei größten Trümpfe:
1. Unberechenbare Torjäger-Garantie durch Mateusz Żukowski (17 Tore in 20 Spielen, 6 Mio. Wert) und Barış Atik gibt es ja auch noch
2. Eingespieltes Trainerduo Sander/Ibold mit der ersten echten Sommervorbereitung
3. Kontinuität und Klasse auf der Torhüterposition mit Kapitän Dominik Reimann

Wo Zweifel angebracht sind
12 Abgänge - darunter Schlüsselkräfte der Defensive wie Jean Hugonet, Marcus Mathisen und Max Geschwill - bedeuten, dass die Hintermannschaft komplett neu formiert werden muss. Es wird Zeit brauchen, bis die Abstimmung mit Jaeckel und Mac Nulty reibungslos greift. Zudem herrscht eine extreme Abhängigkeit von Ausnahmestürmer Żukowski, um den sich hartnäckige Wechselgerüchte ranken; ein Abgang würde das Angriffsspiel ins Mark treffen. Neuzugänge wie Kwarteng verpassen aufgrund ihrer Verletzungshistorie noch die Garantie auf volle Belastbarkeit.

Die drei größten Gefahren:
1. Ein später Abgang oder Ausfall von Toptorjäger Mateusz Żukowski reißt ein Loch in die Offensive.
2. Die neu zusammengestellte Abwehrkette benötigt zu viel Zeit zur Abstimmung und patzt zum Auftakt.
3. Hohe Erwartungen treffen auf eine lange Eingewöhnungsphase der vielen Neuzugänge aus tieferen Ligen.

Prognose: Der 1. FC Magdeburg startet mit wesentlich mehr defensiver Stabilität und einer klareren, pragmatischeren Marschroute in die neue Spielzeit. Die Offensive rund um das Duo Mateusz Żukowski und Barış Atik besitzt unbestreitbar die Klasse, um jede Zweitliga-Abwehr zu knacken, während Rückkehrer Moritz-Broni Kwarteng und Torben Müsel für zusätzliche Torgefahr sorgen. Zwar wird die komplett neu zusammengestellte Viererkette um Paul Jaeckel noch den einen oder anderen Abstimmungsfehler offenbaren, doch das heiße Pflaster der Avnet Arena bildet das nötige Fundament für eine sorgenfreie Saison. Wenn Sander die Balance zwischen Ballbesitz und Restabsicherung hält, bleibt dem FCM die Zitterpartie des Vorjahres erspart. Ich denke Magde will unbedingt einen Fehlstart vermeiden, schwer zu sagen, wie viel Substanz sie wirklich haben. Ich pack sie mal als Tipp auf Rang 12.


 
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SV Darmstadt 98: Millionensegen und Großumbruch am Böllenfalltor

Die Story
Der SV Darmstadt 98 geht mit einer faszinierenden Ausgangslage in die neue Zweitligasaison: Die Lilien schlossen die vergangene Spielzeit 2025/26 mit 52 Punkten auf einem starken 5. Tabellenplatz ab, spielten lange um den Aufstieg mit und hatten zeitweise sogar die Tabellenführung inne. Doch der Erfolg rief Begehrlichkeiten hervor. Das bärenstarke Sturmduo Isac Lidberg (17 Tore, Borussia Mönchengladbach) und Fraser Hornby (11 Tore, VfL Wolfsburg) verließ den Verein ebenso wie Kilian Corredor (FC Nantes). Auch Urgestein und Kapitän Fabian Holland beendete nach 319 Pflichtspielen seine Karriere. Trotz gewaltiger Transfererlöse verliert das Böllenfalltor damit auf einen Schlag 28 Saisontore und das emotionale Herzstück der Kabine.

Wie das gelingen soll
Die Verantwortlichen um Sportdirektor Paul Fernie und Cheftrainer Florian Kohfeldt wählten bewusst keinen 1:1-Ersatz für das Sturmduo, sondern nutzten das Geld, um die gesamte Offensive flexibler, schneller und technisch variabler aufzustellen.

Die Eckpfeiler des Darmstädter Wegs bestehen also aus einem neuen, beweglichen Offensiv-Konzept: Für mehr Kreativität und Tempo sorgen Bundesliga-Leihgabe Noah Weißhaupt (SC Freiburg), Lance Duijvestijn (Sparta Rotterdam), Ibrahim El Kadiri (aus den Niederlanden), Nicolas Verkooijen (PSV Eindhoven) und Lars Kehl (VfL Osnabrück). Fynn-Luca Lakenmacher soll im Zentrum Räume schaffen und Verantwortung übernehmen. Florian Kohfeldt sorgt zusammen mit seinen Co-Trainern Martin Heck und Darius Scholtysik für wichtige taktische Kontinuität. Im defensiven Mittelfeld verlängerte Fabian Nürnberger seinen Vertrag, während Kai Klefisch und Hiroki Akiyama das Zentrum absichern. Die Hintermannschaft bleibt mit den routinierten Innenverteidigern Patric Pfeiffer, Matej Maglica und Aleksandar Vukotić sowie Rückhalt Marcel Schuhen (geht in seine 8. Saison) das Prunkstück des Kaders. Fest verpflichtet wurde zudem Grayson Dettoni (Bayern München).

Die drei größten Trümpfe:
1. Eingespieltes Trainerteam um Florian Kohfeldt mit klarer spielerischer Identität
2. Erfahrene und körperlich extrem robuste Defensiv-Achse um Torwart und Kapitän Marcel Schuhen
3. Gesteigerte Unberechenbarkeit im Angriff durch technisch starke Neuzugänge (Weißhaupt, Duijvestijn)

Wo Zweifel angebracht sind
Das gewaltige Vakuum im Angriff bleibt das größte Risiko. Der Verlust von 28 Toren durch Lidberg und Hornby lässt sich nicht einfach wegdiskutieren. Fynn-Luca Lakenmacher steht unter enormem Erwartungsdruck, da echte gelernte Knipser im Kader fehlen. Die Torgefahr muss sich nun zwingend auf mehrere Schultern im Mittelfeld verteilen. Zudem wiegt der Verlust der Führungsfigur Fabian Holland in der Kabine schwer. Ein weiterer Dämpfer ist die Meniskusverletzung von Mittelfeldakteur Merveille Papela, der monatelang ausfällt.

Die drei größten Gefahren:
1. Die völlig neu formierte Offensive entwickelt ohne gelernten Top-Torjäger zu wenig Durchschlagskraft im Strafraum.
2. Das Verspielen von Führungen aus der Schlussphase der Vorjahr-Rückrunde setzt sich als psychologische Blockade fort.
3. Der Ausfall weiterer Schlüsselspieler offenbart Lücken in der Zentrumstiefe (Papela-Verletzung).

Prognose: Der SV Darmstadt 98 wird auch in der neuen Saison zu den spielerisch reifsten und taktisch am besten strukturierten Teams der 2. Bundesliga gehören. Florian Kohfeldt gelingt es, die Mannschaft defensiv gewohnt kompakt aufzustellen und am stimmungsvollen Böllenfalltor eine Macht zu bleiben. Neuzugänge wie Noah Weißhaupt und Lance Duijvestijn bringen die erhoffte spielerische Frische und Unberechenbarkeit zwischen den Linien. Doch in den engen Begegnungen wird das Fehlen zweier echter Knipser vom Kaliber Lidberg und Hornby den entscheidenden Unterschied ausmachen. Finden die Lilien im Laufe der Hinrunde noch eine verlässliche Option für den Strafraum, ist der Blick nach ganz oben theoretisch möglich - aber vom Gefühl her ist Darmstadt sogar eher für eine negative Überraschung gut. Ich packe sie auf Rang 9.
 
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Karlsruher SC: Neuanfang mit Taktik-Talent Maximilian Senft

Die Story
Beim Karlsruher SC vollzieht sich in diesem Sommer ein historischer Schnitt: Nach jahrelanger Kontinuität endete die Ära von Langzeit-Coach Christian Eichner. Nachdem in der Vorsaison bereits sein engster Vertrauter und Co-Trainer Zlatan Bajramović entlassen worden war, zerbrach das Verhältnis zur Vereinsführung endgültig. Mit Eichner verliert der KSC zwar seinen bewährten Stabilisator, doch sportlich stagnierte der Klub zuletzt: Die Saison 2025/26 schloss Karlsruhe mit 44 Punkten auf einem enttäuschenden 10. Platz als "graue Maus" ab - vor allem 64 Gegentore machten alle Ambitionen nach oben zunichte. Nun übernimmt mit dem 36-jährigen Österreicher Maximilian Senft (zuvor SV Ried) ein hochspannender Taktiker das Ruder am Wildpark.

Wie das gelingen soll
Der neue Cheftrainer Senft bringt reichlich Vorschusslorbeeren mit (1,7 Punkte im Schnitt in Ried, Zweitligameister) und steht für ein flexibles 4-2-3-1-System. Im Kader wurde kräftig ausgemistet: Erfahrene Kräfte wie David Herold (für 3,5 Mio. € zu Gladbach), Philipp Förster und Fabian Schleusener verließen den Klub.

Die Ausrichtung für den Senft-Neustart soll vor allem auch mit jungen Entwicklungsspielern & Leih-Rückkehrern vonstatten gehen. Fest verpflichtet wurden unter anderem Shio Fukuda (800.000 €) und Paul Scholl (150.000 €). Hinzu kommen spannende Talente wie Florian Eichinger (Regensburg), Neuzugänge wie Vinko Čivčija (Saarbrücken) sowie die Leihspieler Dennis Öflaz (19, FC Bayern II) und Moritz Broschinski (FC Basel). Das Prunkstück bildet das 19-jährige Offensiv-Juwel Louey Ben Farhat mit einem Marktwert von 10 Millionen Euro, sofern er im Sommer gehalten werden kann. Rechtsverteidiger Rafael Pinto Pedrosa (18) und das in der Vorbereitung überragende Mittelfeld-Talent Daniel Sohr (19) drängen ebenfalls in die Startelf. Hans Christian Bernat im Tor, Marcel Franke in der Abwehr sowie der ewige Marvin Wanitzek im Mittelfeld bilden eine Achse aus Routine und Klasse, sie sollen dem sonst sehr jungen Team das nötige Korsett verleihen.

Die drei größten Trümpfe:
1. Taktisch variabler, hungriger neuer Cheftrainer Maximilian Senft mit klarer 4-2-3-1-Idee
2. Enorme individuelle Klasse und Marktwert-Potenzial durch Eigengewächse (Ben Farhat, Pinto Pedrosa, Sohr)
3. Gelungener Ausmist-Prozess im Kader zur Freisetzung neuer Dynamiken

Wo Zweifel angebracht sind
Der Gesamtkadermarktwert von über 30 Millionen Euro blendet massiv: Fast die Hälfte davon entfällt allein auf das 19-jährige Juwel Louey Ben Farhat - droht hier noch ein später Verkauf, bricht die spielerische Statik ein. Zudem fehlt dem Kader der gesunde Mittelbau: Das Team teilt sich extrem in unerprobte Teenager und alternde Routiniers (Wanitzek, Franke, Jung). In der zweiten Reihe wird die Qualität schnell dünn. Senft baut eine völlig neu formierte Truppe auf und wird Zeit brauchen, bis die Abstimmung in der Liga greift.

Die drei größten Gefahren:
1. Starke Leistungsschwankungen durch das Fehlen eines gefestigten Mittelbaus.
2. Ein später Abgang von Toptalent Louey Ben Farhat entzieht der Offensive das Herzstück.
3. Anlaufschwierigkeiten im neuen Senft-System führen früh zu Druck im Umfeld.

Prognose: Der KSC geht nach dem Umbruch mit spürbarer Aufbruchsstimmung in die neue Spielzeit. Maximilian Senft bringt die nötige taktische Frische mit, um aus den hoch veranlagten Talenten wie Ben Farhat und Daniel Sohr das Maximum herauszuholen. In der Spitze kann die erste Elf jedem Gegner der 2. Bundesliga gefährlich werden. Da es dem Kader jedoch in der Breite an Qualität fehlt und Ausfälle der gealterten Stammkräfte kaum gleichwertig aufgefangen werden können, wird sich der KSC nach den Turbulenzen des Vorjahres zunächst konsolidieren müssen. Ich wage mich mal weit aus dem Fenster und sage, dass das nicht klappen wird. Mit Eichner ging der emotionale Anker, ich glaube einfach, dass hier ein Vakuum entstanden ist und wenn der Rhythmus und Erfolg sich unter Senft nicht gleich einstellen, kann es schnell unruhig werden. Ich finde die Schieflage in der Kaderstruktur ist unübersehbar und halte es wirklich für möglich, dass der KSC abstürzt und ich mache hier mal eine maximale negative Überraschung auf Rang 17.
 
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Hertha BSC: Quo Vadis?

Die Story
Hertha BSC ging 2025/26 als absolute Aufstiegshoffnung in die Saison, landete am Ende aber ernüchtert auf Platz 7 (51 Punkte). Der Tiefpunkt war ein katastrophales 1:6 am letzten Spieltag in Bielefeld, das die Unkonstanz des Teams sinnbildlich zusammenfasste. In diesem Sommer folgte der extreme Aderlass: Mit Urgestein und Kapitän Fabian Reese (8 Mio. € zu Wolfsburg), Top-Talent Kennet Eichhorn (9 Mio. € zu Leverkusen) und Spielmacher Michaël Cuisance (3,5 Mio. € zu RC Lens) hat die Hertha ihre sportliche Seele veräußert. Auch Routiniers wie Toni Leistner, John Anthony Brooks und Diego Demme sind Geschichte. Auf der Zugangsseite stehen bisher fast ausschließlich eigene Jugendspieler - von Aufstiegsambitionen kann im Olympiastadion vorerst keine Rede mehr sein.

Wie das gelingen soll
Trainer Stefan Leitl (seit Februar 2025 im Amt) steht vor der vielleicht schwersten Aufgabe seiner Karriere. Er muss dem Berliner Spiel nach dem Verkauf der Stars ein völlig neues Gesicht verpassen.

Die Ausrichtung für die Übergangssaison kann vlt. als erzwungener Weg über den Nachwuchs beschrieben werden. Geschäftsführer Peter Görlich und Sportdirektor Benjamin Weber haben die Devise ausgegeben, den Kader über Eigengewächse zu konsolidieren (mindestens vier Profiplätze für Akademiespieler). Berliner Eigengewächse wie Linus Gechter, Márton Dárdai, Pascal Klemens und Julian Eitschberger rücken fest in die Führungsverantwortung. Helfen soll ein kollektiver Offensiv-Ansatz: Weil die herausragende Individualklasse von Reese fehlt, muss die Torgefahr auf viele Schultern verteilt werden. Luca Schuler und Sebastian Grønning (in der Vorbereitung bereits treffsicher) sollen das Sturmzentrum besetzen, flankiert von Josip Brekalo und Marten Winkler. Erfahrenes Gerüst im Zentrum: Paul Seguin, Leon Jensen und Kevin Sessa bilden eine solide Mittelfeldachse, um der jungen Hintermannschaft die nötige Absicherung zu bieten.

Die drei größten Trümpfe:
1. Finanzieller Konsolidierungsschub und frischer Spielraum durch den Millionensegen der Spielerverkäufe
2. Hochveranlagter Nachwuchs-Fundus (Gechter, Klemens, Dárdai) für einen echten Berliner Weg
3. Zweitligaerprobtes Mittelfeld-Gerüst um Paul Seguin und Leon Jensen

Wo Zweifel angebracht sind
Der Kader wurde seiner Unterschiedsspieler beraubt. Weder Winkler noch Brekalo konnten Reese-Leistungen über eine ganze Saison nachweisen; im Zentrum fehlt die spielerische Genialität von Cuisance komplett. Zudem ist jetzt mit Ernsts Abgang zu Feyenoord die verlässliche Nummer eins im Tor auch noch weggebrochen. Stefan Leitl, der bereits in der Vorsaison an einer klaren Offensividee für ein Spitzenteam scheiterte, muss nun mit spürbar schwächerem Personal ein funktionierendes System bauen. Der Saisonauftakt mit den Partien beim VfL Bochum und gegen den 1. FC Heidenheim birgt massives Frustpotenzial.

​Die drei größten Gefahren:

1. Die junge, neu formatierte Defensive bricht ohne erfahrene Führungsspieler unter gegnerischem Druck ein.
2. Ein spätzündender Transfermarkt lässt Hertha mit einem unvollständigen Kader in den ersten Wochen Punkte verspielen.
3. Das gewohnte Berliner Druckumfeld verliert bei ausbleibendem Erfolg früh die Geduld mit dem Jugendkurs.

Prognose: Für Hertha BSC wird 2026/27 das angekündigte Übergangsjahr. Das Team besitzt zwar genügend defensives und taktisches Grundniveau, um im Mittelfeld der 2. Bundesliga mitzuhalten und dank des eigenen Nachwuchses phasenweise zu begeistern. Allerdings fehlt in der Spitze schlichtweg die Durchschlagskraft und spielerische Extraklasse der verkauften Leistungsträger, um im Aufstiegsrennen ein Wort mitzureden. Kann auf dem Transfermarkt nicht auf allen Problemzonen nachjustiert werden, verankern sich die Berliner im grauen Mittelfeld der Tabelle. Ich packe sie mal auf Rang 11. Viele sehen sie mit dem Potential abzustürzen aber ich denke nicht, dass das passieren wird.
 
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FC Kaiserslautern: Verjüngungskur und Wiederaufbau der Betze-DNA

Die Story
Seit der Rückkehr in die 2. Bundesliga kratzt der 1. FC Kaiserslautern Jahr für Jahr an den Aufstiegsrängen. Auch die vergangene Saison 2025/26 schloss der FCK auf Platz 6 ab - mit 52 Punkten und 10 Zählern Rückstand auf die Aufstiegsränge. Die Bilanz verdeutlicht das Dilemma der Roten Teufel: Mit 52 erzielten Treffern war die Offensive zwar schlagkräftig, doch 47 Gegentore offenbarten die fehlende Konstanz eines echten Spitzenteams. Unter Cheftrainer Torsten Lieberknecht (seit April 2025 im Amt) soll nun der nächste Schritt gelingen. Bei der Mission Bundesliga-Rückkehr setzt die Führungsetage um Geschäftsführer Thomas Hengen und Sportdirektor Marcel Klos auf eine gezielte Verjüngungskur - gepaart mit der unruhig-leidenschaftlichen Wucht des Fritz-Walter-Stadions.

Wie das gelingen soll
Lieberknecht setzt bevorzugt auf ein 3-4-2-1- bzw. 3-4-1-2-System mit hoher körperlicher Intensität und schnellem Umschaltspiel. Um die gegnerische Defensive noch flexibler zu knacken und die eigene Abwehr zu stabilisieren, wurde der Kader im Sommer kräftig durchgeschüttelt. Es kommt durch die Abgänge auch zu einem Umbruch, was Identifikationsfiguren anbelangt. Routiniers und langjährige Wegbegleiter wie Daniel Hanslik (VfL Bochum), Kenny-Prince Redondo, Florian Kleinhansl (Darmstadt 98), Avdo Spahic, Faride Alidou und Luca Sirch (SV Elversberg) haben den Klub verlassen. Der neue Fokus gilt vor allem auch Top-Talenten. Mit Kelven Frees (21, 2,02m Hüne ausgeliehen von der TSG Hoffenheim) kommt ein hochveranlagter Innenverteidiger für die Dreierkette. Ergänzt wird die Jugendriege durch Leih-Stürmer Ibrahim Kanaté (19, RSC Anderlecht) sowie die Nachwuchshoffnungen Thierry Tazemeta (18, BVB U19) und Ivan Knežević (19, VfB Stuttgart U19).
Paul Joly wurde nach vorheriger Leihe für 1,25 Mio. € fest von AJ Auxerre verpflichtet. Gemeinsam mit Leistungsträgern wie Marlon Ritter, Naatan Skyttä, Fabian Kunze, Jacob Rasmussen und Torwart Julian Krahl bildet er das qualitative Rückgrat. Eine Achse, die sich auf dem Papier sehen lassen kann.

Die drei größten Trümpfe
1. Ewiger Mythos Betzenberg: Die Heimstärke und die emotionale Kulisse im Fritz-Walter-Stadion sind in der 2. Bundesliga eine Klasse für sich.
2. Mit Akteuren wie Naatan Skyttä, Marlon Ritter und Semih Şahin besitzt Lautern enorm hohe spielerische Qualität im Zentrum.
3. Die vielen neuen, hungrigen Talente (Frees, Kanaté, Tazemeta) bringen Dynamik und unbeschwerte Frische. Das Verjüngungsprojekt ist spannend.

Wo Zweifel angebracht sind
Der verjüngte Kader bringt zwangsläufig Leistungsschwankungen mit sich. Den jungen Wilden fehlt es in engen Partien mitunter an Kaltschnäuzigkeit und Zweitliga-Erfahrung. Zudem steht Torsten Lieberknechts taktischer Ansatz immer wieder in der Kritik, gegen tiefstehende Teams zu wenig ballbesitzorientierte Lösungen zu finden. Mit der extrem starken Konkurrenz (finanzstarke Absteiger wie der VfL Wolfsburg sowie ambitionierte Teams wie Hannover, Hertha BSC oder Bochum) ist der Druck im Pfälzer Umfeld enorm hoch.

Die drei größten Gefahren
1. Ausfälle von defensiven Säulen wie Rasmussen oder Unruheherden im Mittelfeld wie Ritter treffen den Kader sofort knüppelhart.
2. Wenn die verjüngte Truppe nicht sofort funktioniert, schlägt die Stimmung auf dem Betzenberg rasch um. Anlaufschwierigkeiten werden kaum zu vermeiden sein.
3. Die Partien beim VfL Wolfsburg, das Südwest-Derby gegen den KSC und das Hass-Duell gegen Waldhof im Pokal erzeugen sofort eine brisante Druckkulisse. Das Auftaktprogramm hat es wahrlich in sich.

Prognose
Der 1. FC Kaiserslautern wird auch in der Saison 2026/27 zu den unangenehmsten und emotionalsten Mannschaften der Liga gehören. Die Roten Teufel besitzen genügend individuelle Klasse, um an guten Tagen jedes Team der Liga zu schlagen und am Betzenberg eine echte Macht zu sein. Allerdings wird der Umbruch Zeit benötigen, weshalb es gegen die enorm starke Konkurrenz an der Tabellenspitze nicht reicht für Träumereien. Ich denke sogar Lautern hat das Potential negativ zu überraschen, nicht wenige sehen Lieberknechts Stuhl rasch wackeln, wenn das schwere Auftaktprogramm nicht bewältigt werden kann. Vielleicht hat Lautern eine wenig erbauliche Hinrunde, erlebt dann einen Trainerwechsel und konsolidiert sich eher in der zweiten Saisonhälfte. Am Ende Rang 7.
 
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1. FC Nürnberg: Miroslav Kloses Geduldsprobe zwischen Jugendförderung und Aufstiegssehnsucht

Die Story
Der 1. FC Nürnberg geht mit einer Mischung aus vorsichtigem Optimismus und bewusst gedämpften Erwartungen in die Spielzeit 2026/27. Unter Cheftrainer Miroslav Klose steigerte sich der FCN in den vergangenen zwei Spielzeiten stetig (Platz 10 und zuletzt Platz 8 mit 48 Punkten in der Saison 2025/26). Historisch gesehen verbesserte sich der Club seit vier Jahren kontinuierlich um jeweils zwei Tabellenplätze. Dennoch verzichten Trainer Klose und Sportvorstand Joti Chatzialexiou bewusst auf das Ausrufen eines konkreten öffentlichen Tabellenziels. Die Sehnsucht nach der Bundesliga ist im Frankenland ungebrochen - Neuzugang Giannis Masouras sprach gar öffentlich vom Aufstiegsziel -, doch intern weiß man um das Risiko des erneuten Umbruchs.

Wie das gelingen soll
Klose geht bereits in seine dritte Saison als FCN-Cheftrainer (Vertrag bis 2028), womit er zu den dienstältesten Trainern der Liga gehört. Taktisch experimentierte er in der Vorbereitung zwischen einer Dreier- und Viererkette, tendiert aber zur defensiven Stabilität einer Viererreihe im 4-3-3 bzw. 4-2-3-1.

Der FCN musste erneut hohe Kadermutationen verkraften und verzeichnete 17 Abgänge (u. a. die kompletten Stamm-Innenverteidiger Luka Lochoshvili für ca. 5 Mio. € zum 1. FC Köln und Fabio Gruber für 3,5 Mio. € nach Mainz sowie Tom Baack). Dem stehen 9 bis 10 Millionen Euro an Einnahmen gegenüber, während bei den Neuzugängen auf ablösefreie oder kostengünstige Optionen gesetzt wurde. Erfahrene Offensive & Physis: Sigurd Haugen (ablösefrei von 1860 München) und Adriano Grimaldi bringen Präsenz im Sturmzentrum. Für die Außenbahn wurde Rayan Ghrieb (für 600.000 € von Magdeburg) verpflichtet. Dann die neue Defensive: Die Innenverteidigung wurde mit Fynn Otto (SC Verl) und Alexios Kalogeropoulos (Olympiakos Piräus) neu besetzt. Die rechte Abwehrseite verstärkt der erfahrene Grieche Giannis Masouras. Außerdem will Klose wieder eigeneTalente einbinden. Wie schon in den Vorjahren bekommen Eigengewächse und Talente wie Marko Soldo (16 Jahre), Tim Janisch, Eric Porstner und Piet Scobel Spielzeit.

Die drei größten Trümpfe
1. Enorme Qualität im Mittelfeld: Mit Julian Justvan, Rafael Lubach, Adam Markhiev und Michal Sevcik verfügt der Club über eines der spielstärksten und kreativsten Zentren der 2. Bundesliga.
2. Offensive Variabilität: Durch Neuzugänge wie Haugen und Ghrieb sowie die etablierten Kräfte Mohamed Ali Zoma und Justvan ist Nürnberg im Spiel nach vorne deutlich unberechenbarer und physischer aufgestellt.
3. Kontinuität auf der Trainerbank. Klose kennt das Umfeld sowie die Liga in- und auswendig und genießt das volle Vertrauen der Sportlichen Leitung um Chatzialexiou.

Wo Zweifel angebracht sind
Der größte Schwachpunkt ist die komplett neu formierte Viererkette. Durch den Abgang von Lochoshvili und Gruber fehlt es in der Innenverteidigung an eingespielten Abläufen und Zweitliga-Erfahrung. Zudem ist die Linksverteidiger-Position mit dem jungen Eric Porstner extrem dünn besetzt. Auf der Sechser-Position fehlt weiterhin ein echter Abräumer und Stabilisator, der Adam Markhiev defensiv den Rücken freihält. Auch Wechselgerüchte um Leistungsträger wie Mohamed Ali Zoma oder unruhige Fluktuationen im Trainerstab (wie der kurzfristige Abgang von Spielanalyst Sebastian Sommer) sorgen für leise Zweifel.

Die drei größten Gefahren
1. Defensive Instabilität: Konteranfälligkeit nach Ballverlusten im Zentrum und Abstimmungsprobleme der neu zusammengewürfelten Abwehrreihe.
2. Emotionaler Fehlstart: Ein schwerer Auftakt mit dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden (9. August) und dem darauffolgenden Frankenderby bei Greuther Fürth könnte früh Unruhe erzeugen.
3. Fehlende Effizienz: Die Unfähigkeit, eng umkämpfte, unspektakuläre Partien pragmatisch mit 1:0 für sich zu entscheiden.

Prognose
Der 1. FC Nürnberg präsentiert sich spielerisch ausgereift und besitzt eine Offensive, die an guten Tagen jede Abwehr der Liga zerlegen kann. Für den ganz großen Wurf in Richtung Bundesliga-Rückkehr fehlt es defensiv jedoch noch an der nötigen Abstimmung und der Kadertiefe auf den Außenbahnen sowie im defensiven Mittelfeld. Findet Klose schnell die defensive Balance und schlagen die Neuzugänge an, setzt sich der FCN im oberen Drittel fest. Ich bin mal sehr optimistisch mit dem Glubb und sage Rang 6 - wieder zwei Plätze besser als vergangene Saison. Es kann aber auch deutlich schlechter enden, manche trauen dem Glubb einen kleinen Absturz zu.
 
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1. FC Heidenheim: Ruhige Hand auf dem Schlossberg nach dem Erstliga-Kapitel

Die Story
Nach drei Jahren im Oberhaus ist der 1. FC Heidenheim zurück in der 2. Bundesliga. Der Abstieg mit 26 Punkten auf Platz 17 (nach Platz 8 und 16 in den Vorjahren) deutete sich früh an und war am Ende der schwachen Defensive mit 72 Gegentoren geschuldet. Dennoch verabschiedete sich das Team um Legende Frank Schmidt mit erhobenem Haupt: Im Saisonendspurt lieferte der FCH noch einmal einen leidenschaftlichen Kampf.

In der neuen Saison bleibt Heidenheim seiner Philosophie treu. Während andere Absteiger in Aktionismus verfallen, setzt Vorstand Holger Sanwald auf Kontinuität. Schmidt geht in seine mittlerweile 20. Saison auf dem Schlossberg (seit 2007 im Amt) - möglicherweise seine letzte, da sein Vertrag ausläuft.

Durch das Ende mehrerer Leihen (u. a. Arian Ibrahimović, Eren Dinkçi, Hennes Behrens, Diant Ramaj, Leonidas Stergiou) und den Abgang von Stammkräften wie Omar Traoré (Udinese Calcio), Thomas Keller (für 1 Mio. € fest zu Dresden) sowie Kevin Müller (Schalke) verließen zehn Akteure den Klub. Zudem ist der Wechsel von Mittelfeld-Motor Niklas Dorsch (Richtung Toronto) ein herber Verlust. Auf der Zugangsseite agierte der FCH gewohnt zurückhaltend und verpflichtete punktuell Talente sowie drittligaerfahrene Kräfte.

Wie das gelingen soll
Frank Schmidt baut auf dem bewährten Fundament auf und setzt im variablen Spielsystem (4-3-3, 4-2-3-1 oder 4-4-2) auf defensive Kompaktheit und Umschaltspiel.
Man kann den Kaderumbau auf die zwei Schlagworte Verjüngung & Drittliga-Input zusammenfassen: Für die Offensive sicherten sich die Ostälbler Flügel-Talent Paul Nebel/Henrich (21, für 1,5 Mio. € von Hoffenheim II) sowie den erfahrenen Marcel Costli (30, für 1 Mio. € aus Ingolstadt). Rechtsverteidiger Oualid Mhamdi kam ablösefrei von Verl, fürs Tor wurde Thomas Dähne (1860 München) geholt. Rückkehrer Maximilian Breunig verstärkt die Sturmspitze. Nach dem Müller-Abgang rückt Nachwuchskeeper Frank Feller als neue Nummer eins zwischen die Pfosten. Ein Gerüst an Etablierten bleibt immerhin erhalten: Die Innenverteidigung um Kapitän Patrick Mainka, Benedikt Gimber und Tim Siersleben stellt für Zweitliga-Verhältnisse absolute Spitzendynamik dar. Vorne sollen Marvin Pieringer, Budu Zivzivadze und Mikkel Kaufmann die Torgefahr verteilen.

Die drei größten Trümpfe
1. Ein Kult-Cheftrainer mit fast zwei Jahrzehnten FCH-Erfahrung, der wie kein Zweiter die Identität des Klubs verkörpert und taktisch extrem variabel reagiert.
2. Das Abwehrzentrum mit Mainka, Gimber und Siersleben plus Jonas Föhrenbach links sorgt für hohe defensive Grundstabilität. Für die 2. Bundesliga ist das schon gut.
3. Im Gegensatz zu vielen Mitabsteigern herrscht in der Voith-Arena kein akuter Aufstiegsdruck. Der Verein ist finanziell gesund.

Wo Zweifel angebracht sind
Der Kader verlor durch das Ende der Leihgeschäfte spürbar an individueller Schärfe im Angriffsdrittel. Auch das Fehlen eines echten Abräumers vor der Abwehr (Sechser-Position) bereitet Sorgen. Zudem ist die Linksverteidiger-Position dünn besetzt, solange Leart Paçarada nach langer Verletzung nicht bei 100 % ist. Findet der FCH offensiv nicht die zündenden Ideen gegen tiefstehende Gegner, drohen viele Remis.

Die drei größten Gefahren
1. Der Verlust von Niklas Dorsch reißt im zentralen Mittelfeld ein spielerisches und zweikampfstarkes Loch.
2. Spekulationen über das Karriereende des Kult-Trainers könnten im Saisonverlauf Unruhe erzeugen.
3.Gerüchte um Schlüsselspieler wie Mainka oder Pieringer bergen die Gefahr, dass die Aufstellung im August noch ins Wanken gerät.

Prognose
Der 1. FC Heidenheim fällt nach dem Erstliga-Abstieg keineswegs in ein tiefes Loch. Die Ostälbler besitzen eine hervorragend eingespielte Hintermannschaft und den gewohnten Schmidt-Pragmatismus. Für ganz oben fehlt es nach dem Verlust wichtiger Leih-Unterschiedsspieler zwar etwas an offensiver Durchschlagskraft, doch für eine sorgenfreie Spielzeit im oberen Tabellendrittel ist die Qualität absolut ausreichend. Schmidt findet immer einen Weg, das Maximale rauszuholen, vlt. kann im Winter ja dann noch punktuell verstärkt werden. Mir werden die Heidenheimer in vielen Previews zu schlecht geredet. Sie sind nicht der typische Absteiger, irgendwie traue ich ihnen zu sich in der 2. Bundesliga gleich wieder gut zurechtzufinden. Am Ende wird es Rang 5.
 
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FC St. Pauli: Umbruch am Millerntor zwischen Neuaufbau und Aufstiegsambitionen

Die Story
Nach zwei Jahren in der Bundesliga ist der FC St. Pauli zurück im Unterhaus. Der Abstieg als Tabellen-18. deutete sich über die gesamte Saison an: Trotz starker Ansätze fehlte es defensiv an der Stabilität der Vorjahre (Platz 14 im Jahr davor), während die Offensive viel zu harmlos blieb. Die Trennung von Alexander Blessin war die logische Konsequenz.

Mit dem neuen Cheftrainer Marcel Rapp soll nun der Neuanfang gelingen. Der 47-Jährige bringt reichlich Zweitliga-Erfahrung mit (führte Holstein Kiel 2024 erstmals ins Oberhaus) und steht für defensive Struktur und klare Hierarchien.

Der Umbruch fällt vor allem in der Defensive schmerzhaft aus: Erfahrene Säulen wie Torhüter Nikola Vasilj, Karol Mets und Hauke Wahl (für 1,8 Mio. € nach Wolfsburg) verließen den Klub ebenso wie die Leihspieler James Sands und Emil Gazdov. Insgesamt verzeichnen die Kiezkicker acht Abgänge. Auf der Zugangsseite setzte Sportchef Andreas Bornemann auf erfahrene Zweitliga-Profis: Mit Marcus Mathisen (ablösefrei aus Magdeburg) und Branimir Hrgota (ablösefrei von Greuther Fürth) holte man zwei echte Führungsspieler, ergänzt durch das australische Mittelfeld-Talent Sam Klein (Brisbane Roar).

Wie das gelingen soll
Marcel Rapp setzt auf ein taktisch flexibles 3-4-3 bzw. 3-5-2, das defensiv kompakt steht und über Umschaltmomente oder aktive Schienenspieler Torgefahr erzeugt. Im Zentrum existiert nun ein neues Führungs-Trio: Marcus Mathisen soll in der Dreierkette (neben David Nemeth und Tomoya Andō) sofort die Rolle des Abwehrchefs und Aufbauspielers von Wahl/Mets übernehmen. Eric Smith agiert als flexibler Backup oder Abräumer. Kreativität soll v.a. durch Hrgota kommen. Der 33-jährige Branimir Hrgota schließt auf der Zehn oder als zweite Spitze die Lücke im Übergangsspiel. Seine Spielintelligenz und Standards sollen die drängenden Offensivprobleme der Vorjahre lösen.
Nach Vasiljs Abgang steigt Ben Voll (25) zur neuen Nummer eins im Tor auf. Die Achse um Kapitän Jackson Irvine, Mathias Rasmussen, Connor Metcalfe und Joel Chima Fujita garantiert enorme Physis, Zweikampfstärke und internationale Erfahrung im Mittelfeld.

Die drei größten Trümpfe
1. Das Zentrum gehört mit Irvine, Rasmussen und Fujita zum Besten, was die 2. Bundesliga aufzuweisen hat. Hohe Qualität ist also in diesem Mannschaftsteil vorhanden.
2. Führungsspieler Hrgota & Mathisen: Beide Neuzugänge bringen immens viel Zweitliga-Erfahrung, Mentalität und Passqualität mit, um ein neues Gerüst zu formen.
3. Heimstärke am Millerntor: Die enge Verbindung zwischen Fans und Mannschaft bleibt ein emotionaler Vorteil, der gerade zum Saisonstart Dynamik entfachen kann.

Wo Zweifel angebracht sind
Der Verlust der kompletten Abwehr-Achse (Vasilj, Wahl, Mets) wiegt schwer. Es ist unklar, wie schnell die neu zusammengestellte Dreierkette die nötige Abstimmung findet. Zudem muss Ben Voll erst noch beweisen, dass er über eine gesamte Zweitliga-Saison hinweg ein Rückhalt auf Top-Niveau sein kann - dahinter fehlt es im Torhüter-Team an echtem Konkurrenzkampf. Im Sturmzentrum (Ceesay, Hara, Kaars) bleibt abzuwarten, wer verlässlich zweistellig trifft.

Die drei größten Gefahren
1. Eine mögliche anhaltende Offensiv-Lethargie: Sollte die Chancenverwertung wie in der Bundesliga-Saison schwach bleiben, verliert der FCH schnell den Anschluss an die Spitze.
2. Fehlender Schwung im Torwart-Duell: Ein Wackeln der neuen Nummer eins könnte die veränderte Hintermannschaft früh verunsichern.
3. Ausfall von Leistungsträgern: Eine schwere Verletzung von Unterschiedsspielern wie Irvine oder Hrgota wäre personell nur schwer zu kompensieren.

Prognose
Der FC St. Pauli verfügt im Mittelfeld und im Angriff über ausreichend Substanz, um eine prägende Rolle in der 2. Bundesliga zu spielen. Marcel Rapp wird dem Team schnell taktische Disziplin einimpfen. Weil die Abwehr jedoch Zeit braucht, um zusammenzuwachsen, und im Sturm die absolute Knipser-Garantie fehlt, reicht es voraussichtlich nicht ganz für einen Wiederaufstieg: Es fühlt sich fast zu optimistisch an, Pauli auf Rang 4 zu packen.
 
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Holstein Kiel: Zurück zu den Wurzeln - Das Experiment mit Tim Walter

Die Story
Nach dem historischen Bundesliga-Aufstieg 2024 und dem direkten Wiederabstieg verlief die abgelaufene Zweitliga-Saison 2025/26 für Holstein Kiel ernüchternd. Die "Störche" gerieten in einen Abwärtsstrudel, der im Februar 2026 zur Trennung von Aufstiegstrainer Marcel Rapp (jetzt FC St. Pauli) führte. Als Retter wurde ein alter Bekannter geholt: Tim Walter übernahm im Frühjahr und kehrte an die Wirkungsstätte zurück, an der er 2018/19 seinen Durchbruch feierte.

Die Kieler beendeten die schwierige Vorsaison im unteren Mittelfeld. Nun geht Walter in seine erste volle Saison nach der Rückkehr. Anders als in der Aufstiegssaison setzt die Führungsetage an der Förde auf eine spielerische Neuausrichtung und möchte mit Walters berüchtigtem Ballbesitzfußball wieder den Blick nach oben richten.

Wie das gelingen soll
Tim Walter fordert von seiner Mannschaft Mut, extremes Ballbesitzspiel und ein aggressives, hohes Pressing. Auf dem Transfermarkt wurde der Kader gezielt für diesen Stil angepasst. Zunächst ging es um die Erfahrung im Abwehrzentrum: Mit Routinier Sebastian Schonlau (ablösefrei verpflichtet) holte Kiel Walters einstigen Abwehrchef und Kapitän aus gemeinsamen HSV-Zeiten ins Boot, um die wackelige Hintermannschaft zu organisieren. Für das offensive Mittelfeld sicherte man sich die Dienste des Argentiniers Guillermo Balzi (Newell's Old Boys) für 550.000 €. Zudem wechselten Flügelstürmer Faride Alidou (Kaiserslautern) und der erfahrene georgische Mittelstürmer Giorgi Kvilitaia (FC Metz) ablösefrei an die Förde. Sie sollen alle für den kreativen Offensivinput sorgen. Dazu kommen noch internationale Leih-Konzepte: Aus Frankreich ausgeliehen wurden Rechtsverteidiger Hiroki Sekine (Stade Reims) sowie der junge defensive Mittelfeldspieler Taisei Abe (V-V. Nagasaki). Der Kader wurde außerdem etwas ausgedünnt. Routinier Patrick Erras hat seine Karriere beendet, während Leih-Rückkehrer wie Tymoteusz Puchacz gewinnbringend abgegeben wurden.

Die drei größten Trümpfe
1. Klare Trainer-Philosophie: Tim Walter bringt eine unmissverständliche Spielidee mit. Wenn das Team sein System verinnerlicht, ist Kiel für jeden Gegner der 2. Bundesliga extrem schwer zu bespielen.
2. Starke Achse um Schonlau: Mit Sebastian Schonlau im Zentrum verfügt Kiel über einen herausragenden Führungsspieler, der Walters Anweisungen als verlängerter Arm auf dem Platz direkt umsetzt.
3. Neuer Offensiv-Schwung: Die Mischung aus quirligen Winger-Profilen (Alidou, Kaprálik) und physischer Präsenz im Sturmzentrum (Kvilitaia, Harres) gibt dem Angriff deutlich mehr Variabilität.

Wo Zweifel angebracht sind
Der "Walter-Ball" ist hochkomplex und enorm risikobehaftet. Wie bereits in Walters vorherigen Stationen führt das extreme Aufrücken der Außenverteidiger und Innenverteidiger immer wieder zu Konteranfälligkeit bei Ballverlusten im Zentrum. In den Testspielen der Vorbereitung (u. a. ein 0:3 gegen Mainz 05 und ein 1:3 gegen Hoffenheim) zeigten sich die gewohnten Abstimmungsprobleme in der Rückwärtsbewegung. Zudem muss sich die neu zusammengestellte Achse unter Ligabedingungen erst noch einspielen.

Die drei größten Gefahren
1. Fehlpässe im eigenen Spielaufbau werden in der einklassigen 2. Bundesliga gnadenlos bestraft, die Anfälligkeit des Walter-Balls ist allseits bekannt.
2. Der Auftakt hat es in sich: Am 1. Spieltag gastiert Kiel beim SV Darmstadt 98, gefolgt vom Duell gegen St. Pauli und dem Pokalspiel bei 1860 München. Bleiben frühe Ergebnisse aus, wächst der Druck im Umfeld schnell.
3. Kader-Tiefe auf den Außenbahnen: Fällt einer der Schlüsselspieler im defensiven Umschaltspiel aus, fehlt es in der zweiten Reihe an gleichwertigem Ersatz.

Prognose
Holstein Kiel steht vor einer extrem spannenden Saison. Unter Tim Walter wird den Fans an der Förde garantiert nicht langweilig: Spektakuläre Offensivspiele und wilde Torausschläge sind vorprogrammiert. Wenn die Rädchen um Abwehrchef Schonlau greifen, besitzt Holstein Kiel genug Substanz, um wieder im oberen Tabellendrittel mitzumischen. Ich glaube Walter fühlt sich in Kiel sehr wohl und mir gefällt dir Vorstellung, dass er seinen Ball über die Jahre hinweg verfeinert hat, ich denke Kile wird etwas Zeit brauchen, aber wenn die sich mal richtig eingegroovt haben, sind sie so ein Team, die gerne mal eine brutale Siegesserie starten können. Ich bin hier sehr optimistisch und setze sie sogar auf den Relegationsplatz. Platz 3

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Reaktionen: Clark und Halvar
Hannover 96: Die Mission Aufstieg im zweiten Anlauf unter Christian Titz

Die Story
Das Drama vom 34. Spieltag der vergangenen Saison sitzt tief bei Hannover 96: Vor 49.000 Zuschauern im heimischen Niedersachsenstadion gaben die Roten ein 3:2 gegen den 1. FC Nürnberg aus der Hand, kassierten in der 83. Minute den 3:3-Ausgleich und mussten zusehen, wie der SC Paderborn vorbeizog. Platz vier am Ende - denkbar bitter und nach enttäuschenden sieben Rückrunden-Heimspielen mit nur einem einzigen Sieg der traurige Schlusspunkt einer an sich starken Saison.

Für Cheftrainer Christian Titz geht es in seiner zweiten vollen Spielzeit nun vor allem darum, dieses mentale Traumata aufzuarbeiten und die spielerische Dominanz in maximale Punkte umzumünzen. Die Erwartungshaltung im Umfeld der Leine-Metropole ist klar abgesteckt: Nach dem knapp verpassten Relegationsrang gilt 96 auch in diesem Jahr als eines der ambitioniertesten Teams der 2. Bundesliga.

Der Sommer brachte allerdings einen empfindlichen Verlust: Kapitän und Mittelfeld-Strategischer Fixpunkt Enzo Leopold verließ die Niedersachsen ablösefrei Richtung Borussia Mönchengladbach. Auf der Torhüter-Position reagierten die Verantwortlichen direkt und verpflichteten den 23-jährigen Schweizer Pascal Loretz (FC Luzern) als neue Nummer eins bis 2030.

Wie das gelingen soll
Christian Titz behält seine gewohnte Spielphilosophie bei: Mutiger Ballbesitzfußball, hohes Anlaufen und ein aktiv mitspielender Torhüter. Die Umsetzung soll über klare Strukturen gelingen: Pascal Loretz ist der Neue Rückhalt im Spielaufbau, bringt Erfahrung aus über 100 Erstligaspielen mit und fügt sich als moderner, spielstarker Torhüter nahtlos in das Titz-System ein. Der finnische Nationalstürmer Benjamin Källman bleibt nach seinen 14 Saisontoren der Zielspieler im Angriff. Seine Physis und Arbeitsrate gegen den Ball machen ihn zu einem der komplettesten Angreifer der Liga. Hinter Källman sollen Mustapha Bundu, Lars Gindorf, Kolja Oudenne und Waniss Taïbi für mehr Torgefahr aus der zweiten Reihe sorgen, um die Abhängigkeit von der Sturmspitze zu verringern. In der Abwehr sieht es gut aus, wie ich meine. Die Innenverteidigung um Boris Tomiak, Virgil Ghiță und Jean Hugonet bietet Zweikampfhärte und Torgefahr bei eigenen Standards (wie Hugonets Kopfballtreffer in der Vorbereitung zeigte). Kaum ein Zweitligateam hat so eine variable Hintermannschaft.

Die drei größten Trümpfe
1. Klare spielerische Handschrift: Unter Christian Titz hat Hannover eine gefestigte Spielidentität entwickelt. Das Team beherrscht Ballzirkulation und Gegenpressing auf hohem Zweitliga-Niveau.
2. Bewährter Top-Knipser: Mit Benjamin Källman verfügt 96 über einen nachgewiesenen zweistelligen Torgaranten, der Spiele auch alleine entscheiden kann.
3. Hohe individuelle Qualität in der Abwehr: Das Trio Tomiak/Ghiță/Hugonet gehört zu den zweikampf- und aufbaustärksten Defensivreihen der Liga.​​

Wo Zweifel angebracht sind
In der 2. Bundesliga gibt es, das zeigt die Vergangenheit, wenig Planungssicherheit für Erfolg. Aber bei Hannover sehe ich wenig Defizite. Der Abgang von Enzo Leopold hinterlässt im zentralen Mittelfeld eine natürlich riesige Lücke. Es fehlt aktuell vielleicht noch an einem klaren Taktgeber, der in engen Spielphasen das Tempo drosselt, die Ordnung hält und die Standards serviert. Ob Stefan Teitur Thordarson oder Franz Roggow diese Führungsrolle sofort ausfüllen können, bleibt abzuwarten. Zudem offenbarte die Vorbereitung bei schnellen Umschaltmomenten des Gegners (wie beim 2:3 gegen Paderborn) erneut Schwächen in der Restverteidigung.

Die drei größten Gefahren
1. Das Trauma der Heimschwäche: Sollte 96 in den ersten Heimspielen erneut Punkte gegen tiefstehende Gegner liegen lassen, droht die Unruhe auf den Rängen schnell wieder den Druck auf die Mannschaft zu erhöhen.
2. Verletzungen von Leistungsträgern: Der Ausfall von Abwehrchef Virgil Ghiță (Muskel-Sehnen-Verletzung) zu Saisonbeginn zeigt, wie empfindlich die Achse getroffen werden kann.
3. Starke Konkurrenz: Mit den Bundesliga-Absteigern VfL Wolfsburg, 1. FC Heidenheim und FC St. Pauli sowie etablierten Kräften wie Bochum oder Hertha BSC ist die Spitze so breit besetzt wie lange nicht.

Prognose
Hannover 96 bringt spielerisch alles mit, um bis zum Schluss um die Aufstiegsplätze mitzuspielen. Die Mannschaft ist eingespielt und im Angriff mit Källman hervorragend besetzt. Durch den Verlust von Leopold im Zentrum und die noch ungelöste Heim-Problematik fehlt den Niedersachsen im Vergleich zur Bundesliga-Absteiger-Konkurrenz jedoch vielleicht die allerletzte Kaltschnäuzigkeit. Allerdings glaube ich, dass die vergangene Saison für Hannover eine große Lernerfahrung gezeitigt hat. Tietz wird sicherlich auch mental mit der Mannschaft gearbeitet haben, so dass die letzte Angst vor dem Erfolg abgelegt werden kann. Ich denke Hannover packt es diese Saison direkt in die Bundesliga aufzusteigen. Ich tippe sie als Vizemeister auf Rang 2.
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VfL Wolfsburg: Neuanfang in der 2. Bundesliga - Mission Wiederaufstieg unter Tobias Strobl

Die Story
Der Abstieg aus der Bundesliga war für den VfL Wolfsburg ein historischer Einschnitt und der Schlusspunkt jahrelanger Underperformance. Nun geht der Klub als nomineller Topfavorit in die Zweitliga-Saison 2026/27. Auf der Trainerbank gab es den Neustart: Tobias Strobl (zuvor erfolgreich beim SC Verl) wurde als neuer Cheftrainer und sicherlich spannende Personalie verpflichtet und unterzeichnete einen Vertrag bis 2028.

Unter der Führung von Ex-Coach und Geschäftsführer Dieter Hecking und Sportdirektor Pirmin Schwegler dreht sich das Transferkarussell in der Autostadt gewaltig. Der VfL nutzt seine wirtschaftlichen Ressourcen, um für die Mission Wiederaufstieg ein echtes Zweitliga-Starensemble zusammenzustellen, muss parallel aber den XXL-Kader deutlich verkleinern. Keine leichte Aufgabe. So etwas braucht Zeit.

Auf der Neuzugangsseite setzte Wolfsburg beeindruckende Ausrufezeichen: Mit Fabian Reese (Hertha BSC), Robert Glatzel (Hamburger SV), Hauke Wahl (FC St. Pauli), Elvis Rexhbecaj (FC Augsburg), Fraser Hornby (Darmstadt 98) sowie Muhammed Damar (TSG Hoffenheim) und Torwart Timon Wellenreuther (Feyenoord) sicherten sich die Niedersachsen geballte Zweitliga- und Bundesliga-Erfahrung!

Gleichzeitig verzeichnen die Wölfe namhafte Abgänge: Innenverteidiger Konstantinos Koulierakis steht vor einem Wechsel zur AS Rom, während Akteure wie Patrick Wimmer (Hoffenheim), Jakub Kamiński (1. FC Köln) und Jonas Wind den Klub verlassen haben. In der Gerüchteküche wird zudem um Sturmtalent Dzenan Pejcinovic gefeilscht (VfB Stuttgart drängt auf einen Transfer, Wolfsburg fordert rund 25 Mio. €), während auch bei Mohamed Amoura (RB Leipzig), Saël Kumbedi (Marseille) und Denis Vavro Abgänge im Raum stehen.

Wie das gelingen soll
Cheftrainer Tobias Strobl steht vor der Aufgabe, aus namhaften Einzelspielern in kürzester Zeit eine funktionierende, zweitligataugliche Einheit zu formen und kann sich auf eine nominell starke Achse verlassen: Mit Hauke Wahl als neuem Abwehrchef, Elvis Rexhbecaj im zentralen Mittelfeld sowie Fabian Reese und Robert Glatzel im Angriff verfügt der VfL über das wohl kompletteste Grundgerüst der Liga. Ich denke nicht, dass diese Personalien viel Einspielzeit brauchen werden. Die Kombination aus Glatzel als Zielspieler und Reese über die Außenbahnen verspricht Torgefahr am Fließband. Dahinter agiert Muhammed Damar als kreativer Taktgeber. Sowohl eine richtig gute Wucht im Abschluss als auch eine überdurschnittliche Kreativität sollten gegeben sein, wenn alle Spieler nur einigermaßen an ihr Normalniveau herankommen. Bei Reese war ist ja die Psyche ein großer Faktor, wenn der sich mal wohlfühlt und Sicherheit gewinnt, dann kann der problemlos explodieren in dieser Liga. Nicht zuletzt geht es weiterhin um Kaderhygiene & Konsolidierung: Bis zum Schließen des Transferfensters muss der Kader von über 35 Profis auf eine gesunde Kadergröße reduziert werden, um Unruhe in der Kabine zu vermeiden.

Die drei größten Trümpfe
1. Unangefochtene Kader-Qualität: Spieler wie Reese, Glatzel und Wahl gehören auf ihren jeweiligen Positionen zum Absolut Besten, was die 2. Bundesliga zu bieten hat.
2. Überragende finanzielle Mittel: Dank hoher Transfererlöse und solider Strukturen besitzt Wolfsburg Möglichkeiten, die weit über dem Ligadurchschnitt liegen.
3. Erfahrener Aufstiegs-Kern: Die Neuzugänge kennen die Anforderungen der 2. Bundesliga im Detail und benötigen keine lange Eingewöhnungszeit an die Liga.​

Wo Zweifel angebracht sind
Die größte Herausforderung liegt in der Favoritenrolle. Jeder Gegner wird gegen den Absteiger extra motiviert sein und tiefstehend verteidigen. Zudem muss Tobias Strobl beweisen, dass er den Sprung von der 3. Liga (SC Verl) zu einem hochambitionierten Großklub mit immensem Aufstiegsdruck nahtlos meistert. Solange Spekulationen um wechselwillige Profis (Pejcinovic, Amoura, Kumbedi) anhalten, bleibt eine gewisse Restunruhe im Trainingsbetrieb.

Die drei größten Gefahren
1. Kabinenspalten durch Wechselwillige: Unzufriedene Spieler, deren Abgang scheitert, könnten Unruhe ins Gefüge bringen.
2. Erwartungsdruck: Ein holpriger Start könnte im Umfeld sofort Hektik und Härte in den Aufstiegsdiskussionen auslösen.
3. Unterschätzung der Liga: Wer in der 2. Bundesliga nur über die individuelle Klasse zu kommen versucht, wird gegen zweikampfstarke Gegner schnell auf die Probe gestellt.

Prognose
Der VfL Wolfsburg hat auf dem Transfermarkt entschlossen gehandelt und genau jene Spieler geholt, die für einen erfolgreichen Zweitliga-Fußball stehen. Auch wenn der personelle Umbruch Zeit benötigt und Tobias Strobl sein Team erst einspielen muss, ist die individuelle Substanz des Kaders schlicht zu hoch für die Konkurrenz. Bringt der VfL die nötige Härte und Mentalität auf den Platz, führt der Weg zurück in das Oberhaus nur über die Niedersachsen: Es wäre albern den VfL nicht als ersten Kandidaten für die Meisterschaft zu küren. Der Marktwert, die Neuzugänge, die Größe des Vereins, die finanziellen Mittel, sogar noch nachzulegen - also das erinnert etwas an den letzten VfB Stuttgart-Abstieg. Wenig überraschend packe ich Wolfsburg auf Rang 1.
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