SPIEGEL ONLINE - 01. Dezember 2007, 08:41
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,520732,00.html
WETTBETRUG 26 Europapokal-Spiele unter Manipulationsverdacht
EuropasFußball droht ein neuer Wettskandal: Laut einer vertraulichen Listestehen 26 Spiele in europäischen Fußball-Wettbewerben unterManipulationsverdacht. Das berichtet der SPIEGEL. Im Zentrum derWettmafia sollen Betrüger aus Asien stehen.
Hamburg - Dem SPIEGEL zufolge stehen auf der Uefa-Liste zwölfQualifikationsspiele für den Uefa-Cup, acht UI-Cup-Spiele, dreiQualifikationsspiele für die Champions League, zwei Uefa-Cup-Spiele undein Qualifikationsspiel für die Europameisterschaft im kommenden Sommer.
AP
Fußball-Fans bei einem EM-Qualifikationsspiel in Belgrad: Betrogen von der Wettmafia?
15 der fraglichen Begegnungen fanden in der laufenden Saison statt, elfweitere wurden der Uefa von Wettüberwachern von Juli 2005 bis November2006 gemeldet. Die überwältigende Mehrheit der Vereine, denenManipulation unterstellt wird, kommt aus Ost- und Südosteuropa (unteranderen Bulgarien, Georgien, Serbien, Kroatien und dem Baltikum).
DieUefa hat sich wegen des Betrugsverdachtes an die europäischePolizeibehörde Europol gewandt, weil der Verband die "Integritätunserer Wettbewerbe in Gefahr" sieht und mit den eigenenSanktionsmöglichkeiten bei der Bekämpfung der Korruption an seineGrenzen stößt.
Laut SPIEGEL reisten Anfang November fünfFunktionäre in die Europol-Zentrale nach Den Haag und übergaben ein 96Seiten umfassendes Dossier. Am Beispiel von vier Europapokal-Spielenaus diesem Sommer wird darin detailliert beschrieben, mit welchenMethoden Wettbetrüger die Ergebnisse manipuliert haben sollen.
DasZentrum der Wettmafia sieht die Uefa in Asien. Anders als in Europa, woZocker sich häufig ausweisen müssen, die Einsätze vielerorts aufdreistellige Euro-Summen begrenzt sind und Hightech-Betriebe wieBetradar innerhalb weniger Sekunden verdächtige Quotenbewegungenfeststellen und Alarm schlagen können, kennt die Wett-Szene in Fernostpraktisch keine Beschränkungen. Ein Paradies für Betrüger.
Millionengewinne möglich
"Leute,die ein Spiel verschoben haben, können leicht ein bis zwei MillionenEuro pro Spiel setzen und einen Gewinn in etwa gleicher Höhe damiterzielen", heißt es in dem Dossier. "Bei bedeutenderen Turnieren kanndie Summe ungleich höher sein."
Die Uefa hofft, dass Europolden Komplex Wettmanipulation im Profisport in die Octa aufnimmt, eineBedrohungs- und Gefährdungsanalyse zur Organisierten Kriminalität. Siewird jährlich erstellt und legt langfristig Prioritäten bei derinternationalen Verbrechensbekämpfung fest. Bereits Anfang Oktoberhatten Uefa-Vertreter beim Wiesbadener Bundeskriminalamt in derAbteilung Organisierte Kriminalität vorgesprochen.
Fußballwetten zur Geldwäsche
Damalsging es um einen engeren Austausch mit den Ermittlern. DieEuropol-Beamten interessieren sich besonders für das Thema Geldwäsche.Es besteht kein Zweifel daran, dass Wettmanipulation der geradezuperfekte Weg ist, Einnahmen aus dem Drogenhandel, der Prostitution oderaus Waffengeschäften mühelos zu vervielfachen und ungehindert in Umlaufzu bringen.
Europas Fußball war in den den vergangenen Jahrenimmer wieder mit Wettbetrug konfrontiert worden. Im Sommer 2004 wurdendrei italienische Fußballclubs mit Punktabzug und Geldstrafen belegt.In Deutschland mussten der Schiedsrichter Robert Hoyzer und derkroatische Wettpate Ante Sapina Ende 2005 ins Gefängnis, weil siegemeinsam Spiele verschoben hatten. Im tschechischen Fußball wurden imOktober dieses Jahres sieben Schiedsrichter und drei ehemaligeFunktionäre verurteilt, weil sie ebenfalls Spiele manipuliert hatten.Insgesamt sind seit der Jahrtausendwende 20 Skandale offen gelegtworden.
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