Blutauffrischung und gehänselte Kinder
München - Ein bisschen kratzte es schon an Alex Fergusons Image.
Der Trainer des englischen Meisters Manchester United ist ein Pedant sondersgleichen, überlässt nichts dem Zufall. Erfolg ordnet er alles unter.
Aber dann das: Wenige Tage vor dem Saisonstart der Premier League verpasste der Teammanager des Meisters Manchester United die Testspiele gegen Dunfermline und Glentoran.
Ferguson als Umzugshelfer
Nicht, weil er mögliche Neuzugänge oder den Auftaktgegner Reading beobachtete. Oder weil er krank war.
Nein, er half seiner Ehefrau Cathy beim Umzug.
"Ich habe ihr gesagt, dass ich ein Spiel habe, aber das hat sie nicht interessiert. Sie hat gesagt, dass es nur ein Freundschaftsspiel wäre und ich ihr helfen muss", erzählt Ferguson.
Er klang dabei aber nicht so, als sei er sonderlich verärgert.
Tevez im Anflug
Ähnlich entspannt erlebt man Ferguson nur selten - vor allem nicht so kurz vor dem Saisonstart am Samstag. Aber die im Sommer getätigten Transfers geben dem "Sir" offenbar genug Sicherheit, um auf die Generalproben seines Teams verzichten zu können.
Für Owen Hargreaves (FC Bayern), Brasiliens Wunderkind Anderson (FC Porto) und Flügelflitzer Nani (Sporting Lissabon) gab United über 70 Millionen Euro aus. Zudem ist Carlos Tevez' Verpflichtung nur noch eine Frage der Zeit.
"Wir bekommen vier fantastische neue Spieler. Daher wollen wir neben dem Meistertitel auch die Champions League gewinnen", sagt Cristiano Ronaldo, Englands Fußballer des Jahres.
"Noch stärker"
Den ersten Titel hat sich Manchester schon gesichert: Den englischen Supercup nach einem Elfmeter-Krimi gegen den FC Chelsea.
"Unser Team ist noch stärker als letztes Jahr", so Ronaldos Kampfansage an die Konkurrenz.
Verletzungsmisere bei Chelsea
Weniger gut sieht es bei Chelsea aus. Die "Blues" gehen gehandicapt in die Saison. Gleich 14 Spieler plagen diverse Blessuren, so dass Trainer Jose Mourinho zuletzt nur mit elf Mann trainieren konnte.
Und auch die anhaltenden Wechselgerüchte um Michael Ballack, Frank Lampard und Arjen Robben drückten die Stimmung beim Vizemeister.
Wichtige Blutauffrischung
Mourinho selbst weigert sich jedoch, die Probleme medial zu thematisieren. Vielmehr vergleicht er sein Team mit einer "sehr glücklichen und freundlichen Gruppe". Chelsea könne von Großem träumen, da seine Spieler "grandios" seien. Klingt ein wenig nach Scheuklappen.
Die Zugänge Florent Malouda (Lyon), Claudio Pizarro (FC Bayern), Tal Ben Haim (Bolton) und Steve Sidwell (Reading) geben nach Mourinhos Ansicht Anlass zu Zuversicht.
"Wir haben die Blutauffrischung gebraucht. Jetzt ist der Kader sehr ausgeglichen, keiner kann sich auf vergangenen Lorbeeren ausruhen", sagt der Coach.
Neuer Sturm bei den "Reds"
Noch größer fiel der Schnitt beim Vorjahres-Dritten Liverpool aus. Mit Fernando Torres, Ryan Babel und Andrej Woronin für Djibril Cisse, Craig Bellamy und Robbie Fowler wurde der Sturm grundsaniert.
Für das Mittelfeld kamen Yossi Benayoun (West Ham) und aus Brasilien Lucas Leiva. Der größte Coup soll aber noch folgen: Sevillas Rechtsverteidiger Dani Alves, pikanterweise auch ein Wunschkandidat des FC Chelsea.
Tottenham will in die Phalanx einbrechen
Statt auf große Namen setzt Tottenham auf die Jugend – und ließ dennoch 50 Millionen Euro für Darren Bent, Kevin-Prince Boateng, Younes Kaboul und Gareth Bale springen.
"Erstmals haben wir endlich einen Kader zusammen, um in die Phalanx der großen Vier einzubrechen", sagt Abwehrchef Ledley King.
Mäzene und ihr Spielzeug
Aber nicht nur Tottenham hat ambitionierte Pläne. Nach einer halben Ewigkeit im fußballerischen Niemandsland holte Manchester City mit seinem neuen Besitzer Thaksin Shinawatra als Trainer Sven Göran Eriksson und acht neue Spieler.
Unter anderem Elano, Waleri Bojinow, Matrin Petrow und Rolando Bianchi.
Ähnlich locker saß der Geldbeutel in Portsmouth und West Ham. David Nugent, John Utaka sowie Sulley Muntari kosteten "Pompeys"-Mäzen Alexandre Gaydamak 30 Millionen, West Hams Eigentümer Eggert Magnusson angelte sich Bellamy und Freddie Ljungberg.
Arsenal: Talente - aber keine Topstars
Ljungberg zog bei beim FC Arsenal die Konsequenzen, nachdem die Londoner im Sommer nicht ambitioniert genug investiert hätten.
In der Tat: Große Namen sucht man bei den Neuverpflichtungen der "Gunners" vergeblich.
Zagrebs Torjäger Eduardo da Silva, Jens Lehmanns neuer Torwartkonkurrent Lukasz Fabianski oder der französische Verteidiger Bacary Sagna sind talentiert - Topstars sind sie aber noch lange nicht.
"Das Alter kann keine Entschuldigung sein"
William Gallas fordert daher von den zahlreichen Youngstern im Team wie Cesc Fabregas oder Robin van Persie einen weiteren Schritt nach vorne.
"Das Alter kann keine Entschuldigung mehr sein", sagt der Franzose - wohl wissend, dass durch den Abgang von Thierry Henry (FC Barcelona) und Ljungberg die Anführer des Teams fehlen werden.
Gallas: "Die Jungen müssen auf dem Platz zeigen, dass sie nicht mehr wie Kinder gehänselt und schikaniert werden wollen."
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